Wirtschaftsausblick

31.05.2017

Wirtschaftsausblick Mai 2017 - Griechenland

Inhalt

Langwierige Verhandlungen mit Geldgebern bremsen Wirtschaftswachstum / Michaela Balis

Athen (GTAI) - Griechenlands Bruttoinlandsprodukt ist im 1. Quartal 2017 um 0,5% geschrumpft. Für das Gesamtjahr prognostiziert die EU-Kommission allerdings ein Wirtschaftswachstum von 2,1%. Treibender Motor für die Erholung bleibt der private Konsum. Aber auch die Bruttoanlageinvestitionen und der Außenhandel dürften 2017 wieder wachsen. Rund 6,8 Mrd. Euro sollen in staatliche und EU-kofinanzierte Projekte fließen. Deutschland bleibt Griechenlands wichtigster Handelspartner.

Wirtschaftsentwicklung: Aussichten für Griechenlands Wirtschaft hellen sich auf

Als Folge der ausbleibenden Einigung mit den internationalen Geldgebern stagnierte die griechische Wirtschaft 2016 und es machte sich wieder Unsicherheit breit. Wegen der hohen Steuerbelastung, den steigenden Sozialabgaben und der mangelnden Liquidität schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1. Quartal 2017 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 0,5%.

Ende 2016 prognostizierte die Europäische Kommission für das Jahr 2017 noch ein reales Wirtschaftswachstum in Höhe von 2,7%. Im Hinblick auf die aktuelle Lage schraubte sie ihre Erwartungen im Mai 2017 dann allerdings auf 2,1% herunter. Der Konsum bleibt auch dieses Jahr die treibende Kraft für die Konjunktur. Im Jahr 2018 soll die griechische Wirtschaft um 2,5% zulegen.

Griechenland muss bis 2021 zusätzlich 4,9 Mrd. Euro einsparen. Dies soll über erneute Rentenkürzungen und weitere Steueranhebungen erreicht werden. Das sieht das "Mittelfristige Programm zur finanzwirtschaftlichen Anpassung Griechenlands" vom Mai 2017 vor. Das Programm ist das Ergebnis der fast 18-monatigen Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung, seinen EU-Partnern und dem IWF über die Evaluierung des dritten Hilfs- und Sparpakets.

Griechenlands Regierung hofft auf weitere Schuldenerleichterungen von Seiten der Geldgeber, da eine tragbare Schuldenlast ausschlaggebend für die Wiederherstellung des Vertrauens und für die Kreditwürdigkeit des Landes ist. Die Gläubiger drängen im Vorfeld auf die Umsetzung von den seit langem angekündigten Struktur-, Markt- und Verwaltungsreformen.

Die im Juli 2015 eingeführten Kapitalverkehrskontrollen sollen voraussichtlich bis Ende 2017 aufgehoben werden. Wichtige Voraussetzung bleibt der erfolgreiche Abschluss der Evaluierung des dritten Griechenland-Memorandums von 2015. Das Land setzt zudem große Hoffnungen in den Tourismus. Die Einnahmen sollen 2017 um 9% zulegen und die Zahl der Reisegäste gegenüber dem Vorjahr von 25 Mio. auf 27 Mio. steigen.

Mögliche Risiken für die griechische Wirtschaft bleiben die Flüchtlingskrise, die angespannten Beziehungen zum Nachbarland Türkei sowie die geopolitischen Turbulenzen in der Region - von den südosteuropäischen Staaten wie der EjR Mazedonien bis hin zum östlichen Mittelmeer.

MKT201705308008.14

Wirtschaftliche Eckdaten Griechenland
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 175,7 175,9 3.132,7
BIP pro Kopf (Euro) 16.181 k.A. 37.866
Bevölkerung (Mio.) 10,8 10,8 82,7

Quellen: Griechisches Statistisches Amt Elstat, Statistisches Bundesamt

Investitionen: EU finanziert Energie- und Infrastrukturprojekte

Die Bruttoanlageinvestitionen werden gemäß EU-Erwartungen 2017 um 6,3% steigen. Ende 2016 war die EU-Kommission noch von einem Plus von 13,7% ausgegangen. Für das öffentliche Investitionsprogramm hat die griechische Regierung rund 6,8 Mrd. Euro veranschlagt. Etwa 5,7 Mrd. Euro sind für Projekte, die von der EU kofinanziert werden, vorgesehen. Davon sollen wiederum 3,9 Mrd. Euro in Vorhaben des EU-Partnerschaftsprogramms, das noch bis 2020 läuft, fließen. Etwa 800 Mio. Euro werden für die Fertigstellung von Projekten der vergangenen Förderperiode (2007 bis 2013) genutzt und 1 Mrd. Euro für kofinanzierte Projekte beider Perioden. Mit den restlichen 1 Mrd. Euro werden weitere Vorhaben direkt aus der griechischen Staatskasse finanziert.

Ende April 2017 erhielt das Konsortium DIEP-CMA-Belterra den Zuschlag für die Privatisierung der Betreibergesellschaft des Hafens von Thessaloniki. Das Angebot lag bei 231,9 Mio. Euro. Das Konsortium setzt sich zusammen aus der Münchener Gesellschaft Deutsche Invest Equity Partners (DIEP), dem griechischen Unternehmen Belterra Investments und der Gesellschaft Terminal Link SAS der französischen Großreederei CMA CGM.

Ausgewählte Großprojekte in Griechenland
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Transadriatic Pipeline (TAP) 1.500 Arbeiten im Gang Ansprechpartner: Trans Adriatic Pipeline (TAP) AG, E-Mail: tapgreece@tap-ag.com; Internet: http://www.tap-ag.gr
Bau der 1. U-Bahn-Linie in Thessaloniki (9,6 km) und Ausbau nach Kalamaria (4,8 km) 1.200 Arbeiten im Gang; Fertigstellung voraussichtlich bis 2020 Kofinanzierung aus EU-Fördermitteln; Ansprechpartner: Attiko Metro, Herr Giorgos Konstantinidis, Tel. 0030 2310/504 710, E-Mail: info@ametro.gr; Internet: http://www.ametro.gr
Ausbau der Athener Metro nach Piräus (7,5 km) 575 Arbeiten im Gang; Fertigstellung bis 2020 geplant Ansprechpartner: Attiko Metro, E-Mail: info@ametro.gr, Internet: http://www.ametro.gr
Bau einer doppelspurigen Bahnstrecke Athen-Patras und Elektrifizierung der Abschnitte Kiato-Rododafni und Rododafni-Rio 556 Infrastrukturarbeiten im Gang; Ausschreibung wird erwartet; Fertigstellung bis 2020 Finanzierung: Connecting Europe Faciliy; Ansprechpartner: Erga OSE S.A., Tel. 0030 210/528 31 10;E-Mail: info@ergose.gr
Hafen von Piräus 500 Arbeiten sollen 2017 beginnen Im Rahmen des Investitionsprogramms soll unter anderem gebaut werden: Abfertigungshalle für Kreuzfahrtpassagiere, Schwimmdocks, sechs Anlegeplätze für Kreuzfahrtschiffe und Containerterminal; Ansprechpartner: Betriebsgesellschaft des Hafens von Piräus (OLP), Herr Nektarios Demenopoulos (Investor Relations and Company Announcements) Tel. 0030 210/455 02 26, E-Mail: olpmetox@olp.gr, Internet: http://www.olp.gr
Ausbau der Athener Ringstraße "Attiki Odos" von der Ringstraße Ymittos bis zur Vouliagmenis Straße (3 km) 450 Baubeginn: 2019, sobald Finanzierung gesichert ist Ansprechpartner: Ministerium für Infrastruktur und Transporte, Abteilung für die Planung der Infrastruktur und der Konzessionsverträge, Direktor, Herr Yannis Bakoyannis, Tel. 0030 210/699 22 98, E-Mail: dpysp@ggde.gr, Internet: http://www.yme.gr
Fertigstellung der zweispurigen Hochgeschwindigkeitszugstrecke Tithorea-Domokos (106 km) 430 Fertigstellung: voraussichtlich bis Ende 2018 Finanzierung: Connecting Europe Facility; Ansprechpartner: Erga OSE S.A., Tel. 0030 210/528 31 10; E-Mail: info@ergose.gr, Internet: http://www.ergose.gr/view_32#sthash.qsjw4XzE.dpuf
Bau der Bahnstrecke Rododafni-Psathopyrgos (Peloponnes), (27,6 km) 337 Arbeiten im Gang; Fertigstellung bis 2018 Finanzierung: Connecting Europe Facility; Ansprechpartner: Erga OSE S.A., Tel. 0030 210/528 31 10; E-Mail: info@ergose.gr, Internet: http://www.ergose.gr/view_28#sthash.YcNMvJ9L.dpuf
Ausbau von 14 regionalen Flughäfen 330 Arbeiten im Gang Ansprechpartner: Fraport Greece, Herr Yannis Papazoglou (Public Relations Manager), Tel. 0030 211/212 11 91; E-Mail: Y.Papazoglou@fraport-greece.com, Internet: http://www.fraport-greece.com/eng
Anbindung des Hafens von Kavala an die Bahnstrecke Thessaloniki-Alexandroupolis (31,8 km) 250 Planungsphase Finanzierung: Connecting Europe Facility; Ansprechpartner: Erga OSE S.A., Tel. 0030 210/528 31 10; E-Mail: info@ergose.gr, Internet: http://www.ergose.gr/view_156#sthash.0ako0Y5k.dpuf2

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, Griechisches Ministerium für Wirtschaft und Entwicklung

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Privater Verbrauch steigt trotz geringerer Einkommen

Für 2017 prognostiziert die EU-Kommission eine leichte Zunahme des privaten Konsums um etwa 1,4%. Im Jahr 2016 ist der private Verbrauch bereits um 1,4% gewachsen. Dabei sind das durchschnittliche verfügbare Einkommen um 1,3% und die Sparquote um 9,4% im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft, so das griechische Statistikamt Elstat. Das bedeutet, dass die Verbraucher auf ihre Ersparnisse außerhalb der griechischen Bankensystems zurückgegriffen, Vermögenswerte aufgelöst oder Schwarzgeld ausgegeben haben müssen, so die Einschätzung des griechischen Industrieverbands SEV.

Etwa ein Viertel der griechischen Konsumausgaben entfallen auf Lebensmittel. Jeweils 13% werden für Wohnraum und Transport aufgebracht. Gut zwei Drittel der Griechen sind derzeit nicht in der Lage, ihre Schulden rechtzeitig zu begleichen, so das Ergebnis der Studie "European Consumer Payment Report" des schwedischen Kreditverwaltungs- und Inkassounternehmens Intrum Justitia. Der EU-weite Durchschnitt liegt hier bei 27%.

Der griechische Staat will seine Konsumausgaben 2017 um 0,5% anheben. Für das Jahr 2018 geht die EU-Kommission von einem Zuwachs in Höhe von 0,1% aus.

Außenhandel: Deutschland behauptet sich als wichtigster Handelspartner

Gemäß den EU-Prognosen sollen sowohl die Importe als auch die Exporte von Waren und Dienstleistungen 2017 jeweils um real 3% und 2018 um 3,8% zulegen. Im 1. Quartal 2017 stiegen die griechischen Wareneinfuhren nominal um fast 31% im Vergleich zur Vorjahresperiode. Das hohe Wachstum ist auf die Importe von Erdgas (137%) und Schiffen (217%) zurückzuführen. Ohne Berücksichtigung dieser Warengruppen verzeichneten die Einfuhren ein Plus von rund 6%, so das griechische Statistikamt Elstat. Im Jahr 2016 legten die Importe um 1,1% im Vergleich zur Vorperiode zu.

Griechenlands wichtigster Handelspartner war auch im 1. Quartal 2017 Deutschland, gefolgt von Italien und Korea (Rep.). Fast ein Drittel der importierten Kfz sowie ein Viertel der Arzneimittel stammen aus der Bundesrepublik. Die deutschen Ausfuhren legten in den ersten drei Monaten 2017 um 7,5% zu. Die griechischen Exporte nach Deutschland stiegen um 8,3%.

Insgesamt verzeichneten die griechischen Exporte im 1. Quartal 2017 ein Plus von 20% gegenüber der Vorjahresperiode. Ohne Erdölprodukte stiegen sie um 6,4%. Für das Gesamtjahr 2016 errechnete das griechische Statistikamt Elstat einen Rückgang bei den Ausfuhren um 1,6% im Vergleich zum Vorjahr.

Außenhandel Griechenland (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 43.574,4 44.039,0 1,0
Exporte 25.890,2 25.440,7 -1,7
Handelsbilanzsaldo -17.684,2 -18.598,3 -

Quelle: Eurostat

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

Funktionen

Sofia Hempel Sofia Hempel | © GTAI/Rheinfoto

Kontakt

Sofia Hempel

‎+49 228 24 993 215

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche