Wirtschaftsausblick

09.03.2018

Wirtschaftsausblick Februar 2018 - Katar

Inhalt

Diplomatische Krise mit Golfstaaten überschattet Geschäftsklima / Niedrige Energiepreise schwächen Projekttätigkeit / Von Katrin Pasvantis

Dubai/Doha (GTAI) - Hohe staatliche Investitionen in Infrastrukturprojekte treiben weiter die Wirtschaft an. Allerdings bremsen die anhaltend niedrigen Energiepreise und die getrübte Stimmung infolge der Krise mit Saudi-Arabien, den VAE und anderen Ländern das Wachstum.

Wirtschaftsentwicklung: Anhaltende Spannungen bremsen

Die niedrigen Energiepreise drücken Katars Wirtschaftswachstum. Zusätzlich trübt die von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) angeführte Blockade des Waren- und Personenverkehrs das Geschäftsklima. Besserung ist nicht in Sicht. Analysten schätzen die Liquidität Katars wegen des hohen Auslandsvermögens und Einnahmen aus dem Gasexport dennoch als robust ein.

In diesem Jahr könnte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge auf rund drei Prozent steigen. Eine große Anzahl von Infrastrukturprojekten dürfte in den nächsten Jahren für rege Bautätigkeit sorgen. Allerdings ließ Katars Projekttätigkeit seit dem Einbruch der Energiepreise 2014 nach. Priorität genießen Projekte im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft (WM) 2022. Die Gasförderung für den Export soll mit Milliarden ausgebaut werden.

MKT201803088005.14

Im Juni 2017 brachen Saudi-Arabien und die VAE gemeinsam mit Bahrain und Ägypten die Beziehungen zum Emirat Katar ab, weitere Länder folgten. Dies beinhaltet die Aussetzung des Personen- und Warenverkehrs zu Land, Luft und See. Die Einfuhr von Waren, die in den Blockadeländern hergestellt werden, ist verboten, was auch umgekehrt gilt. Eine Ausnahme sind Katars Gas- und Öllieferungen, auch in die VAE.

Der erste Schock scheint überwunden. Katar fand schnell neue Importquellen, insbesondere die Türkei. Neue Handelswege ersetzten einen Teil der blockierten Land- und Seewege. Dennoch gibt es Umwege, was längere Lieferzeiten und Zusatzkosten verursacht. Viele deutsche Unternehmen betreuen den Markt aus Dubai. Auch der Einzelhandel und das Gastgewerbe leiden, weil weniger Besucher ins Land kommen.

Katar konnte den Abfluss ausländischen Kapitals durch Liquiditätsspritzen der Zentralbank und höhere staatliche Einlagen mehr als auffangen. Nach Ausbruch der Krise seien zwölf Milliarden US$ abgeflossen, meldete NBK Research im November 2017. Die Qatar Investment Authority habe zur Stützung des Finanzsystems Investitionen von 20 Milliarden US$ im Ausland abgezogen. Außerdem plane Katar die Ausgabe neuer Bonds. Unternehmen machen sich dem Vernehmen nach Sorgen um den Zugang zu Finanzierungen, da sich internationale Banken zurückhalten. Außerdem ging es an der lokalen Börse abwärts und die Immobilienpreise sind gesunken.

Wirtschaftliche Eckdaten Katars
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 155,8 166,3 3.686,7
BIP pro Kopf ($) 59.514 60.812 44.595
Bevölkerung (Mio.) 1) 2) 2,6 2,6 82,7
.Katarer 2) 0,3 0,3 -
.Ausländer 2) 2,3 2,4 -
Wechselkurs (1 $ = QR) 3) 3,64 3,64 -

1) zum Jahresende; 2) Schätzungen; 3) der Katar-Riyal (QR) ist fest an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: Ministry of Development Planning and Statistics, Qatar Central Bank, Schätzungen von Germany Trade & Invest, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Ausbau der Gasförderung startet

Katar kündigte im Juli 2017 an, die Liquified Natural Gas (LNG)-Kapazitäten von 77 Millionen Tonnen pro Jahr auf 100 Millionen Tonnen pro Jahr zu erhöhen, vor allem im mit Iran geteilten North Field. Projekte im Zusammenhang mit der WM 2022 haben Vorrang, wie die Erweiterung der Green Line der Doha Metro, die Straßenbahn (Light Rail) in Lusail und Straßenprojekte wie das Upgrade der Mesaimeer Road. Die Blockade steigert das Bestreben, die lokale Produktion auszubauen und führt zu Interesse privater Investoren, vor allem in der Nahrungsmittelindustrie. Auch einige Infrastrukturprojekte könnten neuen Schwung erhalten, um die Lieferwege zu stärken. So soll der Hamad Containerhafen bereits 2020 seine endgültige Kapazität erreichen, zehn Jahre früher als geplant.

Insgesamt fuhr Katar seine Investitionen seit dem Ölpreiseinbruch Mitte 2014 aber deutlich zurück. Projekte dürften auch 2018 kritisch evaluiert werden, da nicht mit einem signifikanten Anstieg der Energiepreise zu rechnen ist. Der Wert der neu vergebenen Aufträge belief sich der Projektdatenbank Meed Projects zufolge 2017 auf 12,1 Milliarden US$ (2016: 15 Mrd. US$, 2015: 24 Mrd. US$).

Ausgewählte Großprojekte in Katar
Projektbezeichnung Budget (Mio. $) Projekt-stand *) Projektbetreiber
Facility E IWPP 3.000 PQ Qatar General Electricity & Water Corporation (KAHRAMAA)
Hamad International Airport Expansion: Main Terminal Extension 2.500 DE Qatar Airways
Lusail Development: Lusail Plaza Towers (4 nos.) 1.920 DE Lusail Real Estate Development Company (LREDC)
Green Desalination Plant Project 1.800 ST Qatar Ministry of Energy & Industry
Qatar Integrated Rail Project (QIRP): Doha Metro : Phase 1A Green Line Extension 1.000 A Qatar Rail Company (QRAIL)
Phase 4 Katara 720 DE Cultural Village Project (KATARA)
Affordable Labour Housing at Salwa Road 675 A Barwa Real Estate
Local Roads and Drainage Programme (LRDP): Doha West: Roads and Infrastructure in Al-Mearad and Muaither 660 PQ Public Works Authority (Ashghal)
Lusail Development: Lusail Museum 650 DE LREDC

*) PQ = Präqualifizierung, DE = Design, ST = Studie, A = Ausschreibung. Projekte in Frühstadien (Design/Studie) werden häufig nur in stark modifizierter Form realisiert, teilweise ganz gestrichen

Quelle: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest

Informationen über öffentliche Ausschreibungen werden auf der "monaqasat" Plattform des katarischen Finanzministeriums veröffentlicht (https://monaqasat.mof.gov.qa unter "Tenders"). Weiterführende Informationen sind teilweise nur auf Arabisch verfügbar.

Konsum: Unsicherheit trübt Kauffreude

Die Spannungen wirken sich negativ den Konsum aus. Warenengpässe scheinen überwunden, doch Preise für Lebensmittel sind teils gestiegen. Bislang fängt der Staat viel auf. Die zum 1. Januar 2018 geplante Mehrwertsteuer wurde verschoben.

Die Anzahl der Besucher aus den GCC-Ländern ist deutlich zurückgegangen. Der Einzelhandel und das Gastgewerbe leiden besonders unter dem starken Rückgang der saudi-arabischen Touristen. Erst jüngst sind insbesondere in Hinblick auf den steigenden Tourismus zahlreiche neue Malls entstanden. Inhaber saudi-arabischer,

bahrainischer und emiratischer Pässe dürfen sich nicht in Katar aufhalten oder auch nur über das Land reisen. Direkte Flugverbindungen wurden ausgesetzt.

Die Krise war nicht der erste Schlag für das Konsumklima. Bereits seit dem Einbruch der Ölpreise Mitte 2014 legen die Konsumausgaben der Haushalte langsamer zu. Es kommen weniger Arbeitskräfte ins Land, einige Unternehmen entließen in den letzten beiden Jahren in größerem Umfang Personal. Hochbezahlte Arbeitskräfte werden durch günstigere ersetzt. Experten rechnen mit einem Bevölkerungsrückgang, wenn die WM-Projekte nach und nach fertig gestellt werden und Arbeitskräfte Katar verlassen.

Außenhandel: Neue Lieferketten ersetzen blockierte Handelswege

Seit Beginn der Krise ist der Warenverkehr mit den involvierten Ländern ausgesetzt, See- und Landwege blockiert. Nur die Öl- und Gasexporte laufen auch in die Boykottländer weiter. Unmittelbar nach Inkrafttreten der Blockade fielen Katars Importe stark, fingen sich aber schnell. Das Emirat baute neue Lieferketten auf und ersetzte Importe teils durch lokale Produktion, etwa bei Lebensmitteln. Besonders die Lieferungen aus der Türkei stiegen, der Handel über Oman und Iran legte zu.

Außenhandel Katar (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 3) Veränd. 2017/2016
Importe (fob) 32.060 26.886 -16,1
Exporte (fob) 54.959 57.928 5,4
.Gas, auch verflüssigt 1) 23.718 25.060 5,7
.Erdöl, roh 2) 8.852 9.932 12,2
Handelsbilanzsaldo 22.899 31.042 35,6

1) SITC 343; 2) SITC 333; 3) vorläufig

Quelle: Ministry of Development Planning and Statistics

Katars Importe sanken 2017 gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent auf knapp 27 Milliarden US$. Detaillierte Daten zum Außenhandel 2017 liegen noch nicht vor. Die wichtigsten Lieferländer 2016 waren die USA (4,6 Milliarden US$), die VR China (3,3 Milliarden US$), Deutschland (3 Milliarden US$) und die VAE (2,9 Milliarden US$).

Deutschland meldet für die ersten elf Monate 2017 einen Rückgang der Lieferungen um 13 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Zu den wichtigsten Liefergütern zählten Ruderboote, Kanus, Vergnügungs- und Sportboote (SITC 79319; 493 Mio. Euro), unter die statistische Geheimhaltung fallender Handel (SITC 99; 379 Mio. Euro), Straßenfahrzeuge (SITC 78; 285 Mio. Euro), Maschinen für verschiedene Zwecke (SITC 74; 136 Mio. Euro) und elektrische Maschinen (SITC 77; 111 Mio. Euro).

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=swotanalyse--katar-februar-2018,did=1882464.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=branchencheck-katar-februar-2018,did=1880386.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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