Wirtschaftsausblick

07.12.2017

Wirtschaftsausblick November 2017 - Niederlande

Inhalt

Robustes Wachstum setzt sich fort / Von Marte-Marie van den Bosch

Den Haag (GTAI) - In den Niederlanden hält der Wirtschaftsaufschwung im vierten Jahr in Folge an. Für 2017 wird mit einem Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent gerechnet. Dies eröffnet dem wichtigsten Handelspartner Deutschland Chancen, da sich Außenhandel, Privatkonsum und Investitionen dynamisch entwickeln. Mit dem Aufschwung nimmt auch die Beschäftigung weiter zu, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Löhne steigen.

Wirtschaftsentwicklung: Konsum, Exporte und Investitionen kurbeln Konjunktur an

Unbeeindruckt von Monaten innenpolitischer Ungewissheit setzt sich das Wirtschaftswachstum in den Niederlanden fort. Für das laufende Jahr 2017 erwartet die Europäische Kommission ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,2 Prozent. Das nationale Planungsbüro (CPB) geht von einem Plus von 3,3 Prozent aus. Damit entwickelt sich die Konjunktur deutlich dynamischer als der EU-Durchschnitt und verzeichnet zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder einen Anstieg über 3 Prozent. Für 2018 reichen die Prognosen von 2,7 Prozent (EU-Kommission) bis 3,1 Prozent. Die Vorhersagen wurden auf Basis des durch die Regierung unter Ministerpräsident Mark Rutte im Oktober 2017 vorgestellten Koalitionsvertrags nach oben geschraubt. Der Konjunkturaufschwung wird breit getragen: Der private Verbrauch, die Exporte sowie die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen befinden sich im Aufwind.

Die Beschäftigungsrate steigt wieder, die Arbeitslosenquote sank 2017 unter die 5 Prozent-Marke und soll laut EU-Kommission 2018 auf 4 Prozent und 2018 auf 3,5 Prozent zurückgehen. Die Anzahl der offenen Stellen sowie die Arbeitsstunden der Berufstätigen nehmen zu. Die Entwicklungen dürften laut CPB zu einer Knappheit am Arbeitsmarkt führen. Zu Gunsten der Arbeitnehmer dürften hieraus höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Festanstellungen sowie für Selbstständige höhere Honorare resultieren.

Auch die Haushaltslage hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Das Staatsdefizit soll 2017 etwa 0,7 Prozent des BIP betragen und sich 2018 weiter auf 0,5 Prozent verringern. Die Staatsverschuldung ist 2017 zum ersten Mal seit 2010 mit 57,7 Prozent wieder unter die für die Euroländer vereinbarte Obergrenze von 60 Prozent gerutscht. In den Jahren 2018 und 2019 soll sie weiter auf 54,9 Prozent und 51,5 Prozent sinken.

MKT201712068007.14

Wirtschaftliche Eckdaten der Niederlande
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 683,5 702,6 3.144,1
BIP pro Kopf (Euro) 40.442 41.380 38.114
Bevölkerung (Mio.) 16,9 17,0 82,5

Quellen: CBS; CPB; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Weiterhin wichtiger Wachstumstreiber

Nachdem die Bruttoanlageinvestitionen 2016 um 5,3 Prozent gewachsen sind, erwartet die EU-Kommission für 2017 ein Plus von 5,5 Prozent und für 2018 von 4,5 Prozent. Der Zuwachs bei Ausrüstungen dürfte bei 3,9 Prozent und 5,9 Prozent liegen.

Eine steigende Nachfrage aus dem In- und Ausland, hohe Kapazitätsauslastungen und niedrige Kapitalkosten geben den Unternehmensinvestitionen Impulse. Die Investitionsquote soll 2018 rund 17,6 Prozent des BIP betragen.

Nach drei Jahren mit zweistelligen Wachstumszahlen werden die Wohninvestitionen 2018 mit 6,1 Prozent zwar abgeschwächt, aber immer noch beachtlich steigen. Auch die öffentlichen Investitionen konnten nach siebenjährigem Rückgang 2017 wieder wachsen. Die neue Regierung plant, auch 2018 mehr zu investieren und soll so laut EU-Kommission die Binnennachfrage stimulieren.

Ausgewählte Großprojekte in den Niederlanden
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Amphia Neubau und Umbau 100 Planung, Bau Neubau des Amphia-Krankenhauses in Breda auf 76.000 qm, http://www.amphia.nl/over-ons/nieuwbouw
Waterschap Rivierenland 400 Planung, Bau Investitionsprogramm für die Jahre 2015 bis 2020. Der Fokus liegt auf Hochwasserschutz, Wassermanagement, Infrastruktur zwischen Rhein/Lek und Maas, http://www.waterschaprivierenland.nl/index.html
Dunea, Duinwaterbedrijf Zuid-Holland III 100 Planung, Bau Investitionsprogramm für die Jahre 2016 bis 2020 in der Region Den Haag, Verbesserung der Trinkwasserversorgung und der Verteilungsanlagen, http://www.dunea.nl
Ausbau Stromnetz Alliander 300 Bau Investitionsprogram für die Jahre 2016 bis 2018; Netzverbesserungen- und Erweiterungen in den Regionen Gelderland, Nordholland, Friesland, Flevoland und Südholland
Bau und Sanierung von Sozialwohnungen in Amsterdam 200 Bau bis Ende 2020 Bau und Sanierung von Sozialwohnungen in Amsterdam, Nachhaltigkeit soll verbessert werden, http://www.eigenhaard.nl
Lelystad Airport 100 Bauphase Anfang 2017 bis Anfang 2019 Erweiterung des Flughafens soll Schiphol Airport entlasten, http://www.uitbreidinglelystadairport.nl
Ausbau der Straßen in den Regionen um Amsterdam, Rotterdam und zwischen dem Hafen Rotterdam und Deutschland Je 200 In Planung Ausbau für einen besseren Güter- und Personenverkehr http://www.rijksoverheid.nl/ministeries/ministerie-van-infrastructuur-en-waterstaat
Maßnahmen zum Hochwasserschutz in der Maasregion 400 In Planung, bis 2030 Projekte bei Thorn, Venlo, Baarlo, Arcen, Well, Oeffelt, Ravenstein, http://www.rijksoverheid.nl/ministeries/ministerie-van-infrastructuur-en-waterstaat
Straßenverbreiterung Ring Utrecht A27/A12 1.100, davon etwa 200 für Schallschutzmaßnahmen Start 2018, Ende zwischen 2024 und 2026 http://www.rijksoverheid.nl/ministeries/ministerie-van-infrastructuur-en-waterstaat
Ruimte voor die Rivier, Maßnahmen für den Hochwasserschutz in Ijsseldelta 2.300 Beginn 2007, Ende bis 2022 Diverse Arbeiten in den Provinzen Overijssel, Flevoland und Zuiderzeeland, http://www.rijksoverheid.nl/ministeries/ministerie-van-infrastructuur-en-waterstaat

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; EIB

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Verbraucher äußerst optimistisch

Der Privatkonsum liefert mit 2,1 Prozent im laufenden Jahr und 2,3 Prozent 2018 einen entscheidenden Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Die Dynamik ist höher als vor der Krise. Impulse kommen von steigenden Reallöhnen und der zunehmenden Beschäftigung. Diese soll 2018 und 2019 um je etwa 2 Prozent zulegen und 2019 mit 72 Prozent ein Rekordniveau erreichen. Auch das Konsumentenvertrauen ist auf dem Höchststand: Seit dreißig Jahren waren die Verbraucher nicht so positiv gestimmt wie im August 2017. Impulse kommen auch von den steigenden Immobilienpreisen. Zugleich soll die Sparquote der Haushalte leicht zulegen. Auch der öffentliche Verbrauch wird zunehmend die Binnendynamik ankurbeln und dürfte 2018 und 2019 um je 2,9 Prozent und 2,8 Prozent zunehmen.

Außenhandel: Ausfuhren bleiben Konjunkturstütze

Die Ausfuhren gelten als die zuverlässigste Konjunkturstütze der Niederlande. Auch 2018 dürften sie der Wirtschaft Impulse verleihen. Die Reexporte werden etwas dynamischer zulegen als die Ausfuhren von im Inland gefertigten Waren. Das Land reexportiert viele Importe, da es mit seiner Lage und Europas größtem Hafen Rotterdam ein Transitland ist. Nach Einschätzungen des CPB und der EU-Kommission werden 2018 die Einfuhren (5,1 Prozent bis 5,2 Prozent) etwas stärker zunehmen als die Ausfuhren (4,5 Prozent bis 4,7 Prozent). Die Lieferungen aus Deutschland stiegen 2016 um 2,9 Prozent auf etwa 70 Milliarden Euro.

Deutschland bleibt der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Es ist sowohl bedeutendstes Lieferland (18,1 Prozent) als auch Abnehmerland (22,7 Prozent). Wichtige weitere Lieferanten waren 2016 Belgien (10,2 Prozent) und China (8,7 Prozent). Die Hauptexporte gehen nach Belgien (10,1 Prozent), in das Vereinigte Königreich (9,2 Prozent) und nach Frankreich (8,1 Prozent).

Außenhandel der Niederlande (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 461.180 456.290 -1,2
Exporte 514.309 516.249 0,4
Handelsbilanzsaldo 53.129 59.959 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Niederlande

Dieser Artikel ist relevant für:

Niederlande Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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