Wirtschaftsausblick

17.07.2017

Wirtschaftsausblick Juli 2017 - Republik Moldau

Inhalt

Wirtschaft bleibt auf Erholungskurs / Verbesserter Zugang zu externer Finanzierung / Michael Marks

Chisinau (GTAI) - Die Republik Moldau setzt ihren Wirtschaftsaufschwung fort. Steigende Investitionen werden 2017 und 2018 die Konjunktur beleben. Auch der Konsum, gestützt von Gastarbeiterüberweisungen, stärkt das Wachstum. Die Industrie legt 2017 zu. Ausländische Kfz-Zulieferer investieren erneut. Internationaler Währungsfonds (IWF) und EU geben frisches Geld. Der verbesserte externe Finanzierungszugang schafft Chancen für öffentliche Projekte. Der institutionelle Rahmen braucht aber Reformen.

Wirtschaftsentwicklung: Höheres Wachstum für 2017 prognostiziert

Nach Jahren politischer und wirtschaftlicher Turbulenzen ist die Republik Moldau auf einen Erholungskurs eingeschwenkt. Das Wirtschaftswachstum bildete 2016 mit einem Plus von 4,1% eine stabile Basis für eine Fortsetzung im Jahr 2017. Hilfreich ist eine Vereinbarung mit dem IWF über 178,7 Mio. US$ unter der erweiterten Fondsfazilität (EFF) und der erweiterten Kreditlinie (ECF). Hinzu kommt eine ergänzende EU-Hilfe von 100 Mio. Euro zur Unterstützung der wirtschaftlichen Stabilisierung und der Strukturreformen des Landes. Die Maßnahmen bilden die Grundlage für einen verbesserten Zugang zu externen Finanzierungsquellen für öffentliche Investitionen und stärken das Vertrauen ausländischer Investoren.

Die wirtschaftliche Entwicklung hat sich in den ersten Monaten 2017 etwas abgeschwächt. So legte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1. Quartal im Jahresvergleich nur um 3,1% zu und schrumpfte sogar um 0,7% zum Vorquartal. Die Zentralbank hat daraufhin Ende Juni in mehreren Schritten den Leitzins um einen Prozentpunkt auf 8% gesenkt. Der Inflationsdruck hat leicht abgenommen: Die Rate lag im Juni bei 7,3% und oberhalb des Zielkorridors (5% plus/minus 1,5 Prozentpunkte). Der Kurs des Moldauischen Leus (MDL) hat sich stabilisiert. Bedeutend bleibt die Abhängigkeit von Gastarbeiterüberweisungen.

MKT201707148003.14

Nach einer deutlichen Erholung im Vorjahr werden vom Agrarsektor 2017 geringere Impulse ausgehen. Die Subsistenzlandwirtschaft spielt eine wesentliche Rolle. Die Industrie dürfte den Positivtrend fortsetzen, besonders bei Bekleidung, Schuhen und Leder sowie Möbeln. Das produzierende Gewerbe ist nur eingeschränkt konkurrenz- und exportfähig und braucht Kapitalzuflüsse. Erweiterungs- und neue Investitionen ausländischer Unternehmen stärken die Kfz-Zulieferindustrie. Das Baugewerbe wird bei Infrastrukturprojekten von ausländischen Finanzierungen profitieren. Der private Verbrauch wächst stärker. Handel und Dienstleistungen folgen dem positiven Verlauf.

Wirtschaftliche Eckdaten Republik Moldau
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 6,7 7,4 3.467,6
BIP pro Kopf (US$) 1.885 2.085 41.914
Bevölkerung (Mio.) 3,551 3,547 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt des Moldauischen Leu, 1 US$ = MDL) 19,9 20,0 -

Quellen: IMF WEO Database April 2017, Statistisches Bundesamt

Die Devisenreserven des Landes lagen Ende Juni 2017 bei 2.378 Mio. $. Dies entspricht einer Importdeckung (Waren) von 6,5 Monaten. Die Erwerbslosenquote bleibt 2017 mit 4,3% voraussichtlich auf Vorjahresniveau. Eine Herausforderung bildet die wachsende informelle Beschäftigung, besonders in der Landwirtschaft. Das Haushaltsdefizit liegt bei etwa 3,7% mit anhaltend sinkender Tendenz. Die gesamtstaatliche Verschuldung dürfte 40% des BIP erreichen, so die Erwartungen des IWF.

Investitionen: Belebung in Sicht

Die Investitionstätigkeit wird sich ab 2017 wiederbeleben. Intensität und Tempo scheinen allerdings nicht eindeutig. Die Vereinbarungen mit dem IWF und der EU eröffnen einen verbesserten Zugang zu externen Finanzierungsquellen. Positive Einschätzungen stützen sich folglich auf die öffentlichen Investitionen und den zeitnahen Abbau des entstandenen Investitionsstaus. Der Produktionssektor könnte von einer flexibleren Kreditvergabe des liquiden Bankensystems profitieren. Allerdings ist die Attraktivität für Investitionen von einer Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen und des Geschäftsumfelds zu flankieren.

Die Investitionen in Sachanlagen gingen 2016 um 13,9%, aber im 1. Quartal 2017 nur noch um 1,2% zurück. Negative Ausreißer waren der Wohnungs- (-4,2%) und der Nichtwohnungsbau (-17,2%). Günstiger schnitten Transportmittel (+1,5%), Ingenieurbau (+5,4%) sowie Maschinen und Anlagen (+8,9%) ab. Nach einem Rückgang 2016 um 8,4% erholte sich die Bautätigkeit mit plus 1,7% im 1. Quartal 2017 gestützt auf den Wohnungs- und Ingenieurbau. Auch die Zahl der Baugenehmigungen legte mit 8,7% wieder deutlich zu. Ein verbessertes politisches und wirtschaftliches Umfeld dürfte einen Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen von gerade 2% des BIP (2016) fördern.Der deutsche Autozulieferer Dräxlmaier zum Beispiel plant im Herbst 2017 die Eröffnung eines Produktionswerks für rund 31 Mio. Euro in der moldauischen Sonderwirtschaftszone ZEL Balti.

Ausgewählte Großprojekte in der Republik Moldau
Projektbezeichnung Investitions- Summe (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Gasverbindung Iasi (Rumänien - Ungheni-Chisinau 113 Bauherr: VestMoldTransGaz; Zentrum für Automatisierung zwecks Datenverarbeitung wurde bereits eröffnet; Bauende: 2019 geplant Internet: http://www.ebrd.com
Entwicklungs-Programm des Wirtschafts-ministeriums 90 KMU-Förderung in der Umsetzungszeit 2017-2021 Maßnahmen: Zuschüsse für Technologie, Zugangsstraßen, Innovationsförderung; Internet: https://mec.gov.md
Einzelhandelsprojekte von Kaufland Chisinau 60 Sechs Verkaufspunkte in der Hauptstadt geplant, der erste im Jahr 2018 Internet: http://www.kaufland.ro
52 Projekte im Bereich Regionalentwicklung 60 Lokal- und Regionalstraßen, Wasser/Abwasser, Abfallmanagement, Energieeffizienz Finanzierung: Fonds für Regionalentwicklung; Internet: http://www.mec.gov.md
Wasser/Abwasser-Projekt in Chisinau 59 Einige Aufträge sind noch bis 2018 offen: Sanierung des Abwassernetzes, der Wasserspeicher, der Chlorungs- und Wasseraufbereitungsanlage Internet: http://www.ebrd.com
Energieeffizienz in Chisinau 15 100 öffentliche Gebäude sollen ein Darlehen für Sanierung erhalten Finanzierung: EBWE (10 Mio. Euro) und eine Investitionshilfe aus E5P-Fonds der EU (5 Mio. Euro) Internet:http://www.ebrd.com
Mobiasbanca - Groupe Societe Generale: Unterstützung lokaler KMU 10 Projekt läuft; Verbesserung der Produktqualität und Anpassung der Dienstleistungen an EU-Standards EBWE-Kredit; Internet: http://www.ebrd.com
Infrastruktur für Kommunikation im Rahmen des Operationellen Programms Rumänien-Republik Moldau 2014-2020 8 EU-Genehmigung am 2.5.17 erhalten; Projektumsetzung: 1. Halbjahr 2018 Internet: http://www.ro-md.ro-ua-md.net
Bau eines Heizkraftwerks in Chisinau (2020) k.A. Frühstadium, laut IWF Internet: http://www.chisinau.md
Bau von EE-Anlagen mit Gesamtkapazität von 150 MW (2020) k.A. Frühstadium, laut IWF http://www.mec.gov.md

Quellen: http://www.ebrd.com; http://www.imf.org; Recherchen von Germany Trade and Invest; Pressemeldungen

Nationale Ausschreibungsdatenbank: http://tender.gov.md/ro

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/moldau, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Weiterhin dynamisch

Der private Verbrauch bleibt 2017 und 2018 eine bedeutende Konjunkturstütze. Das Reallohnwachstum wird in beiden Jahren in einer Größenordnung von voraussichtlich 7 bis 8% liegen. Die durchschnittlichen Bruttolöhne betrugen im 1. Quartal 2017 nominal 5.219 MDL. Real war dies ein Zuwachs um 6,7% binnen Jahresfrist. Im Jahr 2016 betrug er 3,7%. Der Anstieg der Gastarbeiterüberweisungen - 2016 erreichten diese rund 1,16 Mrd. $ - dürfte kräftiger ausfallen. In den ersten fünf Monaten 2017 wuchsen sie um 5,7%. Hierzu trägt auch die Stabilisierung der russischen Wirtschaft bei. Zudem sind die Banken liquide, wovon Verbraucherkredite profitieren könnten.

Im 1. Quartal 2017 belief sich laut Statistikamt das durchschnittliche monatliche verfügbare Einkommen pro Person auf 2.134,5 MDL (nominal +5,3% zum 1. Quartal 2016). Die monatlichen Ausgaben pro Person betrugen im Beobachtungszeitraum 2.091 MDL (+1,6%). Nach der Ausgabenstruktur dominierten Nahrungsmittel (Anteil: 44,1%), gefolgt von "Wohnen" (18,7%), Kleidung und Schuhen (9,7%), medizinischer Versorgung und Gesundheit (6,3%), Kommunikation (4,6%) und Transport (3,5%). Die Einzelhandelsumsätze verbuchten im 1. Quartal 2017 einen Rückgang um 4,4% zur Vergleichsperiode des Vorjahres. Für das Gesamtjahr 2016 betrug der Zuwachs 1,1%.

Außenhandel: EU-Anteil steigt weiter

Die Belebung der Inlandsnachfrage begünstigt 2017 steigende Einfuhren. Umgekehrt lassen die verbesserten Wachstumsperspektiven der Haupthandelspartner höhere Ausfuhren erwarten. Der Handel mit der EU wächst und kompensiert die Einbußen mit den GUS-Staaten. Die Republik Moldau bedarf Investitionen in exportorientierten Sektoren und der verstärkten Integration in globale Wertschöpfungsketten. Der Außenhandel erholte sich 2016, ausgehend vom niedrigen Niveau des Vorjahres. Auf die EU entfielen dabei 49,1% der Einfuhren und 65,1% der Ausfuhren. Der GUS-Anteil blieb bei den Importen konstant und sank bei den Exporten.

Außenhandel der Republik Moldau (in Mio. US$; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 3.986,8 4.020,3 0,8
Exporte 1.966,8 2.045,3 4,0
Handelsbilanzsaldo -2.020,0 -1.975,0 -

Quelle: Statistikamt der Republik Moldau (http://www.statistica.md)

Die positive Dynamik verstärkte sich in den ersten vier Monaten 2017. Die Importe stiegen um 14,5% auf 1,4 Mrd. $, die Exporte um 14,7% auf 0,7 Mrd. $. Die EU legte bei den Einfuhren um 15,7% auf einen Anteil von 48,3% zu. Rumänien (+27,2%), Polen (+20,8%), Ungarn (+25,6%), aber auch Deutschland (+15,3%) gewannen deutlich hinzu. Gefragt waren Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge (+22,3%), bearbeitete Waren (+4,4%), mineralische Brennstoffe (+16,8%) und chemische Produkte (+14,7%). Bei den Ausfuhren stand Deutschland mit 46,5 Mio. $ (+19,4%) an vierter Position hinter Rumänien (+19,8%), Russland (+31,1%) und Italien (+0,5%).

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--republik-moldau,did=1642768.html

Weitere Informationen (zum Beispiel, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Weltkarte/Europa/moldau.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Moldau Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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