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20.01.2016

Argentiniens Markt für Baumaterialien bietet Chancen für deutsche Anbieter

Gebäudeautomatisierungs- und Sicherheitstechnik ist gefragt / Energiesparende Produkte gewinnen an Bedeutung / Von Carl Moses

Buenos Aires (gtai) - In Argentinien besteht beim Bau von gewerblichen Gebäuden sowie Wohnhäusern der mittleren und gehobenen Kategorie eine rege Nachfrage nach Hausautomatisierungs- und Sicherheitstechnik. Am Markt für Fenster und Türen gewinnen die Anbieter von PVC-Profilen stetig mehr Marktanteile. An den zuletzt deutlich gestiegenen Importen von Armaturen halten deutsche Hersteller einen Anteil von rund 7%. Die Nachfrage nach energiesparenden Produkten dürfte steigen.

In Argentinien wird beim Neubau von Gewerbegebäuden der Sicherheit ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt. Auch nach außen abgeschlossene Wohnviertel und Wohntürme kommen nicht ohne elektronische Überwachungssysteme aus. Alarmanlagen, Videokameras und automatisch schließende Tore gehören für neue Wohnhäuser im Premiumsegment zur Standardausstattung, werden zunehmend aber auch in Mittelklasseobjekten eingesetzt. Auch viele Altbauten werden nachgerüstet. Städte und Gemeinden investieren in Video-Überwachungssysteme für den öffentlichen Raum.

Nach Angaben der Branchenkammer Cámara Argentina de Seguridad Electrónica (Casel) erreichte der Umsatz mit elektronischer Sicherheitstechnik in Argentinien 2014 rund 640 Mio. US$. Das entspricht laut Casel 7% des gesamten lateinamerikanischen Marktes. Für 2015 schätzte Casel in Argentinien ein Umsatzwachstum um 18% auf Dollarbasis. Getragen wird das Wachstum von der Nachfrage nach Brandschutz- und Videoüberwachungssystemen.

Elektronische Sicherheitssysteme müssen bei Premiumobjekten den besten globalen Standards entsprechen. Internationale Neuheiten auf diesem Gebiet werden am lokalen Markt rasch absorbiert. Führende deutsche Anbieter wie Siemens und Bosch haben auch in Argentinien eine starke Position. Für den Markteinstieg bietet sich eine Teilnahme an den von der Messe Frankfurt organisierten Fachmessen Seguriexpo (Schwerpunkt: elektronische Sicherheitssysteme) und Intersec (Brandschutz und Schutzbekleidung) an.

Der Einbau von Hausautomatisierungstechnik ist im Zuge der raschen Verbreitung der Zertifizierung von LEED-Normen beim Neubau gewerblicher Gebäude der gehobenen Kategorie ein Muss. Die argentinische Fachvereinigung Asociación Argentina del Control Automático (AADECA, http://www.aadeca.org) veranstaltet alle zwei Jahre den Fachkongress "Congreso Argentino de Control Automático" mit begleitender Ausstellung, der auch den Bereich "intelligente Gebäude" abdeckt (nächster Termin 22. bis 23.9.16).

Fensterrahmen und Türen aus PVC werden beliebter

Im argentinischen Markt für Fenster und Türen gelingt es den Herstellern von PVC-Profilen, dem bisher klar dominierenden Werkstoff Aluminium Marktanteile streitig zu machen; Holz wird kaum verwendet. Bei den Importen sind PVC-Erzeugnisse inzwischen sogar klar führend. In den letzten zwei Jahren investierte das Unternehmen Tecnocom 2,2 Mio. US$ in den Ausbau seines Werks Pablo Podestá in der Provinz Buenos Aires, um die Produktion um 40% zu erhöhen. Tecnocom ist auf dem gesamten lateinamerikanischen Markt präsent.

Im Jahr 2014 importierte Argentinien Fenster und Türen aus Kunststoff für 1,9 Mio. US$ (+48% gegenüber Vorjahr), jedoch nur noch für 0,4 Mio. US$ aus Aluminium (-51%). Die Importe von Holzfenstern und -türen holen von niedrigem Niveau ausgehend langsam auf; 2014 stiegen sie gegenüber dem Vorjahr um 25% auf 284.000 US$.

Deutsche Lieferanten von Fenstern und Türen wie Rehau, Veka und Velux haben hinter dem Marktführer Tecnocom ebenfalls eine bedeutende Marktposition, auch Schüco hat eine Niederlassung. Allerdings sank Deutschlands Anteil an den argentinischen Importen von Kunststofffenstern und -türen 2014 drastisch (nur noch 4% gegenüber einem Anteil von mehr als einem Drittel 2012). Bei Aluminiumfenstern und -türen kommt ein Drittel der Importe aus Deutschland.

Eine Anhebung der bislang stark subventionierten Energiepreise wird in naher Zukunft deutlich mehr Anreize zur Nutzung von energiesparenden Technologien schaffen. Der führende Hersteller von Isoliermaterial und -produkten aus Glasfaser in Argentinien, Saint-Gobain (mit der lokalen Marke Isover), erzielte 2014 einen Umsatz von 1.417 Mio. argentinischen Pesos (arg$; rund 118 Mio. Euro; durchschnittlicher Wechselkurs im Dezember 2015: 1 arg$ = 0,0834 Euro).

Importe von Armaturen gestiegen

Argentiniens Importe von Armaturen der HS-Position 8481.80 stiegen 2014 trotz der schwachen Konjunktur um 12% auf 260 Mio. US$. Deutschland hatte daran einen Anteil von 7,0% (Vorjahr: 7,5%). Die Exporte von Armaturen fielen 2014 um 4,5% auf 64 Mio. US$.

Führender lokaler Hersteller von Sanitärarmaturen ist das Unternehmen FV. Der Jahresumsatz stieg 2014 nach Angaben der Wirtschaftszeitschrift Mercado um 34% auf 826 Mio. arg$. Im Premiumsegment ist Hansgrohe mit einer eigenen Vertriebsniederlassung präsent. Auf der Importseite herrscht ein zunehmender Wettbewerb durch Produkte aus China.

Von Argentiniens geschätztem Gesamtverbrauch an PVC und Copolymeren (2014: 141.000 t) entfallen laut Daten von Tendencias Económicas 44% auf Rohre und Verbindungsteile und 12% auf Kabel. Lokaler Hersteller von PVC ist das Unternehmen Solvay Indupa (Kapazität: 230.000 t PVC und Copolymere im Jahr). Mehr als 50% der Produktion werden laut Angaben der Fachvereinigung AAPVC (http://www.aapvc.org.ar) von der Bauwirtschaft verbraucht.

Ein führender lokaler Anbieter von Kunststoff- und Metallleitungen für Wasser, Gas und Heizung ist die Gruppe Dema mit ihren Marken Acqua System, Gas Thermofusion, Duratop, Tubotherm und Dema Caños y Accesorios. Ein anderer führender lokaler Hersteller von Kunststoffrohren und -armaturen sowie von isolierenden Kunststoffbeschichtungen für Rohre ist Industrias Saladillo. Flexible Rohre und Verbindungsteile für den Industriebau produziert Dinatécnica. Das Unternehmen Socotherm Americas, auch international einer der führenden Hersteller von Kunststoffbeschichtungen von Rohren für die Energiewirtschaft, verfügt in Argentinien über drei Produktionsstandorte verfügt (Escobar, Campana und Valentin Alsina, alle in der Provinz Buenos Aires) und erzielte dort 2014 einen Umsatz von 446 Mio. arg$ (-19% gegenüber 2013).

(C.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Armaturen, Ventile, Filter, etc., Sonstige Elektrotechnik / Elektronik, Zugangs-Kontrolltechnik, Biometrie, etc.

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