Wirtschaftsausblick

23.06.2017

Wirtschaftsausblick Juni 2017 - Kapverden

Inhalt

Der Optimismus ist zurück / Von Carsten Ehlers

Praia (GTAI) - Nach mehreren Jahren der Stagnation macht sich leichter Optimismus auf bessere wirtschaftliche Zeiten auf den Kapverden breit. Neue Investitionen in Hotels und Casinos dürften dem Tourismus Dynamik verleihen. Auch der Aufbau der immer noch schwachen Nahrungsmittelproduktion wird vorangetrieben. In begrenztem Umfang bestehen Möglichkeiten für Zulieferung und Beratung im Tourismus oder einzelnen Infrastruktursektoren.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstumsbranche Tourismus

Auch wenn das Wirtschaftswachstum weiterhin bei nur etwas über 3% liegen dürfte, ist die Grundstimmung auf den Kapverden für die wirtschaftliche Entwicklung wieder etwas positiver als in den letzten Jahren. Für 2017 erwartet Economist Intelligence Unit (EIU) ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,1 und für 2018 von 3,3%. Hoffnungen ruhen vor allem seitens der Unternehmen auf der 2016 gewählten neuen Regierung unter dem Präsidenten Jorge Carlos Fonseca (Movimento para a Democracia, MPD). Die MPD gilt als wirtschaftsfreundlich, will Bürokratie abbauen und weniger auf Zentralismus setzen. Staatliche Unternehmen wie die nationale Fluglinie TACV und der Strom- und Wasserversorger Electra sollen entweder private Konkurrenz bekommen oder selbst privatisiert werden.

Wirtschaftliches Wachstum könnte in den nächsten Jahren vom wieder zunehmenden Tourismus kommen. Im Jahr 2016 kamen etwa 600.000 Touristen ins Land. Während die Badeinseln Sal und Boavista vor allem All-Inclusive-Badetourismus über große Anbieter wie TUI und Thomson anbieten, sollen nun weitere Inseln andere Tourismussparten bedienen. So möchte man die Hauptstadt Praia auf der Insel Santiago vor allem für den Event-Tourismus herausputzen. In den letzten Jahren legten immer häufiger Kreuzfahrtschiffe an. Ein Hotel- und Casinokomplex wird von chinesischen Investoren derzeit an der Marina gebaut. Von der Ausdehnung des Tourismus profitiert auch die Landwirtschaft. Bereits jetzt fließt Geld in den Aufbau von Treibhäusern oder in die Aquakultur.

Im Infrastrukturbereich dominieren nach wie vor die Geber, darunter die EU, die luxemburgische Regierung (erneuerbare Energien) oder auch die private US-amerikanische Millennium Challenge Corporation (MCC; Abwasser, Abfall). Der Staat ist angesichts eines äußerst hohen Verschuldungsgrades von 115% des BIP kaum in der Lage, in die Infrastruktur zu investieren. Ihm bleibt nur, nach Gebern oder privaten Partnern zu suchen.

Wenig förderlich für die Wirtschaft ist der hohe Isolierungsgrad des Inselstaates. Obwohl das Land zu Westafrika zählt und auch der Westafrikanischen Wirtschaftsunion ECOWAS angehört, sind die Verbindungen dorthin gering. Eine Flugreise vom ghanaischen Accra nach Praia nimmt mindestens zwei Tage in Anspruch. Obwohl eine stärkere Integration in die Region Westafrikas eine Menge wirtschaftliches Potenzial mit sich bringt, fürchten sich die Kapverden davor, dass zu viele Flüchtlinge aus den deutlich ärmeren Ländern Westafrikas auf die Kapverden übersiedeln.

MKT201706228008.14

Wirtschaftliche Eckdaten der Kapverden
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 1,6 1,7 3.467,6
BIP pro Kopf (US$) 3.001 3.078 41.914
Bevölkerung (Mio.) 0,521 0,527 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x CVE (kapverdischer Escudo) *) 110,3 110,3 -

*) der kapverdische Escudo (CVE) ist an den Euro gebunden.

Quellen: EIU, Statistisches Bundesamt, Internationaler Währungsfonds (IWF), Oanda

Investitionen: Begeisterung für Windkraftprojekte stark gesunken

Die meisten Investitionen auf den Kapverden sind privater Natur und fließen in den Bau touristischer Einrichtungen, wie Hotels. Auch kommt es immer wieder zu Projekten im landwirtschaftlichen Anbau für die Belieferung der Hotels. Unter anderem wird in Treibhäusern Gemüse angebaut. Derzeit im Aufbau befindet sich auch eine Garnelenfarm. Durch den Bau von Dämmen, welche das Regenwasser der Inseln auffangen, sind die Möglichkeiten für landwirtschaftliche Bewässerung in den letzten Jahren besser geworden.

Im Infrastrukturbereich sind die Geber beteiligt an Investitionen. Mit Windkraft wollte das Land vor Jahren noch zum afrikanischen Vorreiter bei erneuerbaren Energien avancieren und hoffte nach einem ersten Projekt mit Cabeolica auf Folgeinvestitionen. Der inzwischen deutlich gefallene Ölpreis lässt das Land stattdessen in neue Wärmekraftwerke investieren. Im Wasser-, Abwasser- und Abfallbereich engagieren sich Geber wie die EU, MCC oder die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB). Geld fließt auch seitens der Mobilfunknetzbetreiber in den Ausbau der 3G-Kapazitäten.

Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Hotel- und Casinokomplex in Praia 290 Im Bau seit 2016. Fertigstellung geplant für 2020. Macau Legend baut auf einer Insel vor Praia eine Entertainmentstadt mit Hotels, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und einem Casino.
Millennium Challenge Corporation (MCC)-Compact 2 41 In der Durchführung. Mehrere Projekte in den Bereichen Abwasser, Abfall sowie dem Aufbau eines Katastersystems.
Hilton Hotel auf der Insel Sal k.A. Im Bau. Fertigstellung im September 2017 geplant.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/kap-verde, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Gutes Konsumklima durch steigende Touristenzahlen

Das Konsumklima ist wieder besser geworden. Dafür sorgt der zurückgekehrte Zukunftsoptimismus. Auch die wieder steigenden Touristenzahlen bringen zusätzliche Nachfrage nach Konsumgütern. Im Jahr 2016 kamen 600.000 Touristen ins Land. Fast alle Konsumgüter müssen importiert werden. Da die Deutschen eine der größten Touristengruppen sind, dürfte ein gewisser Bedarf zum Beispiel an deutschen Lebensmitteln auf den Touristeninseln Boavista und Sal bestehen.

Der Konsumgütermarkt der Kapverden ist mit seinen etwa 530.000 Menschen klein und zudem auf neun Inseln verteilt. Das Pro-Kopf-Einkommen der Kapverdianer liegt mit über 3.000 US$ pro Jahr deutlich über dem der meisten afrikanischen Länder. Der formelle Einzelhandel ist schlecht entwickelt. Mit Calú & Ângela gibt es nur einen Betreiber mehrerer kleiner Supermärkte im Land. Das Sortiment wird dort von Produkten aus Portugal dominiert, allerdings kommen auch Waren aus anderen Ländern. Deutsche Produkte sind so gut wie nicht vertreten.

Außenhandel: Chancen bei Hotelprojekten

Deutsche Unternehmen exportierten 2016 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Waren im Wert von 7,6 Mio. Euro in die Kapverden. Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als der Wert bei 6,2 Mio. Euro lag. Allerdings schwanken die Lieferzahlen stark, weshalb ein Trend nur schwer ablesbar ist. Deutsche Unternehmen liefern neben Kraftfahrzeugen auch Maschinen und technisches Gerät sowie Ausstattungen für Hotels in die Kapverden. Allerdings spielen deutsche Produkte nur eine untergeordnete Rolle in dem Inselstaat. Bei Kraftfahrzeugen dominieren asiatische Marken wie Toyota den Markt. Ein beträchtlicher Teil der Lebensmittel kommt aus Portugal.

Außenhandel der Kapverden (in Mio. US$; Veränderung in %)
2015 2016 *) Veränderung 2016/2015 *)
Importe 630,7 691,0 9,6
Exporte 149,2 148,4 -0,5
Handelsbilanzsaldo -481,5 -542,6

*) Schätzung

Quelle: EIU

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte in Kapverden finden Sie unter http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=produktmaerkte-auf-den-kapverden-juni-2017,did=1737172.html

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--kapverden,did=1738606.html

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/kap-verde

Dieser Artikel ist relevant für:

Cabo Verde Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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