Wirtschaftsausblick

31.05.2017

Wirtschaftsausblick Mai 2017 - Iran

Inhalt

Hohe Wachstumsziele / Ausländisches Engagement soll unterstützen / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Irans Wirtschaft ist im vergangenen Jahr vor allem aufgrund der stark erhöhten Ölförderung kräftig gewachsen. Jetzt lässt die mit der OPEC vereinbarte Förderbegrenzung eine Ausweitung der Rohölproduktion nicht mehr zu. Große Teile der Nicht-Öl-Wirtschaft zeigen weiterhin nur schwaches Wachstum, es ist aber im Jahresverlauf mit einer Besserung zu rechnen. Politische Entwicklungen, insbesondere die Washingtoner Iran-Politik, könnten den Aufschwung behindern. Neue US-Sanktionsgesetze drohen.

Wirtschaftsentwicklung: Ölsektor kann 2017 Konjunktur nur noch leicht stützen

Bei den am 19. Mai abgehaltenen Präsidentschaftswahlen wurde Amtsinhaber Hassan Rouhani für seine bislang enttäuschenden Ergebnisse bei der Senkung der Arbeitslosigkeit, einem Hauptwahlkampfthema, nicht abgestraft. Über 57% der Wähler gaben Rouhani ihre Stimme. Offensichtlich traut ihm die Mehrheit der Bevölkerung zu, den Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren stärker zu beleben. Dazu müsste Irans Wirtschaft über mehrere Jahre kräftig zulegen.

Der nach langen Diskussionen letztlich im März 2017 vom Parlament verabschiedete 6. Fünfjahresplan (2017/18 bis 2021/22; iranische Jahre: 21.3. bis 20.3.) sieht ein durchschnittliches reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8% vor. Dem Plan zufolge soll die Arbeitslosenquote 2021/22 auf unter 7% gesunken sein, für 2017/18 wird eine Quote von 12% angenommen. Als Jahresdurchschnitt für 2016/17 weist das Statistikamt 12,4% (2015/16: 11,0%) aus, in der Altersgruppe von 15 bis 29 waren es 25,9% (23,3%). Es kommen noch bis zu 10 Millionen Unterbeschäftigte hinzu.

MKT201705308009.14

Für das vergangene Jahr 2016/17 liegen bislang von der Statistikbehörde und der Zentralbank BIP-Daten nur für die ersten drei Quartale (21.3. bis 20.12.2016) vor. Die Angaben zum realen Wachstum (preisbereinigt, zu konstanten Preisen) unterscheiden sich aufgrund unterschiedlicher Basisjahre deutlich. Die Zentralbank verwendet jetzt 2011/12 als Basisjahr und liefert deshalb realitätsnähere Werte als die Statistikbehörde, die zu Preisen von 1997/98 kalkuliert.

Gemäß Zentralbank hat das BIP in den ersten neun Monaten 2016/17 real um 11,6% (zu Faktorkosten) zugelegt, ohne den Ölsektor aber nur um 1,9%. Das für den Ölsektor (einschließlich Gasförderung) ausgewiesene BIP-Plus von über 65% spiegelt die starke Erhöhung der Ölfördermenge seit Lockerung der Sanktionen Anfang 2016. Die Landwirtschaft legte 4,2% zu, die verarbeitende Industrie 5,8%, für den Bergbau (ohne Öl und Gas) wird -0,2% und für den Dienstleistungssektor 2,4% angegeben, die Baubranche ist um 17,1% geschrumpft. Der Zentralbankstatistik zufolge ist das BIP 2015/16 um 1,6% geschrumpft.

Wirtschaftliche Eckdaten 1)
Indikator 2015/16 (1394) 2) 2016/17 (1395) 3) Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 4) 385,9 420,0 3.467,6
BIP pro Kopf (US$) 4) 4.897 5.270 41.914
Bevölkerung (Mio.) 78,8 79,7 82,7
Wechselkurs (Zentralbankrate; Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Rial) 29.580 31.392 --
Wechselkurs (freie Marktrate; Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Rial) 34.501 36.000 --

1) jeweils iranische Jahre (21.3. bis 20.3.); 2) offizielle Angaben; 3) vorläufige Angaben, Schätzungen; 4) zu Marktpreisen, Umrechnung zum durchschnittlichen Zentralbankkurs

Quellen: Central Bank of Iran, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank

Aufgrund der mit der OPEC vereinbarten, jetzt bis März 2018 geltenden Förderbegrenzung fällt 2017/18 die Rohölförderung als Wachstumsmotor aus. Positive Impulse wird aber die wachsende Gas- und Kondensatförderung geben. Viele Branchen der Nicht-Öl-Wirtschaft zeigen weiterhin nur schwaches Wachstum, Ausnahmen sind vor allem der weiter stark expandierende Kfz-Sektor und die Petrochemie. Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2017 ein BIP-Plus von 3,3% (2018: 4,3%), der Ölsektor soll um 2,7% (6,7%) expandieren, die Nicht-Öl-Wirtschaft um 3,4% (3,8%).

Investitionen: Hohe ausländische Direktinvestitionen erwartet

Die Realisierung der ambitionierten Wachstumsziele erfordert eine starke Belebung der Investitionstätigkeit. In jüngsten Erklärungen spricht die Regierung von notwendigen 250 Mrd. US$ innerhalb des Zeitraums 2017/18 bis 2021/22, davon sollen 50 Mrd. $ auf ausländische Direktinvestitionen entfallen. Diese Zielmarke bei Direktinvestitionen wäre leicht zu erreichen, wenn ein Großteil der mit ausländischen Unternehmen unterzeichneten Absichtserklärungen umgesetzt werden könnte, was allerdings derzeit noch zweifelhaft ist.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums stieg 2016/17 der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen sprunghaft auf 11 Mrd. $ an, lediglich 7 Mrd. $ seien erwartet worden. Details zu den Direktinvestitionen sind jedoch nicht verfügbar. Die UNCTAD Statistik weist für Iran zwischen 2011 und 2015 eine Verminderung des jährlichen Investitionszuflusses von netto 4,3 Mrd. auf 2,1 Mrd. $ aus.

Die BIP-Statistik der Zentralbank zeigt auch in den ersten drei Quartalen 2016/17 weiter schrumpfende Bruttoanlageinvestitionen, es waren fast 9% weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Investitionen befinden sich seit 2012/13 auf rasanter Talfahrt, unterbrochen durch eine leichte Belebung 2014/15, es folgte 2015/16 ein Minus von 12%.

Iran: Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitions-summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektträger
Tehran Metro: Line 8, 9 and Four Express Lines 10.000 DE Tehran Urban & Suburban Railway Company (TUSRC)
Tehran to Mashhad High Speed Railway 3.000 ST Iran Railways
Imam Khomeini International Airport Expansion: New Terminal 2.800 PQ Iran Ministry of Roads & Urban Development
Mokran Major Steel Complex 1.600 ST Iranian Mines & Mining Industries Development & Renovation Organization
Miyaneh Combined Cycle Power Plant 1.500 ST Ministry of Energy
Mehdiabad Zinc Production Plant 1.200 ST Iranian Mines & Mining Industries Development & Renovation Organization
Shiraz International Airport Expansion 1.000 ST Iranian Airports Holding Company
Gorgan - Gonbad Railway 500 DE Construction & Development of Transportation Infrastructure Company
Mahshahr PVM Plant (Propylene Via Methanol) 500 ST Iran Petrochemical Research & Technology Company
Mazandaran Hospital (1000 Beds) 500 ST Ministry of Health

*) ST = Studie, DE = Design, PQ = Präqualifizierung

Quellen: MEED Projects, Pressemeldungen, Recherchen von Germany Trade & Invest

Konsum: Privater Verbrauch legt langsam zu

Gemäß Zentralbankstatistik ist der private Konsum 2015/16 erneut gefallen, nach einer Erholung im Jahr zuvor. In den ersten drei Quartalen 2016/17 wurde gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode ein Zuwachs von 2,4% verzeichnet. Die Wiederwahl von Präsident Rouhani dürfte sich positiv auf die Konsumentenstimmung auswirken, aber die erhoffte kräftige Erhöhung des privaten Verbrauchs dürfte bis zu einer signifikanten realen Steigerung der Haushaltseinkommen ausbleiben.

Seit Abschluss des Atomabkommens hat der Einzelhandel in Erwartung einer deutlichen Nachfragebelebung erheblich investiert. Dies gilt insbesondere für Anbieter ausländischer Konsumgüter des gehobenen und Luxusbedarfs. Daten zur Geschäftsentwicklung liegen aber nicht vor. Der Absatz ausländischer Konsumgüter wird durch teilweise sehr hohe Zollabgaben gebremst. So sind beispielsweise ausländische Haushaltsgeräte teilweise doppelt so teuer wie vergleichbare Produkte in Deutschland.

Der Spielraum für eine Ausweitung der Konsumausgaben ist bei der Mehrheit der privaten Haushalte angesichts geringer Einkommen übersichtlich, zudem sollen die stattlichen Subventionen weiter reduziert werden. Nach Erhebungen der Zentralbank verfügte ein städtischer Haushalt mit durchschnittlich 3,4 Personen 2015/16 über ein Monatseinkommen von 29,4 Mio. Rial (852 $).

Außenhandel: Einfuhren steigen kräftig

Nach einem starken Einbruch der Einfuhren 2015/16 und weiteren Rückgängen in der 1. Hälfte 2016/17 führte der seit Herbst 2016 zu verzeichnende Aufwärtstrend im Gesamtjahr 2016/17 zu einem Anstieg der Importe um 5,2% auf 43,7 Mrd.$ (cif), so die Daten des iranischen Zolls. In der Gruppe der fünf führenden Lieferanten gab es gegenläufige Entwicklungen. Die VR China konnte um 3% auf 10,8 Mrd. $ zulegen und kam damit auf einen Anteil an Irans Einfuhr von 25%. Es folgten mit Rückgängen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE; -18% auf 6,4 Mrd. $; vor allem Re-Exporte über Dubai), Korea (Rep.; -6% auf 3,5 Mrd. $) und die Türkei (-8% auf 2,7 Mrd. $). Nach iranischen Angaben stiegen die deutschen Lieferungen 2016/17 um 39% auf 2,5 Mrd. $.

Iran: Außenhandel 2011/12 bis 2015/16 (in Mio. US$; Veränderung in %) 1)
2011/12 (1390) 2) 2012/13 (1391) 2) 2013/14 (1392) 2) 2014/15 (1393) 3) 2015/16 (1394) 3) Veränderung 1394/1393
Importe (fob) 78.027 68.734 63.584 65.079 52.419 -19,5
.Öl- und .Gaserzeugnisse 5.726 2.652 3.263 3.948 2.233 -43,4
.sonstige .Erzeugnisse 72.301 66.082 60.321 61.131 50.186 -17,9
Exporte (fob) 145.806 97.296 92.910 86.471 64.597 -25,3
.Öl und Gas 119.148 68.083 64.540 55.352 33.596 -39,4
.Nichtöl-.erzeugnisse 26.658 29.213 28.369 31.119 31.028 -0,3
Handelsbilanz-saldo 67.779 28.563 29.326 21.392 12.178 -43,1

1) jeweils iranische Jahre (21.3. bis 20.3.); 2) offizielle Angaben; 3) vorläufig

Quelle: Central Bank of Iran

Eurostat zufolge sind die Ausfuhren der EU28 Gruppe nach Iran 2016 um 28% auf 8,2 Mrd. Euro gestiegen. Im 1. Quartal 2017 wurde ein Zuwachs von 57% auf 2,5 Mrd. Euro verzeichnet, Deutschland lieferte für 701 Mio. Euro (+41%), Frankreich für 461 Mio. Euro (+252%) und Italien für 419 Mio. Euro (+37%). Der sprunghafte Anstieg der französischen Ausfuhren spiegelt die im 1. Quartal 2017 erfolgten Auslieferungen von drei Airbus Maschinen an Iran Air. Die VR China meldet im 1. Quartal 2017 einen Anstieg der Exporte nach Iran um 33% auf 4,2 Mrd. US$, Korea (Rep.) um 41% auf 929 Mio. US$ und Japan um 179% auf 231 Mio. US$.

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--iran,did=1591694.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=produktmaerkte-in-iran-mai-2017,did=1730092.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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