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17.10.2017

Argentiniens Wasserwirtschaft lockt ausländische Unternehmen

China, Spanien und Italien auf dem Vormarsch / Deutsche Zulieferer gut vertreten / Von Carl Moses

Buenos Aires (GTAI) - Hohe Investitionen in Argentiniens Wasserwirtschaft rufen internationale Branchenunternehmen auf den Plan. Nach einer langen Investitionsflaute sollen in den nächsten 15 Jahren 44 Milliarden US-Dollar (US$) in die Deckung des hohen Nachholbedarfs an Wasser- und Abwassertechnik fließen. Deutsche Unternehmen sind als Zulieferer von Ausrüstungen und Dienstleistungen in Argentinien gut vertreten und haben von dort aus vielfach auch die spanischsprachigen Nachbarländer im Blick.

Angesichts des stark wachsenden Auftragspotenzials im Wassersektor drängen immer mehr Anbieter auf den argentinischen Markt. Der Wettbewerb dürfte somit in den nächsten Monaten und Jahren deutlich zunehmen. Unter den ausländischen Zulieferern dominierten lange Zeit brasilianische Firmen wie Odebrecht, OAS oder Camargo Correa. Nach den Korruptionsskandalen in Brasilien haben diese Unternehmen jedoch nun einen schweren Stand. So wurde der Konzern Odebrecht für ein Jahr von öffentlichen Aufträgen komplett ausgeschlossen.

Neben den Brasilianern sind italienische Unternehmen wie Impregilio oder Ghella stark vertreten, auch Astaldi und CMC di Ravena aus Italien bewerben sich um Projekte. Stark im Kommen sind chinesische Anbieter, allen voran der Konzern China Gezhouba Group Corporation. Eine starke Präsenz haben außerdem einige spanische Baufirmen wie Dycasa oder Isolux Corsán. Letztere waren allerdings jüngst von Korruptionsvorwürfen und Finanzproblemen belastet. Weitere spanische Wettbewerber, die neu auf den argentinischen Markt drängen, sind die Unternehmen Técnicas de Desalinización de Aguas (Tedagua), Grupo San José und Abeinsa Infraestructuras Medio Ambiente S.A. (Abeima).

Zu den führenden lokalen Bau- und Ingenieurunternehmen mit Aktivitäten in der Wassersparte gehören Benito Roggio, Supercemento, José Cartellone Construcciones Civiles (JCCC), Rovella Carranza, Tecma, Iecsa, Panedile, Eleprint, Decavial, Grupo Petersen und Electroingeniería.

Ausschreibungen sind hart umkämpft

Oft geben mehrere Unternehmen gemeinsam in einem projektspezifischen Gemeinschaftsunternehmen UTE (Unión Transitoria de Empresas) Angebote für einzelne Projekte ab. Welche Unternehmen sich für welche Vorhaben bei öffentlichen Ausschreibungen bewerben, lässt sich (in spanischer Sprache) auf der privaten Internetseite http://www.obrapublica.com verfolgen.

Um Großaufträge des Wasserversorgungsunternehmens für den Großraum Buenos Aires, AySA, bewarben sich im September 2017 folgende Bauunternehmen und -konsortien: Gezhouba-Electroingeniería, Hidrochina-Panedile, Supercemento-Cartellone, Ghella-Dycasa, Acciona-Techint, Salini Impregilo-José Chediak, Benito Roggio-Iecsa, Panedile, Corsan Corviam, CMC di Ravena, Constructora San José SA-Tedagua sowie Astaldi-Rovella Carranza.

Um einen Auftrag für den Bau einer Kläranlage in Córdoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens, konkurrieren die Unternehmen UTE Lesko Sacifia-Tecma, Estructuras Sacicif-Marinelli-Paschini Construcciones, Hidroconst sowie UTE AMG Obras Civiles-Marle Construcciones-CEA Construcciones. Für den Bau einer Wasserleitung zur Versorgung des großen Seebads Mar del Plata bewarben sich im September 2017 die Unternehmen Goetze Lobato Engenharia Ltda, Abeinsa Infraestructura, Coarco, die UTE Eleprint-Decavial, Rovella Carranza, die UTE Tecma-Mako und Ecosur Bahía.

Heimische Zulieferer und Dienstleister stark

Einer der führenden heimischen Wasser- und Abwasserspezialisten ist das Unternehmen Ecopreneur, das gleichzeitig Beratung, Bau und Beschaffung von Ausrüstungen für Wasserprojekte anbietet. Ein wichtiger Player ist auch das Ingenieurunternehmen Serviur, das in Argentinien unter anderem den deutschen Spezialausrüster für Abwasser- und Schlammbehandlung Huber Technology vertritt. Ein führendes Ingenieurunternehmen für Wasseraufbereitungsanlagen für Industriebetriebe ist Aguas y Procesos (A&P) aus Sunchales (Provinz Santa Fé). Eine traditionell starke Position hat die Ingenieurgesellschaft Degrémont, deren französischer Mutterkonzern Suez allerdings besonders stark von den Rückverstaatlichungen der vergangenen Dekade in Argentinien betroffen war. Auch die französische Gruppe Veolia unterhält eine große Niederlassung in Argentinien (2.200 Mitarbeiter), ist allerdings vor allem in der Behandlung von städtischen und industriellen Abfällen aktiv.

Unter den ausländischen Ausrüstungsanbietern dominiert die Aqseptance Group, vormals Bilfinger Water Technologies, die 2016 vom chinesischen Unternehmen Chengdu Environment übernommen wurde. Sie vereint die Marken Passavant, Geiger, Noggerath, Johnson Screens, Diemme Filtration, Airvac und Roediger unter einem Dach und arbeitet in Argentinien mit verschiedenen Vertretungsfirmen zusammen . Führende Anbieter (Hersteller und Importeure) von Pumpen sind KSB Companía Sudamericana de Bombas S.A., Bombas Grundfos de Argentina S.A. (nur Import), Xylem (Flygt und andere Marken), Ruhrpumpen, Wilo Salmson Argentina, Motorarg sowie die lokalen Hersteller Motores Czerweny S.A., Miguel Schmitt y Cia. S.R.L., Fluvial S.R.L. und Tromba S.A.. Einen guten Überblick über das lokale Angebot von Pumpen bietet die Fachzeitschrift "Revista m3h" (http://www.m3hweb.com/index.asp).

Deutsche Spezialisten gefragt

Deutsche Zulieferer sind meist durch Handelsvertreter, zum Teil aber auch mit eigenen Niederlassungen in Argentinien vertreten. Eine sehr starke Position für die Lieferung von Tunnelvortriebsmaschinen hat das Unternehmen Herrenknecht, dessen Maschinen in Argentinien bei mehreren Großprojekten zum Einsatz kommen, unter anderem beim jüngst angelaufenen Bau eines 12 Kilometer langen Tunnels für einen Abwasserkanal unter dem Riachuelo-Fluss. Die Firma Dr. Ing. Schröder vertritt ein halbes Dutzend deutscher Hersteller von Pumpen und anderen Ausrüstungen (unter anderem Seepex, Putzmeister, Aqseptance Group). Die Firma Fiala y Cia. vertritt deutsche Anbieter für die Behandlung von Industrieabwässern (Flottweg, Hiller). Das Unternehmen Ewyconsulting (proH2O) bietet Beratung und Ausrüstungen zur Aufbereitung von Wasser für Industrie und private Haushalte an.

Die Ludwig Pfeiffer Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG aus Kassel ist zusammen mit Spezialtauchern des Unternehmens Tauchmayer aus Seelze in Niedersachen bei hochkomplexen Unterwasser-Reparaturarbeiten in 30 Meter Tiefe zur Sanierung von alten Wasserkanälen in Buenos Aires aktiv. Das Dresdner Ingenieurunternehmen DAS Environmental Expert, das unter anderem mobile Abwasserbehandlungsanlagen anbietet, unterhält in Argentinien ein Büro, von dem aus auch andere Länder Südamerikas bedient werden. Weitere deutsche Unternehmen decken von Argentinien aus die spanischsprachigen Nachbarländer ab. Umgekehrt versucht das schweizerische Unternehmen AVS Technology (Chlor-Alkali-Anlagen zur Wasserbehandlung) den argentinischen Markt vom benachbarten Uruguay aus zu bearbeiten.

Hersteller und Importeure präsentieren sich in Argentinien auf der Fachmesse Fitma (Aussteller der letzten Ausgabe von Mai 2017: http://www.fitma2017.com.ar/listado.html)

Vom 13. bis 16. November 2017 richtet Argentinien den IWA Water and Development Congress & Exhibition (IWA WDCE 2017) in Buenos Aires aus (https://www.argentina.gob.ar/interior/plandelagua/iwa und http://www.waterdevelopmentcongress.org).

Die Vereinigung der Wasseringenieure/-berater Aidis Argentina organisiert im Mai 2018 einen Fachkongress zum Klimawandel (http://www.aidisar.org.ar/3o-congreso-interamericano-de-cambio-climatico/).

(C.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau, Abwasserentsorgung

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