Wirtschaftsausblick

09.02.2018

Wirtschaftsausblick Januar 2018 - Bulgarien

Inhalt

Wirtschaftsausblick Januar 2018 - Bulgarien

Weiterhin robustes Wachstum / Außenhandel expandiert / Von Michael Marks

Sofia (GTAI) - Die bulgarische Wirtschaft wächst weiter nachhaltig. Privater Verbrauch und Investitionen werden 2018 voraussichtlich die Stützpfeiler bilden. Flankierend kommen die Finanzmittel aus der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 hinzu, deren Projektumsetzungen Fahrt aufnehmen. Insgesamt bietet sich ein günstiges Umfeld für wirtschaftliche Aktivitäten aller Art. Ein beschleunigter Reformprozess könnte den Wunsch nach mittelfristiger Euro-Mitgliedschaft unterstützen.

Wirtschaftsentwicklung: Inlandsnachfrage als treibende Kraft

Bulgariens Wirtschaft setzt auch 2018 ihren Expansionskurs mit einem etwa vierprozentigen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fort, der nunmehr in das vierte Folgejahr geht. Der private Verbrauch, 2017 Wachstumslokomotive zusammen mit den Exporten, dürfte sich nur geringfügig abschwächen. Der deutlich geschrumpfte Außenbeitrag soll durch kräftig steigende Investitionen kompensiert werden. Dabei finden die Ausrüstungsinvestitionen zusehends Unterstützung durch die Bauinvestitionen. Die Exportaktivitäten des Landes bleiben auf hohem Niveau und stärken Produktion und Beschäftigung. Die wieder schneller zunehmenden Importe stützen sich auf die Dynamik des privaten Verbrauchs und der Investitionstätigkeit.

Die günstige Entwicklung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten und die EU-Ratspräsidentschaft im 1. Halbjahr 2018 stärken das Selbstbewusstsein in Bulgarien und verstärken den Ruf nach dem Euro. Die formale Erfüllung der Konvergenzkriterien zu Preisniveau- und Wechselkursstabilität, langfristigen Zinssätzen und Finanzlage der öffentlichen Hand reicht hierzu allerdings nicht aus. Denn das Land kann nur langsam das Einkommens- und Wohlstandsgefälle zum EU- und Euroraum überbrücken. Jedoch bietet sich in dieser günstigen Phase die Chance zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturwandel. Hierzu zählen Reformen in Bereichen wie dem Bildungs- und Rechtssystem, der öffentlichen Verwaltung, bei Gesundheits-, Renten- und Arbeitsmarktpolitik oder auch der Bekämpfung von Korruption und Kriminalität.

MKT201802088000.14

Der mehr als dreijährigen Deflationsphase ist 2017 ein Preisniveauanstieg von 1,2 Prozent nach harmonisiertem oder 2,1 Prozent nach nationalem Verbraucherpreisindex gefolgt, der sich in dieser Größenordnung fortsetzen soll. Die Devisenreserven des Landes standen Ende November 2017 bei 22,2 Milliarden Euro. Dies entsprach einer Importdeckung (Waren) von neun Monaten. Der öffentliche Haushalt bleibt 2018 ausgeglichen bei einer auf rund 24 Prozent des BIP sinkenden öffentlichen Schuld. Im 3. Quartal 2017 betrug die weiter rückläufige Erwerbslosenquote offiziell 5,8 Prozent.

Wirtschaftliche Eckdaten Bulgarien
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 48,13 50,29 3.144,1
BIP pro Kopf (Euro) 6.752 7.098 38.114
Bevölkerung (Mio.) 7,1 7,1 82,5
Wechselkurs (Fixkurs, 1 Euro = Lewa) 1,96 1,96 -

Quellen: Herbstprognose 2017 der Europäischen Kommission; Statistisches Bundesamt

Bulgarien will sich mit Hilfe der Weltbank auf die Suche nach und der Förderung von wertschöpfungsintensiven Wirtschaftsbereichen begeben. Das Land sieht sich im Innern mit erheblichen Unterschieden konfrontiert. Dies betrifft etwa die Infrastruktur, den Arbeitsmarkt und das Einkommen. Sofia und der Süden des Landes stehen dabei am oberen Rand des Gefälles. Auch die demografische Herausforderung ist zu bewältigen. Hier gilt es unter anderem, das Reservoir aus brachliegender Arbeitskraft besser zu nutzen und Auslandsbulgaren zur Rückkehr zu bewegen.

Investitionen: Weitere Belebung erwartet

Die Investitionstätigkeit wird sich voraussichtlich 2018 und 2019 weiter beleben. Der Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen hält dabei laut EU-Kommission mit 5 Prozent 2018 das Vorjahrestempo mit leichter Abflachung auf 4 Prozent im Jahr 2019. Die Bauinvestitionen werden 2018 (3,1 Prozent) und 2019 (3,3 Prozent) beschleunigt zunehmen. Damit verbunden ist die Erwartung einer schnelleren Realisierung von Vorhaben aus der EU-Förderperiode 2014 bis 2020, vor allem im Bereich der Infrastruktur. Das Geschäftsklima ist positiv, Eigenmittel zur Finanzierung sind vorhanden und Unternehmenskredite sind abrufbereit und werden noch günstiger.

Die Erweiterung der Produktionskapazitäten ist nach Erhebungen des bulgarischen Statistikamtes 2018 als Investitionsmotiv führend, gefolgt von der Erneuerung der Ausrüstungen sowie dem Ziel der Mechanisierung, Automatisierung und Einsatz neuer Technologien. Die größten Investitionen werden von den Herstellern von Zwischenprodukten und aus der Energie- und Wasserwirtschaft erwartet. Von Bedeutung, wenn auch in geringerem Umfang, sind die Konsum- und Investitionsgüterindustrie.

Die ausländischen Direktinvestitionen betrugen in den ersten elf Monaten 2017 knapp 884 Millionen Euro. Das waren 2,4 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2016.

Ausgewählte Großprojekte Bulgarien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Ausbau des Kernkraftwerks Belene 10.500 (davon Bau: 6.300) In der Schwebe Mehrere Optionen der Beteiligung diskutiert; zwei neue Kernreaktoren bestellt und bezahlt; http://www.bulatom-bg.org/en.html
Bau des sogenannten Gas-Hub-Balkan in Varna 1.400 bis 2.400 EU-Finanzierung der Vorprojektstudie; Bauende für 2022 vorgesehen Internet: https://www.me.government.bg/en;https://www.bulgartransgaz.bg/en/pages/izgrajdane-na-gazov-hab-v-balgariya-poi-6-25-4--135.html
Landesweite Erneuerung der Wasser- und Abwassersysteme 1.196 Unterschiedliche Stadien Finanzierung: Weltbank, EBRD; Internet: OP Umwelt http://ope.moew.government.bg/en/pages/programirane-2014-2020/18#1
Bau des Gasübertragungssystems Eastring Bulgaria-TRA-N-654 in zwei Etappen 700 (1. Etappe) 1. Etappe: Gasleitung 257 km bis rumänische Grenze; 2. Etappe: 374 MW Kompressoranlagen https://www.bulgartransgaz.bg/en/pages/proekt-eastring-balgariya-poi-6-25-1--136.html
Infrastruktur zur Abfallbehandlung 228 Ausschreibungen seit 2017 Finanzierung: OP Umwelt, Europäische Investitionsbank; http://www.moew.government.bg/en/waste/
Ausbau der Straßeninfrastruktur 235 Ausschreibungen 2017 für Projektierung, Bauaufsicht Finanzierung: OP Transport; http://www.optransport.bg/en/index.php ; http://www.mrrb.government.bg/en/
Bau von Erdgasverbindungsleitung mit Griechenland 239 Ausschreibung für technische Berater bis 13. Februar 2018 verlängert; erster Spatenstich Juni 2018 45 Mio. Euro EU; https://me.government.bg/bg/themes/mejdusistemna-gazova-vrazka-garciya-balgariya-igb-1475-347.html
Erweiterung der Kapazität des unterirdischen Gasspeichers Tschiren 220 Ausschreibungen für Ausrüstungen 2019; geplantes Bauende 2024 Finanzierung: EU; https://www.bulgartransgaz.bg/en/pages/chirenobshta-107.html
Bau von Erdgasverbindungsleitung mit Griechenland 45 Januar 2018 Vorbereitungsaktivitäten; Anfang 2020 Start Bauarbeiten Finanzierung OP Innovation und Wettbewerbsfähigkeit; https://me.government.bg/bg
Bau von Erdgasverbindungsleitung mit der Türkei 180 Ausschreibungen ab 2017 für Bauaufsicht und Bau; Bauabschluss Ende 2020 Finanzierung: EU; https://www.bulgartransgaz.bg/en/pages/mejdusistemna-vrazka-balgariya-turciya-poi-7-4-2--137.html

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Agentur für öffentliche Ausschreibungen: http://www.rop3-app1.aop.bg:7778/portal/page?_pageid=173,1&_dad=portal&_schema=PORTAL

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/bulgarien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de

Konsum: Anstieg etwas flacher

Eine steigende Beschäftigung mit sinkender Erwerbslosigkeit und wachsende Löhne begünstigen den privaten Verbrauch. Der Reallohn stieg im 3. Quartal um rund 8 Prozent im Jahresvergleich. Das Lohnplus wird begleitet von einer erhöhten Nachfrage der privaten Haushalte nach Krediten. Das nominale Lohn- und Gehaltswachstum fällt allerdings etwas geringer aus, denn das real verfügbare Einkommen dämpft die positive Inflationsrate. Insgesamt wird sich der Anstieg des privaten Verbrauchs 2018 und 2019 nicht wesentlich abflachen. Das BIP pro Kopf dürfte im EU-15-Durchschnitt 2018 bei 21,4 Prozent liegen, die Konsumausgaben nach Kaufkraftstandard bei 52,1 Prozent.

Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Jahresvergleich im November 2017 um 3,8 Prozent. Den größten Zuwachs verbuchte der sonstige Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (17 Prozent), gefolgt vom Einzelhandel mit Audio-, Video- und Hausgeräten (11,2 Prozent) sowie mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren (8,8 Prozent). Der Versand- und Internet-Einzelhandel wuchs um 6,6 Prozent. Allein der Einzelhandel mit Motorenkraftstoffen (Tankstellen) schrumpfte um 13,9 Prozent. Das durchschnittliche Gesamteinkommen je Haushaltsmitglied erreichte im 3. Quartal 2017 rund 313 Euro bei Ausgaben von 302 Euro.

Außenhandel: Weiter mit Schwung

Bulgariens Warenaußenhandel wird 2018 weiter wachsen. Sowohl Ein- wie Ausfuhren steigen dynamisch. Dabei sollten die Importe wieder etwas stärker zunehmen als die Exporte. Das Ausfuhrwachstum stützt sich auf den positiven globalen Handel und hier vor allem den Haupthandelspartner EU mit Deutschland an der Spitze. Die Importe profitieren von den verstärkten Investitionen der Privatwirtschaft in Ausrüstungen und im Bausektor. Zudem sind die EU-kofinanzierten öffentlichen Infrastrukturvorhaben zu nennen. Hinzu kommen der weiterhin dynamisch wachsende private Verbrauch sowie steigende Ölpreise. Das Defizit im Warenaußenhandel dürfte sich leicht ausweiten.

Außenhandel Bulgariens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 Januar bis Oktober 2017 Veränderung Januar bis Oktober 2017/2016
Importe 26.158,7 24.629,9 15,3
Exporte 24.021,8 22.147,7 12,5
Handelsbilanzsaldo -2.136,9 -2.482,3 -

Quelle: Eurostat

In den ersten zehn Monaten 2017 entfielen auf die EU 66 Prozent der Ausfuhr und 64 Prozent der Einfuhr. Deutschland blieb das wichtigste Lieferland mit einem Anteil von 12,3 Prozent, gefolgt von der Russischen Föderation (9,8 Prozent), Italien (7,3 Prozent), Rumänien (7,1 Prozent) und der Türkei (6,3 Prozent). Bedeutendster Abnehmer war Deutschland (Anteil 13,6 Prozent) vor Italien (8,4 Prozent) und Rumänien (8,3 Prozent). Bei den Importen waren die Produktgruppen Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge mit einem Anteil von 26,7 Prozent, bearbeitete Waren mit 17,4 Prozent und chemische Erzeugnisse mit 14,5 Prozent bedeutende Positionen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Bulgarien sind unter http://www.gtai.de/bulgarien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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