Wirtschaftsausblick

26.01.2018

Wirtschaftsausblick Januar 2018 - Argentinien

Inhalt

Reformen gewinnen an Fahrt / Investitionsklima wird besser / Von Carl Moses

Buenos Aires (GTAI) - Der wirtschaftliche und politische Horizont in Argentinien klart auf. Nach dem Wahlsieg der Regierung bei den Parlamentswahlen im Oktober 2017 bestehen gute Chancen für die Kontinuität der marktfreundlichen Reformpolitik von Präsident Mauricio Macri. Der Konjunkturaufschwung gewinnt an Kraft. Vor allem die Investitionen und die Einfuhr ziehen an. Hohe Defizite in Staatshaushalt und Leistungsbilanz sowie die Überbewertung des Peso lassen jedoch Alarmzeichen aufblinken.

Wirtschaftsentwicklung: Importe und Investitionen wachsen kräftig

Die mittleren Schätzungen für den realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2017 lagen gemäß der Umfrage der Zentralbankexperten (Relevamiento de Expectivas de Mercado - REM) bei 2,9 Prozent (BIP 2016: -2,2 Prozent). Für die kommenden Jahre wird eine leichte Beschleunigung des BIP-Wachstums auf 3,1 Prozent (2018) und 3,3 Prozent (2019) vorhergesagt. Erstmals seit 2011 würde das BIP damit zwei Jahre in Folge auf Wachstumskurs bleiben. Vor allem die Einfuhr und die Investitionen ziehen kräftig an. Der private Verbrauch schwächelt noch, doch steigende Löhne, Renten und Beschäftigung bringen eine langsame Belebung. Der Staat will 2018 das Ausgabenwachstum drosseln. Die Exporte werden 2018 Nachfrageimpulse durch die bessere Konjunktur im Nachbarland Brasilien erhalten.

MKT201801258005.14

Gestärkt durch den Erfolg bei den Teilwahlen zum Parlament im Oktober 2017 hat die Regierung im Eiltempo eine Reihe von Reformgesetzen durch das Parlament gebracht. Eine Steuerreform entlastet die Unternehmen, belastet aber den Konsum. Eine Rentenreform und ein Fiskalpakt mit den Provinzen sollen die Staatsfinanzen auf Konsolidierungskurs bringen. Die Regierung plant ferner eine Arbeitsmarktreform, die die Lohnnebenkosten senken und die Schwarzarbeit bekämpfen soll. Weitere Maßnahmen zur Deregulierung und Entbürokratisierung hat Macri im Januar 2018 per Dekret verfügt.

Wenngleich die Regierung ihre überaus ehrgeizigen Inflationsziele für die nächsten Jahre Ende 2017 nach oben revidiert hat, wird die Zentralbank von ihrer Politik hoher Leitzinsen nur sehr vorsichtig abrücken können. Die neuen Inflationsziele von 15 Prozent für 2018, 10 Prozent für 2019 und 5 Prozent ab 2020 sind angesichts einer aktuellen Inflationsrate von 25 Prozent (Jahresverlauf 2017) immer noch sehr ambitioniert. Hohe Zuflüsse von ausländischen Finanzanlagen - alleine schon zur Finanzierung des Staatsdefizits - dürften dafür sorgen, dass der argentinische Peso (arg$) inflationsbereinigt unter Aufwertungsdruck bleibt.

Wirtschaftliche Eckdaten Argentiniens
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 545 620 3.480
BIP pro Kopf (US$) 12.503 14.090 42.188
Bevölkerung (Mio.) 43,6 44,0 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, arg$/US$) 14,77 16,56 -

Quellen: INDEC, Econométrica, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Reformeifer lockt Direktinvestitionen

Das Investitionsklima wird zunehmend besser. Nach dem Wahlerfolg der Macri-Regierung scheint die Kontinuität der Reformpolitik für die nächsten Jahre gewährleistet. Das könnte mittelfristig auch die immer noch hohen Risikoprämien in den Finanzierungskosten senken. Für 2018 ist ein realer Zuwachs der Bruttoanlageinvestitionen um 7 Prozent zu erwarten. Für den Ausbau der Infrastruktur setzt die Regierung auf die Beteiligung von Privatkapital an PPP-Projekten.

Bisher wurden die Investitionen vornehmlich vom Staat und von der inländischen Privatwirtschaft getragen. Nun kommen auch die ausländischen Direktinvestitionen in Schwung. Bis September waren 2017 sie mit 8,3 Milliarden US-Dollar (US$) um 124 Prozent höher als im gleichen Vorjahreszeitraum, entsprachen aber lediglich 1,3 Prozent des BIP. Hohe Steuern und Arbeitskosten sowie Engpässe in der Infrastruktur drücken bisher noch die Rentabilität vieler Projekte.

Ausgewählte Großprojekte in Argentinien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Straßentunnel am Andenpass Agua Negra 1.600 Ausschreibung (Präqualifikation der Anbieter) Binationales Projekt, Bauministerium Chile (contingenciasiac@mop.gov.cl), Transportministerium Argentinien (manlop@transporte.gob.ar)
Erneuerung der Bahnlinie Belgrano Cargas 2.500 In Bau, Ausschreibung von Teilabschnitten Staatliches Bahnunternehmen Argentiniens Adifse (jmayorca@adifse.com.ar)
Verlagerung der Sarmiento-Bahnlinie unter die Erde 3.000 Anfangsphase des Tunnelbaus COO IECSA - Nuevo Sarmiento Consortium (der brasilianische Konzern Odebrecht ist aus dem Konsortium ausgeschieden), aadur@grupoods.com.ar
Wasserkraftwerke Jorge Cepernic und Néstor Kirchner 4.000 Baubeginn erfolgte im Dezember 2017 UTE Represas Patagonia ( HYPERLINK "mailto:comunicacion@represaspatagonia.com.ar" comunicacion@represaspatagonia.com.ar)
Wasserkraftwerk Chihuido I 2.200 Neuausschreibung in Vorbereitung Auch deutsche Banken bieten nach dem Rückzug des russischen Kreditgebers Finanzierung an. Consorcio Chihuido Ijuanmanuel.collazo@arhelport.com, pbereciartua@interior.gob.ar
"Parque de la Innovación" - Technologiepark und Urbanisierungsprojekt in der Stadt Buenos Aires 2.000 Planung, erste Ausschreibungen in Vorbereitung Ministerium für städtische Entwicklung und Transport der Autonomen Stadt Buenos Aires; mduyt@buenosaires.gob.ar

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; BNamericas, Pressemeldungen

Offizielle Ausschreibungsdatenbank: https://comprar.gob.ar/Default.aspx

Weitere Informationen zu Infrastrukturprojekten in Argentinien finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Trends/Infrastruktur/Land-Argentinien/trend-land-argentinien.html

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/argentinien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Basisartikel stocken, Autos und Hausgeräte gefragt

Die Konsumnachfrage kommt nur stockend wieder in Gang. Für 2018 ist mit einer realen Zunahme des Privatverbrauchs um 2 bis 3 Prozent zu rechnen. Eine anhaltend hohe Inflation, insbesondere die Erhöhung der Preise für Strom, Gas, Wasser und öffentlichen Nahverkehr sowie die Erhöhung einiger Verbrauchsteuern bringen im ersten Halbjahr 2018 einen neuen Dämpfer. Das Konsumentenvertrauen (Index der Universität UTDT) fiel im Dezember 2017 um 15,5 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem der Massenkonsum von Waren des Grundbedarfs hinkt noch hinterher. Die Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern hat dagegen bereits kräftig angezogen. Gestützt wird das kräftige Wachstum der Nachfrage nach Kfz und Hausgeräten von der größeren Verfügbarkeit von Konsumkrediten. Importwaren sind aufgrund der Stärke des arg$ gegenüber ausländischen Währungen besonders gefragt.

Außenhandel: Endspurt für Abkommen EU-Mercosur

Argentiniens Handels- und Leistungsbilanz rutscht in rasantem Tempo immer tiefer in die roten Zahlen. Die gute Binnenkonjunktur dürfte diesen Trend 2018 festigen. Bei einem erwarteten Zuwachs der Warenimporte um 10 Prozent und der Exporte um 5 Prozent könnte sich das Handelsdefizit 2018 auf 12 Milliarden US$ erhöhen (2017: 8,5 Milliarden). Ein wachsender Teil der Importe entfällt auf Investitionsgüter. Aber auch Autos und andere Konsumgüter bleiben gefragt. Der hohe Außenwert des arg$ stärkt die Kaufkraft argentinischer Unternehmen und Konsumenten. Das rasch wachsende Defizit in der Leistungsbilanz wird 2018 auf mehr als 5 Prozent des BIP steigen und die Alarmzeichen aufleuchten lassen. Die seit beinahe 20 Jahren laufenden Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur könnten in den ersten Monaten 2018 einen Durchbruch erzielen.

Außenhandel Argentiniens (in Mio. US$; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung Jan.-Nov. 2017/Jan.-Nov. 2016
Importe 59.757 55.911 19,8
Exporte 56.788 57.879 1,2
Handelsbilanzsaldo -2.969 1.969 -7.656 *)

*) Saldo in den ersten elf Monaten in US$

Quelle: INDEC

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/argentinien

Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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