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15.01.2016

Argentinien investiert in Energie- und Wasserversorgung

Neue Kraftwerke geplant / Bedarf an Wasseraufbereitungsanlagen / Von Carl Moses

Buenos Aires (gtai) - Argentinien muss in den kommenden Jahren seine Stromerzeugung stark ausbauen, um den steigenden Bedarf zu decken. Dabei setzt das Land kurzfristig vor allem auf kombinierte Gas- und Dampfkraftwerke. Aber auch neue Wasser- und Atomkraftwerke sind geplant. Umgerechnet mehr als 1 Mrd. Euro soll 2016 in die Bereiche Trinkwasserversorgung und Kanalisation investiert werden. Vordringlich sind die Modernisierung des Leitungsnetzes und die Installation von Wasseraufbereitungsanlagen.

Argentinien muss in den nächsten 20 Jahren mindestens 1.500 MW jährlich an zusätzlicher Stromerzeugungskapazität ans Netz bringen, um die um etwa 4% jährlich wachsende Stromnachfrage zu decken. Gemäß einem "Business-as-usual-Szenario" der Expertengruppe "Escenarios Energéticos Argentina 2035", das von einer Fortschreibung der gegenwärtigen Angebots- und Nachfragetendenzen ausgeht, müssten die Kapazitäten sogar um mehr als 2.000 MW pro Jahr zunehmen.

Kurzfristig höchste Priorität haben kombinierte Gas- und Dampfkraftwerke, die eine rasche Steigerung der Stromerzeugung erlauben. Bei der Planung und Ausrüstung solcher Anlagen ist Siemens in Argentinien klarer Marktführer. Im Haushaltsplan 2016 ist für den Bau und Ausbau von verschiedenen Gas- und Dampfkraftwerken eine Kreditaufnahme von bis zu 2,9 Mrd. US$ vorgesehen. Für den Ausbau der Erdgasversorgung steht im Finanzplan der Regierung für 2016 eine Kreditaufnahme von bis zu 8 Mrd. US$. Es geht um den Ausbau des Gasfernleitungs- und -verteilungsnetzes sowie Anlagen zur Rückwandlung von Flüssiggas in Gas.

Zu den wichtigsten geplanten Energieprojekten der Regierung zählen die Wasserkraftwerke Dr. Néstor Kirchner und Gobernador Jorge Cepernic, ferner die Wasserkraftwerke Chihuidos, Los Blancos, Portezuelo del Viento, Potrero del Clavillo und Punta Negra.

Argentinien plant außerdem den Bau von drei neuen Atomkraftwerken mit einer Gesamtkapazität von 2.700 MW sowie die Verlängerung der Laufzeit des AKW Embalse. Für den Bau der neuen AKW hat Argentinien bereits Abkommen mit chinesischen und russischen Partnern unterzeichnet, die nach Angaben der Regierung neben der Finanzierung auch einen Technologietransfer vorsehen. Bis 2030 soll der Anteil der Atomkraft an der Stromversorgung von derzeit 10 auf 30% steigen.

Hochspannungsnetz muss ausgebaut werden

Argentinien verfügt über ein großes Potenzial für die Nutzung erneuerbarer Energien (EE). Bisher ist ihr Beitrag zur Stromversorgung - von großen Wasserkraftwerken abgesehen - noch sehr bescheiden. Im Jahr 2014 wurden lediglich 0,5% der netzgeführten Stromlieferungen durch Wind und Sonne gedeckt. Das soll sich bald ändern, der chronische Devisenmangel zwingt Argentinien zum Abbau der Abhängigkeit von Energieimporten. Bis 2017 sollen rund 8% des argentinischen Stromverbrauchs aus EE gedeckt werden. Bis 2025 soll die Quote sogar auf 20% steigen.

Der Ausbau der Stromerzeugung durch Wasserkraft und Windenergie wird einen Ausbau der Hochspannungsübertragungsnetze erfordern. Die Vereinigung der Stromerzeuger AGEERA hält bis 2035 den Bau von mehr als 10.000 km 500-kV-Leitungen für erforderlich. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge müssen bis 2035 zwischen 11 Mrd. und 21 Mrd. US$ in den Ausbau des Hochspannungsnetzes investiert werden.

Der Fünfjahresplan 2015 bis 2019 des Stromversorger EPEC in der Provinz Córdoba sieht Investitionen von 3 Mrd. arg$ vor. Schwerpunkt ist die Verbesserung des Verteilungssystems. Unter anderem ist die Installation von 20 Umspannwerken niedriger und mittlerer Spannung sowie die Erneuerung und der Ausbau der Verteilungsleitungen vorgesehen (nähere Informationen: http://prensa.cba.gov.arpolitica/luz-verde-para-el-plan-quinquenal-de-epec-2015-2019/).

Investitionsbedarf bei Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung

Für den Bereich Trinkwasserversorgung und Kanalisation hat die argentinische Zentralregierung in ihrem Haushaltsentwurf für 2016 Investitionen von 13,3 Mrd. argentinischen Pesos (arg$; rund 1,1 Mrd. Euro; durchschnittlicher Wechselkurs im Dezember 2015: 1 arg$ = 0,0834 Euro) eingeplant. Der größte Teil der Ausgaben wird über das staatliche Wasserversorgungsunternehmen Aguas y Saneamientos Argentinos SA (AySA), die Behörde Ente Nacional de Obras Hídricas de Saneamiento (Enhosa) und das Planungsministerium (vornehmlich für Projekte der Trinkwasserversorgung und Kanalisation in Nordargentinien) getätigt.

Das für die Wasserversorgung des Großraums Buenos Aires zuständige Staatsunternehmen AySA verfügt gemäß dem Haushaltsentwurf für 2016 über ein Investitionsbudget von 5,8 Mrd. arg$ - nur wenig mehr als im Vorjahr (5,6 Mrd.). Schwerpunkte der Investitionen von AySA sind die Trinkwasseraufbereitungsanlagen Paraná de las Palmas und Dock Sud, das Klärwerk Berazategui sowie Erschließungsarbeiten in den Bezirken der rasch wachsenden Städte Escobar und Pilar im Norden des Großraums Buenos Aires. Allein in Pilar sollen von 2016 bis 2020 rund 1,8 Mrd. US$ in das Trinkwassernetz und die Kanalisation investiert werden, um 100% der Haushalte anzuschließen. Zu den weiteren Schwerpunkten des strategischen Investitionsplans 2011 bis 2020 gehören die Erneuerung der maroden Leitungsnetze sowie die Sanierung des Flussbeckens Matanza-Riachuelo (Kläranlage, Pumpstationen, Leitungssysteme).

In einem für 2017 und die Folgejahre laufenden Finanzierungsplan der Regierung sind 670 Mio. US$ für Wasserfernleitungen und Kanalisierungsarbeiten in verschiedenen Landesteilen sowie 516 Mio. arg$ für den Bau einer Abwasseraufbereitungsanlage im Gerberei-Industriepark Lanús eingeplant. Bedarf an Wasseraufbereitungsanlagen hat auch die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie.

Die Wasserbaubehörde Enhosa sieht für 2016 Investitionen von 4,5 Mrd. arg$ in den Ausbau von Wasserversorgung und Kanalisation vor. Zu den wichtigsten Vorhaben zählen Wasserleitungen durch die Provinz Chubut und den Norden der Provinz Santa Cruz, der Bau eines Abwassersystems in Chubut, eine Wasseraufbereitungsanlage in Mar del Plata und der Bau eines Trinkwassernetzes in Río Gallegos (Santa Cruz). Allein für die Wasserleitung durch Santa Cruz sind im mittelfristigen Haushaltsplan der Regierung 11,6 Mrd. arg$ angesetzt.

(CM)

Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Kraftwerksbau, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Kläranlagenbau

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