Wirtschaftsausblick

18.08.2017

Wirtschaftsausblick Juli 2017 - Bosnien und Herzegowina

Inhalt

Aufschwung hält an / Einfuhren steigen spürbar / Von Jan Triebel

Sarajewo/Belgrad (GTAI) - Die wirtschaftliche Erholung in Bosnien und Herzegowina setzt sich 2017 bereits das dritte Jahr in Folge fort. Trotz einer anhaltenden innenpolitischen Krise wird erneut ein Wachstum von über 3 Prozent erwartet. Für die Folgejahre gilt gar ein weiter Tempoanstieg als möglich. Vor allem die äußerst robuste Warennachfrage seitens wichtiger Exportmärkte stützt die Konjunktur. Positive Impulse liefern zudem der gestärkte private Konsum wie auch das Investitionsgeschehen.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum von 3,2 Prozent vorhergesagt

In Bosnien und Herzegowina (BuH) hält der wirtschaftliche Aufschwung 2017 an. Zwar hat sich das politische Klima Ende Juli mit dem Zerbrechen der auf gesamtstaatlicher Ebene regierenden Koalition weiter eingetrübt. Zudem hält der Internationale Währungsfonds weiterhin daran fest, Kredittranchen für das Land wegen des Nichterfüllens von Zusagen zurückzuhalten. Doch in beiden Fällen dürften negative Effekte für die Wirtschaft zunächst überschaubar bleiben.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das in den beiden zurückliegenden Jahren jeweils um 3,1 Prozent zulegte, wird auch 2017 ähnlich stark wachsen. Die Weltbank und das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche rechnen in ihren aktuellen Prognosen für 2017 mit einem BIP-Anstieg um 3,2 Prozent. Auf mittlere Sicht könnte die Wirtschaft des Westbalkanstaats sogar noch etwas schneller expandieren.

Wichtige Wachstumsimpulse geben vor allem die Exporte. Die Warenlieferungen ins Ausland nahmen bereits im 1. Halbjahr 2017 um rund 15 Prozent zu. Die gute Nachfrage nach einem breiten Spektrum von aus Bosnien und Herzegowina stammenden Gütern dürfte auch den weiteren Jahresverlauf bestimmen. Die Ausfuhren profitieren davon, dass das bilaterale Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU zum 1. Februar 2017 angepasst wurde. Bei der Einfuhr auf den für die Exporte besonders bedeutsamen EU-Binnenmarkt gelten seitdem für ausgewählte Nahrungsgüter höhere zollfreie Kontingente als zuvor.

MKT201708178001.14

Angesichts einer erwarteten Zunahme um 2,5 Prozent liefert der private Verbrauch nur überschaubare Impulse zum gesamtwirtschaftlichen Aufschwung. Mit einem robusten Wachstum von 4 Prozent rechnen die Experten für 2017 bei den Investitionen, die vor allem im Infrastrukturbereich angesiedelt sind. Als vielversprechend gilt das Engagement ausländischer Akteure, die gegenüber den beiden Vorjahren wieder spürbar mehr investieren.

Wirtschaftliche Eckdaten für Bosnien und Herzegowina
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 14,6 15,3 1) 3.132,7
BIP pro Kopf (Euro) 4.155 4.354 1) 37.866
Bevölkerung (Mio.) 2) 3,518 3,511 82,7
Wechselkurs (fix, 1 Euro = Konvertible Mark, KM) 1,95583 1,95583 -

1) vorläufig, 2) Schätzung zur Jahresmitte

Quellen: Statistikamt für BuH, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Ausländer engagieren sich wieder stärker

Relativ unbeeindruckt von den Zerwürfnissen, die in Bosnien und Herzegowina den politischen Alltag nahezu pausenlos prägen, erweist sich die Investitionsneigung. Prognosen zufolge steuern die Bruttoanlageinvestitionen 2017 auf eine Verbesserung um 4 Prozent zu. Vor allem das Direktengagement ausländischer Investoren gibt nennenswerte Impulse. Die Nettozuflüsse im 1. Quartal 2017 lagen der bosnisch-herzegowinischen Zentralbank (CBBH) zufolge bereits bei umgerechnet 104 Millionen Euro. Das Ergebnis für den Vergleichszeitraum des Vorjahres wurde somit um 26,1 Prozent übertroffen.

Sollte dieser Trend im weiteren Jahresverlauf anhalten, dürften die direkten Gesamtzuflüsse aus ausländischen Quellen zum Jahresende annähernd 400 Millionen Euro ausmachen. Ein vergleichbar gutes Ergebnis hatte es zuletzt 2014 mit 386 Millionen Euro gegeben. In den beiden Jahren danach fielen die Aktivitäten ausländischer Direktinvestoren mit lediglich 221 Millionen und 247 Millionen Euro jeweils deutlich geringer aus.

Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Braunkohle-Kraftwerk Banovici 520 Nach Zusage der Industrial and Commercial Bank of China zur Finanzierung von 85% der Projektkosten erteilte das Parlament der Föderation BuH Anfang August 2017 dem Projektträger die sogenannte Energiegenehmigung Geplante Leistung: 350 MW; seit Herbst 2015 steht Dongfang Electric Corp. (VR China) als strategischer Partner fest; Projektträger: RMU Banovici (E-Mail: kontakt@rmub.ba)
Braunkohle-Kraftwerk Gacko-2 511 Im Juli 2017 Absichtserklärung zwischen Regierung der Republika Srpska und chinesischem Unternehmen China Machinery Engineering Corp. und China Poly Group Corp. unterzeichnet Geplante Leistung: 300 MW; Projektträger: Elektroprivreda Republike Srpske und Tochterfirma EZP Rudnik i TE Gacko (E-Mail: info@ritegacko-rs.ba)
Autobahnteilabschnitt zwischen Pocitelj und Bijaca (Grenze zu Kroatien) im Verlauf des Paneuropäischen Korridors Vc auf dem Gebiet der Föderation BuH 225 Ausschreibung von Bau-, Bauaufsichts- und Beratungsleistungen für Teilstück Pocitelj-Zvirovici seit Mai 2017 angelaufen; Ausführung innerhalb von 30 Monaten Länge des aktuell betroffenen Teilstücks: 11,1 km (insgesamt: 21 km); Teilfinanzierung durch Europäische Investitionsbank (EIB) und Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE); Projektträger: Autoceste FBiH (Kontakt: Orhan Pasalic; E-Mail: info@jpautoceste.ba)
Wasserkraftwerk Buk Bijela am Fluss Drina 196 Im Juli 2017 Absichtserklärung zwischen Regierung der Republika Srpska mit chinesischem Unternehmen AVIC-Eng unterzeichnet Geplante Leistung: 93,5 MW; Projektträger: Elektroprivreda Republike Srpske und Tochterfirma Hidroelektrane na Drini (http://www.henadrini.com/novi-objekti/?lang=en)
Autobahnteilabschnitt zwischen den Kreuzen Johovac und Rudanka und die beiden Kreuze im Verlauf des Paneuropäischen Korridors Vc auf dem Gebiet der Republika Srpska 85 Vorankündigung zu Ausschreibungen von Bau- und Bauaufsichtsleistungen Ende Juli 2017 erfolgt Länge des Abschnitts: 5,65 km Teilfinanzierung durch EBWE; Projektträger: Autoputevi RS (Kontakt: Dusan Topic, E-Mail: dtopic@autoputevirs.com)
Stichleitung (Interconnector) zur Verbindung des bosnisch-herzegowinischen Gastransportnetzes mit dem Kroatiens 80 Im Mai 2017 Grundsatzvereinbarung zwischen Betreibern der Gaspipelines in BuH und Kroatien, BH-Gas und Plinacro, unterzeichnet, EU sicherte im Juni 2017 Finanzierung einer Machbarkeitsstudie zu, die bis Mitte 2018 vorliegen soll Geplanter Verlauf Zagvozd-Imotski(beide in Kroatien)-Posusje-Travnik/Novi Travnik auf einer Länge von circa 160 km; Projektträger: BH-Gas (http://www.bh-gas.ba/2017/06/30/bh-gasu-odobreno-141-hiljada-eur-za-izradu-dokumentacije-za-realizaciju-projekta-gasovoda-juzna-interkonekcija-bih-hrvatska/) und Plinacro
Einkaufszentrum "Delta Planet" in Banja Luka 70 Baubeginn Ende Juni 2017; Fertigstellung bis November 2018 vorgesehen Größe:62.500 qm; Projektträger: Delta Real Estate (Serbien; http://www.deltarealestate.rs/active_projects/delta_planet_banja_luka.71.html)
15 kleine Wasserkraftwerke am Fluss Neretvica (Gemeinde Konjic) 53 Genehmigungsverfahren für die ersten beiden Anlagen im Gange, Unterlagen für Ausschreibung von Bauleistungen in Ausarbeitung Geplante Gesamtleistung: 24,5 MW; Projektträger: Elektroprivreda BiH (http://www.elektroprivreda.ba/eng/page/small-hydro-power-plant-on-neretvica)
Erweiterung des Internationalen Flughafens Sarajevo durch einen Neubau an Stelle des alten Terminals A 19 Beginn der Arbeiten noch im Jahr 2017; Fertigstellung vorgesehen bis Ende 2018; Auftrag für Arbeiten zum Abriss von Terminal A Ende Juni 2017 erteilt Verdoppelung der Kapazitäten zur Passagierabfertigung auf rund 2 Mio. pro Jahr durch Neubau von etwa 9.000 qm; Projektträger: Medunarodni aerodrom Sarajevo (http://www.sarajevo-airport.ba/nabavke_menu.php?otvori=nabavke&godina=2017&id=269&lang=eng)
Neues Stadtviertel Novi Borik in Banja Luka k.A. Genehmigungsverfahren abgeschlossen, vorgesehener Bauzeitraum 2017 bis 2025 Auf einer Fläche von 10 ha insgesamt 21 Objekte geplant, darunter etwa 2.000 Wohnungen mit 109.000 qm Fläche sowie Büro- und Einzelhandelsflächen über 27.300 qm; Projektträger: Ekvator Company (http://www.noviborik.com/pocetna,1.html)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Bosnien-und-Herzegowina, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Transfers aus dem Ausland als wichtige Einkommenskomponente

Der Verbrauch der privaten Haushalte legt weiter leicht zu. Für 2017 wird ein Plus von 2,5 Prozent erwartet. Diese Entwicklung stützen Zuwächse bei Löhnen und Gehältern. Ihr Aufwärtstrend - 2016 betrug der nominale Zugewinn 0,9 Prozent - verstärkt sich. Im Mai 2017 lag der landesweite Durchschnittslohn um 2,7 Prozent höher als im Gesamtjahr 2016.

Mittelfristig gilt ein stärkeres Anziehen der Nachfrage der Bevölkerung als wahrscheinlich. Die anhaltend hohe Sparquote lässt auf eine gezielte Konsumzurückhaltung und damit verschobene Käufe der Verbraucher schließen. Die Einlagen privater Kunden bei den Kreditinstituten betrugen laut Zentralbank CBBH Ende Mai 2017 umgerechnet 5,6 Milliarden Euro. Das auf Bankkonten gehaltene Barvermögen wuchs im Zwölfmonatsvergleich um 8,1 Prozent.

Als wichtige Stütze der Kaufkraft für zahlreiche Privathaushalte im Land erweisen sich weiterhin beachtliche Bargeldtransfers aus dem Ausland. Die in der Regel von Familienmitgliedern ausgehenden Überweisungen in die Heimat lagen im 1. Quartal 2017 bei umgerechnet 262,7 Millionen Euro. Laut Zentralbank rangierten sie somit um 13,4 Prozent höher als die Zuflüsse im gleichen Zeitraum 2016. Davon profitiert etwa der Einzelhandel, der im 1. Quartal 2017 im Vorjahresvergleich arbeitstagbereinigt ein Umsatzplus von knapp 6 Prozent erzielte.

Außenhandel: Zweistellige Zuwächse für Ex- und Importe

Nach einer verhaltenen Entwicklung 2016 steuert der bosnisch-herzegowinische Außenhandel 2017 auf eine spürbare Tempoerhöhung zu. Bereits während der ersten sechs Monate zogen die Umsätze im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 13 Prozent an. Dabei erhöhten sich die Importe des Landes wertmäßig um 11,6 Prozent. Darunter schnitten Energieträger mit einem Plus von gut 44 Prozent am besten ab. Wichtige Impulse gingen zudem von Halbfertigwaren und Investitionsgütern aus, deren Einfuhren jeweils um etwa 9 Prozent zulegten. Auch die Importe von Konsumgütern stiegen an - mit 6 Prozent jedoch relativ überschaubar.

Mit einem Plus von 15,4 Prozent fiel parallel dazu die Belebung auf Seiten der Warenexporte zwischen Januar und Juni 2017 stärker aus. Hier verbesserten sich Energieträger mit einem Ausfuhrplus von 51 Prozent ebenfalls am deutlichsten, gefolgt von Zwischenprodukten, von denen 17 Prozent mehr ins Ausland geliefert. Etwas schwächer entwickelte sich die Ausfuhr von Konsum- und Investitionsgütern, die es im Vergleich zum 1. Halbjahr 2016 auf Zuwächse von 9 und 7 Prozent brachten.

Außenhandel von Bosnien und Herzegowina (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/15
Importe 8.105 8.263 1,9
Exporte 4.595 4.815 4,8
Handelsbilanzsaldo -3.510 -3.448 -

Quelle: Statistikamt BuH

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Bosnien-und-Herzegowina

Dieser Artikel ist relevant für:

Bosnien und Herzegowina Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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‎+49 (0)228 24 993-321

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