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03.09.2018

Afrikanische Staaten bauen Nahrungsmittelproduktion aus

Inhalt

Landtechnik sowie Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sind gefragt

Bonn (GTAI) - Afrika will die Eigenproduktion deutlich erhöhen. In Westafrika sollen mehrere Zuckermühlen gebaut werden, im südlichen Afrika sind verschiedene Fischereiprojekte gestartet.

Nordafrika

Ägypten

Der saudische Molkereiproduktehersteller Almarai plant in Ägypten ein 2,8 Milliarden US-Dollar (US$) schweres Investitionsprogramm über fünf Jahre. Dabei stehen die Zeichen auf mehr Effizienz und geografischer Präsenz. Möglicherweise wird Almarai auch in Ägypten investieren. Das Unternehmen ist dort mit der Marke Beyti und in einem Joint-Venture mit PepsiCo vertreten, wie der Informationsdienst Enterprise meldet.

In Port Said steht der Bau einer Zuckerfabrik im Wert von 300 Millionen Euro auf einem 35 Hektar großen Grundstück an. Die Supreme Group führt das Konsortium an. Innerhalb von zweieinhalb Jahren sollen die Arbeiten abgeschlossen und eine Kapazität von 30.000 Tonnen bei einer Exportquote von 20 Prozent erreicht werden.

Zadna aus Saudi-Arabien will 95 Millionen Euro in die Dattelproduktion in Ägypten investieren. Die Anpflanzung von Palmen auf einem 420 Hektar großen Grundstück in Bahariya hat bereits begonnen. Für die Verarbeitung und Lagerung der Datteln soll in Kürze eine Anlage gebaut werden.

Laut dem ägyptischen Industrieministerium plant die deutsche Gelita AG eine Gelatinefabrik in El Roubiki. Das Werk wäre die erste Anlage dieser Art in Ägypten.

Im Dorf Sukhna im Gouvernorat Beheira soll die erste ägyptische Warenbörse für Obst und Gemüse entstehen. Vorgesehen sind unter anderem 130 Kühlanlagen, Fabriken zur Verwertung landwirtschaftlicher Abfälle und komplementäre Industriebetriebe für Marmelade, Saft, Konzentrate, Pappe und Verpackungsmaterialien. Das Grundstück ist insgesamt 24 Hektar groß. An dem Projekt sind das Gouvernorat Beheira, die lokale Handelskammer und als Finanzierungspartner die Industrial Development and Workers Bank of Egypt beteiligt.

Obour Land for Food Industries verfolgt einen Investitionsplan in Ägypten mit einem Volumen von 9,5 Millionen Euro über drei Jahre. Ein neues Tochterunternehmen namens Obour Farm for Livestock Farming and Cattle Fattening soll den Einstieg in die Viehwirtschaft ebnen. In Zukunft könnte sich Obour laut Unternehmensangaben auch in der Fleischproduktion engagieren.

Das ägyptische Bauunternehmen Arab Contractors hat sich den Auftrag für einen Hypermarkt und ein Einkaufszentrum in New Thebes in Luxor gesichert. Das Auftragsvolumen liegt laut einem Pressebericht bei rund 9 Millionen Euro.

Green Valley for Reclamation and Agriculture plant den Anbau von Oliven auf 420 Hektar Agrarland in Wadi El Natrun. Die Investitionssumme beträgt 1,7 Millionen Euro und in drei Jahren wird mit der ersten Ernte gerechnet.

Die indische Backwarenkette Monginis expandiert weiter in Ägypten. Ende 2019 soll die neue Fabrik des Unternehmens in Sadat City den Betrieb aufnehmen. Zudem möchte Monginis 1,4 Millionen Euro in die Eröffnung von 30 neuen Geschäften sowie zehn Verkaufsständen in neuen Metrostationen in Kairo investieren.

Chipsy for Food Industries setzt auf ein landwirtschaftliches Programm zur Importsubstitution. Das Unternehmen will in Ägypten das benötigte Kartoffelsaatgut vollständig selbst produzieren. Hierzu betrieb Chipsy Forschung und Versuchsreihen, aus denen das Programm für die lokale Kartoffelsaatguterzeugung hervorging.

Tunesien

Anfang Juni 2018 sagte die Weltbank dem tunesischen Ministerium für Entwicklung und internationale Zusammenarbeit einen Kredit über 140 Millionen US$ für die Intensivierung der Bewässerungslandwirtschaft in den Regionen Bizerte, Jendouba, Nabeul, Sfax und Siliana zu. Die Summe ist für ein insgesamt 170 Millionen US$ teures Projekt zur Reduzierung von Leitungsverlusten vorgesehen. Außerdem sollen die Erträge von insgesamt 3.500 Landwirten durch rentablere Pflanzen, Erhöhung der lokalen Verarbeitung und besseren Marktzugang verbessert werden. Die Laufzeit des Projekts ist von 2018 bis 2023 geplant.

Nach vorläufigen Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums wird die Getreideernte Tunesiens in der Saison 2017/2018 schlechter ausfallen als in der Vorsaison (14,3 Millionen Doppelzentner gegenüber 16,1 Millionen, davon 9,2 Millionen Hartweizen). Als Grund werden die Auswirkungen der Dürre aus dem vergangenen Jahr genannt.

Die französische Lesaffre-Gruppe hat einen Mehrheitsanteil am tunesischen Hefehersteller Rayan Food Industries erworben. Die Fabrik in Jendouba produziert frische Hefe für den tunesischen Markt. Lesaffre, das als größter Hefehersteller der Welt gilt, möchte die Produktion des Werks durch Investitionen erhöhen und damit seine Präsenz in Afrika stärken. Lesaffre betreibt bereits Werke zur Hefeherstellung in Marokko und Ägypten sowie eine Fabrik für Brotverbesserer in Algerien.

Nach Angaben der Agence de Promotion des Investissements Agricoles (APIA) legten die privaten Investitionen in die Landwirtschaft Tunesiens in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 gegenüber dem Vorjahr um 36,4 Prozent zu. Demnach seien in Tunesien im ersten Halbjahr etwa 103 Millionen Euro investiert worden und dadurch knapp 3.500 Arbeitsplätze entstanden. Besonders stark war der Zuwachs mit jeweils mehr als 50 Prozent bei der Erstverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und landwirtschaftlichen Dienstleistungen.

Algerien

Nach Angaben des algerischen Ministeriums für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei gehört Algerien zu den weltweit größten Pro-Kopf-Verbrauchern von Kartoffeln. Mit 111,5 Kilogramm pro Kopf lag Algerien 2017 deutlich vor dem weltweiten (31 Kilogramm) und dem afrikanischen Durchschnitt (4 Kilogramm). Der Bedarf konnte nach diesen Angaben vollständig durch einheimische Produktion gedeckt werden, die 2017 bei 47 Millionen Doppelzentnern lag. Dies entsprach einem Wert von knapp 1,7 Milliarden Euro, und nach Angaben des Ministeriums damit 8 Prozent des Wertes der gesamten landwirtschaftlichen Produktion einschließlich Viehzucht. Ziel sei nun, auch bei Kartoffelsamen die Eigenständigkeit zu steigern. Im Wirtschaftsjahr 2017/2018 hätten sich deren Einfuhren bereits von 72.000 Tonnen auf 35.000 Tonnen verringert.

Vorerst öffnet Algerien seine Landwirtschaft nicht für ausländische Investoren, wie es die Regierung um Premierminister Ahmed Ouyahia vorgesehen hatte. Präsident Bouteflika stoppte Mitte Mai 2018 einen entsprechenden Reformentwurf. Dieser sah vor, Konzessionen zum Anbau auf staatlichem Land auch an ausländische Investoren zu vergeben, um Investitionen in neue Technologien zu steigern. Seit 2010 können algerische Privatunternehmen auf staatseigenem Land Konzessionen für Landwirtschaft erwerben und dazu auch Partnerschaften mit ausländischen Unternehmen eingehen. Bisher ist es ausländischen Unternehmen aber nicht möglich, dies in Eigenregie zu tun.

Algerien baut seine Lagerkapazitäten für Getreide aus. Im Rahmen eines Programms des algerischen Landwirtschaftsministeriums sollen bis Ende 2018 fünf Silos aus Stahlbeton gebaut werden, weitere vier sollen bis zur nächsten Erntezeit fertiggestellt sein. Eines dieser Silos wurde im Juni 2018 eröffnet und verfügt über eine Kapazität von 50.000 Tonnen. Außerdem sind 30 Metallsilos mit einer Gesamtkapazität von 500.000 Tonnen Getreide geplant. Diese sollen in Zusammenarbeit eines algerischen Unternehmens mit einem italienischen Betreiber gebaut werden, sagte Minister Abdelkader Bouazghi.

Marokko

Im Juni gab die Afrikanische Entwicklungsbank dem Königreich Marokko eine Finanzierungszusage über rund 200 Millionen Euro. Diese sollen in das Programm zur Unterstützung der integrativen und nachhaltigen Entwicklung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten (PADIDFA) fließen. Ziel des Programms ist die Förderung von Wertschöpfungsketten, die Schaffung von Arbeitsplätzen, und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des marokkanischen Agrarsektors. Bis 2020 sollen zu den Gebergeldern circa 360 Millionen Euro aus privaten Investitionen dazukommen.

Im Mai 2018 verkündete die marokkanische Lymouna-Matysha-Gruppe den Aufbau der ersten privat finanzierten Agroindustriezone in Marokko. Insgesamt sollen rund 36 Millionen Euro investiert werden, davon sollen bereits circa 16 Millionen Euro in den Aufbau der Infrastruktur geflossen sein. Geplant sind drei Bereiche: Einer mit agroindustriellen Projekten, wie Anlagen für Holzverpackungen, Tierfutter, Landwirtschaftsvlies und zum Recycling von Plastik. Daneben einen Logistikbereich, in dem eine Kühllogistikplattform und ein Containerdepot Platz finden sollen. In einem Dienstleistungsbereich wird es Businesscenter, Ausbildungszentren und Analyselabors geben. Die Zone liegt in Sebt El Guerdan in der Region Taroudant.

Das Erntejahr 2017/18 entwickelt sich in Marokko zu einem Rekordjahr. Nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und ländliche Entwicklung wurden 98,2 Millionen Doppelzentner eingefahren, davon 48,1 Millionen Weichweizen, 22,8 Millionen Hartweizen und 27,3 Millionen Gerste. Neben günstigen Niederschlägen zwischen Dezember 2017 und April 2018 führt das Ministerium dies auf den Plan Maroc Vert zurück. Seit dessen Start vor zehn Jahren habe sich der Beitrag der Landwirtschaft zum BIP um 7,3 Prozent auf nun knapp 11,3 Milliarden Euro erhöht. Der erleichterte Zugang zu Krediten für Landwirte dürfte zur Verdoppelung der jährlichen Investitionen in der Landwirtschaft (Prognose 2018: rund 9,5 Milliarden Euro) beigetragen haben.

West- und Zentralafrika

Côte d'Ivoire

Der zum französischen Unternehmen Somdiaa (http://www.somdiaa.com) gehörende ivorische Zuckerproduzent Sucaf investiert bis 2022 nach eigenen Angaben etwa 128 Millionen Euro in seinen Zuckerkomplex in Ferkessédougou im Norden des Landes. Dazu gehört der Ausbau der Anbauflächen um etwa 2.300 Hektar, wovon 800 Hektar für Kleinbauern vorgesehen sind. Installiert werden müssen auch die Bewässerungsanlagen für die neuen Flächen. Ebenfalls geplant ist der Bau zweier Zuckerraffinerien, mit denen Sucaf auf eine Verarbeitungskapazität von 10.000 statt wie bisher 8.000 Tonnen jährlich kommen möchte. Geplant ist auch die Nutzung von Biomasse aus Bagasse für die Herstellung von Strom.

Der zur ivorischen SIFCA-Gruppe (http://www.groupesifca.com) gehörende Zuckerproduzent Sucrivoire investiert ebenfalls in den Ausbau der Zuckerproduktion. Ohne auf einzelne Maßnahmen einzugehen, bezifferte das Unternehmen den Investitionsumfang auf 158,5 Millionen Euro.

Ghana

Die VR China unterstützt Ghana beim Bau einer Kakaoverarbeitungsfabrik. Sie soll in Sefwi Wiawso (Western Region) entstehen und eine Kapazität von 45.000 Tonnen pro Jahr erhalten. Die Gesamtkosten werden auf 60 Millionen US$ beziffert. Die chinesische Regierung unterstützt das Projekt mit einem Zuschuss von 35 Millionen US$.

Nigeria

Bis Oktober 2019 will die nigerianische Sinachi Farms mit ihrer Produktion von Mehl aus Kochbananen und Yams beginnen. Die Investition beläuft sich auf 15,6 Millionen US$. Die Farm inklusive einer Verarbeitungsanlage soll in Kuje nahe der nigerianischen Hauptstadt Abuja entstehen.

Für etwa 800 Millionen US$ will die Dangote Group (http://www.dangote.com) die kommerzielle Milchproduktion in Nigeria starten. Dazu sollen 50.000 Kühe ins Land gebracht werden, die ab dem Jahr 2019 etwa 500 Millionen Liter Milch pro Jahr produzieren sollen.

Die nigerianische Dangote Group will die Zuckerproduktion von derzeit 100.000 Tonnen auf 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr ausweiten. Auf etwa 350.000 Hektar Land soll zusätzlich Zuckerrohr angebaut werden. Für die Verarbeitung ist die Installierung von fünf Zuckermühlen vorgesehen. Das in Lagos ansässige Unternehmen will sich die Investitionen im Zuckersektor nach eigenen Angaben etwa 3,8 Milliarden US$ kosten lassen.

Die nigerianische BUA Group (http://www.buagroup.com) plant den Ausbau seiner Reisproduktion. Die existierende Reismühle in Kano soll modernisiert werden. Auch sollen neue Reismühlen errichtet werden, unter anderem eine Mühle mit einer Kapazität für 200.000 Tonnen im Jahr im Bundesstaat Jigawa. Darüber hinaus unterstützt BUA nach eigenen Angaben Reisfarmer in den Bundesstaaten Jigawa und Niger, damit die Reisproduktion gesteigert werden kann. Zur Unterstützung zählen auch Kredite für die Beschaffung von Saatgut, technischem Gerät und Dünger. Das westafrikanische Land ist nach China der inzwischen weltweit zweitgrößte Reisimporteur. Hohes Bevölkerungswachstum sowie eine zunehmende Beliebtheit von Reis in der nigerianischen Küche haben zu einem starken Nachfragewachstum geführt. Angaben über den aktuellen Reisbedarf sowie der lokalen Reisproduktion sind sehr unterschiedlich. Derzeit dürfte er bei über fünf Millionen Tonnen Reis jährlich liegen, von denen nur etwa 2,8 Millionen Tonnen produziert werden können. Beträchtliche Mengen werden illegal aus Benin importiert.

Aufgrund der 100-prozentigen Auslastung seiner Kellogg's-Fabrik plant die nigerianische Tolaram-Gruppe (http://www.tolaram.com) einen Ausbau und will dafür umgerechnet etwa 48 Millionen Euro bereitstellen. Tolaram ist ein Joint-Venture mit der britischen Kellogg's-Gruppe eingegangen und produziert in Nigeria seit dem Jahr 2015 Frühstückscerealien.

Auf einer Fläche von 1.155 Hektar planen die Landesregierung des nigerianischen Bundesstaates Edo sowie die privaten Partner Elephant Group und Heritage Agro-Allied (H2A; http://www.h2afoods.com) den Aufbau einer Kassava-Farm. Auch soll dort eine Verarbeitungsanlage für das sehr stärkehaltige Wolfsmilchgewächs entstehen. Die Investitionssumme wurde auf 6 Millionen US$ beziffert.

Ostafrika

Äthiopien

Die französische Getreide-Gruppe Soufflet will in Äthiopien eine Mälzerei aufbauen. Angestrebt wird eine Jahresproduktion von 60.000 Tonnen. Standort ist der neue Bole Lemi II Industrial Park im Oromia State, nahe der Hauptstadt Addis Abeba. Die Produktion soll 2020 anlaufen. Äthiopien ist der größte afrikanische Erzeuger von Gerste und der viertgrößte Bierproduzent des Kontinents. Bislang muss Äthiopien 70 Prozent seines Malzbedarfs importieren, davon 2017 für 2,7 Millionen Euro aus Deutschland (2016: 7,5 Millionen Euro).

Das äthiopische Unternehmen Lominat Beverages Plc. ist mit umgerechnet 130 Millionen US$ der höchste Bieter für die anstehende Privatisierung der staatlichen äthiopischen National Alcohol & Liquor Factory (NALF). Rund 100 Unternehmen hatten zuvor die Ausschreibungsdokumente gekauft, darunter auch Marktgrößen wie Diageo und die britische Duet, die maßgeblich an der äthiopischen Dashen-Brauerei beteiligt ist. Abgegeben wurden dann aber nur drei Angebote, von denen das zweitbeste 56 Prozent unter dem von Lominat liegt. Lominat wurde 2014 von dem ehemaligen Diageo-Landesdirektor Brook Worku und dem äthiopischen Geschäftsmann Binyam Berhane gegründet, wobei letzterer ein Importeur und Distributor von internationalen Spirituosen-Marken wie Smirnoff für den äthiopischen Markt ist. Derzeit bauen Lominat in Modjo, 30 Kilometer südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, eine Spirituosen- und Getränkefabrik. NALF hält bei Spirituosen einen äthiopischen Marktanteil von 40 Prozent. Das Unternehmen ist eines der profitabelsten äthiopischen Staatsunternehmen, gilt aber dennoch als dringend modernisierungs- und ausbaubedürftig. NALF verfügt über vier Produktionsstätten in Mekanisa, Sebeta, Akaki und Maichew. Das Lominat-Angebot muss noch von einem technischen Ausschuss der äthiopischen Regierung geprüft werden.

Kenia

Das kenianische Traditionsunternehmen Milly Glass Works Ltd., ein Hersteller von Flaschen und Gläsern für die Getränke- und Lebensmittelindustrie, erwägt eine Verlegung seines Werkes von Kenia nach Äthiopien. Das Unternehmen beliefert bislang vornehmlich Unternehmen in Kenia, Uganda, Tansania und Äthiopien. Angesichts unzureichender Rahmenbedingungen in Kenia und deutlich gestiegener Kosten sieht sich das Unternehmen gegenüber billigeren Importen nicht mehr konkurrenzfähig. Sollte Kenia, wie beabsichtigt, einen Freihandelspakt mit Südafrika abschließen, wäre die Zukunft des Unternehmens in Kenia wohl besiegelt, sagt Milly-Direktor Mohamedraza Rashid. Eine in Kenia geplante Erweiterungsinvestition wurde bereits gestoppt. Milly Glass Works ist dem Vernehmen nicht das einzige kenianische Unternehmen, das eine Produktionsverlegung nach Äthiopien erwägt. Die kenianische Stromversorgung ist teuer und unzuverlässig, die kenianischen Löhne sind im Regionalvergleich sehr hoch und Korruption verteuert die Produktionskosten. Äthiopien kann derweil mit modernen Industrieparks, billigen Arbeitskräften und konkurrenzlos günstigen Strompreisen punkten.

Die kenianische Zuckerindustrie steht vor dem Zusammenbruch nachdem ein zeitlich begrenzter, aber ansonsten unkontrollierter, zollfreier Import von Zucker zu Lagerbeständen geführt hat, die einem kenianischen Verbrauch von 15 Monaten entsprechen. Hauptherkunftsland war Brasilien. Kenianischen Presseberichten zufolge ist ein erheblicher Teil des importierten Zuckers kontaminiert (unter anderem mit Kupfer und Schimmel) und für den menschlichen Verzehr ungeeignet, aber dennoch in den Handel gelangt. Kenia konsumiert jährlich 870 Millionen Kilogramm Zucker, von denen normalerweise 600 Millionen lokal hergestellt werden. Vor der Importfreigabe durften nur begrenzte Mengen importiert werden, um kenianische Farmer und lokale Zuckermühlen zu schützen. Die Freigabe war eine eklatante Missachtung von COMESA-Regeln (Common Market for Eastern and Southern Africa), was Konsequenzen haben dürfte. Die kenianische Zuckerindustrie ist hoch verschuldet, ineffizient und technisch veraltet. Die Hauptursachen sind politische Einflussnahmen, Missmanagement und Korruption. Versuche, die Industrie zu privatisieren, sind in der Vergangenheit an politischen Eigeninteressen gescheitert. Kenianischen Presseberichten zufolge liegen die lokalen Produktionskosten für eine Tonne Zuckerrohr bei umgerechnet 22 US$ im Vergleich zu 13 US$ in Nachbarländern.

Die kenianische Molkereigesellschaft New Kenya Cooperative Creameries (KCC) will umgerechnet 10 Millionen US$ in eine Modernisierung ihrer technischen Ausrüstung investieren. KCC hat nach eigener Einschätzung aktuell einen kenianischen Marktanteil von 35 Prozent, der dank der Investition auf 40 Prozent steigen soll.

Nestlé, der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt, will sein für 20 Länder in der Region zuständiges Regionalbüro in Kenia schließen. Der geringe Umsatz rechtfertige kein eigenständiges Büro, heißt es in einer Presseerklärung. Die bislang von Nairobi wahrgenommenen Aufgaben sollen nun von den Nestlé-Büros in Accra (Ghana) und Johannesburg (Südafrika) wahrgenommen werden.

Das kenianische Parlament berät über einen Gesetzesentwurf, der den Export von rohen Kaffeebohnen verbieten könnte. Durch die Maßnahme soll der Aufbau einer eigenen Kaffeeindustrie erzwungen werden. Kenia hat bislang nur begrenzte eigene Kapazitäten, um Kaffee zu rösten. Das Gros der kenianischen Konsumenten trinkt aus Kostengründen löslichen Kaffee der Marke Nestlé, der aus Brasilien importiert wird.

Die kenianische Regierung will im Migori County für umgerechnet 40 Millionen US$ eine Fabrik für Süßkartoffeln bauen. Zur Produktpalette gehören vor allem Chips, Mehl und Kekse. Hauptfinanzgeber ist die EU.

Der US-amerikanische Nahrungsmittelkonzern Mars Inc. will umgerechnet 70 Millionen US$ in seine kenianische Wrigley-Tochter investieren. Mit dem Kapitaleinsatz soll die lokale Fertigung von Kaugummi nachhaltig gesteigert werden. Wrigley gilt mit einem Marktanteil von 87 Prozent als unangefochtener Platzhirsch. Mit großem Abstand folgen die Unternehmen Mondelez International (5 Prozent) und Lotte Confectionary (4 Prozent).

Kenianische Teeplantagen wollen zunehmend Pflückmaschinen einsetzen, um exorbitant gestiegene Lohnkosten zu vermeiden. Lokale Arbeitnehmervertreter und Politiker laufen dagegen Sturm und fordern eine hohe "Maschinensteuer" oder gar ein staatliches Verbot. Jede Pflückmaschine vernichte mehrere Hundert Arbeitsplätze, sagen Kritiker. Auch von anderer Seite droht dem Teegeschäft Ungemach: Weil der Hafen von Mombasa immer wieder mit seiner Ineffizienz Schlagzeilen macht, lehnen internationale Schifffahrtsgesellschaften wie Maersk mitunter Container-Buchungen von Teeexporteuren ab, die dann auf ihrer Ware sitzenbleiben. Mehr als 150 Container seinen betroffen, berichtete Mitte Mai 2018 die kenianische Presse, die mit 2,45 US$ gleichzeitig den niedrigsten Kilopreis für kenianischen Tee binnen drei Jahren vermeldete.

Nahrungsmittel mit einem Gewicht von 1,9 Millionen Tonnen und im Wert von 1,5 Milliarden US$ seien 2017 in Kenia verrottet, sagt das National Bureau of Statistics, weil Farmer nicht in der Lage waren, ihre Feldfrüchte zeitig zu vermarkten. Hinzu kamen Probleme mit Nagetieren und Pilzbefall (Aflatoxine). Kenia kann seine Bevölkerung immer weniger selbst ernähren und muss Nahrungsmittel teuer importieren - hohe Devisenausgaben, die sich bei verbesserten Transport-, Lager- und Verarbeitungsmöglichkeiten deutlich reduzieren ließen. Presseberichten zufolge plant die kenianische Regierung nunmehr, Zölle auf importierte Getreidetrocknungsanlagen, luftdichte Säcke, Getreidesilos und andere geeignete Technik aufzuheben.

Dschibuti

Dschibuti baut die nach eigener Einschätzung größte Freihandelszone (DIFTZ - Djibouti International Free Trade Zone) Afrikas. Ein erstes, 370 Millionen US$ teures und 240 Hektar großes Pilotprojekt wurde Anfang Juli 2018 offiziell eingeweiht. Im Rahmen einer 10-jährigen Ausbaustufe sollen für 3,5 Milliarden US$ insgesamt 4.800 Hektar erschlossen werden. Die Freihandelszone hat vier Hauptcluster für Logistik, Business Industry und Business Support sowie herstellende Betriebe namentlich im Bereich Verpackung und Nahrungsmittelverarbeitung. Investoren winken attraktive Zollbefreiungen.

Südliches Afrika

Der in den USA ansässige Fairfax Africa Fund hat dem Private-Equity-Fonds Philafrica Foods im April 2018 einen Kredit in Höhe von umgerechnet 27 Millionen US$ gewährt. Das Darlehen dient einer geplanten Erhöhung von Beteiligungskapital. Philafrica ist ein Fonds privater Anteilseigner (private equity) und Tochter der AFGRI Holding. Das Unternehmen hat im Oktober 2017 Investitionen in Höhe von 50 Millionen bis 100 Millionen US$ in die Agrarwirtschaft Subsahara-Afrikas angekündigt. Das Potenzial für den Ausbau der Agrarindustrie in Afrika sei "unglaublich", so ein Sprecher von Philafrica Foods. Rund 60 Prozent des weltweit nicht-bebauten Ackerlandes befänden sich in Afrika.

Angola

Der angolanische Minister für Fischerei und maritime Wirtschaft hat drei Fischereiprojekte eingeweiht, so die Presseagentur ANGOP Anfang Juli 2018 ohne Nennung des exakten Datums. Zum Ersten handelt es sich um eine Fischfabrik namens Famihau LDA mit einer Produktionskapazität von 80 Tonnen pro Tag. Famihau umfasst vier Gefrierkammern für je rund 20 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte sowie Konservierungskammern und beschäftigt rund 80 Arbeitskräfte. Zum Zweiten geht es um die Fischverarbeitung Fuhaui-Atlântico LDA Enterprise. Diese verarbeitet pro Monat 1.500 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte. Beschäftigt sind rund 140 Mitarbeiter. Außerdem hat der Minister das Fischunternehmen Guanda Pesca mit einer Kapazität von 600 Tonnen im Monat eingeweiht.

Sambia

Laut Prognose des sambischen Landwirtschaftsministeriums vom Juni 2018 ist für das Agrarjahr 2017/18 ein Erntevolumen bei Mais von rund 2,4 Millionen Tonnen zu erwarten. Das wäre gegenüber dem vorherigen Erntejahr ein Rückgang von knapp 34 Prozent. Seinerzeit wurde eine Rekordernte von 3,6 Millionen Tonnen erzielt (2014/15: 2,6 Millionen Tonnen). Die Reduktion der gesamten Maisproduktion und der Hektarerträge der Saison 2017/18 ist im Wesentlichen auf die anhaltende Dürre zwischen November 2017 und Januar 2018 zurückzuführen. Da Mais wichtigstes Grundnahrungsmittel in Sambia ist, sind die Hungerrisiken gestiegen.

Das Privat-Equity Unternehmen Exeo Capital investiert 6,4 Millionen US$ in das sambische Nahrungsmittelunternehmen Capital Fisheries, so das Finanzunternehmen Ende April 2018. Capital Fisheries ist in Sambia mit Abstand führendes Unternehmen für Lagerung, Transport und Kühlung von Fisch. Mit seinem Schwerpunkt in Sambia vermarktet Capital Fisheries vor allem heimischen Fisch, aber auch solchen aus Simbabwe und Namibia. Der Vertrieb konzentriert sich vor allem auf Süßwasserfische, wie Tilapia (Buntbarsch) und Brachse. Im Sortiment sind außerdem Makrelen, die an der Küste des angrenzenden Mosambik gefangen werden. Auch Fleischprodukte vertreibt das Unternehmen. Capital Fisheries verfügt über eine Fisch- und Fleischverarbeitung.

Simbabwe

Die Willowton Group plant in der viertgrößten Stadt Simbabwes Mutare (circa 260.000 Einwohner) die Errichtung einer rund 20 Millionen US$ teuren Brechanlage für die Herstellung von Speiseöl. Die im März 2018 angekündigte Investition folgt auf die Fertigstellung von Anlagen zur Speiseölherstellung im Wert von 40 Millionen US$. Willowton produziert in Südafrika bereits an drei Standorten. Das Unternehmen stellt unter anderem Speiseöl, Margarine, Brotaufstriche, Körperpflegemittel, Seifen, Kerzen und Industriefette her.

Stand: 27.07.2018

(OI; JPS; CE; MB; FN)

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Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko, Côte d'Ivoire, Ghana, Nigeria, Äthiopien, Kenia, Dschibuti, Angola, Sambia, Simbabwe, Nordafrika, Westafrika, Zentralafrika, Ostafrika, Südliches Afrika Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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