Wirtschaftsausblick

20.06.2017

Wirtschaftsausblick Juni 2017 - Senegal

Inhalt

Stabilität und Wachstum machen den Markt interessant / Von Carsten Ehlers

Dakar (GTAI) - Senegal erweist sich für deutsche Unternehmen derzeit als zunehmend attraktiver Absatzmarkt in Westafrika. Deutsche Lieferzahlen in das Land stiegen zuletzt deutlich. Auch für die Zukunft sind die Aussichten positiv . Das Land weist eine gute Konjunktur sowie politische Stabilität auf. Insbesondere im Großraum Dakar befinden sich eine Reihe von Sektoren, für die deutsche Unternehmen als Lieferanten in Frage kommen.

Wirtschaftsentwicklung: Weiter hohes Wachstum

Nachdem die senegalesische Wirtschaft bis 2014 für afrikanische Verhältnisse mit eher niedrigen Wachstumszahlen aufwartete, gewinnt sie zunehmend an Dynamik. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichte 2016 etwa 6,5% und dürfte auch in den Jahren 2017 und 2018 mehr als zufriedenstellend ausfallen. Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert für 2017 einen Zuwachs von 6,1% und für 2018 von 5,7%. Auch politisch ist die Stabilität für afrikanische Verhältnisse hoch. Der 2012 gewählte Präsident Macky Sall hat eine Regierungsperiode von sieben Jahren und muss sich 2019 erneut zur Wahl stellen. Eine Wiederwahl Salls wird von politischen Beobachtern derzeit erwartet.

Wachstumsmotoren sind in erster Linie private Projekte. Die Hauptstadt Dakar entwickelt sich neben Abidjan wieder zum zweiten großen industriellen Zentrum innerhalb des frankofonen Westafrikas. Dort investieren jede Menge Konsumgüterhersteller in den Auf- oder Ausbau ihrer Produktionslinien. Auch entwickelt sich Dakar zunehmend zu einem afrikanischen IT-Hub durch die Ansiedelung von Callcenters und innovativen IT-Firmen. Als sehr erfolgreich hat sich in den vergangenen etwa zehn Jahren auch der Anbau von Obst und Gemüse für europäische Supermarktketten entwickelt. Diverse ausländische Plantagenbetreiber sind in den letzten Jahren nach Senegal gekommen.

Zahlreiche private und öffentliche Bauvorhaben sorgen im Großraum Dakar für volle Auftragsbücher bei den Baufirmen und deren Zulieferern. Dieser Zustand dürfte noch eine Weile anhalten, da sich Dakar rasend schnell ausbreitet und jede Menge Maßnahmen nötig sein werden, um die Infrastruktur dem Wachstum der Stadt anzupassen. Mittelfristig für Impulse sorgen könnte der Ölsektor. Vor der Küste Senegals wird verstärkt nach Öl gesucht. Nach ersten erfolgversprechenden Resultaten anderer Explorer erwarb im Mai 2017 auch die französische Total die Lizenz für zwei Blöcke. Dieser erstmalige Einstieg eines großen Ölförderers könnte auf deutlich verbesserte Investitionsbedingungen hindeuten.

Positiv könnte sich auch wieder der Tourismus entwickeln, der durch die Ebola-Krise 2014 und 2015 gelitten hatte. Zwar verzeichnete Senegal nur einen Ebola-Fall, jedoch brachen die Besucherzahlen in ganz Westafrika für eine Weile ein. Senegal dürfte 2016 über 1 Mio. Ankünfte vor allem aus Frankreich verzeichnet haben. Bleibt die Lage stabil, dann dürfte die Zahl weiter ansteigen.

MKT201706198006.14

Wirtschaftliche Eckdaten Senegals
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 13,6 14,3 3.467,6
BIP pro Kopf (US$) 913,1 959,7 41.914
Bevölkerung (Mio.) 15,1 15,5 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x Franc CFA) *) 656 656 -

*) der Wechselkurs zwischen Euro und Franc CFA ist konstant

Quellen: EIU, Statistisches Bundesamt, Internationaler Währungsfonds (IWF), http://www.oanda.com

Investitionen: Franzosen übernehmen die Infrastruktur

Mit dem Plan Sénégal émergent (PSE) liegt ein von der Regierung ausgearbeitetes Investitionsprogramm vor für die Bereiche Infrastruktur, Landwirtschaft, sozialer Wohnungsbau, Tourismus und Bergbau. Im Rahmen dieses Plans sollen private Investoren sowie Geber zur Finanzierung einer Reihe von Projekten animiert werden. Vor allem angesichts der politischen Stabilität ist das Investitionslima derzeit recht gut. Geber wie die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB), die Weltbank, die EU oder bilaterale Geber stellen regelmäßig Geld für Infrastrukturvorhaben und landwirtschaftliche Projekte zur Verfügung.

Die gute Konjunktur erhöht auch die lokale Investitionsbereitschaft. Trotz zunehmender chinesischer Investitionen in den vergangenen Jahren dominieren nach wie vor die Franzosen in Senegal. Die Eisenbahnverbindung von Dakar-Zentrum zum neuen Flughafen wird komplett von einem französischen Konsortium gebaut. Auch sicherte sich kürzlich Total als erster großer Ölkonzern Abbaukonzessionen in Senegal. Für Unternehmen, die eine aktive Westafrikastrategie verfolgen, bietet sich unter Umständen Dakar als Standort an, denn in der frankofonen Konkurrenzstadt Abidjan stellt sich immer noch die Frage nach der politischen Stabilität. Deutsche Unternehmen haben bislang kaum in Senegal investiert und sind auch in Form von Repräsentanzbüros nur schwach aufgestellt.

Ausgewählte Großprojekte

Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Aéroport Internationale Blaise-Diagne (AIBD) circa 600 Im Bau. Geplante Fertigstellung 12/2017 Türkische Bauunternehmen schließen den Bau ab.
Train Express Régional(TER) 867 Im Bau Bahn von Dakar zum neuen Flughafen. Durchgeführt von einem französischen Konsortium.
Sendou-Kohlekraftwerk 125 MW circa 179 Im Bau Nykomb und Advisory Finance Group (AFG) sind die Investoren. Finanzierung kommt von AfDB und Westafrikanischer Entwicklungsbank.
OMVG-Projekt (OMVG = Organisation de Mise en Valeur du Fleuve Gambia) k.A. (mehrere Projekte) Geplant, Fertigstellung geplant für 2022 Unter anderem: Bau einer 225 kV-Übertragungsleitung zwischen Guinea, Guinea-Bissau, Gambia und Senegal; Bau des Sambagalou-Wasserkraftwerks (128 MW). Finanzierung durch Weltbank und andere Geber.
Bahnlinie Dakar-Bamako 1.300 Geplant Baudurchführung durch China Railway Construction Corporation (CRCC). Finanzierung kommt aus China. Der Bau soll etwa vier Jahre dauern.
Keur Momar Sarr 3 (KM3) Wasseraufbereitungsanlage 400 Geplant Finanzierung: Europäische Entwicklungsbank (EIB), Islamische Entwicklungsbank (IDB), Agence Francaise de Développement (AFD).

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/senegal, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Spanische Dia sorgt für Dynamik im Einzelhandel

Die Konsumbereitschaft der lokalen Bevölkerung ist durch die gute Konjunktur hoch. Nicht umsonst kommt es zu zahlreichen Investitionen in die Nahrungsmittelproduktion für den lokalen Markt. Geld fließt vor allem in den Ausbau der Produktion von günstigen Produkten, wie Backwaren, Getränken, Süßwaren, Bouillonwürfel, Haarshampoos bis hin zu Waschpulver. Wer im Großraum Dakar produziert, hat nicht nur den senegalesischen Markt mit seinen etwa 15 Mio. Einwohnern im Blick, sondern eine größere über 80 Mio. Einwohner umfassende Region mit Ländern wie Mali, Niger, Burkina Faso und Guinea.

Ein beträchtlicher Teil der Konsumgüter, insbesondere die hochwertigen, müssen nach wie vor importiert werden. Wohlhabende Senegalesen, Entsandtkräfte sowie Touristen verfügen über eine hohe Kaufkraft und fragen diese Produkte nach. Auch hier ist mit einem Nachfragewachstum zu rechnen. Unterstützt wird der Trend durch den Ausbau des formellen Einzelhandels. Eine Reihe ausländischer Supermarktketten, wie Casino oder Dia, eröffnet vor allem in Dakar neue Geschäfte. Ein beträchtlicher Teil der Konsumgüter kommt zwar aus Frankreich, allerdings zeigt aktuell die spanische Dia, die in ihren Supermärkten viele spanische Produkte anbietet, wie schnell auch nicht-französische Produkte Fuß fassen können.

Außenhandel: Deutsche Exporte nehmen 2016 kräftig zu

Deutsche Unternehmen exportierten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2016 Waren im Wert von etwa 125,5 Mio. Euro nach Senegal. Das entspricht einem Zuwachs von über 23% im Vergleich zum Vorjahr. Senegal kristallisiert sich damit zunehmend als ein in Westafrika wichtiger Liefermarkt heraus. In Anbetracht eines jährlichen Importbedarfs von über 5 Mrd. US$ pro Jahr ist der deutsche Lieferanteil äußerst gering. Es dominieren mit großem Abstand Frankreich und China als Lieferanten. Alleine Frankreich verfügt über einen Marktanteil von fast 40%.

Deutschland liefert nach Senegal vor allem Kraftfahrzeuge (gebraucht und neu), Maschinen und Ausrüstungen sowie Chemikalien für die Industrie, den Bausektor und andere Bereiche. Insbesondere bei Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen halten deutsche Unternehmen einen sehr großen Marktanteil. Deutlich mehr Potenzial bestünde beim Export von lange haltbaren Nahrungsmitteln für die Supermärkte. Dies würde allerdings eine aktivere Marktbearbeitung voraussetzen. Senegal exportiert nach Deutschland in sehr geringen Mengen. 2016 lag der Lieferumfang bei nur etwa 15,6 Mio. Euro.

Außenhandel Senegals (in Mio. US$; Veränderung in %)
2015 2016 *) Veränderung 2016/2015 *)
Importe 4.918 4.993 1,5
Exporte 2.310 2.497 8,1
Handelsbilanzsaldo -2.608 -2.496

*) Schätzung

Quelle: EIU

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--senegal,did=1734950.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=produktmaerkte-in-senegal-juni-2017,did=1734932.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Senegal Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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