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03.09.2015

Ausfuhren deutscher Maschinen erhöhen sich weiter

Trotzdem tritt der Sektor auf der Stelle / Von Siegfried Ellermann

Berlin (gtai) - Zwar zeichnet sich für den deutschen Maschinenbau global eine "schwarze Null" als Endergebnis des Jahres 2015 ab. Dennoch melden einige Teilbereiche vielversprechende Resultate, darunter die Hersteller von Kunststoffmaschinen sowie von Gütern im Bereich Robotik und Automation. Analysten gehen ferner davon aus, dass sich bis auf weiteres der Wertverlust des Euro beispielsweise gegenüber dem US-Dollar positiv auf die Auftragslage auswirkt. Im 1. Halbjahr nahmen die Exporte abermals zu.

Der Ausstoß des deutschen Maschinenbaus wird 2015 aller Voraussicht auf dem Niveau von 2014 stagnieren. Analysten des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zogen damit die Konsequenz aus einer eher unbefriedigenden Entwicklung der Branchenkonjunktur in der ersten Jahreshälfte. "Die aus dem Herbst des vergangenen Jahres stammende Prognose, nach der die reale Produktion von Maschinen und Anlagen in Deutschland in diesem Jahr um 2% steigen soll, ist nicht mehr zu halten," verkündete VDMA Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge verringerte sich die Produktion im Zeitraum Januar bis Juni 2015 um 0,4%.

Ein gewisser Hoffnungsschimmer entstand im 2. Quartal, innerhalb dessen die Auftragseingänge wieder zugenommen haben. Somit wies die Bilanz für das gesamte erste Semester insgesamt ein Minus von circa 1% gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode auf. Die zusammengerechneten Bestellungen aus dem Ausland haben sich nicht verändert; allerdings wurde hierbei ein Rückgang der Orders aus den Nicht-Euroländern durch einen Anstieg von 12% aus der übrigen Eurozone komplett ausgeglichen, so der VDMA.

Zufriedene Hersteller von Bau- und Kunststoffmaschinen

Von dieser globalen Lagebeurteilung unterscheiden sich aber die Auffassungen einzelner VDMA-Fachverbände. Optimistisch gaben sich zur Jahresmitte 2015 die deutschen Baumaschinenhersteller; für sie scheint ein Umsatzplus von 4% auf 8,7 Mrd. Euro im Gesamtjahr "machbar zu sein". Demgegenüber sind im Bereich der Baustoffanlagen "viele Unternehmen im Plan, Großaufträge aber rar und hart umkämpft. ...Wir gehen deshalb hier für 2015 von einer schwarzen Null aus", erklärte Johann Sailer, der Vorsitzende des Verbandes Bau- und Baustoffmaschinen.

Der Fachverband Robotik und Automation wiederum fasst für 2015 eine Wachstumsrate von mehr als 5% ins Auge. Schon 2014 erzielten die Unternehmen des Bereichs bei einem Zuwachs von 9% einen vorläufigen Rekordumsatz von 11,4 Mrd. Euro. Ferner rechnet der deutsche Kunststoff- und Gummimaschinenbau für das laufende Jahr mit einer Umsatzsteigerung von 4%. Für 2016 gilt ein Plus von 2% als wahrscheinlich, womit dann erstmals die 7-Mrd.-Euro-Marke überschritten wird.

Im Aufwärtstrend liegen ebenfalls die Ausfuhren des deutschen Maschinenbaus. So erhöhten sich Januar/Juni 2015 die Exporte gegenüber der Referenzperiode 2014 um 1,8% auf 83,3 Mrd. Euro. Grundlage für die Abgrenzung bildet die Klassifikation GP09-28 des Statistischen Bundesamts (Maschinen; Güterverzeichnis für Produktionsstatistiken 2009). Innerhalb der Gruppe der größten Abnehmerländer erhöhten sich die Ausfuhren besonders stark bei den USA (20,3% auf 8,8 Mrd. Euro), Italien (14,4% auf 3,8 Mrd.), Polen (7,9% auf 3,1 Mrd.) und der Tschechischen Republik (6,6% auf 2,6 Mrd. Euro.

Entwicklung der deutschen Maschinenexporte (in Mio. Euro)

MKT201509028002.14

Anmerkung: jeweils Januar bis Juni nach Klassifikation GP09-28)

Quelle: Statistisches Bundesamt

Unter einigen größeren und unter eher mittelgroßen Abnehmern verzeichneten beispielsweise Litauen (+68,0%), Ägypten (+39,8%), Mexiko (+39,6%), Katar (+27,4%), Chile (+18,6%), die Türkei (+15,8%) sowie Kanada (+14,8%) hohe Zuwachsraten. Einen starken Einbruch verzeichnete das Statistische Bundesamt dagegen bei Lieferungen an zahlreiche Rohstoffproduzenten - darunter Venezuela (-59,3%), Algerien (-39,2%), Peru (-27,4%), Indonesien (-23,3%) und Kasachstan (-11,0%). Darüber hinaus gingen die Maschinenexporte in die Ukraine (-34,8%) und in die Russische Föderation (-31,1%) erheblich zurück.

Wichtigste Abnehmerländer für deutsche Maschinen (in Mrd. Euro)
Land 2012 2013 2014
Insgesamt 142,2 149,0 151,5
VR China 18,9 16,4 17,0
USA 12,2 14,1 15,1
Frankreich 9,1 9,8 9,8
Vereinigtes Königreich 5,2 6,0 6,8
Russische Föderation 7,5 7,8 6,5
Italien 5,6 5,4 5,8
Österreich 5,0 5,8 5,7
Niederlande 4,8 5,2 5,7
Polen 4,1 4,4 5,0

Quelle: Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

Unscharfes Bild im Importbereich

In den ersten sechs Monaten 2015 erhöhte sich Deutschlands Maschineneinfuhr um 1,2% auf knapp 36 Mrd. Euro. Dies verdeutlichen Daten des Statistischen Bundesamts. Die Importe entwickelten sich dabei in sämtlichen Währungsräumen unterschiedlich: Beispielsweise verringerten sich die Käufe in Frankreich lediglich um 0,5% auf 2,4 Mrd. Euro, während die Beschaffungen in Italien um 9,6% auf 2,9 Mrd. Euro zurückgingen. Im Fall Polens ergab sich ein Plus von 8,6% (auf 1,5 Mrd. Euro), in dem des Vereinigten Königreichs ein Minus von 5,5% (auf 1,3 Mrd. Euro). Oder es erhöhten sich die Einfuhren aus der VR China um 8,0% auf 3,7 Mrd. Euro und verminderten sich im Verhältnis zu Japan um 2,5% auf 2,3 Mrd. Euro.

Entwicklung der Maschineneinfuhren im 1. Halbjahr (in Mio. Euro)

MKT201509028002.15

Anmerkung: jeweils Januar bis Juni nach Klassifikation GP09-28)

Quelle: Statistisches Bundesamt

Andererseits verändert die US-Dollar Rechnung des Statistischen Bundesamts das Bild bei einigen Ländern beträchtlich: So stagnierten im Zeitraum Januar bis Juni die Maschinenimporte aus den USA bei etwa 3,0 Mrd. US$. Im Fall Chinas verwandelte sich ein stattliches Plus in ein deutliches Minus: -12,0% auf 4,1 Mrd. US$. Und das Importgeschäft mit Japan endete in einem regelrechten Einbruch: -20,7% auf 2,6 Mrd. US$. Sämtliche Einfuhren im Rahmen von GP09-28 reduzierten sich in dieser Sichtweise um 17,7% auf 40,1 Mrd. US$.

Auch Deutschlands Maschinenkäufe in der übrigen Eurozone haben sich signifikant vermindert, und zwar um 5,5% auf circa 12 Mrd. Euro. Dazu passen würde der Umstand, dass der Produktionsindex des Statistischen Bundesamts für das gesamte produzierende Gewerbe im 1. Halbjahr 2015 saison- und arbeitstäglich bereinigt auf einem Niveau von circa 109 Punkten stagnierte. Die Originalwerte indessen erhöhten sich im Vergleich zu Januar/Juni 2014 um 0,9%.

Wichtigste Beschaffungsmärkte der deutschen Industrie (in Mrd. Euro)
Land 2012 2013 2014
Insgesamt 54,0 55,8 59,3
Italien 5,1 5,6 5,9
Schweiz 5,2 4,9 5,3
VR China 3,5 4,0 4,5
Frankreich 4,0 4,3 4,3
USA 4,1 4,0 4,1

Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

Plus bei Verbrennungsmotoren, Pumpen und Antriebstechnik

In den Augen von Commerzbankanalysten wirken sich die bisherigen Entwicklungen auf den Devisenmärkten vor allem auf die Ertragslage der Maschinenbauer aus. Prinzipiell würden deutsche Unternehmen unter Preisgesichtspunkten wettbewerbsfähiger; dies sei aber teilweise von den jeweils vertraglich vereinbarten Zahlungsmodalitäten abhängig. Generell verdeutlicht eine Betrachtung der Exportanteile nach Regionen, dass sich Deutschland im Maschinengeschäft am stärksten auf Nichteuroländer ausrichtet (2014: 70%). Unberücksichtigt anderer Einflüsse hat Deutschland gute Voraussetzungen, höhere Exporte aus der Euroabwertung zu generieren.

Andererseits spielt im Maschinenbau der Industrieländer der Preis beim Außenhandel oftmals eine eher untergeordnete Rolle, so die Mitarbeiter der Commerzbank weiter. Denn vielfach stehen bei einer Beschaffung anwendungs- und kundenspezifische Gesichtspunkte im Vordergrund. Zudem habe sich die Fertigung von Maschinen und Teilen, bei denen die Preisgestaltung als zentrales Entscheidungskriterium gilt, schon seit Jahren nach Asien oder auch Osteuropa verlagert. Ferner spielt beim Verkauf ein etwaiges "overengineering" eine Rolle.

Letztendlich müssen von den deutschen Maschinenbauern umfangreich Vorleistungsgüter, darunter Metalle, aus anderen Währungszonen eingeführt werden. Die Rechnungsbeträge lauten üblicherweise auf US-Dollar. Die entsprechenden Güter werden somit per se teurer. Unter dem Strich aber sollten in den Augen der Commerzbank die großen Exportsparten Verbrennungsmotoren und Turbinen, Pumpen und Kompressoren sowie Antriebstechnik von der augenblicklichen Währungsentwicklung profitieren.

(S.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Deutschland Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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Günter Maier

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