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07.02.2017

Ausländische Direktinvestitionen in Korea (Rep.) sind 2016 eingebrochen

EU-Unternehmen wollen Engagements wieder ausweiten / Einschätzung deutscher Firmen gemischt / Von Alexander Hirschle

Seoul (GTAI) - Der Zufluss an Direktinvestitionen nach Korea (Rep.) ging 2016 deutlich zurück. Vor allem die Engagements im produzierenden Gewerbe wie etwa in der chemischen Industrie sanken deutlich. Nach Herkunftsländern brachen vor allem die Investitionen aus der VR China und den USA ein. Die Europäische Union (EU) bleibt wichtigster Investor in Korea (Rep.). Die angekündigten Aktivitäten zeigen wieder leicht nach oben, allerdings sehen deutsche Firmen die Rahmenbedingungen zum Teil mit Skepsis.

Die ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) in Korea (Rep.) sind 2016 laut Motie (Ministry of Trade, Industry and Energy) massiv um fast 41% eingebrochen und erreichten nur noch knapp 9,8 Mrd. US$. In den vergangenen Jahren hatten ausländische Firmen ihre Engagements im "Land der Morgenstille" noch ausgeweitet.

Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen in Korea (Rep.) (in Mrd. US$, Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
Jahr Zufluss Veränd.
2012 10,7 62,1
2013 9,8 -8,4
2014 12,1 23,5
2015 16,0 32,3
2016 9,8 -40,9

Quelle: Motie (Ministry of Trade, Industry and Energy)

Der starke Rückgang wird von offizieller Seite in erster Linie auf die nachlassenden Aktivitäten bei Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions, M&A) zurückgeführt, die um 63% auf 3,3 Mrd. US$ abstürzten. Aber auch die Investitionen internationaler Gesellschaften "auf der grünen Wiese" zeigten um fast 16% auf nur noch knapp 2 Mrd. US$ nach unten. Experten sahen 2016 aufgrund der durchwachsenen weltwirtschaftlichen Konjunktur ebenfalls einen globalen Trend in Richtung nachlassender Direktinvestitionen, der sich auch auf Korea (Rep.) niederschlug.

Starke Einbrüche in der Chemiebranche

Nach Sektoren sanken die ausländischen Engagements in der produzierenden Industrie mit einem Minus von 50% überdurchschnittlich stark auf nur noch 2,6 Mrd. US$. Bei Dienstleistungen belief sich der Rückgang immerhin noch auf 30%.

Besonders dramatisch bergab ging es mit den ausländischen Direktinvestitionen in den Branchen, die sonst das Schwergewicht der Engagements in Korea (Rep.) ausmachen - Chemie sowie Finanzen und Versicherungen. Die Investitionen internationaler Unternehmen in der koreanischen Chemiebranche verringerten sich 2016 auf 915 Mio. US$ und damit auf weniger als ein Drittel im Vergleich zu 2015. Bei Finanzdienstleistungen erreichte der Wert 2016 mit 2,3 Mrd. US$ nicht einmal die Hälfte des Vorjahres. Einen positiven Trend hingegen wiesen Maschinen- und Anlagenbau, Transportmaschinen, Groß- und Einzelhandel sowie Immobilien auf.

Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen 2016 nach maßgeblichen Sektoren (in Mio. US$, Veränderung in %, Bestand in Mrd. US$)
Sektor Zufluss Veränd. 16/15 Anzahl Firmen Bestand
Industrie 2.573 -49,2 326 75,3
.Chemie 915 -71,5 63 17,3
.Elektronik und Energie 617 -3,1 74 20,6
.Transportmaschinen 367 58,2 31 10,7
.Maschinen- und Anlagenbau 366 24,5 55 6,5
.Textilien und Bekleidung 40 -87,1 25 2,0
Dienstleistungen 7.049 -30,3 1.343 99,3
.Finanzen und Versicherungen 2.343 -55,8 77 40,8
.Business Services 1.628 -2,7 274 19,4
.Groß- und Einzelhandel 1.029 9,4 673 18,3

Quelle: Motie

Die realisierten Direktinvestitionen aus der Europäischen Union zeigten 2016 um rund 20% auf knapp 3,6 Mrd. US$ nach unten. Die Engagements deutscher Firmen gingen um 36% auf 188 Mio. US$ zurück. Die USA schraubten ihre Direktinvestitionen prozentual noch deutlicher um 58% nach unten. Die Investitionen aus Asien sanken um 33% auf 4,3 Mrd. US$, wobei vor allem Unternehmen aus der VR China ihre Aktivitäten mit 432 Mio. US$ auf nur noch ein Viertel der Vorjahressumme reduzierten.

Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen 2016 nach maßgeblichen Herkunftsländern (in Mio. US$, Veränderung in %, Bestand in Mrd. US$)
Herkunftsland Zufluss Veränd. 16/15 Anzahl Firmen Bestand
EU 3.550 -20,3 239 72,4
.Niederlande 900 -60,8 59 23,7
.Vereinigtes Königreich 197 -9,6 45 10,9
.Deutschland 188 -36,1 36 9,9
.Frankreich 84 -14,3 32 6,1
Singapur 2.002 -14,2 108 11,6
USA 993 -57,7 174 29,0
Hongkong, SVR 901 10,1 152 4,2
Japan 801 -34,7 223 30,3
VR China 432 -75,6 414 5,0

Quelle: Motie

Angekündigte Investitionen zeigen nach oben

Die angekündigten Direktinvestitionen in Korea (Rep.) stiegen 2016 um 1,9% auf ein neues Rekordhoch von 21,3 Mrd. US$. Allerdings sind diese Zahlen nicht allzu aussagekräftig. So wurden beispielsweise im Jahr 2015 Engagements von 21 Mrd. US$ bekanntgegeben, aber nicht einmal die Hälfte davon im Folgejahr realisiert. Dies liegt unter anderem daran, dass die Investitionen über einen längeren Zeitraum erfolgen und somit nur Teilsummen innerhalb eines Jahres tatsächlich ins Land fließen - außer bei Fusionen und Übernahmen, wo sich der gesamte Transaktionswert sofort in den Bilanzen niederschlägt.

Die höchsten Summen bei den angekündigten FDI sollen in die Branchen Finanzen und Versicherungen (6,2 Mrd. US$; 173 Projekte), Business Services (3,7 Mrd. US$; 512 Projekte) sowie Immobilien (2,4 Mrd. US$; 227 Vorhaben) fließen. Dahinter folgen Groß- und Einzelhandel (1,5 Mrd. US$; 1.036 Projekte), Chemie (1,5 Mrd. US$; 105 Vorhaben) und Elektronik (1,1 Mrd. US$; 111 Projekte).

Der künftig wichtigste Investor in Korea (Rep.) auf Länderebene sollen dieser Statistik zufolge die USA mit 373 Vorhaben im Wert von 3,9 Mrd. US$ sein; gefolgt von Singapur (2,4 Mrd. US$; 180 Projekte), Hongkong, SVR (2,1 Mrd. US$; 278 Projekte), VR China (2,1 Mrd. US$; 770 Vorhaben) und Japan (1,3 Mrd. US$; 299 Projekte).

EU-Firmen wollen Engagements deutlich ausweiten

Auf Rang eins der wichtigsten Herkunftsregionen liegt die EU mit 7,4 Mrd. US$ und damit einer Verdreifachung der Summe im Vergleich zu 2015. Die höchste Summe innerhalb der EU soll aus den Niederlanden kommen mit 1,6 Mrd. US$ und 90 Projekten. Deutschland liegt mit 53 geplanten Projekten im Wert von 312 Mio. US$ an dritter Stelle des Rankings.

Gemäß einer im Januar 2017 veröffentlichten Umfrage der deutsch-koreanischen Auslandshandelskammer (Korean-German Chamber of Commerce and Industry, KGCCI) kritisieren Firmen aus Deutschland vor allem die intransparente Durchsetzung von Vorschriften in Korea (Rep.). Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich nach Einschätzung von 70% der befragten Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert.

Koreanische Wirtschaft im Transformationsprozess

Besondere Sorgen bereiten der Industrie die Wettbewerbssituation und die Kostenstruktur in der koreanischen Wirtschaft. Nach Aussage von Unternehmensvertreten werden die kommenden Jahre nicht einfach, da sich die koreanische Wirtschaft in einer Transformationsphase mit dem Aufkommen disruptiver Technologien befindet.

Daher müsse künftig verstärkt auf Bereiche wie Forschung und Entwicklung Wert gelegt werden, um den technologischen Abstand zu den Konkurrenten wie zum Beispiel aus der VR China auszubauen. Korea (Rep.) könne von internationalen Firmen gut als Testmarkt wie zum Beispiel bei selbstfahrenden Fahrzeugen oder 3D-Druck genutzt werden - so die Stimmen. Nicht zuletzt deshalb äußern sich 44% der befragten Firmen teilweise oder sehr optimistisch hinsichtlich der Wachstumsaussichten in der näheren Zukunft.

(A.H)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Korea (Rep.) finden Sie unter http://www.gtai.de/korea. Einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik finden Sie unter http://www.gtai.de/asien-pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Korea, Republik Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

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