Wirtschaftsausblick

17.07.2017

Wirtschaftsausblick Juni 2017 - Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien

Inhalt

Aufschwung nimmt nach Ende des politischen Stillstands wieder Fahrt auf / Von Jan Triebel

Skopje/Belgrad (GTAI) - Die mazedonische Wirtschaft ist auf dem Weg aus einer Wachstumsdelle. Im 1. Quartal 2017 trat sie noch auf der Stelle. Seit Ende Mai 2017 sind die Aussichten dank der Auflösung einer monatelangen politischen Blockade jedoch wieder besser. Die Zentralbank des Landes prognostiziert ein Wachstum von 2,5%. Für Impulse sorgen die florierenden Exporte und der gestärkte private Konsum. Höhere Investitionen hingegen werden voraussichtlich erst 2018 wieder einsetzen.

Wirtschaftsentwicklung: Zunächst nur mäßige Wachstumserwartungen

Wirtschaftlich geht es für die ehemalige jugoslawische Republik (ejR) Mazedonien wieder bergauf. Doch der Aufschwung, der dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes über einen längeren Zeitraum hinweg Zuwächse von deutlich mehr als 3% per annum beschert hatte, hat an Tempo verloren. Spuren hat hier eine schwere innenpolitische Krise hinterlassen, die bereits Anfang 2015 begann und erst Ende Mai 2017 mit einer neu bestellten Regierung ein vorläufiges Ende fand.

Dabei hat die Wirtschaft, die gegenüber dem politischen Stillstand lange als relativ resistent galt, doch Auswirkungen der Krise abbekommen. Noch 2016 galt die Konjunktur angesichts eines BIP-Zuwachses von lediglich 2,4% allenfalls als leicht. Härter traf es die Wirtschaft aber im 1. Quartal 2017, als sie laut Statistikamtes Makstat stagnierte.

Die mazedonische Zentralbank ist jedoch in einer aktuellen Analyse für das Gesamtjahr 2017 recht optimistisch: Im weiteren Jahresverlauf werde sich die Lage aufhellen und das BIP um 2,5% anziehen. Der Internationale Währungsfonds erwartet im World Economic Outlook vom April 2017 sogar ein Plus von 3,2%.

Tatsächlich existieren zur Jahresmitte beachtliche Wachstumsimpulse: Ein sich weiter entspannender Arbeitsmarkt und reale Einkommensaufbesserungen ermöglichen dem privaten Konsum weitere leichte Zugewinne. Die für das Land extrem wichtigen Exporte entwickeln sich mit zweistelligen Zuwachsraten sogar prächtig. Einzig bei den Bruttoanlageinvestitionen trübt aktuell ein nennenswerter Knick nach unten das Bild.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der Ausblick der Zentralbank, den zahlreiche internationale Organisationen teilen, sich bewahrheiten wird. Der politische Frieden gilt trotz der neuen Regierung als brüchig. Ihre Mehrheit im Parlament ist hauchdünn und die Krise hat den in der Gesellschaft bestehenden Riss noch weiter vertieft. Eine Rückkehr zu Normalität dürfte einige Zeit brauchen. Für die Politik geht es dabei auch darum, zwischenzeitlich bei potenziellen Investoren verlorengegangenes Vertrauen im In- wie Ausland wieder zurück zu gewinnen.

MKT201707148001.14

Wirtschaftliche Eckdaten Mazedoniens
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 9,061 9,863 3.132,7
BIP pro Kopf (Euro) 4.377 4.765 37.866
Bevölkerung (Mio.) *) 2,069 2,071 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Denar) 61,61 61,59 -

*) Schätzung Jahresbeginn

Quellen: Makstat, Narodna Banka na Republika Makedonija (NBRM; Zentralbank Mazedoniens), Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank

Investitionen: Bruttoanlageinvestitionen knicken kurzfristig ein

Zu den Bereichen, in denen der politische Stillstand im Land spürbar negative Auswirkungen zur Folge hatte, gehören die Bruttoanlageinvestitionen. Vor allem bei mit Mitteln der öffentlichen Hand finanzierten Bauprojekten gab es zwischenzeitlich Stillstand oder kam es zu spürbaren Verzögerungen. Die Investitionen verzeichneten vorläufigen Angaben zufolge 2016 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 4,3%.

Besonders internationale Beobachter erwarten bereits für 2017 einen erneuten Anstieg der Investitionen um bis zu 4,5%. Demgegenüber überwiegt auf Seiten der mazedonischen Zentralbank die Skepsis. Nach ihrer Einschätzung von Mai 2017 werden sich die Bruttoanlageinvestitionen zunächst mit -1,3% weiter verringern, um erst 2018 wieder zu wachsen.

Entgegen dem Negativtrend der Bruttoanlageinvestitionen haben 2016 ausländische Akteure ihr Engagement im Land zunächst weiter ausgeweitet. Vor allem dank einer Reihe neu gestarteter Werke mit exportorientierter Fertigung haben die ausländischen Direktinvestitionen mit 354 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr ein deutliches Plus von 74,6% erzielt. Mittlerweile scheint aber auch hier ein wenig die Luft heraus zu sein: Im 1. Quartal 2017 lag der Zufluss an ausländischem Direktkapital mit 108,2 Mio. Euro um 18,5% unter dem Vorjahresniveau.

Ausgewählte Großprojekte in der ejR Mazedonien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Ausbau des Gleisabschnitts Beljakovce-Kriva Palanka (39,5 km) im Verlauf des Korridors VIII 151 Ausschreibungen für mehrere Teilaufträge erfolgt, darunter Interessensbekundung für Beratungs- und Bauleistungen Abschnitt umfasst 15 Tunnel und 29 Brücken; Kofinanzierung durch Kredit der EBWE (145 Mio.); Schienennetzbetreiber MZ-Infrastruktura (Kontakt: Mihajlo Tilic, E-Mail: m.tilic@mzi.mk)
Modernisierung des Wärmekraftwerks Bitola (225 MW) 143 Installation einer neuen Anlage zur Rauchgasentschwefelung; Stromerzeuger Elem (http://www.elem.com.mk/index.php?option=com_content&view=article&id=121&Itemid=151&lang=en)
Modernisierung des Braunkohlekraftwerks Oslomej (125 MW) 126 Machbarkeitsstudie liegt vor, derzeit öffentliche Debatte zu möglichen Konsequenzen für die Umwelt Ziel ist Laufzeitverlängerung um etwa 30 Jahre; federführend: Stromversorger Elem (http://www.elem.com.mk/index.php?option=com_content&view=article&id=122&Itemid=151&lang=en)
Neubau eines Krankenhauses und Modernisierung von Teilen des Klinikzentrums "Mutter Theresa" in Skopje 72 Mitte Mai 2017 Unterzeichnung des Vertrags mit dem Generalauftragnehmer Inso (Italien); Baubeginn voraussichtlich im 3. Quartal 2017, Fertigstellung innerhalb von 45 Monaten Bau eines neuen, 47.000 qm großen Behandlungstraktes mit 855 Betten und Instandsetzung der derzeit genutzten Operationssäle
Fernwärmenetz für Bitola sowie die Gemeinden Novaci und Mogila 57 Ausschreibungen in Vorbereitung Trassenlänge des ersten Abschnitts: 12,5 km, unter Einschluss zweier Hauptwärmeaustauscher und einer zentralen Pump- und Heizstation; Kofinanzierung durch FZ-Entwicklungskredit (KfW Entwicklungsbank); Stromversorger Elem (http://www.elem.com.mk/index.php?option=com_content&view=article&id=614&Itemid=154&lang=en)
Bau eines 400-kV-Interkonnektors zwischen den Stromnetzen Mazedoniens und Albaniens (Abschnitt Bitola-Grenze Mazedonien/Albanien) 49 Ausschreibungen für mehrere Teilaufträge erfolgt, darunter Interessensbekundung für Beratungsleistungen Neben dem Verlegen der Hochspannungsleitung umfasst der mazedonische Abschnitt Neubau des Umspannwerks Ohrid und Modernisierung des Umspannwerks Bitola-2, Kofinanzierung durch Kredit der EBWE (37 Mio.) und IPA-II-Mittel der EU; Stromnetzbetreiber Mepso (Kontakt: Vesna Drejovska, E-Mail: vesna.drejovska@mepso.com.mk)
Ausbau des Windparks Bogdanci 24 Ankündigung im April 2017 Erweiterung der vorhandenen Kapazitäten von 16 Windrädern (36,8 MW) um sechs weitere; Stromversorger Elem (http://www.elem.com.mk/index.php?option=com_content&view=article&id=361&Itemid=153&lang=en)
Sanierung des nichtelektrifizierten Gleisabschnitts Bitola-Kremenica (17 km) im Verlauf des Korridors X/Xd k.A. Ausschreibung für Bauleistungen Mitte Mai 2017 erfolgt - Abgabetermin für potenzielle Bieter Mitte August 2017 Auftrag umfasst etwa Erneuerung des Gleisoberbaus, Neubau des Bahnhofes Zabeni, Umbau von zehn Bahnübergängen, Neubau von sechs bestehenden Brücken (Finanzministerium - Central Financing and Contracting Department, Kontakt E-Mail: cfcd@finance.gov.mk)
Bau eines Erdgasinterkonnektors zwischen Griechenland und Mazedonien (Abschnitt Stip-Grenze Mazedonien/Griechenland; 110 km) k.A. Absichtserklärung Mitte Oktober 2016 unterzeichnet Macedonian Energy Ressources (http://www.mer.com.mk)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Die in der ejR Mazedonien für öffentliche Beschaffungen zuständige Behörde Biro za javni nabavki betreibt im Internet im Rahmen der elektronischen Beschaffung folgende nationale Ausschreibungsdatenbank:

https://e-nabavki.gov.mk/PublicAccess/Home.aspx#/procurements

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/mazedonien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Einkommenszuwächse stützen den Verbrauch

Als relativ unbeeindruckt vom politisch instabilen Umfeld zeigte sich demgegenüber lange Zeit der Konsum der Bevölkerung. Im Jahr 2016 wuchs er laut mazedonischem Statistikamt mit 4,2% im Vorjahresvergleich sogar ausgesprochen deutlich. Für 2017 gilt jedoch ein leichter Tempoverlust als wahrscheinlich. Bereits im 1. Quartal stieg der private Verbrauch nur um 2,7% an. Für das Gesamtjahr rechnet die Zentralbank des Landes mit einem Zuwachs von 2,3%.

Zuletzt profitierte die Verbraucherstimmung unter anderem von der sich fortsetzenden Entspannung des Arbeitsmarktes. Zwischen dem 1. Quartal 2016 und dem 1. Quartal 2017 ging die hohe Arbeitslosigkeit von 24,5 auf 22,9% zurück. Hinzu kamen leichte Einkommenszuwächse. Die Löhne und Gehälter waren bereits 2016 um real 2,2% gestiegen. Nach dem 1. Quartal 2017 betrug das reale Plus 1,8% gegenüber der Vorjahresperiode. Der Bruttodurchschnittslohn in diesem Zeitraum belief sich auf umgerechnet knapp 538 Euro.

Gleichwohl lässt die Entwicklung des Einzelhandels auf eine gewisse krisenbedingte Zurückhaltung der Verbraucher schließen. Im Jahr 2016 hatte es hierfür noch keine Anzeichen gegeben; die Umsätze legten im Vorjahresvergleich um 9,3% zu. Im Zeitraum Januar bis April 2017 hingegen gaben die Umsätze der Einzelhändler um 2,7% nach.

Außenhandel: Kräftige Steigerung von Im- und Exporten

Das monatelange instabile politische Umfeld hat sich bisher kaum auf den mazedonischen Außenhandel ausgewirkt. Seine Umsätze steigen weiter, wobei Ein- und Ausfuhren ähnlich temporeich zulegen. Anbieter von Importwaren beobachten ein Anziehen der Nachfrage nach ihren Erzeugnissen in zahlreichen Warengruppen. Das Einfuhrplus, das 2016 vorläufigen Angaben der offiziellen Statistik zufolge 5,7% ausgemacht hatte, wird 2017 vorrausichtlich höher ausfallen.

Im Zeitraum Januar bis März 2017 stiegen die Importe wertmäßig um 11,4% an. Dabei galten Halbfertigwaren, die etwa 15% zulegten, als Hauptimpulsgeber. Den aktuellen Trends beim Investitions- und Verbraucherverhalten folgend blieb die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern mit Zuwächsen um jeweils 1 und 6% eher verhalten.

Auch die Exporte halten an ihrem Aufwärtstrend fest und sehen 2017 im Vergleich zum Vorjahr einer größeren Dynamik entgegen. Nach einem Plus von 6,9% im Jahr 2016 zogen die mazedonischen Exporte im 1. Quartal 2017 um 12,9% an. Am deutlichsten verbesserte sich dabei die Ausfuhr von Zwischenprodukten mit 21%. Auch Kapitalgüter schnitten mit einem Zuwachs von 12% gut ab, während Konsumgüter gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um etwa 4% nachgaben.

Außenhandel der ejR Mazedonien (in Mio. Euro; reale Veränderung in %)
2015 2016 *) Veränderung 2016/15
Importe 5.777 6.107 5,7
Exporte 4.051 4.329 6,9
Handelsbilanzsaldo -1.726 -1.777 -

*) vorläufig, Abweichungen durch Rundung

Quelle: Makstat

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=produktmaerkte-in-der-ejr-mazedonien-2017,did=1633682.html

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=swotanalyse--ehemalige-jugoslawische-republik-ejr-mazedonien,did=1633708.html

(T.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Mazedonien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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‎+49 (0)228 24 993-321

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