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17.04.2018

Ausländische Investitionen in Israel konzentrieren sich auf Hightech

Bessere Positionierung auf dem Weltmarkt ist Hauptmotiv / Technologieärmere Branchen haben zu kämpfen / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Ausländische Investitionen spielen in der israelischen Wirtschaft eine immer größere Rolle. Allerdings bleibt das Ziel der israelischen Wirtschaftspolitik, auch technologieärmere Branchen für ausländische Investoren interessant zu machen, weitgehend unerreicht. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen entfiel der nach Branchen aufgeschlüsselte Bestand ausländischer Direktinvestitionen Ende 2016 zu 60 Prozent auf Hightech.

Der Bestand an ausländischem Investitionskapital nimmt in der israelischen Wirtschaft zu. Ende 2016, so eine im März 2018 veröffentlichte Analyse des Zentralamts für Statistik (Central Bureau of Statistics) lag der Bestand ausländischer Direktinvestitionen mit 107,3 Milliarden US-Dollar um 8 Prozent über dem Vorjahresniveau und um 65,1 Prozent über dem fünf Jahre zuvor erreichten Stand.

Dieser Anstieg wurde hauptsächlich dank der Investitionen im Dienstleistungsbereich erreicht. Eine besondere Rolle spielten dabei Investitionen in EDV-Dienste sowie Forschung und Entwicklung (FuE). In dieser Sparte schnellte der ausländische Investitionsbestand innerhalb eines Jahrfünfts um 73,1 Prozent in die Höhe. Dies war nicht zuletzt der Gründung von FuE-Zentren durch ausländische Unternehmen, zu verdanken.

Bestand ausländischer Direktinvestitionen in Israel nach Technologieintensität (Mrd. US$)
Kategorie 2011 2015 2016
1. Industrie 22,8 29,2 29,9
1.1. Hochtechnologie 13,9 18,1 18,0
1.2. Technologie intensivere Mischbranchen 1,2 2,3 2,2
1.3. Technologieärmere Mischbranchen 6,2 6,0 6,2
1.4. Technologiearme Branchen 1,4 2,8 3,5
2. Dienstleistungen und Handel 37,0 57,6 61,5
2.1. EDV-Dienste/ FuE 21,2 34,5 36,7
2.2. Andere 15,9 23,0 24,8
3. Nicht aufgeschlüsselt 5,2 12,5 15,8
Insgesamt 65,0 99,3 107,3

Quelle: Zentralamt für Statistik

Bessere Positionierung auf dem Weltmarkt ist das Hauptmotiv

Das Hauptmotiv ausländischer Unternehmen, die Direktinvestitionen in Israel tätigen, ist es in den meisten Fällen nicht, besser Fuß auf dem israelischen Markt zu fassen, sondern, ihre Position auf dem Weltmarkt zu verbessern. Solche Möglichkeiten bieten sich in Israel vor allem im Hightechbereich. Wie sehr Hightech ein Magnet für ausländische Investoren ist, lässt daran erkennen, dass nur rund 9 Prozent der israelischen Arbeitskräfte im Hightechsektor arbeiten, während dieser 59,8 Prozent des Bestands aller ausländischen Direktinvestitionen auf sich vereint.

In Industriebranchen außerhalb des Hochtechnologiesektors hält sich das Interesse ausländischer Investoren in viel engeren Grenzen. Dies liegt vor allem an der niedrigen Produktivität technologieärmerer Branchen, die deshalb nur wenig Chancen auf dem Weltmarkt haben.

Das bedeutet indessen nicht, dass es außerhalb der Hochtechnologie gar keine ausländischen Investitionen gäbe. Im Industriebereich gehört der führende israelische Metallwerkzeughersteller Iscar der niederländischen International Metalworking Companies-Gruppe, die wiederum von Warren Buffets Berkshire Hathaway in den USA kontrolliert wird. Iscar wurde 2006 an Buffet verkauft.

Zum Teil auch binnenmarktorientierte Firmen von Interesse

In bestimmten Branchen kann auch eine Investition in binnenmarktorientierte Industriebetriebe von Interesse sein. Einer der führenden israelischen Nahrungsmittelhersteller, Osem, ist eine Tochterfirma der Schweizer Nestle S.A., während der israelische Betonhersteller Readymix Industries (Israel) dem mexikanischen Baustoffehrsteller CEMEX gehört.

Im Dienstleistungs- und Handelssektor gibt es ebenfalls Beispiele für ausländisches Eigentum. Der zollfreie Laden am Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv, James Richardson, ist Teil der australischen Handels- und Immobiliengruppe James Richardson Corporation. Im Jahr 2014 übernahm die Springer Digital Classifieds (ASDC), ein Gemeinschaftsunternehmen von Axel Springer und General Atlantic, das führende israelische Online-Anzeigenportal yad2.

Auch der Finanzsektor ist bei ausländischen Investoren relativ beliebt. Beispielsweise gehört das größte israelische Investmenthaus, Psagot, der britischen Apax Partners Europe Managers.

Trotz solcher Beispiele stellen nichthochtechnologische Investitionen ausländischer Unternehmen eher die Ausnahme als die Regel dar. Inwieweit sich diese Situation ändern kann, ist offen. Zwar berichten Regierungsvertreter, die Modernisierung der traditionellen Industrie laufe 2017 und 2018 schneller als bisher an, doch ist die Produktivitätslücke zu den führenden Industrienationen noch groß. Das kann sich selbst nach optimistischen Szenarien nur langsam ändern und wird auch in den kommenden Jahren ausländische Investitionen behindern.

Bestand wichtiger ausländischer Direktinvestitionen in Israel nach Branchen 2016
Branche Mio. US$
Industrie
- Herstellung von Computern, Elektronik- und Optikprodukten sowie Elektroprodukten 14,1
- Herstellung von Metallwaren und Metallhalbwaren außer Maschinenbau 4,9
- Petrochemie, Chemie und Pharma 4,6
- Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 2,3
- Maschinen und Ausrüstungen 1,2
Dienstleistungen und Handel
- Telekommunikation, Computerprogrammierung und - beratung sowie verwandte Dienstleistungen 24,1
- Wissenschaftliche Forschung und Entwicklung 14,5
- Finanzdienstleistungen außer Versicherung und Rentenfonds 9,3
- Versicherung und Rentenfonds, begleitende Dienstleistungen 2,1
- Tätigkeit von Unternehmenszentralen und Managementberatung 1,2

Quelle: Zentralamt für Statistik

Die wichtigsten Herkunftsländer für ausländische Direktinvestitionen waren 2016 die USA, die Niederlande und die Kaimaninseln. Im Falle der Kaimaninseln und anderer kleinerer Staaten kann unterstellt werden, dass hinter den in diesen Ländern verbuchten hohen Investitionsbeträgen hauptsächlich Investoren aus Drittländern stehen. Mit einem Investitionsbestand von 512 Millionen US$ lag Deutschland auf Rang elf der Investorenliste.

Führende Herkunftsländer für den Bestand ausländischer Direktinvestitionen 2016
Land Mio. US$
USA 19.019
Niederlande 12.800
Kaimaninseln 7.067
Singapur 4.180
Kanada 3.834
Luxemburg 3.468
Vereinigtes Königreich 2.407
Schweiz 1.867
Schweden 1.081
Frankreich 853

Quelle: Zentralamt für Statistik

Israelische Auslandsinvestitionen nehmen ebenfalls zu

Die israelischen Direktinvestitionen im Ausland und ausländische Direktinvestitionen in Israel halten sich nahezu die Waage. Der Bestand israelischer Direktinvestitionen jenseits der Landesgrenzen lag 2016 bei 98,1 Milliarden US$, was 91,4 Prozent der ausländischen Investitionen im Inland entsprach. Gegenüber dem Vorjahr nahm der Investitionsbestand im Ausland um 15,8 Prozent zu.

Mit 84,9 Prozent entfielen die allermeisten israelischen Industrieinvestitionen im Ausland auf Hochtechnologie. Demgegenüber schlug Hightech bei Dienstleistungen und Handel mit nur 4,6 Prozent des Investitionsbestands zu Buche.

(S.T.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Software / EDV-Dienstleistungen, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Investitionen im Ausland / Joint Ventures

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