Wirtschaftsausblick

15.01.2018

Wirtschaftsausblick Januar 2018 - Liberia

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Neuer Präsident George Weah beginnt sein Amt bei schwacher Konjunktur / Von Carsten Ehlers

Monrovia (GTAI) - Liberia steht auch nach dem Wahlsieg des neuen Präsidenten George Weah vor schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. Da die Eisenerzpreise auf absehbare Zeit niedrig bleiben dürften, bleiben wichtige Investitionen aus. Auch die Devisenverfügbarkeit wird eingeschränkt bleiben, solange das wichtigste Exportgut Eisenerz zu geringen Preisen verkauft werden muss. Wichtig dürfte die Rolle westlicher Geber in dem anglofonen Land bleiben. Deren Aktivitäten bringen auch Geschäftschancen mit sich.

Wirtschaftsentwicklung: Warten auf steigende Eisenerzpreise

Der im Dezember 2017 gewählte neue Präsident und ehemalige Weltfußballer George Weah findet keine günstigen wirtschaftlichen Bedingungen vor. Nachdem Liberia im Jahr 2016 gar eine Rezession verzeichnete, dürfte das wirtschaftliche Wachstum 2017 mit etwa 2,5 Prozent schwach ausgefallen sein. Auch für 2018 fallen die Vorhersagen verhalten aus. Die Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 3,6 Prozent. Der Hauptgrund für die fehlende Dynamik ist der niedrige Weltmarktpreis für Eisenerz, von dessen Abbau das Land stark abhängt. Die lokalen Minenbetreiber China Union und ArcelorMittal sehen angesichts der geringen Weltmarktnachfrage keine Notwendigkeit, in ihre Minen zu investieren.

Für Weah dürfte es wichtig sein, die guten Beziehungen zu den Gebern aufrechtzuerhalten. Seine Vorgängerin Ellen Johnson Sirleaf war als ehemalige Weltbankmitarbeiterin sehr gut darin, Gebermittel für Liberia locker zu machen. Weah verfügt auf diesem Gebiet über weniger Erfahrungen. Er dürfte aber aufgrund des erstmals in Liberia erfolgten geordneten Regierungswechsels auf unterstützungswillige Partner treffen. Diese engagieren sich vornehmlich beim Aufbau der Infrastruktur, in der Landwirtschaft und nach dem Ausbruch der Ebola-Seuche 2014 auch im Gesundheitssektor.

Andere Sektoren, die Potenzial für wirtschaftliche Aktivitäten bergen, sind rar. Die Landwirtschaft ist beispielsweise nicht in der Lage, die eigene Bevölkerung zu versorgen. Große Mengen an Reis müssen eingeführt werden. Investiert wird nicht - es gibt noch nicht einmal eine Hühnerfarm für den Großraum Monrovia. Gründe dafür sind unter anderem ungeklärtes Landrecht, schlechte Straßenverbindungen und ein Mangel an professionellen Landwirten im Land. Der Bausektor dümpelt ebenfalls vor sich hin, weil das Geld für Projekte fehlt. Weil aufgrund der vormals mangelnden politischen Stabilität auch der Planungshorizont der verbliebenen Investoren sehr gering war, wurde bei allem, was gebaut wurde, auf die Kosten geschaut. Hinzu kommt, dass der große Staatsapparat für Firmen, die "compliant" bleiben wollen, als Kunde problematisch ist. Lokale Geschäftsvertreter berichten, dass viele staatliche Stellen nicht an "normalen" Deals interessiert sind.

MKT201801128010.14

Wirtschaftliche Eckdaten Liberia
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 2,0 1,9 3.480,2
BIP pro Kopf (US$) 474,4 479,8 42.188
Bevölkerung (Mio.) 4,5 4,6 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x Liberianische Dollar (LRD)) 97,5 111,9 -

Quellen: EIU; Internationaler Währungsfonds (IWF); Statistisches Bundesamt

Investitionen: Nur die Libanesen und die Geber sind noch aktiv

Es wird derzeit so gut wie nicht investiert in Liberia. Schwierig sind die Bedingungen für private Unternehmen. Ausländische Unternehmen kommen, abgesehen von Minengesellschaften, ohnehin kaum noch nach Liberia. Aber auch im Bergbau ist aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise derzeit keine Investition geplant. Gleiches gilt für die Landwirtschaft oder die Nahrungsmittelindustrie. Das Land wird stattdessen zunehmend mit Importgütern versorgt. Wenn investiert wird, dann erfolgt dies durch die große libanesische Gemeinde in Monrovia. Sie dominiert wesentliche Teile der Wirtschaft, wie den Handel, Bau oder das Hotelgewerbe.

Investitionen in die Infrastruktur erfolgen fast ausschließlich durch die Geberorganisationen. Während die Chinesen sehr stark im Straßenbau aktiv sind, konzentrieren sich westliche Geber auf den Energiesektor sowie die Bereiche Wasser und Gesundheit. Größter Geber Liberias sind die USA. Auch die EU, Deutschland und andere europäische Staaten unterstützen das Land. Deutsche Unternehmen sind so gut wie nicht mehr präsent in Liberia. Das war einmal anders: Bis 1990 bauten Thyssen, Krupp und Hoesch in der Bong-Eisenerzmine im großen Stil ab. Es handelte sich um die größte deutsche Investition in Subsahara-Afrika in den 1970er Jahren.

Ausgewählte Großprojekte in Liberia
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Mt. Coffee Rehabilitation Project 170 bis 250 Im Bau, erste Turbine ist Ende 2016 installiert worden. An dem Projekt sind die KfW (Finanzierung), Fichtner (Ingenieurdienstleistungen) sowie Voith Hydro (Turbinen) beteiligt.
Ausbau des Flughafens Robertson in Monrovia k.A. Im Bau. Baudurchführung durch die China Harbour Engineering Company Ltd. (CHEC)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/liberia, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Mit den UN-Truppen geht auch ein wichtiger Teil der Kaufkraft

Das Konsumklima ist schlecht. Ohnehin steht der Bevölkerung aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Zeiten kaum Geld zur Verfügung. Die Inflation frisst weitere Kaufkraft auf. Selbst der in fast allen afrikanischen Ländern hochprofitable Mobilfunksektor hat in Liberia in den letzten vier Jahren rückläufige Einnahmen verzeichnet. Auch ist nach Angaben von Landeskennern die vormals existierende Mittelschicht weitgehend weggefallen. Frühere Angestellte von Minen oder Industrieunternehmen wurden gut bezahlt und konnten sich importierte Ware leisten. Viele von ihnen sitzen inzwischen auf der Straße.

Hinzu kommt, dass 2018 der Abzug der UN-Truppen UNMIL beginnen wird. Diese fragen aufgrund ihrer hohen Kaufkraft große Mengen an Konsumgütern nach. Nahezu alle Konsumgüter müssen importiert werden. Ob Gläser, Plastikwaren, Kosmetika oder Nahrungsmittel: Alles ist auffallend teuer. Ein Glas Marmelade von Schwartau kostete Ende 2015 in einem Supermarkt in Monrovia ganze 6,50 US-Dollar. Dominiert wird der formelle Einzelhandel in Monrovia von der großen libanesischen Community. Produkte kommen aus aller Welt, wobei die starke Präsenz US-amerikanischer Produkte auffällt.

Außenhandel: Wirtschaftliche Schwäche sorgt auch für Rückgang der Importe

Die deutschen Exporte nach Liberia dürften 2017 deutlich abgenommen haben. Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Ausfuhrwert von Januar bis September 2017 bei nur 91,4 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 143,5 Millionen Euro. Gleichwohl sind die Angaben irreführend, da sie viel zu hoch sind. Bei den Exporten nach Liberia werden seit Jahren die Schiffsumflaggungen mit aufgenommen. Etliche Schiffe deutscher Reedereien fahren unter liberianischer Flagge. Zieht man diese ab, dürfte der Exportwert bei weit unter 50 Millionen Euro liegen. Liberia ist unter den ohnehin schon überwiegend kleinen afrikanischen Märkten von geringer Bedeutung.

Signifikant waren in den letzten Jahren die Lieferungen von Bergbautechnik. Auch ist der Anteil von gebrauchten Kraftfahrzeugen ein bedeutender Posten in der deutschen Exportstatistik. Seltener kommt es auch zu umfangreichen Lieferungen für geberfinanzierte Infrastrukturprojekte. Weil Liberia aufgrund der gesunkenen Eisenerzpreise deutlich weniger Devisen einnimmt als zuvor, kann es sich viele Importe nicht mehr leisten. Auch das Finden eines lokalen Handelsvertreters ist schwierig, denn selbst die in anderen afrikanischen Hauptstädten aktiven professionellen Händler wie CFAO, DEM oder auch C. Woermann sind in Liberia nicht präsent.

Außenhandel Liberias (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 *) 2017 *) Veränderung 2016/2017
Importe 1.295,7 1.334,5 3,0
Exporte 218,8 240,7 10,0
Handelsbilanzsaldo -1.076,9 -1.093,8 -

*) Schätzung

Quelle: EIU

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--liberia-januar-2018,did=1848370.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=branchencheck-liberia-januar-2018,did=1848362.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Liberia Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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