Wirtschaftsausblick

07.12.2017

Wirtschaftsausblick November 2017 - Luxemburg

Inhalt

Hoher Einfuhrbedarf eröffnet deutschen Anbietern viele Chancen / Von Torsten Pauly

Luxemburg (GTAI) - Das luxemburgische Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2018 erneut kräftig um real 3,5 Prozent zunehmen (2017: +3,4 Prozent). Allerdings muss das Land sehr viele Waren einführen, auch weil das verarbeitende Gewerbe 2016 nur 5,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erbracht hat. Die überwiegend kaufkräftigen Kunden haben meist sehr hohe Qualitätsansprüche. Dadurch bieten sich deutschen Anbietern exzellente Absatzchancen. Chancen und Risiken birgt allerdings der Brexit für Luxemburg.

Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur ist weiterhin breit aufgestellt

Das luxemburgische Wirtschaftswachstum bleibt robust. Die EU-Kommission schätzte im November 2017, dass die Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen im Gesamtjahr preisbereinigt um 5 Prozent und 2018 um 4,8 Prozent zulegt. Auch die Investitionen und der Konsum sollen 2018 um 2,4 Prozent beziehungsweise 2,5 Prozent ansteigen. Dank dieser guten Binnenkonjunktur soll auch Luxemburgs Import 2018 kräftig um 4,7 Prozent zunehmen. Insgesamt weitet sich die Inlandsnachfrage 2017 real um 2,6 Prozent und 2018 um weitere 2,5 Prozent aus, so die EU-Kommission. Damit zählt Luxemburgs Konjunktur weiterhin zu den dynamischsten in der EU, wenn auch die Erwartungen im Mai sogar noch optimistischer gewesen waren als im November 2017. In den Krisenjahren 2008 und 2009 war Luxemburgs BIP um insgesamt 5,6 Prozent gesunken. Dank der guten Entwicklung seither ist das Niveau 2016 aber preisbereinigt um 17,6 Prozent höher gewesen als vor diesem Einbruch.

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Luxemburg hatte 2017 mit 590.700 Einwohnern die nach Malta geringste Bevölkerung der EU. Doch die luxemburgische Wirtschaftsleistung pro Kopf war 2016 mit 90.700 Euro die bei weitem höchste in Europa. Nimmt man die 179.100 Grenzpendler hinzu, die im vierten Quartal 2016 in Luxemburg gearbeitet haben, so ergibt sich ein Mittel von 70.200 Euro. Von 2007 bis 2017 hat sich die ansässige Wohnbevölkerung um 24 Prozent erhöht und bis 2027 rechnet das europäische Statistikamt Eurostat mit einem weiteren Anstieg um 21,6 Prozent. Dieser Zustrom von meist gut ausgebildeten Arbeitskräften beflügelt den Bedarf an Waren und Dienstleistungen aller Art.

Zudem bietet Luxemburg attraktive Margen, denn das Preisniveau für Endverbraucher lag dort 2016 um 23,7 Prozent über dem EU-Schnitt und war somit das zweithöchste der Eurozone. In Deutschland lag der Wert nur um 3,6 Prozent über dem EU-Mittel.

Wirtschaftliche Eckdaten von Luxemburg
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 52,1 53,0 3.144,1
BIP pro Kopf (Euro) 91.500 90.700 38.114
Bevölkerung (Mio.) 0,6 0,6 82,5

Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt

Der für März 2019 terminierte britische EU-Austritt birgt für Luxemburg allerdings große Unwägbarkeiten. Im Großherzogtum ist der Finanz- und Versicherungssektor der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig. Dieser hat 2016 allein 27,3 Prozent der landesweiten Wertschöpfung erbracht. Im selben Jahr hat die Ein- und Ausfuhr von Finanzdienstleistungen 66,3 sowie 94,4 Prozent des BIP entsprochen. Die Verflechtung mit dem Vereinigten Königreich ist dabei sehr hoch, denn auf dieses entfielen 17,9 Prozent eben dieses Außenhandels. Luxemburg kann vom Brexit aber auch profitieren, da es mit als attraktivste EU-Alternative zum britischen Finanzstandort gilt.

Investitionen: Hohe Aufwendungen für die Infrastruktur und Stadtentwicklung

Die Investitionstätigkeit soll in Luxemburg 2018 preisbereinigt um 2,4 Prozent zulegen, erwartet die EU-Kommission im November 2017. Die Ausrüstungsbeschaffungen sollen 2017 um 12,1 Prozent und 2018 um 1 Prozent steigen. Bei den Bauinvestitionen prognostiziert die EU-Kommissionen für 2018 ein Plus von 3,5 Prozent. Im Krisenjahr 2009 waren die Investitionen in Luxemburg um 12,4 Prozent eingebrochen. Wenngleich es auch danach zu Schwankungen gekommen war, so lag das Niveau 2016 preisbereinigt doch wieder um 6,7 Prozent höher als vor dem Einbruch 2008. EU-weit waren die Bruttoanlageinvestitionen 2016 real noch um 4,8 Prozent niedriger als 2008.

Geschäftschancen eröffnen sich in Luxemburg für deutsche Anbieter auch durch Großprojekte in der Stadtentwicklung und Verkehrsinfrastruktur. Neben der Hauptstadt ist dabei Esch im Süden ein Entwicklungszentrum. Die früher durch das Stahlwerk und andere Industriezweige geprägte Stadt wandelt sich zum Uni- und Forschungszentrum. Auch die neue Südspidol-Klinik entsteht dort. Ein Großprojekt ist ferner die Bahntrasse von der Hauptstadt nach Bettemburg an der Südgrenze. In Luxemburg-Stadt entstehen unter anderem eine Straßenbahntrasse, ein Nationalstadion, eine Nationalbibliothek sowie neue Areale zum Leben und Arbeiten.

Ausgewählte Großprojekte in Luxemburg
Projektbezeichnung Investitionssumme (Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
neue Straßenbahn "Luxtram" 565 Mio. Bau 16 km Strecke mit 24 Stationen bis 2021 geplant; Fahrzeuge liefert spanischer Hersteller CAF; http://www.luxtram.lu
EU-Gebäude "Jean-Monnet-2" (23 Etagen) 526 Mio. Planung Realisierung in 2 Phasen bis 2024 geplant; http://ec.europa.eu
Uni- und Forschungsstadt Belval in Esch 1 Mrd. Bau 7.000 Wohn- sowie 25.000 Arbeits- u. Studienplätze im ehemaligen Stahlwerk bis 2020; http://www.belbval.lu
Klinik-Neubau Südspidol in Esch 348 Mio. Planung Realisierung bis 2022 geplant; http://www.chem.lu, http://www.sudspidol.lu
Bahnstrecke Luxemburg-Bettemburg 292 Mio. Planung, teilweise Bau Realisierung bis 2024 geplant; http://www.cfl.lu
Airport City in Luxemburg-Findel 150 bis 200 Mio. Planung Unter anderem 51.000 qm Büroraum; Realisierung bis 2025 geplant; http://www.lux-airport.lu/airport-city-master-plan/
Neubau Nationales Feuerwehr- und Zivilschutzzentrum 141 Mio. Planung Realisierung bis 2020 geplant; http://www.gouvernement.lu
Neubau Wohn- und Einkaufsareal Ban de Gasperich k.A. Planung, teilweise Bau neuer Stadtteil (6.000 Einwohner) bis 2025; unter anderem ein Einkaufszentrum (75.000 qm) bis 2019; http://www.grossfeld.lu
Neubau Nationalstadion 61 Mio. Bau Realisierung bis 2019 geplant; 9.600 Plätze; http://www.sport.public.lu
Neubau Nationalbibliothek 112 Mio. Bau Eröffnung Ende 2018 geplant; http://www.bnl.public.lu

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Luxemburg publiziert öffentliche Ausschreibungen auf der französischsprachigen Homepage http://www.marches.public.lu.

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Kräftig steigende Beschäftigung fördert die Kauflaune

Der Verbrauch der Haushalte in Luxemburg soll 2018 preisbereinigt um 2,5 Prozent zunehmen, erwartet die EU-Kommission im November 2017. Die Ausgaben der Bevölkerung erhöhen sich weniger wegen eines Reallohnanstiegs, der 2018 voraussichtlich nur 0,1 Prozent erreicht, sondern vielmehr dank der Beschäftigung, die sich 2018 um 3 Prozent ausweiten soll. Der Privatkonsum ist in Luxemburg in den letzten Jahren stetig und selbst in der Konjunkturkrise 2008 und 2009 gestiegen und das reale Niveau war 2016 um 19,6 Prozent höher als 2007. Im EU-Schnitt war es zwischenzeitlich zu starken Einbrüchen gekommen und der private Verbrauch war 2016 nur um 4,9 Prozent höher als 2007.

Der luxemburgische Handel konnte seine Bruttowertschöpfung im ersten Halbjahr 2017 laut ersten Berechnungen um real 7,9 Prozent gegenüber demselben Zeitraum 2016 steigern. Auch der vom luxemburgischen Statistikamt erhobene Index zu den Erwartungen des Einzelhandels war im September 2017 besser als im Vormonat. Viele Kunden tätigen Anschaffungen wegen der niedrigen Zinsen auch auf Pump. Zwischen den Augustmonaten 2016 und 2017 sind die Konsumdarlehen im Großherzogtum um 5,6 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro oder 2.666 Euro pro Einwohner gestiegen.

Außenhandel: Warenaustausch mit Deutschland ist sehr intensiv

Da Luxemburg eine kleine Volkswirtschaft ist und das verarbeitende Gewerbe in den letzten Jahrzehnten stark an Bedeutung verloren hat, hat das Großherzogtum bei vielen Waren eine Importabhängigkeit und insgesamt ein hohes strukturelles Handelsdefizit. Dies eröffnet deutschen Anbietern Chancen, da die kaufkräftigen Kunden hohe Qualitätsansprüche haben. Deutschland war 2016 mit einem Importanteil von 24,2 Prozent Luxemburgs zweitwichtigster Lieferant, nach Belgien (29,4 Prozent) und vor Frankreich (10,4 Prozent). Belgien ist dabei mit Europas zweitgrößtem Hafen Antwerpen oft auch Transitland für Luxemburgs Handel mit Drittstaaten. Bei der Ausfuhr war Deutschland 2016 mit einem Exportanteil von 23,2 Prozent Luxemburgs wichtigster Auslandsmarkt vor Belgien (16,7 Prozent) und Frankreich (15,4 Prozent).

Die Intensität der deutsch-luxemburgischen Handelsbeziehung zeigt auch, dass der bilaterale Warenaustausch 2016 etwa 14.833 Euro je Einwohner im Großherzogtum entsprochen hat, was weit höher war als in anderen führenden Handelspartnern Deutschlands wie Frankreich (2.501 Euro) oder Polen (2.655 Euro). Im deutschen Außenhandelsranking lag Luxemburg 2016 daher auf Rang 39 und somit vor weit größeren Ländern wie Griechenland (Platz 42) oder Indonesien (44. Position).

Außenhandel von Luxemburg (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 21.021,7 19.661,6 -6,5
Exporte 15.474,5 14.243,0 -8,0
Handelsbilanzsaldo 5.547,2 5.418,6 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/luxemburg.

(P.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Luxemburg Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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