Wirtschaftsausblick

07.12.2017

Wirtschaftsausblick November 2017 - Kroatien

Inhalt

Wirtschaft wird auch 2018 und 2019 stark wachsen / Von Waldemar Lichter

Zagreb (GTAI) - Die kroatische Wirtschaft setzt ihr kräftiges Wachstum auch 2017 weiter fort. Die Konjunktur wird durch den privaten Verbrauch und zunehmend auch durch die steigenden Bruttoanlageinvestitionen gestützt. Besonders günstig ist die Entwicklung im wichtigen Tourismussektor. Einige Risiken birgt die Schieflage des großen Handelskonzerns Agrokor.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum mit breiter Basis

Die kroatische Wirtschaft wächst ungeachtet aller strukturellen Probleme und der derzeitigen Schwierigkeiten großer, dominierender Unternehmenskonglomerate wie etwa des Agrokor-Konzerns kräftig weiter. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm nach Angaben des Statistikamtes DZS im 2. Quartal 2017 saisonbereinigt um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahrsquartal zu. Es war das elfte Quartalswachstum in Folge nach einem realen Plus von je 3,4 Prozent im 4. Quartal 2016 und 1. Quartal 2017.

Die gute konjunkturelle Entwicklung fußt auf breiter Basis. Wichtigste Impulse gehen von der Inlandsnachfrage aus - dem wachsenden privaten Verbrauch und den Investitionen. Für gute Ergebnisse sorgen aber auch die starken Exporte von Gütern und Dienstleistungen. Die Güterausfuhren nahmen im Jahresverlauf 2017 kräftig zu. Dank der guten Tourismussaison steigen auch die Dienstleistungsexporte. Der Tourismussektor hat 2017 wieder einen neuen Rekord eingefahren.

Gefahren für die Konjunktur drohen von den Problemen des größten privaten Unternehmens des Landes, dem im Handelssektor und in der Industrie (etwa Nahrungsmittelproduktion) sowie im Ausland (unter anderem Slowenien sowie Bosnien und Herzegowina) tätigen Konzern Agrokor. Die Unternehmensgruppe leidet unter einer Schuldenlast von rund 6 Milliarden Euro. Im Falle einer Insolvenz könnten zahlreiche andere kroatische Firmen und ganze Zweige in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Regierung bemüht sich derzeit, das Unternehmen zu sanieren, um mögliche negative Auswirkungen auf die Wirtschaft so gering wie möglich zu halten.

Ungeachtet des Risikos, das von der Agrokor-Krise für einige Branchen, für Investitionen und Konsum ausgeht, sind die meisten Prognosen für das kroatische BIP-Wachstum nicht nach unten revidiert worden. Nach Einschätzung der kroatischen Nationalbank könnten die Probleme des Konzerns jedoch einen negativen Effekt auf das BIP von 0,3 bis 0,4 Prozentpunkten haben.

MKT201712068021.14

Wirtschaftliche Eckdaten Kroatiens
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 44,5 46,3 3.144,1
BIP pro Kopf (Euro) 10.600 11.100 *) 38.114
Bevölkerung (Mio.) 4,2 4,2 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Kuna) 7,6137 7,5333 -

*) geschätzt

Quellen: Eurostat; Deutsche Bundesbank; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Tourismussektor treibt Investitionen an

Die Bruttoanlageinvestitionen werden 2018 und 2019 deutlich anziehen. Ihr Wachstum wird höher ausfallen als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und sich sogar noch beschleunigen. Ein großer Teil der Investitionsaktivitäten bezieht sich auf Neu- und Modernisierungsvorhaben im Tourismussektor. Wichtige, zum großen Teil mit EU-Mitteln kofinanzierte Projekte werden zum Ausbau der Infrastruktur im Transportsektor und im kommunalen Versorgungsbereich realisiert. In der Förderperiode 2014 bis 2020 stehen Kroatien EU-Mittel in Höhe von insgesamt 10,8 Milliarden Euro zur Verfügung.

Ausgewählte Großprojekte in Kroatien
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Modernisierung und Ausbau der Eisenbahninfrastruktur 2.300 im Zeitraum 2016 bis 2020 Die meisten Vorhaben in Planungsphase; Ausschreibung für den Ausbau der Strecke Zapresic - Zabok im Gang; Abschnitt Krizevci - Staatsgrenze mit Ungarn ist angekündigt HZ-Infrastruktura; http://www.hzinfra.hr; Finanzierung aus EU-Kohäsionsfonds und CEF (Connecting Europe Facility)
Peljesac-Brücke: Wegfall des Transits durch Bosnien und Herzegowina 420 (ohne MWSt) Drei verbindliche Angebote für Bauausführung eingereicht; Entscheidung bis Ende 2017 erwartet Hrvatske ceste d.o.o.; http://www.hrvatske-ceste.hr; EU-Fördergelder von 357 Mio. Euro gewährt
Schwimmendes LNG-Terminal Omisalj/Insel Krk 363; in späterer Phase Bau eines Festlandterminals im Gespräch - geschätzte Kosten bis zu 500 Vorhaben von der Regierung als strategisches Projekt und von der EU-Kommission als "Project of Common Interest" definiert; Präqualifikation für die Beschaffung eines Tanklagerschiffes und der dazugehörigen Anlegeinfrastruktur Anfang Oktober 2017 abgeschlossen; endgültige Entscheidung über die Realisierung des Vorhabens bis Ende des 1. Quartals 2018 geplant LNG Hrvatska d.o.o.; http://www.lng.hr; CEF-Kofinanzierung gewährt
Modernisierungen der Flughäfen Dubrovnik (zweite Phase) und Split 208 beziehungsweise 60 Dubrovnik: Bauarbeiten im September 2017 an das Baukonsortium Strabag AG - Poduzece za ceste Split-Elektrocentar Petek vergeben; EU-Strukturmittel über 116 Mio. Euro gewährt; Flughafen Split im Bau Zracna luka Dubrovnik; http://www.airport-dubrovnik.hr; Zracna luka Split; http://www.split-airport.hr/; geplante Fertigstellung: 2019
Seehafen Rijeka: Modernisierung der Bahninfrastruktur und Bau von intermodalen Umschlagterminals Brajdica und Zagrebacka obala; Erneuerung des Stückgutterminals Rasa 75 Ausschreibung für die Bauarbeiten am Terminal Brajdica im Gang; Ausführung bis Ende 2019/2020 Lucka uprava Rijeka; http://www.portauthority.hr; HZ-Infrastruktura; http://www.hzinfra.hr; CEF-Kofinanzierung
Wasserkraftanlage Kosinj-Senj: Kraftwerk Senj II (350 MW), Tunnel durch das Velebit-Gebirge und Stausee Kosinj 500 Planungsphase; Baustart für 2019 geplant Hrvatska elektroprivreda (HEP); http://www.hep.hr
Wärmekraftwerk Plomin C (500 MW) bis zu 1.000 Haltung der derzeitigen Regierung zum Projekt noch nicht bekannt und hängt von der erst auszuarbeitenden neuen Energiestrategie ab HEP; http://www.hep.hr; geplanter Vertrag von der EU-Kommission beanstandet; ausgewählter japanische Partner Marubeni erwägt Rückzug
Neuer Block in der Kraft-Wärme-Kopplungsanlage EL-TO Zagreb (90 bis 150 MWe) 150 Mehrere Projektteile ausgeschrieben (unter anderem Vorbereitungsarbeiten, Dienstleistungen) HEP; http://www.hep.hr; EBRD-Kredit
Erdgasleitungen: Anbindungen an slowenisches Netz sowie an die TAP-Pipeline (250 km) 170 beziehungsweise 265 Planungsphase, beziehungsweise Absichtserklärung Plinacro d.o.o.; http://www.plinacro.hr

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Nationale Ausschreibungsdatenbanken:

http://www.tenderi.hr

https://eojn.nn.hr/Oglasnik/

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/kroatien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Verbrauch bleibt wichtige Konjunkturstütze

Der private Verbrauch hat sich zu einer der wichtigsten Konjunkturstützen entwickelt. Dessen Wachstum wird sich aber 2018 und 2019 abschwächen, sodass stärkere Impulse von den Investitionen ausgehen werden. Die wirtschaftliche Erholung hat die Löhne steigen lassen und die Beschäftigungslage verbessert, was sich günstig auf den Konsum auswirkt. Allerdings ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Kroatien im EU-Vergleich immer noch relativ gering. Gedämpft wird der Verbrauch nach wie vor durch die recht hohe Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote belief sich im August 2017 nach Angaben von Eurostat auf 10,9 Prozent (2013: 17,4 Prozent). Höher war die Arbeitslosigkeit in der EU nur in Italien, Spanien und Griechenland.

Außenhandel: Warenaustausch mit dem Ausland auf Rekordhöhe

Der kroatische Außenhandel hatte 2016 einen neuen Höchststand erreicht und war nach Angaben des Statistikamtes DZS um 41 Prozent höher als im Krisenjahr 2009. Seit Jahresanfang 2017 wächst der Warenaustausch mit dem Ausland kräftig weiter. In den ersten acht Monaten 2017 nahmen die Exporte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16,1, die Einfuhren um 12,8 Prozent zu. Etwa 26 Prozent der Einfuhren entfielen auf Fahrzeuge und Maschinen. Den größten Teil seines Außenhandels wickelt das Land mit der EU ab. Wichtigste Außenhandelspartner des Landes sind Deutschland (1. Rang), Italien, und Slowenien.

Außenhandel Kroatiens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 18.564 19.791 6,6
Exporte 11.663 12.490 7,1
Handelsbilanzsaldo -6.900 -7.302 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Kroatien

Dieser Artikel ist relevant für:

Kroatien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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‎+49 228 24 993 365

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