Wirtschaftsausblick

07.12.2017

Wirtschaftsausblick November 2017 - Kuba

Inhalt

Trump und Naturkatastrophen lassen Wirtschaftsleistung sinken / Aussichten für 2018 etwas besser / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - 2017 war für Kuba angesichts neuer Beschränkungen durch die US-Regierung, weniger Unterstützung aus Venezuela und den Hurrikan Irma ein äußerst schwieriges Jahr. Auch wenn eine grundsätzliche Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik unwahrscheinlich ist, sind die Aussichten für 2018 gut. Höhere Investitionen ausländischer Unternehmen und eine bessere Finanzierungssituation erlauben einen begrenzten Aufschwung.

Wirtschaftsentwicklung: Hoffnung auf 2018

Die kubanische Wirtschaft durchlief 2017 ihr schwierigstes Jahr seit langem und auch für 2018 sind die Perspektiven nur leicht besser. Das Land leidet nach wie vor unter der geringeren Unterstützung aus dem befreundeten Venezuela sowie unter den niedrigen Weltmarktpreisen für Nickel, dem wichtigsten mineralischen Exportgut. Daneben kamen 2017 neue Herausforderungen hinzu.

US-Präsident Donald Trump stellte im Juni 2017 seine Richtlinien zur Kubapolitik vor, die einen härteren Kurs gegen das dortige Regime vorsehen. Wichtigste Punkte sind die Wiedereinführung bestimmter Reisebeschränkungen für US-Amerikaner sowie das Verbot von Geschäften mit kubanischen Firmen, die unter Kontrolle des Militärs stehen. Neben vielen Hotels betrifft dies auch die Verwaltung der Sonderwirtschaftszone Mariel.

Die Auswirkungen des Hurrikans Irma, der im September über der Insel wütete, sind ein weiterer Faktor, der die kubanische Wirtschaft zurückwirft. Der Sturm zerstörte Teile der Strom- und Wasserinfrastruktur. Nahrungsmittelbetriebe wie Hühnerfarmen und Obstplantagen sowie einige Hotelanlagen im Osten des Landes waren ebenfalls betroffen. Die angepeilte Marke von 4,7 Millionen Besuchern für 2017 kann womöglich nicht erreicht werden.

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Das von der Regierung zu Jahresbeginn anvisierte Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2 Prozent ist angesichts der Negativfaktoren Makulatur. Vielmehr wird die Wirtschaftsleistung voraussichtlich leicht zurückgehen. Für 2018 und die Folgejahre gehen Analysten von einer Erholung aus. Hoffnung dafür bereiten die ausländischen Direktinvestitionen, die 2017 voraussichtlich auf gut 2 Milliarden US-Dollar (US$) steigen. Zudem entspannen die Einigung mit den Gläubigern des Pariser Clubs sowie Kredite und Umschuldungszusagen befreundeter Staaten wie der VR China und Russland die traditionell schwierige Devisensituation. Das private Engagement im Kleingewerbe wie Restaurants und Pensionen stagniert jedoch angesichts neuer staatlicher Beschränkungen.

Raúl Castro will sein Amt als Präsident des Staats- und Ministerrats im Februar 2018 abgeben. Als aussichtsreichster Nachfolger gilt Miguel Díaz-Canel, der schon jetzt wichtige Ämter in der Regierung und der kommunistischen Partei Kubas (Partido Comunista de Cuba - PCC) innehat. Auf Díaz-Canel ruht die Hoffnung einer neuen Generation von Führungskräften innerhalb des Regimes, grundlegende Änderungen in der Wirtschaftspolitik sind von ihm jedoch nicht zu erwarten.

Wirtschaftliche Eckdaten Kubas
Indikator 2016 2017 *) Vergleichsdaten Deutschland 2016 *)
BIP (nominal, Mrd. US$) 89,7 94,0 3.480,2
BIP pro Kopf (US$, kaufkraftbereinigt) 12.389 12.565 42.188
Bevölkerung (Mio.) 11,5 11,5 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, US$/CUC) 1,000 1,000 -

*) Prognosen

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Sonderwirtschaftszone Mariel stößt auf Interesse

Die Regierung versucht entsprechend der eigenen Zielvorgabe jährlich 2,5 Milliarden US$ an ausländischen Direktinvestitionen auf die Insel zu ziehen. Die derzeitigen Zuflüsse bleiben knapp unter dieser Marke. Zwischen Januar und Oktober 2017 lag der Wert laut dem Außenwirtschaftsministerium bei circa 2 Milliarden US$. Zentrales Instrument ist die jährlich aktualisierte Liste der Investitionsmöglichkeiten, die derzeit 456 Projektvorschläge umfasst. Wichtigste Sektoren sind der Tourismus, das Baugewerbe, die Zucker- und Nahrungsmittelindustrie, die Energie- und Wasserversorgung sowie Projekte in der Sonderwirtschaftszone Mariel.

Von den Vorschlägen stoßen jedoch nur relativ wenige auf das Interesse von Investoren. Am meisten Bewegung herrscht in Mariel. Die 2013 eröffnete Zone wartet mit einem Tiefseehafen, guter Infrastruktur und Anbindung an die rund 50 Kilometer entfernte Hauptstadt Havanna auf. Bis November 2017 gab es 31 bestätigte Projekte. Außerhalb von Mariel bahnen sich die meisten Projekte in der Stromwirtschaft (vor allem Windkraft, Fotovoltaik und Bioenergie) sowie im Hotelgewerbe an. Die insgesamt schwache Dynamik geht laut Marktbeobachtern zum Teil auf die langwierigen Genehmigungsprozesse zurück.

Jüngste Investitionsprojekte in der Sonderwirtschaftszone Mariel *)
Unternehmen Herkunftsland Produkte/Anmerkungen
Autocentro ZED Panama/Russland Import, Verleih und Reparatur von Transportfahrzeugen der Marke Kamaz
Cimex Mariel Kuba Verarbeitung und Vertrieb der Kaffeemarke Cubita
Cupet-Sheritt Internacional Kanada/Kuba Internationale Wirtschaftsvereinigung zur Entwicklung der Erdölförderung
El Salado (mit El Salado Resort als Joint Venture-Partner) Spanien/Kuba Bau einer Tourismusanlage mit zwei Hotels, Golfplatz, Wohneinheiten etc.
Engimov Caribe Portugal Baudienstleistungen; mittelfristig Aufbau von fünf Baustofffabriken
Fidas do Brasil Brasilien Logistikdienstleistungen
Grupo TOT Color Spanien Farben für Spezialanwendungen
Industria Arthis (mit L.R. Moroni Cellulose Converting Machinery als Joint-Venture-Partner) Italien/Kuba Produktion von Wegwerfwindeln
Logística Hotelera del Caribe (mit Iberostar als Joint Venture-Partner) Spanien/Kuba Logistikdienstleistungen für Hotelgewerbe einschließlich Import und Export
Minal Kuba Nationale Biermarke Cristal
Nescor (mit Nestlé als Joint Venture-Partner) Schweiz/Kuba Bäckereiprodukte, Süßwaren und Kaffee
Rimco Puerto Rico Vertrieb von Maschinen der Firma Caterpillar

*) angekündigt zwischen November 2016 und November 2017

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/kuba, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Mehr Selbstständige und Kleinunternehmen

Konsumausgaben konzentrieren sich in Kuba weitestgehend auf den Einkauf der staatlichen Unternehmen. Höherwertige Waren werden aufgrund der knappen Devisen nur für den Tourismus akquiriert. Unter den Konsumgüterimporten nehmen Nahrungsmittel den größten Anteil ein. Kuba muss trotz bester klimatischer Bedingungen pro Jahr Nahrungsmittel im Wert von rund 2 Milliarden US$ im Ausland einkaufen, das sind rund 20 Prozent der Gesamtimporte des Landes.

Die aufkommende Privatwirtschaft wird von Kleinunternehmern im Fremdenverkehr beherrscht, darunter Pensionen, Restaurants und Taxifahrer. Sie stärken den privaten Konsum zum einen durch Käufe für ihre Geschäftszwecke, zum anderen verfügen sie im Schnitt über ein höheres persönliches Budget als staatlich Angestellte.

Laut dem Arbeitsministerium nimmt die Zahl der Selbstständigen zu. Im September 2017 lag sie bei 578.421 Personen und somit um 11 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Offiziell arbeiten 10 Prozent der Erwerbstätigen auf eigene Rechnung. Die Dunkelziffer liegt Schätzungen zufolge jedoch bei rund 25 Prozent. 2017 nahm die Regierung die illegale Beschäftigung zum Anlass, um in wichtigen Bereichen vorerst keine neuen Genehmigungen mehr zu vergeben und strenger gegen Verstöße vorzugehen.

Außenhandel: Handelsbilanzdefizit geht 2017 zurück

Kubas Außenhandel weist Jahr für Jahr ein enormes Defizit auf. 2017 liegt es voraussichtlich bei 7,1 Milliarden US$ und damit etwas niedriger als im Vorjahr. Haupteinfuhrgüter 2016 waren Maschinen und Ausrüstungen mit einem Anteil von 25,7 Prozent, gefolgt von Nahrungsmitteln (20,5 Prozent), Erdöl (19,4 Prozent) und Chemikalien (11,9 Prozent).

Knapp 23 Prozent der Importe stammen mittlerweile aus China. Venezuela liegt mit rund 15 Prozent an zweiter Stelle, allerdings aufgrund der dortigen Wirtschaftskrise mit abnehmender Tendenz. Die wichtigen Partnerländer Spanien und Brasilien folgen auf den Plätzen drei und vier.

Die Abwicklung von Einfuhren ist den staatlichen Importgesellschaften vorbehalten. Diese Firmen sind in der Regel Teil von sektorspezifischen Unternehmensgruppen und dürfen nur Produkte aus ihrem jeweiligen Wirtschaftsbereich einführen. Ausnahmen gibt es in der Sonderwirtschaftszone Mariel, wo ein spezielles Zollregime für dort ansässige Privatunternehmen herrscht.

Außenhandel Kubas (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 *) Veränderung 2017/2016 *)
Importe 10.279 9.991 -2,8
Exporte 2.535 2.859 12,8
Handelsbilanzsaldo -7.744 -7.132 -

*) Prognosen

Quelle: EIU

Die kubanischen Exporte konzentrieren sich auf Nickel, Arzneimittel, petrochemische Produkte und Zucker. Hauptabnehmer sind Venezuela, Kanada, China, und die Niederlande.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/kuba

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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