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29.05.2015

Angolas Landtechnikmarkt eröffnet Chancen

Großes Potenzial an bebaubarer Fläche / Landwirtschaftliche Produktion soll ausgeweitet werden / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (gtai) - In Angola befindet sich der Landmaschinenmarkt noch im Anfangsstadium. Umso größer ist das Potenzial für die Zukunft. Die landwirtschaftliche Produktion soll kräftig steigen, denn trotz guter Bedingungen muss Angola seine Lebensmittel großteils importieren. Staatliche Programme und vermehrtes Engagement privater Investoren werden den Absatz von Landtechnik in Gang bringen. Gefragt ist einfache und robuste Technik, die eingesetzten Arbeitsbreiten werden aber steigen. (Internetadressen)

Angolas Markt für Landtechnik ist ein großes Versprechen für die Zukunft. Der Staat im südlichen Afrika ist flächenmäßig fast dreimal so groß wie Deutschland. Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche wird mit fast 59 Mio. ha angegeben. Rund 35 Mio. ha eignen sich potenziell für den Ackerbau, wovon zurzeit nur 16% genutzt werden. Hinzu kommen große Süßwasservorkommen, sodass nach Aussage von José Amaro Tati, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, etwa 7,5 Mio. ha Ackerland bewässert werden können.

Noch zu Zeiten der portugiesischen Kolonialherrschaft galt Angola als eine Kornkammer, die nicht nur sich selbst versorgte, sondern auch ein großer Agrarexporteur war. Ein 27jähriger Bürgerkrieg (1975 bis 2002) zerstörte jedoch die landwirtschaftliche Infrastruktur. Getrieben durch die Erdölförderung nahm Angola in den letzten Jahren zwar einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung, viele der verdienten Petrodollars müssen heute jedoch für die Einfuhr von Lebensmitteln ausgegeben werden (2013: 4 Mrd. US$).

Die vorhandene Landwirtschaft besteht hauptsächlich aus Kleinbauern, die, auf Subsistenz ausgerichtet, meist nur 1 bis 2 ha bearbeiten. Die Erträge decken in der Regel nur das Existenzminimum, eventuelle Überschüsse werden über den informellen Markt verkauft.

In den Supermärkten der Hauptstadt Luanda sind rund 80% der angebotenen Produkte importiert. Die Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln durch die wachsende Mittelschicht steigt dabei kräftig. Der private Verbrauch soll in den Jahren 2015 bis 2019 um durchschnittlich 6,6% zulegen. Einer Studie der südafrikanischen Standard Bank zufolge wuchs die Zahl der zur Mittelschicht zählenden Haushalte von 112.000 im Jahr 2000 bis 2014 auf circa 900.000. Bis 2030 soll die Mittelschicht auf insgesamt 2 Mio. Haushalte expandieren und dadurch einen Bevölkerungsanteil von 32% erreichen.

Mit breit angelegten Programmen und der Hilfe privater Investoren will Angola sein landwirtschaftliches Potenzial dazu nutzen, den Nahrungsmittelbedarf der knapp 23 Mio. Einwohner wieder selbst decken zu können. Nach Prognosen von Economist Intelligence Unit (EIU) wird der Landwirtschaftssektor des Landes in den kommenden Jahren kontinuierlich um 5 bis 6% wachsen.

Der angestrebte Ausbau und die beabsichtigte Professionalisierung der Landwirtschaft, zusammen mit dem großen Flächenpotenzial, eröffnen einen interessanten Markt für deutsche Landtechnik. Im März 2015 erkundeten neun deutsche Unternehmen im Rahmen einer von der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika in Zusammenarbeit mit der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Angola durchgeführten Reise die Geschäftschancen.

Verkauf von Traktoren bislang sehr volatil

Mangels offizieller Statistiken ist die Marktgröße nur schwer zu bestimmen und kann lediglich über Einschätzungen der in Angola vertretenen Händler ermittelt werden. "Der jährliche Absatz von Traktoren variiert ungefähr zwischen 300 und 1.000 Einheiten pro Jahr", sagt Ivo Araujo von Centrocar, die Maschinen von Deutz-Fahr vertreiben. Während 2012 etwa 1.110 Traktoren verkauft werden konnten, waren es 2014 nur rund 350.

Marktführend sind die Anbieter John Deere (circa 30%) und Massey Ferguson. Centrocar schätzt den eigenen Marktanteil mit den Deutz-Traktoren auf etwa 15%. Bei Großgerät wie Mähdreschern sind die Verkaufszahlen noch gering. John Deere etwa erklärt, in den letzten drei Jahren insgesamt nur zehn Mähdrescher (S-Series) in Angola abgesetzt zu haben.

"Die Marktstruktur in Angola besteht aus drei großen Käufern für Landtechnik", erklärt António Pereira vom Maschinenhändler Trevotech, der bereits mit den deutschen Herstellern Claas und Grimme zusammenarbeitet. Neben den beiden staatlichen Gesellschaften Gesterra und Mecanagro gibt es eine Handvoll privater Investoren, die als Kunden in Erscheinung treten.

Gesterra betreibt als Staatsunternehmen selbst Großfarmen und soll dadurch die Nahrungsmittelsicherheit verbessern. Zu Gesterra gehören insgesamt 13 Farmprojekte mit einer Gesamtfläche von über 75.000 ha, darunter die Fazenda Pungo Andongo in Cacuso (33.000 ha) sowie die Fazenda Agro-Industrial de Camacupa (5.000 ha). Die Realisierung der Vorhaben erfolgt mit privaten Partnern wie CITIC Construction und China CAMC Engineering (beide VR China) oder Globaltec Inginieria und Incatema Consulting (beide Spanien).

Mecanagro ist eine staatliche Gesellschaft zur Mechanisierung in der Landwirtschaft, die Programme, insbesondere zur maschinellen Bodenbearbeitung, durchführt. Im Rahmen derer kauft Mecanagro Traktoren mit Pflügen, Hängern etc., um diese beispielsweise den zahlreichen Kooperativen von Kleinbauern zur Verfügung zu stellen.

Ältere Studien zeigen, dass in Angola noch rund 70% der Bodenbearbeitung per Hand vorgenommen werden, der verbleibende Anteil größtenteils mit Ochsengespannen. Für die Zukunft hegt Mecanagro aber ehrgeizige Ziele. Während 2014 rund 30.000 ha durch die verschiedenen Programme maschinell bearbeitet wurden, sollen dies dem neuen Strategieplan zufolge bis 2017 annähernd 350.000 ha sein. Auch falls eine volle Umsetzung nicht gelingen sollte, dürfte diese Zielsetzung den Absatz von Traktoren anregen.

Die im Traktormarkt zu beobachtende Volatilität hat auch vieles mit der Implementierungsgeschwindigkeit staatlicher Programme zu tun, sagen Marktkenner. Der Umstand, dass in Angola 2017 Parlamentswahlen anstehen, dürfte die Umsetzung staatlicher Maßnahmen fördern. Zwar regiert Staatspräsident José Eduardo dos Santos mit seiner Partei MPLA seit 1979, die Regierung kann sich der Loyalität insbesondere vieler junger Angolaner aber nicht mehr so sicher sein wie früher. Entsprechend wächst der Handlungsdruck.

Zahl kommerzieller Farmer steigt an

Neben den staatlichen Kunden ist die Zahl der kommerziellen Farmer noch gering. Eine Zielgruppe sind mittlere Farmer, die in der Regel 50 bis 70 ha, manchmal auch 100 ha bearbeiten, und meist noch den informellen Markt beliefern. Diese kaufen in erster Linie kleineres Gerät. Auf dem Gelände des John Deere-Händlers in Luanda stehen deshalb vor allem Traktoren im Bereich 55 bis 80 PS. Daneben gibt es einige - örtliche Branchenkenner schätzen fünf bis zehn - private Großfarmen. Solche Betriebe erreichen eine Größe von mehreren tausend Hektar.

Die Zahl kommerzieller Farmer dürfte in den kommenden Jahren aber deutlich wachsen und dem Absatz von Landtechnik einen Schub verleihen. Örtliche Händler hoffen sogar auf einige Boomjahre mit bis zu 12.000 verkauften Traktoren pro Jahr. Um das Ziel der Selbstversorgung zu erreichen, bräuchte Angola mindestens 300 neue kommerzielle Farmen mit je 2.000 ha, sagt ein Maschinenhändler in Luanda. Gleichzeitig soll das Exportgeschäft, insbesondere mit tropischen Anbausorten, wieder angekurbelt werden, um die Wirtschaft aus der Abhängigkeit vom Erdöl zu befreien. Noch in den 70er-Jahren war Angola der weltweit drittgrößte Kaffeeproduzent mit jährlich 225.000 t. Im Jahr 2014 betrug die Ernte gerade einmal 15.000 t.

"Eine Vielzahl an Projekten ist bereits in Planung, sodass der Markt für Ausrüstung schon in den kommenden zwei bis drei Jahren deutlich wachsen wird", so Joao Alberto Macedo von Agrolider. Das Unternehmen gehört zu den bedeutendsten Agrarfirmen in Angola mit insgesamt drei Farmen. Die größte liegt mit 6.000 ha Fläche bei Quibala (Provinz Cuanza Sul). Davon werden 1.200 ha bereits mit Kartoffeln, Karotten und etwas Mais bepflanzt. Auch Gewächshäuser für Gemüse sind vorhanden.

Auf den anderen beiden Farmen konzentriert sich Agrolider mehr auf Früchte wie Bananen und Melonen. Unweit von Quibala findet sich mit Waku-Kungo ein weiterer Ort, in dem kommerzielle Farmer aktiv werden. Dazu gehören die Fazendas Agro Wako, Aldeia Nova, Cacamba und Sediac. In Sediac werden zurzeit auf 3.300 ha Mais und Soja angebaut.

Die Regierung wirbt zusätzlich um Investoren für große agro-industrielle Parks, in denen nicht nur Feldanbau, sondern auch eine weiterverarbeitende Wertschöpfungskette entstehen soll. In der Provinz Malanje befindet sich der Agro-Industrial Complex Capanda mit einer zur Verfügung stehenden Anbaufläche von etwa 290.000 ha. Insgesamt dürften bereits rund 18 Konzessionen vergeben worden sein. Aktiv ist unter anderem das Unternehmen Biocom, das bis 2019 auf 37.000 ha rund 256.000 t Zucker produzieren will. Ebenfalls in Malanje liegt mit Quizenga ein weiterer Agro-Industrial Complex mit 30.000 ha.

Eine gigantische Großinvestition verkündete 2014 die mit Gesterra kooperierende CITIC Group. Das Unternehmen will insgesamt 5 Mrd. US$ in die Landwirtschaft investieren und 500.000 ha bewirtschaften. Die Gesellschaft hat in Angola durch den Bau der Satellitenstadt Kilamba Kiaxi bei Luanda mit 20.000 Wohnungen (10 Mrd. US$) bereits Erfahrung mit der Realisierung von Megaprojekten.

Zentrale Maschinenparks für Farmprojekte

Andere Großprojekte, wie Terra do Futuro, setzen stark auf die Einbindung von Kleinbauern. In Cariango (Provinz Cuanza Sul) entwickelt Terra do Futuro eine Fläche von 20.000 ha. Dabei werden für lokale Farmer 60 Blöcke mit 250 ha geschaffen, wovon 150 ha für den Eigenanbau und 100 ha für den Vertragsanbau vorgesehen sind. Derzeit werden schon rund 4.000 ha bestellt.

In Nhareia (Provinz Bié) ist bereits ein zweites Vorhaben nach gleichem Konzept mit 40.000 ha geplant. Geldgeber ist die Entwicklungsbank Angolas. Unterstützung durch die Regierung bekommt auch die israelische Tahal Group für den Bau der Musterfarm Quiminha (5.000 ha). Diese besteht aus 300 Kleinparzellen mit 1 bis 2 ha, 64 größeren Blöcken mit 50 ha, welche an Private verkauft werden, sowie einer Kerneinheit von 900 ha, die von Tahal betrieben wird. Sämtliche genannten Vorhaben sollen jeweils über einen gemeinsamen Maschinenpark für alle Beteiligten verfügen.

Gefragt ist einfache Technik, guter Service noch Mangelware

Wie überall in Afrika gilt in Bezug auf die Technik auch in Angola das Credo "so einfach wie möglich und keine Elektronik", erklärt Joaquim Vieira vom John Deere-Händler LonAgro. Die Geräte müssen schwierige Bedingungen und schlechte Dieselqualität aushalten. Für alle Händler bestehen große Schwierigkeiten, einen After-Sales-Service anzubieten.

Die Entfernungen sind riesig und die Farmen befinden sich häufig in entlegenen Gebieten. Die schlechte Infrastruktur ist ein großes Problem. In den letzten Jahren wurde zwar massiv in die Verkehrswege investiert, viele Straßen sind trotzdem noch immer mit Schlaglöchern übersät. Wie bei Dondo geschehen, sind neugebaute Straßen aufgrund mangelhafter Ausführung durch chinesische Firmen nach drei Jahren schon wieder kaum passierbar.

Hinzu kommt ein Mentalitätsproblem: Wartung beginnt für viele Kunden in Angola erst dann, wenn das Gerät kaputt ist. Für 2014 bezifferte Mecanagro die Traktordichte in Angola auf etwa eine Maschine pro 350 ha. Wie viele Traktoren aber funktionstüchtig sind, ist fraglich. "Viele Maschinen dürften kaputt unter einem Baum stehen", meint Vieira.

John Deere bietet Grundlagentraining an, damit Tätigkeiten wie Filter- und Ölwechsel von Farmarbeitern selbst durchgeführt werden können. Größere Betriebe, wie Agrolider, beschäftigen eigene Techniker aus dem Ausland. Auf dem angolanischen Arbeitsmarkt ist ausgebildetes Personal kaum verfügbar. Auch die Ausrüstung wird teilweise noch direkt aus dem Ausland bestellt.

Vertreter von Agrolider berichten, dass viele angolanische Händler überteuert sind. Der direkte Import eines großen Traktors aus Portugal kann um 100.000 US$ günstiger sein als der Kauf bei einem lokalen Händler. Für einen guten Händler mit After-Sales-Service wäre man zwar bereit mehr zahlen, aber nicht das Doppelte, so der Tenor.

Die Händlerstrukturen befinden sich aber erst in der Aufbauphase und dürften sich in den kommenden Jahren deutlich verbessern. Einer der größten Händler für Anbaugeräte ist Agrozootec. "Unser Sortiment ist derzeit mit den portugiesischen und italienischen Marken, wie Joper Tomix und Maschio Gaspardo, komplett ausgefüllt", erklärt Unternehmensvertreter José Alexandre Silva. Nachgefragt wird vor allem kleines Gerät.

"Für deutsche Hersteller bestehen aber Zukunftspotenziale", so Silva. "Mit der einsetzenden Professionalisierung in der angolanischen Landwirtschaft dürften verstärkt Geräte mit größeren Arbeitsbreiten eingesetzt werden, wobei deutsche Anbieter mit Effizienz und Qualität punkten können".

Importquoten zur Förderung landwirtschaftlicher Produktion

Um die eigene landwirtschaftliche Produktion zu schützen und einen sicheren Marktzugang zu gewähren, verhängte die angolanische Regierung 2015 Höchstgrenzen für die Einfuhr bestimmter landwirtschaftlicher Produkte. Dazu zählen unter anderem Reis, Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Bananen und Mangos, aber auch Rindfleisch, Geflügel sowie verarbeitete Produkte wie Maismehl, Weizenmehl oder Speiseöl.

Landwirtschaftliche Produktion in Angola (Auswahl)
Sorte Fläche 2013 (in ha) Produktion 2013 (in t) Fläche 2014 (in ha) Produktion 2014 (in t)
Mais 1.928.082 1.548.750 1.932.868 1.686.869
Kassava 1.173.780 6.411.674 1.178.067 7.638.880
Bohnen 934.947 311.988 938.892 401.500
Sorghumhirse 226.571 46.423 226.089 48.136
Hirse (Millet) 225.026 38.603 222.804 43.057
Reis 29.960 37.608 30.606 42.288
Soja 23.663 10.326 23.609 13.763
Süßkartoffeln 165.473 1.199.749 170.018 1.928.954
Kartoffeln 106.772 670.136 107.724 671.468
Tomaten 44.621 675.439 47.416 703.860
Bananen 133.623 3.095.013 133.632 3.483.432
Kaffee 40.707 12.550 52.200 15.009
Erdnüsse 344.492 191.728 345.811 252.480
Zitrusfrüchte 37.594 304.407 38.153 409.181
Mangos 44.067 174.174 44.277 177.906
Ananas 17.888 479.357 17.995 599.156

Quelle: FAOSTAT, CountrySTAT

Internetadressen:

Gesterra

Internet: http://www.gesterra-angola.com

Agro-Industrial Complex Capanda

Internet: http://www.sodepacangola.com

Agrozootec

Internet: http://agrozootec-lda.com/

Centrocar

Internet: http://www.centrocar.com/ao/

Agrolider

Internet: http://www.agrolidersa.com.ar

Terra do Futuro

Internet: http://www.terradofuturo.com

Biocom

Internet: http://www.biocom-angola.com

(He.St.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Angola Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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