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14.02.2018

Aufschwung macht Tschechen reisefreudiger

Flughäfen und Bahnbetreiber melden Rekordzahlen / Ausbau der Kapazitäten und Modernisierung notwendig / Von Gerit Schulze

Prag (GTAI) - Der Wirtschaftsaufschwung in der Tschechischen Republik beflügelt auch den Passagiertransport. Dank der gestiegenen Einkommen sind die Menschen mobiler, wie die Zahlen für 2017 der Bahnbetreiber, Flughäfen und Busspeditionen belegen. Das führt zu neuen Investitionen in die Infrastruktur und in rollendes Material. In Südböhmen wird der landesweit sechste Flughafen für internationale Flüge ausgebaut.

Zu Lande und in der Luft wurden 2017 in Tschechien deutlich mehr Passagiere befördert. Die nationale Airline Ceske aerolinie (CSA) berichtete über einen Anstieg ihrer Fluggastzahlen um fast ein Fünftel auf 2,7 Millionen. Die Auslastung der Linienflieger kletterte um sechs Prozentpunkte auf über 81 Prozent.

CSA besitzt derzeit 18 Flugzeuge und gehört zu 44 Prozent Korean Air Lines. Die Südkoreaner wollen ihren Anteil aber an die tschechische Charterfluggesellschaft Travel Service veräußern, die zurzeit bereits 34 Prozent an CSA hält. Travel Service (fliegt unter dem Label "Smartwings") ist seit einigen Jahren auf Expansionskurs und modernisiert ihre Flotte. Zwischen 2018 und 2023 will die Airline 39 neue Boeing 737 Max in Betrieb nehmen.

Für 2017 meldete Travel Service auf seinen Smartwings-Flügen einen Anstieg der Passagierzahlen um ein Fünftel auf 5,5 Millionen. An dem Unternehmen hält der chinesische Mischkonzern CEFC knapp die Hälfte der Anteile.

Vaclav-Havel-Airport auf Wachstumskurs

Der größte Flughafen des Landes, der Vaclav-Havel-Airport in Prag, verzeichnete 2017 ebenfalls einen Bestwert: Rund 15,42 Millionen Reisende nutzten das Drehkreuz und damit 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Auch für Kunden aus Sachsen und grenznahen Regionen in Polen wird Prag ein immer attraktiver: Im aktuellen Winterflugplan stehen 112 Ziele in 41 Ländern. Der Knotenpunkt gehört zu den fünf am schnellsten wachsenden Flughäfen in Europa. Neue Verbindungen nach China bringen zusätzliche Kunden. Die beliebtesten Flugziele 2017 waren London, Paris und Moskau.

Auch der Flughafen in Tschechiens zweitgrößter Stadt Brno befindet sich im Aufwind. Dort wurden 2017 rund 470.000 Passagiere gezählt - ein Zuwachs um 13 Prozent gegenüber 2016. Die südmährische Entwicklungsagentur unterstützt Airlines finanziell bei der Etablierung neuer Flugziele ab Brno. Damit will die Regionalverwaltung den Messestandort aufwerten. Für 2018 konnten Mailand, Rom, Barcelona und Brüssel in den Flugplan aufgenommen werden. Ende 2017 wurde der Betrieb des Flughafens Brno von der Investmentgruppe Accolade übernommen. Der neue Betreiber kündigte an, den Airport in den kommenden Jahren weiter auszubauen und zu modernisieren.

Der drittgrößte Start- und Landeplatz Tschechiens, der Leos-Janacek-Airport im mährisch-schlesischen Ostrava, verzeichnete 2017 einen Neun-Jahres-Rekord. Dort stieg die Passagierzahl um 26 Prozent auf 324.000. Besonders beliebt waren Flüge nach London sowie die Ferienflieger zu Sommerzielen. Das Frachtaufkommen an dem Flughafen wuchs um 29 Prozent auf 5.362 Tonnen.

Airport Pardubice 2017 mit größtem Zuwachs

Am Flughafen Pardubice wurde Anfang 2018 für rund 10 Millionen Euro ein Passagierterminal eröffnet, an dem drei Flugzeuge gleichzeitig abgefertigt werden können. Der Airport gilt bei schlechtem Wetter als Ausweichstandort für das 120 Kilometer entfernte Prag. Außerdem fliegen ausländische Chartergesellschaften die Stadt an und bringen von dort die Touristen per Shuttlebus in die Hauptstadt. Nach ersten Schätzungen stieg die Zahl der Fluggäste 2017 um fast 180 Prozent auf 87.000.

Als einziger internationaler Flughafen des Landes verbuchte Karlovy Vary 2017 sinkende Passagierzahlen. Die Zahl der Fluggäste schrumpfte um 15 Prozent auf 21.400. Vom 2013er Spitzenwert (104.000) ist der Kurort weit entfernt, weil vor allem die Besucher aus Russland ausbleiben. Die erst im Frühjahr 2017 gestartete Flugverbindung nach Düsseldorf hat die Fluggesellschaft Germania wegen zu geringer Auslastung schon nach wenigen Wochen wieder eingestellt.

Größere Investitionen plant der tschechische Staat in die Sicherheit der Regionalflughäfen. Dafür sollen in den nächsten Jahren 585 Millionen Kronen (Kc, rund 23,2 Millionen Euro, Wechselkurs am 8. Februar 2018: 1 Euro = 25,245 Kc) ausgegeben werden. Im Fokus stehen Brno, Karlovy Vary, Ostrava und Pardubice.

Als sechster internationaler Flughafen in Tschechien will demnächst die südböhmische Stadt Ceske Budejovice auf der Karte erscheinen. Dort entstehen zurzeit ein neuer Terminal, Leittechnik und Standflächen für größere Flugzeuge. Bis Frühjahr 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, sodass dort auch größere Passagiermaschinen abgefertigt werden können. Investor ist der Südböhmische Bezirk (kraj), der 2018 über 10 Millionen Euro in den Ausbau des Flughafens investieren will. Den Bauauftrag hat der deutsche Konzern Hochtief gewonnen.

Gegenüber tschechischen Medien erklärte der Flughafendirektor von Ceske Budejovice, dass dem Airport 80.000 Fluggäste pro Jahr reichen, um rentabel zu wirtschaften. Der Standort - der bis 2005 militärisch genutzt wurde - soll durch niedrige Start- und Landegebühren vor allem Billigfluggesellschaften anlocken.

Passagierzahlen an den internationalen Flughäfen in Tschechien
Flughafen Fluggäste 2016 Fluggäste 2017 Veränderung in %
Vaclav-Havel-Airport Prag 13.074.500 15.415.000 17
Airport Brno-Turany 417.700 470.300 13
Leos-Janacek-Airport Ostrava 258.200 324.100 25
International Airport Karlovy Vary 25.200 21.400 -15
East Bohemian Airport Pardubice 31.200 87.000 179
Insgesamt 13.806.800 16.317.800 18

Quellen: Pressemeldungen; tschechische Medienberichte; Flughafenbetreiber

Staatsbahn mit größter Transportleistung seit zwanzig Jahren

Nicht nur im Luftverkehr, auch auf den Schienen steigt der Personentransport in Tschechien. Die staatliche Bahngesellschaft Ceske drahy vermeldete für 2017 einen Zuwachs der Passagierzahlen um 3,2 Millionen auf fast 174,7 Millionen (+2 Prozent). Dabei legten die Fahrgäste weitere Strecken zurück, wie die Kennziffer "Personenkilometer" belegt. Sie stieg im Jahresverlauf um über 5 Prozent auf 7,8 Milliarden. Das war die höchste Transportleistung der tschechischen Bahn seit 20 Jahren. Eine durchschnittliche Zugreise betrug 45 Kilometer.

Einen weiteren Zuwachs bei Zugreisen könnte es durch die beinahe Gratisfahrten geben, die Tschechiens neue Regierung in Aussicht gestellt hat. Studenten und Rentner sollen gegen eine geringe Jahresgebühr die Züge nutzen können. Experten erwarten einen Anstieg der Passagierzahlen um ein Drittel und Engpässe bei den Beförderungskapazitäten.

Ohnehin erhöht die gestiegene Nachfrage bereits den Bedarf an Waggons und Lokomotiven. Die Bezirksverwaltungen (kraje) sollen nach Informationen der tschechischen Bahn einen Bedarf an neuen Regionalzügen im Wert von über 1,3 Milliarden Euro haben. Die Staatsbahn Ceske drahy hat für 2018 Ausschreibungen im Wert von umgerechnet 800 Millionen Euro für neue Züge angekündigt.

Im Herbst 2017 hatte Ceske drahy beim tschechischen Hersteller Skoda Vagonka neun Zuggarnituren der Reihe RegioPanter im Wert von rund 40 Millionen Euro bestellt. Sie sollen im Regionalverkehr zum Einsatz kommen. Die Beschaffungen werden zum Teil aus Fonds der Europäischen Union kofinanziert.

Mit dem Modernisierungsprogramm bereitet sich Ceske drahy auf den wachsenden Wettbewerbsdruck vor. Ab 2019 laufen eine Reihe von Beförderungsverträgen mit den Regionalverwaltungen aus und werden neu ausgeschrieben. Auch mehrere private Bahnbetreiber wollen sich darum bewerben.

Der größte private Bahnwettbewerber RegioJet verzeichnete 2017 ebenfalls ein Rekordjahr. Auf den Fernstrecken im In- und Ausland transportierte das Unternehmen rund 4,67 Millionen Zugreisende und damit ein Viertel mehr als im Jahr zuvor. Der Anstieg gelang in erster Linie mit neuen Verbindungen von Prag über Brno nach Bratislava und dank einer Low-Cost-Tarifgruppe.

(S.Z.)

Mehr zum Land finden Sie unter http://www.gtai.de/Tschechien

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Luftverkehr / Flughäfen, Schienenverkehr

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