Wirtschaftsausblick

14.11.2017

Wirtschaftsausblick November 2017 - Myanmar

Inhalt

Auslandsinvestment treibt Entwicklung voran / Von Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Myanmar dürfte seinen Wachstumskurs in den kommenden Jahren stetig fortsetzen. Ausschlaggebend für die Dynamik sind allerdings neben dem Ausbau der Infrastruktur die anhaltend hohen Auslandsinvestitionen. Internationale Finanzhilfen leisten einen wesentlichen Beitrag, doch hängt viel von der Umsetzung der Wirtschaftsreformen ab. Im externen Verhältnis sorgt der sinkende Erdgaspreis bei steigenden Importen für eine zunehmend defizitäre Handelsbilanz mit wachsendem Abwertungsdruck.

Wirtschaftsentwicklung: Solides Wachstum auf lange Sicht

Das gesamtwirtschaftliche Szenario stimmt optimistisch, dass Myanmar den mühsamen Pfad zu mehr Wachstum und Stabilität weiter fortsetzen wird. Die Asian Development Bank (ADB) prognostizierte zuletzt für das laufende Fiskaljahr 2017/18 (1. April bis 31. März) einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 7,7 Prozent und für 2018/19 eine weitere Steigerung um 8 Prozent. Ein entscheidender Faktor liegt im anhaltenden Zufluss der ausländischen Direktinvestitionen und damit der Verbreiterung der Industriestruktur und Exportleistung mit dem Schwerpunkt in der Warenproduktion. Gleichfalls bedeutsam sind Verbesserungen in Energieversorgung, Verkehrsinfrastruktur und Bildungswesen.

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Dennoch steht die Regierung unter Aung San Suu Kyi noch vor einer Fülle von Herausforderungen, so dass noch längst nicht von einem nachhaltigen "Take-off" gesprochen werden kann. Die Armut bleibt - insbesondere in ländlichen Räumen - weit verbreitet, vor allem aufgrund der Unschlüssigkeit zur Umsetzung tiefgreifender Agrarreformen. Hinzu kommen eine schwerfällige Bürokratie mit viel "Red Tape" und Korruption sowie die mangelnde Abstimmung unter den wirtschaftlich tragenden Ministerien. Im "Ease of Doing Business" der Weltbank steht Myanmar auf Rang 171 von 190 Ländern, im Korruptionsindex von Transparency International auf Rang 147 von 168 Ländern.

Wirtschaftliche Eckdaten Myanmars
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 68,0 72,3 3.480,5
BIP pro Kopf (US$) 1.250 1.319 42.188
Bevölkerung (Mio.) 54,4 54,8 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Kyat, K) 1.163 1.302 --

Quellen: Economist Intelligence Unit; Statistisches Bundesamt

Dennoch verzeichnet Myanmar einen stetigen Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen. Ungeachtet des politischen Wendejahres erreichte der Wert der Auslandsprojekte 2016/17 immerhin 6,8 Milliarden US-Dollar (US$), wobei der Sektor Transport und Telekommunikation allein 3,1 Milliarden US$ absorbierte. In der ersten Hälfte des laufenden Fiskaljahrs waren es 4,3 Milliarden US$, so dass das offizielle Ziel von 6 Milliarden US$ erreichbar scheint. Prioritär gefördert werden zehn Sektoren: Landwirtschaft, Vieh- und Fischzucht, Energie, Logistik, Bildung, Sozialwohnungen, Gesundheit, Industrieparks sowie Projekte zur Importsubstitution oder Exportförderung.

Als positives Signal für die makroökonomische Stabilität ist vor allem die Beruhigung der Preise auf eine Inflationsrate von 6,8 Prozent im letzten Fiskaljahr. Dagegen schafft das Außenverhältnis neue Spannungen, denn der niedrige Weltmarktpreis für Erdgas beeinträchtigt die Erlöse beim wichtigsten Exportprodukt empfindlich. Dies verstärkt den Zwang zur Disziplin im Finanzhaushalt, dessen Defizit 2016/17 immerhin von 4,4 auf 3 Prozent des BIP verringert wurde. Gleichzeitig sorgt die zunehmende Importnachfrage nach Konsumgütern für eine wachsend defizitäre Handelsbilanz mit der Folge eines stärkeren Abwertungsdrucks auf die nationale Währung Kyat.

Investitionen: Warenproduktion wird zum tragenden Faktor

Die ausländischen Direktinvestitionen belaufen sich akkumuliert auf insgesamt 1.378 Projekten auf 74,5 Milliarden US$. Nach Herkunftsländern stehen wertmäßig China und Singapur mit Anteilen von 26 und 25 Prozent an der Spitze vor Thailand (15 Prozent), Hongkong (10 Prozent), Vereinigtes Königreich (6 Prozent) und Südkorea (5 Prozent). Nach Sektoren dominiert anzahlmäßig die Warenproduktion mit 811 Projekten vor Erdöl und Erdgas (154) und dem Gastgewerbe (71). Wertmäßig führen Erdöl und Erdgas (30 Prozent) sowie der Energiesektor (28 Prozent) vor Transport und Kommunikation (12 Prozent), der Warenproduktion (11 Prozent), Immobilien (5 Prozent) und dem Tourismus (4 Prozent).

Die tragende Rolle in der Industrieentwicklung fällt der Warenproduktion zu. Eine Modellfunktion gebührt der Sonderwirtschaftszone Thilawa, die mit japanischer Hilfe durch die Regierung (10 Prozent) wie auch die drei großen Sogo Shosha (39 Prozent) hochgezogen wurde. Die erste Zone A ist bereits abgeschlossen mit 73 Unternehmen und Investitionen in Höhe von 760 Millionen US$. Nach Wirtschaftszweigen dominieren hierbei Bekleidung, Verpackungen, Baumaterialien, Stahlprodukte, Nahrungsmittel, Automobilteile, Agrarmaschinen, Arzneimittel und medizinische Ausrüstungen. Zone B soll im Herbst 2018 bezugsfähig sein und zählt bereits Anwärter aus 17 Ländern, zumeist Japan.

Ausgewählte Großprojekte in Myanmar
Projektbezeichnung Investitionssumme (US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Hanthawaddy International Airport 1,5 Mrd. Projektvergabe mit verzögertem Baubeginn (2022) Konsortium unter Führung von Yongnam Holdings (Singapur) mit Changi Airport Planners Engineers und JGC (Japan)
National Transport Master Plan 22,7 Mrd. Langzeitplan bis 2030 Modernisierung der Infrastruktur in Straße, Schiene, Wasser und Lufttransport
Japan International Cooperation Agency (JICA) Masterplan Yangon 2040 4,5 Mrd. Laufender Langzeitplan Schwerpunkte in Wasser, Abwasser, Verkehr, Transport, Stromversorgung und Abfallmanagement
Erdgaskraftwerk in Thanlyin Yangon (400 MW) 1 Mrd. Feasibility Study Konsortium unter Leitung des japanischen Unternehmens Marubeni
Erdgaskraftwerk in Myangyan (225 MW) 300 Mio. Vertrag Bauherr ist Sembcorp (Singapur) mit einem Power Purchase Agreement (PPA) über 22 Jahre
Wasserkraftwerk Shweli-3 in Moe Meik (1.050 MW) 1,4 Mrd. Memorandum of Understanding (MoU) Erstes europäisches Public Private Partnership (PPP) durch Électricité de France
Solaranlage in Minbu (220 MW) 350 Mio. Memorandum of Association (MoA) Green Earth Power (Thailand)
Nationalplan zur Elektrifizierung 480 Mio. Finanzierung Mittel von Weltbank, ADB, JICA und KfW
Zementfabrik 400 Mio. Durchführung Anlage der Siam Cement Group mit einer Jahreskapazität von 2,0 Mio. t
Yangon Central Station 3 Mrd. Ausschreibung Vorauswahl von 15 Unternehmen mit fünfjähriger Bauzeit von 2017 bis 2022

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/myanmar, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Neue Handelsstruktur öffnet mehr Märkte

Signifikant für die Entwicklung des Einzelhandels ist die rasche Expansion der City Mart Holding mit 37 Supermärkten und den Marken City Mart, Ocean und Market Place, die ihren Geschäftsumfang bis 2020 verdoppeln und auch die erste Onlineplattform einrichten will. Zur Bereicherung der Einkaufskultur mit zunehmend mehr westlichen Markenanbietern tragen zudem neue Shopping Malls nach asiatischem Muster bei wie etwa Junction Square, Golden Link, St. John City Mall, Fortune Plaza und The One Shopping Mall. Stark bedingt durch diese Prestigeprojekte soll die gesamte Einzelhandelsfläche Yangons laut Colliers International 2017 um 47 Prozent ansteigen.

Nach Produktzweigen verzeichnet die Informations- und Kommunikationstechnologie die meiste Dynamik. Für die ehemaligen Staatsfirmen Ooredoo und Telenor bewirkte die Öffnung einen wahren Boom im Mobilfunk, während die früher staatseigene Myanma Post and Telecommunications (MPT) mit japanischen Partnern massiv nachrüstete. Der Sektor Transport und Kommunikation repräsentiert mit einem Wert von 8,6 Milliarden US$ allein schon 11,5 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen. Stark engagiert ist gleichfalls Huawei mit dem Aufbau eines Cloud Service, während Myanmar Fiber Optic Communication Network die Infrastruktur und damit die Plattform für mehr ausländische Produkte und Start-ups errichtet.

Außenhandel: Handelsbilanz stärker im Defizit

Das Handelsvolumen erreichte in der 1. Hälfte des laufenden Fiskaljahrs 16,5 Milliarden US$ und lag damit um 2,8 Milliarden US$ über dem gleichen Vorjahreszeitraum. Der Überseehandel repräsentierte hierbei mit 77 Prozent oder 12,7 Milliarden US$ den größeren Part vor dem Grenzhandel. Der Import wuchs stärker als der Export auf 9,2 Milliarden US$, so dass das Defizit der Handelsbilanz um 11 Prozent auf 2 Milliarden US$ anstieg. Für das Gesamtjahr 2017/18 erwartete das Ministerium für Planung und Finanzen ein Handelsvolumen von rund 29 Milliarden US$. Im Folgejahr 2018/19 prognostizierte die Economist Intelligence Unit (EIU) einen Anstieg auf über 34 Milliarden US$.

Außenhandel des Landes Myanmar (in Mio. US$; reale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)*)
2017 2018 Veränderung
Importe 17.184 19.872 15,6
Exporte 12.255 14.453 17,9
Handelsbilanzsaldo -4.929 -5.419 9,9

*) Prognose; Güter ohne Dienstleistungen

Quelle: EIU

China bleibt stärkstes Lieferland. Stark aufrücken konnte Singapur dank wachsender Reexporte; dahinter folgen Japan, Thailand, Malaysia, Indonesien, Indien und Südkorea. Die größten Absatzmärkte Myanmars sind China (Hydroenergie) und Thailand (Erdgas). Die meisten Deviseneinnahmen erwirtschaften Erdgas, Agrar- und Tierprodukte, Bekleidung und Mineralien. Der Import konzentriert sich auf Nahrungsmittel, Kraftfahrzeuge, Maschinen, Chemieprodukte, Stahl und Baumaterialien. Langfristig dürfte die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungen den Import stärker vorantreiben, während niedrige Rohstoffpreise den Export beeinträchtigen. Folglich dürften die Defizite in der Handels- und Leistungsbilanz weiterhin spürbar zunehmen.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/myanmar

Dieser Artikel ist relevant für:

Myanmar Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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