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25.01.2016

Abwasser- und Abfallbehandlung in China bieten Chancen für deutsche Technologielieferanten

Hohes Aufkommen von Industrieschlamm / Recycling bislang kaum entwickelt / Von Stefanie Schmitt

Beijing (gtai) - In der VR China gibt es noch große Defizite in Bezug auf die Behandlung von Industrieschlamm und die Kreislaufwirtschaft. Die KfW will deshalb ihre Projektfinanzierung in diesen Bereichen verstärken. Bei den international ausgeschriebenen Vorhaben können auch deutsche Firmen zum Zuge kommen. In der Abfallwirtschaft geht der Trend zu Müllverbrennungsanlagen. Auch hier ergeben sich Absatzchancen für deutsche Technologien.

Die VR China hat grundsätzlich im Bereich Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung in den letzten Jahrzehnten deutlich aufgeholt, insbesondere, was mechanische und biologische Klärverfahren betrifft. Dies gilt sowohl für Produkte lokaler Anbieter als auch für das im Land vorhandene Know-how. Deutliche Defizite gibt es jedoch bei der Schlammbehandlung. Angesichts riesiger Schlammaufkommen könnte in Zukunft das Recycling von Phosphor aus Industrieschlamm an Relevanz gewinnen.

Die KfW will auf Klärschlammbehandlung und Kreislaufwirtschaft einen stärkeren Schwerpunkt ihrer Projektfinanzierung legen. Im Jahr 2015 finanzierte die Bankengruppe fünf dreistufige Kläranlagen. Für 2016 werden neue Vorhaben erwartet. Dabei handelt es sich in der Regel um Anlagen mit einer Klärkapazität von circa 10.000 cbm pro Tag und einem Investitionsvolumen von über 20 Mio. Euro. Grundsätzlich werden Kredite nur an öffentliche Auftraggeber vergeben. Bei den international ausgeschriebenen Vorhaben können auch deutsche Unternehmen im Anlagenbau und im Zulieferbereich (wie Pumpen, Rohre oder Ventile) zum Zuge kommen.

Wichtige Impulse liefert die Umweltpolitik. Während es früher oft genügte, eine Kläranlage zu bauen, muss sie heute tatsächlich effizient funktionieren. In der Folge werden, wo es technisch notwendig ist und die Qualität stimmt, auch höhere deutsche Preise akzeptiert. Hierzu beitragen könnte auch der am 16.4.15 veröffentlichte "Zehn-Punkte-Wasserplan" des Staatsrates.

Eines seiner Kernziele beinhaltet die Verbesserung der Wasserqualität in den sieben größten Flussläufen. Bis 2020 sollen dort 70% des Wassers "gute" Qualität erreichen und bis 2030 etwa 75%. Wobei eine gute Qualität nach chinesischen Standards die Stufen eins bis drei umfasst; diese gelten offiziell als Trinkwasser, wobei de facto nur Wasser der Stufen eins und zwei trinkbar ist. Bei Trinkwasserquellen in bezirksfreien Städten sollen es 93% (bis 2020) sein. Für ländliche Regionen liegen keine gesonderten Ziele vor. Dabei sind gerade dort Wasserknappheit und -verschmutzung besonders prekär. Grundsätzlich gilt als ein Haupthindernis bei der Verwendung moderner Wasserbehandlungs- und Abwasserbehandlungsanlagen der immer noch viel zu niedrige Wasserpreis.

Für die Entnahme von Grundwasser hat das Ministry of Water Resources im September 2015 auf einer Pressekonferenz einen nationalen Plan zum Schutz des Grundwassers angekündigt. Danach werden zurzeit jährlich mehr als 17 Mrd. cbm Wasser mehr aus dem Boden gepumpt, als nachfließen. Allgegenwärtig ist die Übernutzung des Grundwassers. Über 50 Städte sind von Bodensenkungen bedroht. Deshalb sollen Grundwasserentnahmen künftig teurer und stärker kontrolliert werden. Über 20.000 Messstationen sollen hierfür landesweit eingerichtet werden.

In Beijing beispielsweise wurden alle Grundwasserbrunnen geschlossen. Viele Städte greifen deshalb bereits heute stark auf Oberflächen- oder Flusswasser zur Aufbereitung zurück. Allerdings leiden die Metropolen nicht nur am Sinken des Grundwasserspiegels. Darüber hinaus ist das Grundwasser vielfach extrem verschmutzt. Einem Bericht der China Daily zufolge maßen 15,7% der 4.778 Messstellen des Landes eine sehr schlechte Grundwasserqualität, das heißt nach chinesischen Standards die Stufe fünf - Wasser, das zu keinem Zweck mehr zu gebrauchen ist.

In zahlreichen Landesteilen sind daher neue Stauseen geplant beziehungsweise im Bau. Sie sollen die Menschen mit Trinkwasser versorgen und der Landwirtschaft zur Bewässerung dienen. Allein in Sichuan sind beispielsweise bis 2020 16 verschiedene Projekte geplant mit Investitionen von 73,3 Mrd. Renminbi Yuan (RMB; rund 11,4 Mrd. US$; Durchschnittskurs im Dezember 2015: 1 RMB = 0,155 US$).

Müllverbrennungsanlagen auf dem Vormarsch

Branchenkennern zufolge befindet sich Chinas Markt für Abfall heute dort, wo der Abwassermarkt vor zehn Jahren stand. Nach wie vor gelangt Haushaltsmüll überwiegend auf Deponien. Zuständig sind die jeweiligen Kommunen. Dabei liegt speziell in ländlichen Regionen vieles im Argen. Über 90% aller Dörfer haben laut Umweltministerium keine geordnete Müllentsorgung. Das vom Ministry of Environmental Protection angeregte Projekt zur Errichtung von Müllsammelstellen schafft bislang eher zusätzliche Halden mit neuer Umweltweltproblematik, als tatsächlich zur Lösung des Müllproblems beizutragen.

Techniken für die Anlage sicherer Deponien sind vorhanden. Doch führen letztlich Managementprobleme im laufenden Betrieb zu Leckagen und damit zu einer Gefährdung des Grundwassers. Zwar liegen hierüber keine statistisch belastbaren Zahlen vor. Beobachter erwarten jedoch, dass das Thema Sanierung von Mülldeponien langfristig angegangen werden muss.

Aufgrund der Landknappheit geht der Trend zum Bau von Müllverbrennungsanlagen (MVA) mit angegliederter Energieerzeugung. Allerdings gestaltet sich die Standortsuche nicht selten schwierig, da solche Projekte in der Bevölkerung umstritten sind und oft von Protesten begleitet werden. Da MVA komplex sind, werden insbesondere Schlüsseltechnologien (beispielsweise Öfen) häufig importiert. Anwohnerproteste könnten dafür sorgen, dass die Abgasreinigung künftig mit besserer Technologie und im laufenden Betrieb sachgerechter betrieben wird. Dies dürfte die Absatzchancen deutscher Anbieter erhöhen.

Recycling von Wertstoffen ist bislang kaum entwickelt - trotz entsprechender Mülleimer, die etwa in den Großstädten zwischen "recyclefähigem" Müll und anderem unterscheiden. In der Praxis, so ist immer wieder zu sehen, landet doch alles zusammen in der Müllkarre.

(GS)

Dieser Artikel ist relevant für:

China Abfallentsorgung, Recycling, Deponie und Abfallaufbereitungsbau, Kläranlagenbau, Abwasserentsorgung, Waste to Energy

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