Wirtschaftsausblick

22.06.2017

Wirtschaftsausblick Juni 2017 - Côte d'Ivoire

Inhalt

Hohes Tempo auf wackeligen Beinen / Von Carsten Ehlers

Abidjan (GTAI) - Côte d'Ivoire dürfte nach Einschätzung von Experten auch in den kommenden Jahren starkes Wirtschaftswachstum verzeichnen. Die Investitionen verteilen sich auf eine Vielzahl von Sektoren. Deutsche Firmen sind im Markt bislang nur wenig vertreten und schöpfen ihr Potenzial bei Weitem nicht aus. Getrübt wird die Aufbruchstimmung im Land durch die latente politische Unsicherheit. Die Meuterei von Teilen des Militärs Anfang 2017 brachte viel Verunsicherung.

Wirtschaftsentwicklung: Weiterhin kräftiges Wachstum erwartet

Experten sehen die Wirtschaftsentwicklung der Côte d'Ivoire in den kommenden Jahren positiv. Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert für 2017 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 6,5%. Für 2018 werden gar 7,0% Plus erwartet. Damit setzt sich die 2012 begonnene wirtschaftlich sehr erfolgreiche Phase des westafrikanischen Landes fort. Neben Côte d'Ivoire gibt es in Subsahara-Afrika derzeit nur wenige Länder, deren Wirtschaft derart schnell wächst.

Grund hierfür ist unter anderem der hohe Nachholbedarf an Investitionen. Negativ dürfte sich allerdings der Verfall des Kakaopreises auswirken. Die gesunkenen Staatseinnahmen aus diesem Bereich sorgen für ein Loch in der Haushaltskasse und beginnende Zurückhaltung des Staates bei Infrastrukturprojekten. Auch die öffentliche Verschuldung nimmt zu.

Darüber hinaus ist die Wirtschaft des frankofonen Landes im Vergleich zu vielen afrikanischen Ländern diversifiziert. Den Kern der Ökonomie bildet die Landwirtschaft. Bei Kakao, Kautschuk, Cashewnüssen, Baumwolle und Palmöl ist das Land international ein signifikanter Produzent. Äußerst viel Kapital fließt seit einigen Jahren in die vom Staat geförderte Verarbeitung dieser Rohstoffe.

Des Weiteren baut die Stadt Abidjan ihre Position als Zentrum für die Konsumgüterindustrie aus. Nahrungsmittel und Getränke sowie Körperpflegemittel und Kosmetika werden von einer Vielzahl privater Unternehmen hergestellt. Von Abidjan aus werden neben der Côte d'Ivoire auch Mali, Guinea, Burkina Faso, Niger, Togo und Benin und damit ein Markt von über 100 Mio. Menschen mit Konsumgütern beliefert. Noch relativ neu sind die Aktivitäten in den Bereichen Goldbergbau sowie Öl und Gas. Trotz niedriger Weltmarktpreise kommt es zu Investitionen, weil das wirtschaftliche Umfeld im Land als sehr positiv wahrgenommen wird.

Politisch bleibt die Lage weiter angespannt, auch wenn es in den vergangenen Jahren relativ ruhig blieb. Anfang 2017 flammten die Unruhen unter anderem durch Militärmeuterei wieder auf und sorgen für steigende Verunsicherung auch in Abidjan. Mit Spannung wird auch die Präsidentschaftswahl 2020 erwartet. Präsident Alassane Ouattara darf laut Verfassung nicht mehr antreten. Sollte der Machtwechsel nicht nach demokratischen Regeln und friedlich gelingen, besteht die Gefahr von erneuter politischer Instabilität. Spätestens dann würde auch die positive Stimmung in der Wirtschaft eingetrübt.

MKT201706218009.14

Wirtschaftliche Eckdaten Côte d’Ivoire
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 31,7 34,4 3.467,6
BIP pro Kopf (US$) 1.381,8 1.458,8 41.914
Bevölkerung (Mio.) 22,7 23,2 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x XOF (Franc CFA) *) 655,9 655,9 -

*) der westafrikanische Franc CFA (XOF) ist an den Euro gebunden

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt; Internationaler Währungsfonds (IWF)

Investitionen: Industrie baut ihre Kapazitäten aus

Das Investitionsklima ist äußerst positiv. Im Infrastrukturbereich werden diverse Großprojekte durchgeführt. Vor allem in den Sparten Transport und Energie kommt es zu diversen Investitionen, teils mit privatem Kapital, teils mit Geld von Geberorganisationen. Für die deutsche Wirtschaft noch interessanter sind die Investitionen der Privatwirtschaft aus dem Bereich der Konsumgüterindustrie. Viele Unternehmen aus dem Großraum Abidjan errichten neue Fabriken oder bauen bestehende aus.

Deutsche Unternehmer können bei derartigen Projekten fast immer zuliefern: vor allem Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Fördertechnik, Bau- sowie Kunststoffmaschinen. 2016 erreichten die deutschen Maschinenlieferungen nach Côte d'Ivoire einen Rekord. Nach Zahlen des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) lag der Lieferwert bei 63 Mio. Euro. Im Vorjahr waren es noch 25 Mio. Euro.

Angesichts der Größe der Wirtschaft sowie ihrer Dynamik fallen deutsche Investitionen in der Côte d'Ivoire auffallend gering aus. Schon die Anzahl der Repräsentanzbüros ist an einer Hand abzuzählen. Die Annahme, dass sich Côte d'Ivoire fest in der Hand französischer Firmen befindet, trifft nur noch auf wenige Sektoren zu. Ansonsten investieren inzwischen Unternehmen aus den USA, dem Vereinigten Königreich, China oder den Niederlanden.

Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung
Ausbau des Hafens von Abidjan inklusive Containerterminal "TC2" 850 Im Bau. Kapazität des Terminals: 1,5 Mio. TEU, Durchführung des Baus und Betrieb durch Konsortium aus Bolloré, APM Terminals und Bouygues, Finanzierung durch China EximBank.
Vierte Brücke in Abidjan (1,4 km) 804 Geplant, Fertigstellung angestrebt für 2020. Finanzierung durch die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB).
Wasserkraftwerk Soubré 800 Im Bau, Fertigstellung geplant noch für 2017. Kapazität: 275 MW. Gebaut von Sinohydro, finanziert von der China EximBank.
Gaskraftwerk Songon 560 Im Bau, Fertigstellung geplant für 2018. Kapazität: 375 MW. Gebaut von der China Energy Engineering Corporation (CEEC), finanziert vor allem durch die China Construction Bank sowie von den Betreibern Endeavour Energy und Starenergy2073.
Goldmine Yaouré 400 Im Bau, Fertigstellung geplant noch für 2017. Minenkonzessionär: AmaraMining. Kapazität: 325.000 Unzen pro Jahr.
LNG-Terminal in Vridi 200 Geplant, Fertigstellung angestrebt für 2018. Ende 2016 erhielt das von Total angeführte Konsortium CI-GNL den Zuschlag für Bau und Betrieb der Anlage.
Ciprel IV 340 Im Bau. Erweiterung der Independent Power Producer (IPP)-Anlage um eine Gasturbine. Finanzierung durch die Muttergesellschaft Eranove sowie diverse Banken.
Ausbau des landesweiten Fiberoptik-Backbone 152 Im Bau, Fertigstellung geplant für 2018. Verlegt werden circa 7.000 km Kabel.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/cote-d-ivoire, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Neue Supermärkte bringen Schwung in den Markt

Das Konsumklima ist gut. Dementsprechend investiert die Konsumgüterindustrie. Auch der Import von Konsumgütern lohnt sich unter Umständen. Hierzu zählen vor allem Nahrungs- und Körperpflegemittel. Weiteren Bedarf dürfte der expandierende Einzelhandel nach sich ziehen. Zuletzt öffnete Mitte 2016 die Mall d'Abidjan mit etwa 35.000 qm Verkaufsfläche ihre Pforten. Die auf die Mittelklasse zielenden Malls bieten insbesondere für teurere und frische Nahrungsmittel zusätzliche Verkaufsflächen. Sie fragen jedoch vor allem französische Produkte nach. Deutsche Nahrungsmittel tauchen so gut wie gar nicht in den Ladenregalen auf.

Die Eröffnung mehrerer kleiner Läden der spanischen Supermarktkette Dia in Abidjan mit vor allem spanischer Ware zeigt, dass die Konsumenten neuen Produkten offen gegenüber stehen. Auch deutsche Lebensmittel würden in Côte d'Ivoire gekauft werden. Entscheidend ist der Preis. Für Mode, Elektronikartikel und Kosmetikprodukte bieten sich als Vertriebsweg auch die noch relativ neuen E-Commerce-Plattformen an, wie Jumia oder Africashop; insbesondere für Unternehmen, die den Markt für ihr Produkt erst einmal testen möchten.

Außenhandel: Starker Anstieg deutscher Lieferungen 2016

Deutsche Unternehmen lieferten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2016 Waren im Wert von 192,5 Mio. Euro. Das sind etwa 26% mehr als die 152,6 Mio. Euro aus dem Vorjahr. Dieses Rekordergebnis verdeutlicht, dass das westafrikanische Land als Absatzmarkt innerhalb Subsahara-Afrikas zunehmend an Gewicht gewinnt. Ähnlich hohe Bestellungen dürften auch in den kommenden Jahren zu erwarten sein. Ein beträchtlicher Teil der Lieferungen sind Maschinen und Ausrüstungen für die Konsumgüterindustrie, für Bauprojekte, den Bergbau oder die Rohstoffverarbeitung. Darüber hinaus kommen aus Deutschland Chemikalien, unter anderem als Zusatzstoffe für die Industrie.

China und Frankreich sind die beiden größten Lieferländer für die Côte d'Ivoire. Deutschland spielt selbst in seiner Domäne, den Maschinenlieferungen, nur eine untergeordnete Rolle. Umgekehrt ist Deutschland einer der größten Importeure ivorischer Produkte. 2016 lag der Importwert bei 927,4 Mio. Euro. Damit ist die deutsche Handelsbilanz mit Côte d'Ivoire stark negativ. Vor allem liegt dies daran, dass das westafrikanische Land als weltgrößter Kakaoproduzent die deutsche Schokoladenindustrie beliefert.

Außenhandel Côte d’ Ivoires (in Mio. US$; Veränderung in %)
2015 *) 2016 *) Veränderung 2016/2015 *)
Importe 8.853 8.355 -5,6
Exporte 11.900 10.684 -10,2
Handelsbilanzsaldo 3.047 2.329

*) Schätzung

Quelle: EIU

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--cte-divoire,did=1737544.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=produktmaerkte-in-cte-divoire-juni-2017,did=1737174.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Côte d'Ivoire Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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