Wirtschaftsausblick

15.06.2017

Wirtschaftsausblick Mai 2017 - Deutschland

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Deutsche Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs / Guenter Maier

Berlin (GTAI) - Die deutsche Wirtschaft setzt 2017 ihren moderaten Wachstumskurs fort und wird ihn 2018 voraussichtlich festigen. Die Beschäftigung steigt weiter, höhere Reallöhne stärken die Binnennachfrage nach Konsumgütern. Die Exporte haben sich aufgrund der Weltkonjunktur belebt. Die Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizierten in ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom April für 2017 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5%. Für 2018 wird ein BIP-Wachstum von 1,8% erwartet.

Wirtschaftsentwicklung: Stetiges Wachstum und weiterhin Konsumanstieg

Zur Jahresmitte 2017 ist die deutsche Wirtschaft insgesamt in guter Verfassung. Der Aufschwung hält laut Gemeinschaftsdiagnose (GD) der fünf renommierten Wirtschaftsforschungsinstitute für den Berichtszeitraum bis Ende 2018 an. In der ifo Konjunkturbefragung vom Mai 2017 bewerteten die Unternehmen in Deutschland die Wirtschaftslage so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. Der Geschäftsklimaindex zog auf 113 Punkte an, den höchsten gemessenen Wert seit 1991. Im verarbeitenden Gewerbe stieg der Index zur Geschäftslage auf den höchsten Stand seit Juli 2011. In der Befragung berichteten auch die Hersteller von Investitionsgütern über eine Nachfragebelebung.

Die starke Beschäftigungsdynamik hält 2017 und voraussichtlich auch 2018 an. Die Gesamtbeschäftigung soll laut Einschätzung der GD in den Jahren 2017 und 2018 insgesamt um knapp 1 Mio. Personen zunehmen. Die Erwerbstätigkeit wurde von der Bundesagentur für Arbeit für April 2017 auf 44 Mio. Personen beziffert. Die Arbeitslosenquote, die 2016 bei 6,1% lag, dürfte sich bis Ende 2018 weiter auf 5,4% verringern. Erstmals seit 1991 meldete die Statistik der Bundesagentur für Arbeit im Mai eine Arbeitslosenzahl von unter 2,5 Mio. Menschen. Die Arbeitslosenquote lag im Mai 2017 bei 5,6%.

Die Preise steigen jedoch zur Jahresmitte 2017. Der Konsum bleibt entscheidende Triebkraft der anhaltend positiven Konjunkturentwicklung. Der Privatverbrauch expandiert 2017 und voraussichtlich auch 2018 (+1,6%).

Die leicht anziehende Weltkonjunktur begünstigt eine Konjunkturbelebung im produzierenden Gewerbe in den kommenden Monaten. Die mittelfristigen Wachstumsaussichten der deutschen Exportwirtschaft sind insgesamt gut.

Die Budgetüberschüsse (Finanzierungssaldo des Staates) der Bundesrepublik Deutschland bleiben hoch. Die öffentlichen Haushalte erzielten 2016 einen Überschuss von ca. 24 Mrd. Euro, was 0,8% des BIP entsprach. Die Sozialbeiträge stiegen 2017 jedoch; auch für 2018 wird mit einem Anstieg gerechnet.

MKT201706148004.14

Wirtschaftliche Eckdaten Deutschlands 2016 bis 2018
Indikator 2016 1) 2017 2) 2018 2)
BIP (nominal, Mrd. Euro 3.133 3.226 3.339
BIP pro Kopf (nominal,Euro) 38.000 38.700 37.100
Bevölkerung (Mio.) 82,2

1)Vorläufiger Wert bzw. Schätzung ; 2) Prognose

Quellen: Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsinstitute DIW, IFO, IWH-Halle und RWI Essen; Statistisches Bundesamt; Internationaler Währungsfonds; Destatis

Investitionen: Mehr Engagement wünschenswert und erforderlich

Die Investitionen fallen 2017 niedriger aus als die gesamtwirtschaftliche Ersparnis. In erheblichem Umfang fließt Kapital aus Deutschland ins Ausland ab. Dies reflektiert auch der hohe Überschuss in der Leistungsbilanz. Nach Einschätzung der Wirtschaftsforschungsinstitute sollte die Wirtschaftspolitik die Rahmenbedingungen für private Investitionen im Inland verbessern. Erkennbar ist ein trendmäßiger Anstieg der Abgabenbelastung, die derzeit bei über 40% gemessen am BIP liegt. Im Zuge der progressiven Einkommensteuer nimmt die Abgabenlast sogar weiter zu. Die Gutachter empfehlen, durch Umschichtungen im Haushalt die investiven Ausgaben insbesondere mit Fokus auf den Bildungssektor zu erhöhen. Die Digitalisierung und Vernetzung der Unternehmen bleibt ein strategisch herausragendes Zukunftsthema.

Trotz niedriger Zinsen am Kapitalmarkt sind einerseits die Wachstumserwartungen der Unternehmen nicht hoch genug, dass die Investitionstätigkeit bei Ausrüstungsgütern genug stimuliert wird. Andererseits beflügelt das niedrige Zinsniveau jedoch die Nachfrage am Wohnungsbau. Die Bauinvestitionen werden bis Ende 2018 maßgebend vom Wohnungsbau getragen. Ihr Wert soll 2017 um 3,0% und 2018 um 3,5% steigen. Laut GD werden die Ausrüstungsinvestitionen 2017 um 0,5% (kalenderbereinigt um 1,3%) steigen. Die Forschungsinstitute rechnen für 2018 mit einem Wachstum um 3,8%.

Konsum: Privatverbrauch kann hohes Niveau halten

Die GD hat als wichtigsten Impuls für das Wachstum die hohe Binnennachfrage identifiziert, darunter insbesondere den privaten Konsum. Entscheidende Faktoren sind hierbei die insgesamt steigende Kaufkraft der Privathaushalte und die Dynamik bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die privaten Konsumausgaben steigen jedoch laut mittelfristiger Projektion künftig etwas geringer, bedingt dadurch, dass die letztjährigen Kaufkraftgewinne aus den gesunkenen Ölpreisen nunmehr wegfallen.

Der private Konsum bleibt nach Ansicht der Konjunkturforschungsinstitute eindeutig der stärkste Motor der Konjunkturentwicklung in Deutschland vor den Investitionen. Die Verbrauchsausgaben sollen 2017 und 2018 noch jeweils um 1,1 bis 1,2 Prozentpunkte zum Anstieg des BIP beitragen, wobei der Beitrag der Privathaushalte mit 0,6 bzw. 0,8 Prozentpunkten höher ausfällt als der Beitrag der staatlichen Ausgaben mit 0,5 Prozentpunkten 2017 bzw. 0,4 Prozentpunkten 2018. 2016 betrug die Inflationsrate nur 0,4%. Zu erwarten ist ein Anstieg der Verbraucherpreise 2017 um 1,4% und für 2018 um ca. 1,5%.

Außenhandel: 2017 kommt wieder mehr Schwung in den Export

Nachdem sich die internationale Nachfrage Ende 2016 wieder leicht belebt hatte, zogen die deutschen Exporte bis ins 2. Quartal 2017 weiter an. Bedingt durch die robuste Weltkonjunktur sollen die deutschen Ausfuhren bis Ende 2017 noch stärker ansteigen. Einflussreiche Faktoren sind bessere weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen und auch Effekte aus der Abwertung des Euro. Die Wirtschaftsinstitute rechnen mit Zunahmen des Exportwertes von 3,5% für 2017 und 4,0% für 2018.

Die Importe nach Deutschland werden im Jahresverlauf 2017 voraussichtlich deutlich zunehmen, mit prognostizierten Zuwachsraten von jeweils 4,6% für 2017 und auch 2018. Rechnerisch würde der Außenhandel damit 2017 erneut einen negativen Beitrag zum BIP-Wachstum leisten. Er soll dann 2018 voraussichtlich neutral sein.

Der Überschuss in der Leistungsbilanz wurde im April-Gutachten der GD für 2016 auf 261,4 Mrd. beziffert. Er soll sich 2017 und 2018 geringfügig um jeweils 0,6% vermindern.

Außenhandel Deutschlands (in Mrd. Euro; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 949 955 0,6
Exporte 1.194 1.207 1,1
Handelsbilanzsaldo 244 252 3,3

Quelle: Statistisches Bundesamt (Mai 2017)

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gtai.de/deutschland

Dieser Artikel ist relevant für:

Deutschland Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten

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