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13.03.2015

Äthiopiens Bergbau rückt ins Blickfeld internationaler Unternehmen

Potenzial längst nicht ausgeschöpft / Weitere Erforschung nötig / Von Martin Böll

Addis-Abeba (gtai) - Der gesamtwirtschaftliche Beitrag des Bergbausektors Äthiopiens ist bislang gering. An internationalem Interesse und Investoren fehlt es nicht, an passenden Rahmenbedingungen wie einer ausreichenden Infrastruktur schon. Deutschland ist so gut wie nicht präsent, auch nicht als Lieferant von einschlägigen Maschinen und Ausrüstungen. Das könnte sich ändern, wenn Äthiopien seine Rohstoffe verstärkt vor Ort nutzt, zum Beispiel für die Produktion von Düngemitteln.

Der Beitrag des äthiopischen Bergbausektors einschließlich Steinbrüchen und Sandgruben zum Bruttoinlandsprodukt dürfte nach den letzten Zahlen von 2012 lediglich bei 1,3% gelegen haben, immerhin nominal 12,7% mehr als im Jahr zuvor. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die äthiopische Wirtschaft zu fast neun Zehnteln aus Landwirtschaft und Dienstleistungen besteht. Der Bergbau ist dann doch eine wesentliche Stütze der Industrie. Vor allem dürfte der Sektor im Rahmen der äthiopischen Diversifikationsstrategie eine zunehmend wichtigere Rolle spielen.

In der internationalen Bergbauszene hat Äthiopien bislang keinen Namen. Mal abgesehen von vergleichsweise geringen Exporten von Gold, Tantal und Edelsteinen taucht das Land in den einschlägigen Statistiken bislang nicht auf. Äthiopien hat eine Vielzahl von nachgewiesenen Bodenschätzen, von denen bislang aber nur die drei vorgenannten Bodenschätze in nennenswertem Umfang abgebaut und exportiert werden.

Außer diesen gibt es nach Angaben der Ethiopian Geological Survey noch nachgewiesene Ressourcen an Phosphor, Eisen, Salz, Pottasche, Soda, Kohle, Erdgas und einer Reihe von Baustoffen. Darüber hinaus wurden metallische Lagerstätten mit Platinmetallen, Niob, Kupfer, Nickel, Mangan und Molybdän entdeckt. Vorkommen von Marmor sind in Äthiopien relativ häufig.

Die äthiopischen Bodenschätze sind bislang nur unzureichend erforscht und werden Großteils im artisanalen Bergbau (Kleinbergbau) gewonnen. Es gibt aber auch eine zunehmende Zahl industriell betriebener Bergwerke. Nach Angaben von Bergbauminister Tolosa Shagi hat Äthiopien in den letzten vier Jahren mit dem Export von Gold, Tantal, Opal, Marmor und anderen Bodenschätzen 2,3 Mrd. US$ verdient.

Dank einer Reihe aktuell anstehender Investitionen sollte sich dieser Betrag in den nächsten Jahren verdoppeln lassen, sagte der Minister. Äthiopischen Presseberichten zufolge wurden bislang mehr als 250 Bergbaulizenzen an internationale Unternehmen vergeben, vornehmlich aus der VR China, Südafrika, Großbritannien, den USA und Kanada. Etwa 130 Lizenznehmer sollen schon aktiv sein.

Gold

Schon seit der Antike wird in Äthiopien Gold abgebaut. Goldlagerstätten finden sich in Lega Dembi in der südlichen Sidamo-Provinz, in Sakaro sowie im westlichen und nördlichen Grünsteingürtel des Landes. Größtes Branchenunternehmen ist die Midroc Gold Mine, eine Tochter der saudi-arabischen Midroc Ethiopia Investment Group. Das Bergwerk kann mit einer Jahresproduktion von zuletzt 4 t Gold bislang im globalen Vergleich als einziger größerer äthiopischer Bergbaubetrieb bezeichnet werden. Im internationalen Ranking steht das Bergwerk an 170. Stelle (2012).

Lizenzen für einen großangelegten Goldabbau hält neben Midroc noch die äthiopische Ezana Mining. Die multinationale Bergbaugesellschaft Ascom Geology and Mining bemüht sich aktuell um Lizenzen für mehrere größere Goldbergbauprojekte. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bedeutende Goldvorkommen in einem lokal als Dish Mountain bekannten Berg gefunden. Dem Vernehmen nach handelt es sich mit möglicherweise 100 t um die bislang größten Funde in Äthiopien.

Presseberichten zufolge hatte auch das britisch-australische Unternehmen Nyota Minerals eine große Abbaulizenz für die Tulu-Kapi-Goldmine beantragt, dann seine Interessen aber an die britische Kefi-Minerals abgegeben. Weitere Marktteilnehmer sind die National Mining Corp.(NMiC; ebenfalls eine Tochter von Midroc Ethiopia) sowie die beiden britischen Unternehmen Stratex International und Alecto Minerals. Nach den Vorstellungen der Regierung sollen im Finanzjahr 2015 (7.7.14 bis 6.7.15) rund 8.700 kg Gold exportiert werden.

Tantal

Die äthiopische Tantal-Produktion gilt mit 95 t (2012) als die viertgrößte der Welt - nach Ruanda (150 t), Brasilien (140 t) und der Demokratischen Republik Kongo (110 t; Quelle: United States Geological Survey 2014). Die nachgewiesenen beziehungsweise wahrscheinlichen Vorräte werden auf 4.000 t veranschlagt.

Größter äthiopischer Tantal-Produzent ist die staatliche Ethiopian Minerals Development S.C. (EMDSC), die in Kenticha Tantal-Konzentrat herstellt. Die Produktion ist seit 2013 unterbrochen, weil die Regierung das Unternehmen privatisieren und statt Konzentrat "speciality metal nano-powders" exportieren möchte. In diesem Zusammenhang wurde im September 2014 mit der kanadischen CVMR Corp. eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Edelsteine

Edelsteine, vornehmlich Opale, werden im Kleinbergbau gefördert. Die rohen Steine gehen vor allem nach Indien, Europa und die USA. Das äthiopische Bergbauministerium fördert das Gewerbe.

Kalisalz

Die kanadische Allana Potash will ab 2017 in der Dallol-Senke im Afar Regional State Pottasche abbauen. Die Vorkommen werden auf 3,2 Mrd. t veranschlagt. Das Projekt soll zusammen mit den notwendigen Infrastrukturmaßnahmen 1,2 Mrd. $ kosten. Die jährlichen Einnahmen werden auf 430 Mio. $ veranschlagt. Die Pottasche liegt in einer Tiefe von 100 m. Die Temperaturen in der Senke bewegen sich in einer Bandbreite von 45 bis 60C. Dank dieser beiden Faktoren wird es vermutlich der kostengünstigste Abbau weltweit, sagt Allana-Präsident Farhad Abaso. Die Pottasche soll über Dschibuti vor allem nach Afrika, Südostasien und in die VR China geliefert werden.

Öl

Äthiopien verfügt über Erdöl-Vorkommen, welche derzeit aber noch nicht wirtschaftlich gefördert werden können. Die in London ansässige Tullow Oil und ihre Partner Africa Oil (Vancouver) und Marathon Oil (Texas) haben in den Gebieten South Omo und Chew Bahir vier Probebohrungen mit entmutigenden Ergebnissen abgeteuft. Dem Vernehmen nach sind vorerst keine weiteren Bohrungen geplant; Bohrausrüstung und Personal sollen abgezogen werden. Das Unterfangen habe vermutlich mehr als 250 Mio. $ gekostet, sagen Kenner des Ölgeschäfts, bei den derzeitigen internationalen Ölpreisen bestehe kaum Interesse an weiteren teuren Probebohrungen.

Grundsätzlich aber geht die Suche weiter: So hat sich die russische GPB Global Recources Mitte Juli 2014 mit dem äthiopischen Bergbauministerium auf eine Ölsuche im Afar Regional State geeinigt. Das US-Unternehmen Bell Geospace wurde im Oktober mit flugzeuggestützten gravimetrischen und geomagnetische Messungen beauftragt. Und auch Tullow will nicht ausschließen, weiterzumachen. Dem Vernehmen nach will das Unternehmen nun erst einmal wieder an den Planungstisch und die Bohrergebnisse mit den zuvor erhobenen seismischen Untersuchungen vergleichen.

Erdgas

Äthiopien hat Erdgasvorkommen in einer Größenordnung von 116 Billionen Kubikmetern im Osten des Landes. Die Lagerstätten sind seit 40 Jahren bekannt. Zahlreiche Versuche, die Ressourcen zu nutzen, sind bislang fehlgeschlagen. Einen neuen Versuch gibt es nun von der chinesischen Poly GCL Petroleum Investment Ltd., die schon ab 2018 jährlich etwa 3 Mio. t Flüssiggas produzieren will. Das Gas soll über eine 800 km lange Leitung nach Dschibuti transportiert und dann exportiert werden. Beobachter sind skeptisch, ob das Unterfangen gelingen kann: Poly GLC habe weder das nötige Geld (die Rede ist von mehr als 4 Mrd. $), noch die Expertise und Erfahrung, um ein solches Projekt zu stemmen.

Kohle

Die Ethio-Pak Coal Mining fördert bislang jährlich etwa 20.000 t Kohle in Delbi im Oromia Regional State. Das indische Bergbauunternehmen May Flower Enterprise Ltd. plant derweil Presseberichten zufolge am gleichen Standort eine 116-Mio.-$-Investition in die Delbi Mining. Ende 2011 hatte die äthiopische Regierung davon gesprochen, in der Yayu-Gegend im gleichen Regionalstaat eine Düngemittelfabrik bauen zu wollen, deren Energiebedarf durch dortige Kohleressourcen gedeckt werden könnte.

Äthiopische Importe von Maschinen, Apparaten und Geräten für Erd- oder Steinbrucharbeiten, den Bergbau oder Tiefbohrungen, Hoch- und Tiefbau und dergleichen sowie Teile davon (SITC 723; in Mio. $; Veränderungen in%)
Lieferland 2011 2012 2013
Insgesamt 240,2 536,0 583,3
VR China 71,4 180,0 243,9
Brasilien 37,1 77,1 78,3
USA 25,4 71,4 59,4
Japan 29,4 39,3 38,3
Italien 15,9 21,7 35,6
Korea (Rep.) 14,1 53,0 26,3
Deutschland 6,5 15,3 14,4
Schweden 7,6 7,1 13,7
Belgien 7,2 13,2 9,8

Quelle: Comtrade, Stand 11.3.15

Deutsche Firmen sind, soweit bekannt, im äthiopischen Bergbau nicht aktiv. Die Geschäftschancen beschränken sich bislang auf die Lieferung von Bergbaumaschinen, wozu es in der Vergangenheit aber kaum gekommen ist. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2013 lediglich für 7,19 Mio. $ Maschinen und Geräte für den Bergbau sowie den Hoch- und Tiefbau nach Äthiopien, im Vergleich zu 13,30 Mio. bzw. 8,02 Mio. in den beiden Vorjahren. Bessere Karten haben deutsche Firmen vermutlich, wenn es darum geht, die Bodenschätze vor Ort weiterzuverarbeiten oder für die Energiegewinnung, zum Beispiel für nachgelagerte Düngemittelfabriken, zu nutzen.

(M.B.)

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Äthiopien Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Import, Öl, Gas, Kohle, Mineralische Rohstoffe, Edelsteine, Erze, Fördertechnik, Hebezeuge, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik, Steine, Erden

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