Wirtschaftsausblick

09.02.2018

Wirtschaftsausblick Januar 2018 - Malawi

Inhalt

Die Armen bleiben arm, die Reichen reich und die Entwicklungsindustrie bleibt ein Dauergast / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Malawi hat vermutlich das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen der Welt und eine politische Elite, die sich vornehmlich dem Eigenwohl verpflichtet fühlt. Solange sie es dabei nicht allzu sehr übertreibt, bleibt ihr die internationale Gebergemeinschaft wohlgesonnen. Nachhaltig ändern wird sich so wohl nichts. Für die deutsche Außenwirtschaft ist Malawi ein nennenswerter Tabaklieferant - mehr nicht.

Wirtschaftsentwicklung: Elite und Entwicklungsorganisationen haben sich arrangiert

Nach einer guten Ernte konnte Malawi 2017 ein Wirtschaftswachstum von etwa 4,4 Prozent verbuchen. Wenn das Klima mitspielt, kann auch in den Folgejahren mit vergleichbaren Zuwächsen gerechnet werden. Doch auch die Politik kann jederzeit solche Prognosen zunichtemachen: So liegt es in ihrer Hand, den Zugang zu Finanzierungen zu ermöglichen. Im Bergbau profitieren Kohlegruben von höheren Weltmarktpreisen und können ihren Output nach einer Talfahrt wieder stabilisieren. Ob die Produktion der einzigen malawischen Uranmine bald wieder aufgenommen werden kann, bleibt derweil fraglich. Zwar sind die internationalen Uranpreise wieder gestiegen, vermutlich aber nicht hoch genug für die teure Förderung in Malawi.

Eine entscheidende Determinante des malawischen Wirtschaftswachstums ist der Zufluss von Fördermitteln. Aktuell sind die Beziehungen zur internationalen Gebergemeinschaft nach den Krisenjahren 2013 bis 2016 wieder einmal gut. Mittel fließen deshalb kräftig und begünstigen Infrastrukturvorhaben. Zynisch betrachtet ist es immer das Gleiche: Wenn es die Regierung mit Misswirtschaft und Korruption übertreibt, dreht die Gemeinschaft den Geldhahn zu. Die Regierung gelobt dann Besserung, verspricht Reformen und der Geldhahn wird wieder aufgedreht. Weil Malawi weltweit zu den Ärmsten der Armen gehört, kann es sich die Gebergemeinschaft im Hinblick auf die öffentliche Meinung in ihren eigenen Ländern schlichtweg nicht erlauben, allzu hart und konsequent zu sein - was die malawische Elite sehr wohl weiß.

Wirklich ändern wird sich so nichts: Der Elite geht es gut, den Vertretern der Entwicklungsindustrie auch und das Gros der Bevölkerung bleibt ein Dauerpatient am internationalen Geldtropf. In verschiedenen internationalen Indizes macht Malawi keine gute Figur: Zum Beispiel im Global Competitive Index 2017 bis 2018 mit Rang 132 (unter 137 Ländern). Und der Kreditversicherer Coface gibt das Länder- und Geschäftsrisiko mit "sehr hoch" an (schlechteste Kategorie und damit nicht versicherbar).

Auf der politischen Bühne bleibt Staatspräsident Peter Mutharika auf seinem Thron, weil es zu seiner Person bislang keine Alternativen gibt. In der bislang überaus geduldig leidenden Bevölkerung gärt es unterdessen zunehmend: Steigende Lebenshaltungskosten und eine darauf fehlende Antwort des Staates sorgen für Unmut und immer wieder aufflammende Unruhen, die der Sicherheitsapparat des Staates bislang unter Kontrolle halten konnte.

MKT201802088006.14

Wirtschaftliche Eckdaten Malawi
Indikator 2016 2017 1) Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 6,7 7,1 3.480,2
BIP pro Kopf (US$) 359 373 42.188
Bevölkerung (Mio.) 18,6 19,1 82,5
Wechselkurs (1 US$ = ... Malawi-Kwacha; MK) 2) 789,5 838,4 -

1) Schätzungen; 2) Jahresdurchschnitt

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Private ausländische Investitionen letztendlich kaum erwünscht

Die malawischen Investmentzuwächse dürften 2017 bei mageren 2 Prozent gelegen haben. Für 2018 bis 2022 erwartet die EIU Steigerungsraten in Höhe von 1,6 bis 3,7 Prozent. Hintergrund dieser Entwicklung sind marktwirtschaftliche Reformen der Regierung, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Gebergemeinschaft gefordert werden, damit die Hilfsgelder weiter fließen.

Für private ausländische Investitionen ist Malawi eher unattraktiv: Geld ist zwar willkommen, nicht aber Konkurrenten, die das lukrative Geflecht von Kartellen und Monopolen stören könnten. Einer ökonomischen Diversifizierung stehen zudem die schlechte Infrastruktur, das unsichere Geschäftsklima und der unzureichende Zugang zu ausländischen Märkten im Wege. Der finanzielle Spielraum des aufgeblähten Staates und seiner Unternehmen ist derweil viel zu gering, um in die Zukunft investieren zu können. Die Tabakindustrie des Landes befindet sich seit Jahren auf dem Rückzug: Die internationale Nachfrage ist schlecht und Umweltzerstörung beeinträchtigt die Ernten. Der Bergbausektor ist kaum rentabel, die einzige Uranmine des Landes ist viel zu teuer und steht still.

Ausgewählte Großprojekte in Malawi *)
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Shire-Zambezi-Kanal 6.000 Wunschprojekt, technisch machbar, finanziell wohl nicht Deutsche Durchführbarkeitsstudie (Hydroplan)
320-MW-Mpatamanga-wasserkraftwerk k.A. Suche nach Finanzgebern Durchführbarkeitsstudie von Weltbank finanziert
300-MW-Kohlekraftwerk 667 Durchführbarkeitsstudie; erhebliche Projektverzögerungen Mögliche Finanzierung: China Exim Bank
Wasserpipeline vom Malawi-See nach Lilongwe 500 Social Impact Study in der Durchführung Als Auftragnehmer sind Khato Civils Ltd. und South Zambezi Engineering Services im Gespräch (beide Südafrika)
Schiffswerft in Monkey Bay Port k.A. Absichtserklärung Bislang reines Wunschdenken
200-MW-Kholombidzo-Wasserkraftwerk k.A. Durchführbarkeitsstudie Coba Consultores de Engenharia (Portugal)
200-MW-Solarkraftwerke k.A. Absichtserklärung Unterstützung durch US-Grant
100-MW-Ausbau der Kapichira Falls Power Station k.A. Absichtserklärung Bislang reines Wunschdenken
Neuer Flughafen in Blantyre 285 Absichtserklärung Chinesisches Finanzierungsversprechen

*) Das kleine, beschauliche Malawi ist ein "Darling" der internationalen Entwicklungsindustrie. Von Gebern finanzierte Berater geben sich regelmäßig die Klinke in die Hand. Insofern fehlt es nicht an Studien und Plänen, was man alles machen könnte. Vor allem im Energiesektor gibt es eine Vielzahl benannter Projekte. Was allerdings fehlt, ist eine konsistente Regierungspolitik, das Vertrauen von Gebern und damit auch die Finanzierung. Realistischer erscheinen deshalb kurzfristige Kleinprojekte wie teure Dieselgeneratoren.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/malawi, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Kein Spielraum für die ärmste Bevölkerung der Welt

Der private Verbrauch dürfte 2017 dank einer guten Ernte um kräftige 8 Prozent zugelegt haben. Für 2018 und 2019 werden 5,3 beziehungsweise 5,1 Prozent erwartet. Der staatliche Verbrauch wird 2017 dagegen nur um 3,8 Prozent zugelegt haben, für die beiden Folgejahre werden 3 beziehungsweise 3,8 Prozent erwartet - mehr ist wegen der leeren Kassen nicht drin. Die Inflation galoppierte 2017 mit durchschnittlich 12,2 Prozent langsamer als in den Vorjahren. Eine weitere Verlangsamung auf immer noch hohe 8 Prozent kann bis 2020 erwartet werden. Das Klima beziehungsweise die Ernteerträge sowie die internationalen Ölpreise zählen zu den Hauptfaktoren.

Malawi hat das vermutlich niedrigste Pro-Kopf-Einkommen der Welt (oder das zweitniedrigste nach Südsudan, je nach Quelle). Als Käufer hochwertiger Konsumgüter kommen deshalb nur die politische Elite, eine sehr kleine Mittelschicht sowie die vergleichsweise zahlreich vertretenen Repräsentanten der westlichen Entwicklungsindustrie und des Diplomatencorps in Frage, die durch moderne Shoppingcenter in Lilongwe und Blantyre recht gut versorgt sind.

Außenhandel: Deutsches Engagement beschränkt sich auf Tabakimporte

Malawi kann 2018 mit höheren Ernten bei seinen Cash Crops, namentlich Tee, Soja und Zucker, rechnen und dafür auch höhere Preise als im Vorjahr erzielen. Bei Tabak setzt die Regierung derweil auf einen reduzierten Anbau, um so höhere Preise zu erzwingen. Das Exportpotenzial kann weiterhin nicht ausgeschöpft werden, weil schlechte Infrastrukturen, eine mangelhafte Finanzierung und ein geringes Know-how dem im Wege stehen. Auf der Importseite steigt der Warenbedarf aufgrund des ungebremsten Bevölkerungswachstum und dem Bedarf an Kapitalgütern für ein paar Infrastrukturprojekte. Die ausländische Nahrungsmittelhilfe ist derweil rückläufig.

Solche Prognosen werden allerdings schnell zu Makulatur, wenn Regenfälle ausbleiben oder Unruhen die Handelsströme beeinträchtigen. Deutschland spielt mit einem Lieferanteil von zuletzt 1,2 Prozent (2015) so gut wie keine Rolle, wenngleich unterstellt werden kann, dass deutsche Waren auch über Südafrika ihren Weg nach Malawi finden. Die beiden wichtigsten Lieferländer Malawis sind Südafrika und die VR China mit Marktanteilen von 18 beziehungsweise 13 Prozent (2015). Deutschland lieferte 2016 für 17,4 Millionen Euro Waren nach Malawi (gegenüber 2015: -11 Prozent) und importierte Waren für 100 Millionen Euro (gegenüber 2015: -26 Prozent).

Außenhandel Malawi (in Mio. US$; Veränderung in %)

2016 *) 2017 *) Veränderung 2017/2016
Importe 2.297 2.294 -0,1
Exporte 1.361 1.441 5,9
Handelsbilanzsaldo -936 -852 -

*) Schätzungen

Quelle: EIU

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/malawi

Dieser Artikel ist relevant für:

Malawi Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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Katrin Weiper

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