Wirtschaftsausblick

16.01.2018

Wirtschaftsausblick Januar 2018 - Sierra Leone

Inhalt

Nach der Ebola-Krise kehrt wieder wirtschaftliche Stabilität ein / Von Carsten Ehlers

Freetown (GTAI) - Sierra Leone durchlebt nach der Ebola-Krise 2014 eine Phase wirtschaftlicher Stabilität. Das Land verzeichnet moderate Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von rund fünf Prozent. Investitionen erfolgen nur in wenigen Bereichen. Für deutsche Zulieferer sind Projekte im Infrastrukturbereich sowie im Bergbau interessant. Auch Konsumgüter müssen in großem Umfang importiert werden.

Wirtschaftsentwicklung: Politische Stabilität bleibt vorerst Priorität

Sierra Leones Wirtschaft durchläuft eine Phase mäßigen Wirtschaftswachstums. Nach einem geschätzten Wachstum des BIP von 5,7 Prozent im Jahr 2017 werden für das Jahr 2018 etwa 4,9 Prozent prognostiziert. Für ein von großer Armut und Arbeitslosigkeit geprägtes Land wie Sierra Leone ist dies zu wenig, um spürbar voranzukommen. Gleichwohl löst die mittelprächtige Dynamik der Wirtschaft auch keine drastische Verschärfung der sozialen Verhältnisse aus. Die politische Stabilität, hier sind sich Beobachter einig, dürfte also weiter fortbestehen.

Dies ist schon eine gute Nachricht für das in der jüngsten Vergangenheit krisengeschüttelte westafrikanische Land. Von 1991 bis 2002 tobte in Sierra Leone ein Bürgerkrieg und im Jahr 2014 erschütterte die Ebola-Epidemie das Land. Auch die im März 2018 anstehenden Wahlen dürften nach Einschätzung von Beobachtern die Stabilität nicht ernsthaft gefährden. Kandidat Samura Kamara, derzeit Außenminister unter Präsident Ernest Bai Koroma, gilt als Favorit der Wahl. Koroma selbst wird bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten.

Entscheidend für die Entwicklung der sierra leonischen Wirtschaft dürfte unter anderem die Entwicklung der Nachfrage für Eisenerz auf dem Weltmarkt sein. Nachdem das Erz Ende 2015 einen Tiefstand von knapp über 40 US-Dollar (US$) je Tonne erreicht hatte, konnte sich der Weltmarktpreis für Eisenerz seitdem wieder etwas erholen und liegt Anfang 2018 bei knapp über 70 US$ je Tonne. Obwohl das hohe Preisniveau von um die 180 US$ je Tonne im Jahr 2011 noch weit entfernt liegt, scheint insbesondere China weiter am Aufkauf von Eisenerz in großem Umfang interessiert, weshalb der chinesische Betreiber der Tonkolili-Mine den Ausbau plant. Auch im Diamantenbergbau zeichnet sich mit mehreren Investitionsvorhaben ein Aufschwung ab, der für zusätzliche Devisen sorgen könnte.

Darüber hinaus dürfte sich auch die nächste Regierung auf gute Beziehungen zu den internationalen Gebern konzentrieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank, die EU sowie zahlreiche bilaterale Geber engagieren sich in Sierra Leone in großem Umfang. Ein Großteil der Unterstützung fließt in den Ausbau der Infrastruktur, die Modernisierung der Landwirtschaft und zuletzt - im Zuge der Ebola-Krise - auch in den Medizinsektor.

MKT201801158001.14

Wirtschaftliche Eckdaten Sierra Leones
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 3,8 4,0 3.480,2
BIP pro Kopf (US$) 618,2 623,1 42.188
Bevölkerung (Mio.) 7,4 7,6 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x sierra leonische Leone (SLL)) 6.960,4 8.357,8 -

Quellen: Economist Intelligence Unit (EIU); IWF; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Private Investoren verhalten sich äußerst vorsichtig

Sierra Leone ist für viele Unternehmen kein attraktiver Investitionsstandort angesichts hoher Armut und Standortnachteilen wie Korruption, einer schlechten Infrastruktur und aktuell nur mäßiger Konjunktur. Von Seiten international operierender Unternehmen wird nur in hochprofitablen Sektoren investiert, wie dem Bergbau, dem Betrieb von Mobilfunknetzen, Containerterminals oder der Zementherstellung. So ist die deutsche Heidelberg Cement Mehrheitseigner an dem einzigen lokalen Zementhersteller Leocem. Dominiert wird die Wirtschaft von libanesischen Familienunternehmen, die seit mehreren Generationen in ganz Westafrika aktiv sind. Sie sind lokal und international in der Regel bestens vernetzt, können Risiken gut abschätzen und ihre Investitionskosten gering halten.

Als Investoren in den Infrastrukturbereichen Energie, Wasser oder Transport sind die internationalen Geberorganisationen sehr präsent. Neben westlichen Gebern engagieren sich seit einigen Jahren zunehmend auch China oder die Türkei. Teilweise stellen die Geber Geld für Teilaufträge zur Verfügung, die dann von den lokalen staatlichen Stellen ausgeschrieben werden. Es kommt auch vor, dass Geber private Investitionen absichern, zum Beispiel im Kraftwerksbau.

Ausgewählte Großprojekte in Sierra Leone
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Freetown Terminal Extension Project 120 Im Bau. Geplante Fertigstellung im August 2018. Ausbau des Containerterminals im Hafen von Freetown von 90.000 auf 750.000 TEU/Jahr. Die Finanzierung kommt vom Konzessionär Bolloré. Unteraufträge gingen unter anderem an die belgische DEME und die französische Eiffage.
Tongo-Tonguma-Diamantenmine 30 Geplant. Laut Konzessionär Stellar Diamonds wird dies die zweitgrößte Diamantenmine in Westafrika mit einer Produktion von 200.000 Karat im Jahr.
Ausbau der Tonkolili-Eisenerzmine 700 Geplant. Die Investition wurde Ende 2016 vom Minenkonzessionär Shandong Iron & Steel Group zugesagt. Einige Experten bezweifeln, dass es zu Investitionen in dieser Höhe kommen wird.
Freetown Water Supply Rehabilitation Project 49,8 Im Bau. Abschluss der Arbeiten geplant für August 2018. Ausbau und Modernisierung der Wasserversorgung von Freetown. Die Finanzierung kommt größtenteils von der britischen Geberorganisation UK Department for International Development (DFID).
CECA Sierra Leone IPP 149 Geplant. Bau eines privat betriebenen Schwerölkraftwerks mit einer Kapazität von 57 MW. Die finnische Wärtsilä soll das Kraftwerk bauen. Ein Teil der Finanzierung kommt von Gebern wie der International Finance Corporation (IFC) und der Afrikanischen Entwicklungsbank.
Ausbau des Bumbuna-Wasserkraftwerks (Bumbuna II Expansion) 700 Geplant. Baubeginn vorgesehen Ende 2018. Ausbau des Wasserkraftwerks von einer Kapazität von derzeit 50 MW um 143 MW. Baudurchführer soll Joule Africa sein, der auch einen Stromabnahmevertrag mit der sierra leonischen Regierung unterzeichnet haben soll.
Neuer Flughafen Mamamah Airport k.A. Geplant. Sierra Leonische Regierung unterzeichnete Abkommen mit China Railway International Group im Jahr 2012. Geber wie die Weltbank kritisieren das Projekt als unwirtschaftlich.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/sierra-leone, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Hohe Inflation dämpft den Konsum

Die Aussichten für den Konsum bleiben auch im Jahr 2018 mäßig. Die Inflation dürfte nach Einschätzung von Experten auf einem Niveau von etwa 15 Prozent verharren. Zwar strebt die Zentralbank eine restriktivere Devisenpolitik an, jedoch erwarten Experten, dass die lokale Währung Leone weiter an Wert verliert. Da beträchtliche Mengen an Nahrungsmitteln importiert werden müssen, dürften sich die Preise weiter verteuern und die Konsumfähigkeit der im Schnitt sehr armen Bevölkerung weiter mindern. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von nur etwa 623 US$ im Jahr 2017 zählt Sierra Leone zu den ärmsten Ländern der Welt.

Absatzchancen für importierte Konsumgüter bestehen vor allem im einzigen Ballungsgebiet des Landes in der Hauptstadt Freetown. Etwa 1,2 Millionen der über sieben Millionen Einwohner dürften dort leben, darunter auch eine recht wohlhabende Mittel- und Oberschicht, die sich höherwertige Produkte aus dem Ausland leisten kann. Im Vergleich zu anderen westafrikanischen Metropolen, in denen bereits internationale Einzelhandelsketten wie Shoprite (aus Südafrika) oder Carrefour (aus Frankreich) investieren, ist der formelle Einzelhandel in Freetown noch wenig entwickelt. Es gibt ausschließlich von Libanesen geführte kleinere Supermärkte, in denen die Auswahl begrenzt ist.

Außenhandel: Deutsche Lieferungen verharren auf niedrigem Niveau

Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Lieferumfang aus Deutschland nach Sierra Leone zwischen Januar und September 2016 bei 17,1 Millionen Euro und dürfte damit einen ähnlichen Umfang wie in den Vorjahren erreichen. Sierra Leone ist damit für die deutsche Wirtschaft auch im afrikanischen Vergleich ein äußerst kleiner Liefermarkt. Das Exportvolumen liegt seit einigen Jahren bei jährlich zwischen 20 Millionen und 30 Millionen Euro. Zum Vergleich: Mittelgroße afrikanische Absatzmärkte wie Kamerun oder Senegal kommen auf einen Importwert aus Deutschland, der bei über 100 Millionen Euro liegt.

Bestellt werden vor allem Nahrungsmittel, Maschinen, Kunststoffe, Gebrauchtwagen sowie pharmazeutische Produkte. Wer seine Produkte in Sierra Leone vertreiben möchte, der findet eine begrenzte Anzahl von in erster Linie libanesisch geführten Handelsvertretern vor. Sierra Leone exportiert ausschließlich Rohstoffe, allen voran Diamanten und Eisenerz. Ein Großteil der Produktion geht in die VR China.

Außenhandel Sierra Leones (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 *) 2017 *) Veränderung 2017/16
Importe 1.316,0 1.487,1 13,0
Exporte 670,0 846,1 26,3
Handelsbilanzsaldo -646 -641 -

*) Schätzung

Quelle: EIU

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--sierra-leone-januar-2018,did=1849210.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=branchencheck-sierra-leone-januar-2018,did=1849266.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Sierra Leone Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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