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16.05.2018

Aktionäre der Trans Adriatic Pipeline AG erwerben Mehrheitsanteil am griechischen Gasnetzbetreiber

Athen (GTAI) - Ein italienisch-spanisch-belgisches Konsortium aus Erdgasnetzbetreibern erhielt Mitte April den Zuschlag für den Erwerb von 66 Prozent am Aktienkapital des griechischen Erdgasnetzbetreibers Desfa. Die Mitglieder des Konsortiums sind gleichzeitig Aktionäre der Gesellschaft der Transadriatischen Erdgaspipeline.

Ein Konsortium bestehend aus der italienischen Gesellschaft Snam, dem spanischen Unternehmen Enagas Internacional und der belgischen Gesellschaft Fluxys wurde Mitte April 2018 als bevorzugter Investor für den Erwerb von 66 Prozent am Aktienkapital des griechischen Erdgasnetzbetreibers Desfa ausgewählt. Für den Kauf hatten die Unternehmen 535 Millionen Euro geboten.

Der Fernleitungsnetzbetreiber Snam beteiligt sich mit 60 Prozent am Konsortium, Enagas Internacional und Fluxys sind mit jeweils 20 Prozent dabei. Die Übernahme ist für das 2. Halbjahr 2018 geplant. Bis dann müssen der griechische Rechnungshof sowie die griechische und die europäische Wettbewerbsbehörde zustimmen.

An der Ausschreibung hatten sich auch die Erdgasnetzbetreiber Reganosa aus Spanien sowie Transgaz aus Rumänien beteiligt, gemeinsam mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

Der Verwertungsfonds für das öffentliche Privatvermögen (TAIPED) und das Erdölunternehmen Hellenic Petroleum hatten im Vorfeld ihre Anteile an Desfa verkauft (jeweils 31 und 35 Prozent). Die übrigen 34 Prozent bleiben in der Hand des griechischen Staates, der auch den Präsidenten stellt.

Desfa ist als Erdgasnetzbetreiber zuständig für den Betrieb, die Verwaltung, die Nutzung und den Ausbau des 1.500 Kilometer langen nationalen Erdgasnetzes. Zudem verwaltet er den Flüssiggasterminal in Revithoussa.

Synergieeffekte durch TAP

Snam, Enegas International und Fluxys sind gleichzeitig Aktionäre der Trans Adriatic Pipeline AG (TAP) und damit verantwortlich für den Bau der 550 Kilometer langen Erdgasleitung aus Aserbaidschan. Diese verläuft über Griechenland, Albanien und Italien und soll nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2020 Europa mit Erdgas versorgen.

Das Interesse am Erwerb des griechischen Netzbetreibers liegt damit auf der Hand. So kündigte Desfa für Mitte Mai die Unterzeichnung eines Vertrags mit der TAP AG für die Instandhaltung des TAP-Leitungsabschnitts auf griechischem Boden an. Die italienische Gesellschaft Snam unterzeichnete Ende Juli 2017 ein Absichtsabkommen mit dem albanischen Erdgasnetzbetreiber Albgaz für die Unterstützung bei der Entwicklung eines Gasnetzes in Albanien. Dieses Abkommen wurde in Anlehnung an die Erdgas-Pipeline TAP, die auch durch Albanien verläuft, unterzeichnet.

Snam hält 20 Prozent an TAP AG, Fluxys 19 Prozent und Enagas 16 Prozent. Die weiteren TAP-Aktionäre sind der britische Erdölkonzern BP und der aserbaidschanische Erdölkonzern Socar mit jeweils 20 Prozent. Das Schweizer Energiedienstleistungsunternehmen Axpo besitzt 5 Prozent.

Die neuen Desfa-Aktionäre in Spe haben außerdem Interesse an Vorhaben für den Gastransport durch Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Serbien bis nach Ungarn, die unter europäische Projekte von gemeinsamem Interesse fallen. Dazu zählen unter anderem Verbindungsleitungen zwischen Griechenland, Bulgarien und Rumänien sowie der erforderliche Netzausbau. Diese Projekte sollen zur Diversifizierung der Gasversorgung Mittel- und Südosteuropas beitragen.

Erster Privatisierungsversuch scheiterte

Bei dem anstehenden Teilverkauf von Desfa handelt es sich bereits um den zweiten Versuch, die Gesellschaft zu privatisieren. Im Jahr 2013 hatte der staatliche aserbaidschanische Erdölkonzern Socar das Unternehmen für 400 Millionen Euro übernehmen wollen. Der Deal kam jedoch nicht zustande, weil der griechische Staat und Socar sich unter anderem bei der Vermögensbasis des Unternehmens nicht einig wurden.

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland Wärme- und Gasversorgung, Pipelinebau, etc.

Kontakt

Sofia Hempel

‎+49 228 24 993 215

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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