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12.02.2018

Außenhandel in Hongkong wächst wieder

Handelsdrehscheibe für Ostasien / Elektronik und Elektrotechnik stellen zwei Drittel der Warenströme / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Hongkongs Außenhandel hatte sich 2015 und 2016 - vor dem Hintergrund einer schwächelnden chinesischen Exportwirtschaft - rückläufig entwickelt. Doch 2017 kam auf beiden Seiten der Grenze die Trendwende. Die Handelshäuser der Sonderverwaltungsregion (SVR) leiden teilweise trotzdem weiter, denn immer mehr Kunden benutzen internetbasierte B2B-Plattformen. Deutschland lieferte 2017 Waren im Wert von rund 6,5 Milliarden US-Dollar (US$) in die ehemalige britische Kolonie. (Kontaktdressen)

Hongkong bildet mit einem Außenhandelsvolumen von über 1 Billionen US$ eine der größten Drehscheiben im internationalen Warenaustausch. Das gängige Geschäftsmodell sieht dabei folgendermaßen aus: Chinesische Firmen, insbesondere aus dem benachbarten Perlflussdelta, kaufen Vorwaren und Anlagegüter über einen Hongkonger Händler. Dieser sorgt anschließend auch für den Vertrieb ihrer Fertigprodukte in die Welt.

Li & Fung ist im Rahmen dieser Arbeitsteilung einer der größten Mitspieler. Die Firma mit Hauptsitz in Hongkong generierte im 1. Halbjahr 2017 laut eigenen Angaben mit rund 21.000 Mitarbeitern in über 40 Ländern einen Umsatz von 7,3 Milliarden US$. Im Vergleich zum Vorjahrszeitraum kam dies einem Rückgang von 9 Prozent gleich, und das obwohl die Handelsströme Hongkongs und der VR China kräftig wuchsen. Das Geschäft litt unter der Konkurrenz von internetbasierten B2B-Plattformen. Trotz dieser neuen Konkurrenz dürfte Hongkong ein wichtige Handelsdrehscheibe bleiben.

Die Anzahl von Beschaffungsbüros deutscher Firmen etwa ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Unter anderem unterhalten ALDI, HD Isler, Kaufland, Lidl, Metro, Otto, REWE, s.Oliver, Simba Dickie, Triumph und Tchibo Niederlassungen in Hongkong. Von dort beackern sie teilweise ganz Asien. Einige lassen auch im Auftrag fertigen (vor allem im Textilbereich). Daneben existiert noch eine Reihe klassischer deutscher Handelshäuser (einschließlich jener deutschen Ursprungs) wie Illies, Jebsen, Melchers, Rieckermann oder Schütte.

Während sich der Außenhandelssektor Hongkongs in den Jahren 2015 und 2016 vor dem Hintergrund eines schwachen Chinageschäfts rückläufig entwickelte, freute er sich 2017 über eine Trendwende. Die Warenausfuhren der SVR - sie bestehen zu 99 Prozent aus Reexporten - wuchsen gemäß dem Census and Statistics Department um 8 Prozent. Die Importe stiegen derweil um fast 9 Prozent.

Außenhandel Hongkongs (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2012 2017 Veränderung 2017/2012
Importe 501,6 558,6 11,4
Exporte *) 440,3 496,9 12,9
Handelsbilanzsaldo -61,3 -61,7 0,7

*) Es handelt sich zu 99 Prozent um Reexporte

Quelle: Census and Statistics Department

Des Außenhandelssektor hat sich als führende Stütze der Hongkonger Wirtschaft etabliert. In 2017 gab es gut 100.000 Export- und Importfirmen, die zusammen nahezu eine halbe Million Menschen beschäftigten. Ihr Beitrag zur Entstehung des Bruttoinlandsproduktes lag bei knapp einem Fünftel. Es handelt sich überwiegend um kleine Gesellschaften, die das reine Handelsgeschäft betreiben. Größere Firmen erbringen eine höhere Wertschöpfung. Sie lassen etwa im Auftrag fertigen und sind auch bei der Entwicklung und dem Testen von Produkten beteiligt.

Außenhandel nach Handelspartnern

China ist traditionell der mit weitem Abstand größte Handelspartner Hongkongs, 2017 summierten sich der Warenaustausch auf rund 490 Milliarden US$. Das entspricht einem Anteil von 45 Prozent am gesamten Außenhandel der SVR.

Gemessen an den Importen sind (nach China) Taiwan, Singapur, Japan und Korea (Rep.) die wichtigsten Zulieferer. Die genannten Länder betreiben im Süden der Volksrepublik zahlreiche Fabriken, häufig der Elektronikindustrie. Die Kernkomponenten stammen dabei vielfach noch aus den Heimatländern. Der taiwanische Konzern Hon Hai etwa, besser bekannt unter dem Namen Foxconn, beschäftigt in Shenzhen mehrere 100.000 Menschen und produziert dort unter anderem im Auftrag von Apple.

In den letzten Jahren hat sich daneben der Handel mit Südostasien sehr dynamisch entwickelt. Der Warenaustausch zwischen der SVR und den zehn Ländern der ASEAN belief sich 2017 auf über 100 Milliarden US$. Im September 2017 wurde zudem ein Freihandelsabkommen zwischen Hongkong und der südostasiatischen Staatengemeinschaft unterzeichnet.

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Deutschland liefert vor allem Elektronik, Maschinen und Kfz

Deutschland lieferte 2017 Waren im Wert von 6,5 Milliarden US$ in die ehemalige britische Kolonie. Die größten Lieferpositionen "Made in Germany" waren Elektronik und Elektrotechnik im Wert von mehr als 1,4 Milliarden US$ sowie Maschinen und Anlagen (knapp 1,1 Milliarden US$). Auf Rang drei folgten Kraftfahrzeuge mit 0,7 Milliarden US$.

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Elektronik und Elektrotechnik dominieren

In Südchina existieren zahlreiche Branchen des Elektronik- und Elektrotechniksektors. Über Hongkong importieren sie vor allem elektronische Komponenten und exportieren anschließend ihre Fertigprodukte. Gemäß Zahlen des Hongkonger Statistikamt summierten sich die entsprechenden Handelsströme 2017 auf sage und schreibe 670 Milliarden US$. Das entsprach zwei Drittel des gesamten Warenverkehrs.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code 2012 2017
Gesamt 501.559,4 558.590,2
Mineralische Brennstoffe, davon 3 18.227,1 12.474,7
.Erdöl 33 15.344,0 9.482,3
Vorerzeugnisse, davon 6 53.445,5 48.343,7
.Eisen und Stahl 67 2.804,4 2.140,5
Chemische Erzeugnisse, davon 5 23.327,3 20.309,7
.Kunststoffe 57, 58 11.538,3 8.105,3
Maschinen 71-74 20.371,0 19.437,6
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 18.479,8 23.332,5
Elektronik 75, 76, 776 215.374,0 294.138,5
Rohstoffe 2 3.874,2 2.079,6
Elektrotechnik 77 minus 776 47.718,2 48.041,3
Fertigerzeugnisse 8 90.141,7 78.371,2
Straßenfahrzeuge 78 3.986,1 3.992,5
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 2.953,7 3.222,9
Sonstiges 9 211,1 594,0
Getränke/Tabak 1 3.206,3 4.062,5

Quelle: Census and Statistics Department

Die meisten Importe von Elektronik- und Elektrotechnik, Maschinen sowie Vorprodukten wie Kunststoffen sind nur "durchlaufende" Positionen und nicht für den Hongkonger Markt bestimmt. Anders sieht es bei Nahrungsmitteln und Getränken aus. Die SVR ist aufgrund der geringen Landfläche zu nahezu 100 Prozent auf Importe angewiesen. Die entsprechenden Einfuhren summierten sich 2017 auf mehr als 27 Milliarden US$. Rund zwei Drittel davon sind für den inländischen Konsum bestimmt.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$) *)
Warengruppe SITC-Code 2012 2017
Gesamt 440.300,7 496.910,0
Mineralische Brennstoffe, davon 3 1.100,9 587,6
Vorerzeugnisse, davon 6 44.958,2 46.626,8
.Garne und Gewebe 65 10.487,0 7.601,9
Fertigerzeugnisse, davon 8 92.034,3 73.920,1
.Bekleidung 84 22.446,8 14.470,6
Tierische/pflanzliche Öle 4 63,9 42,3
Rohstoffe 2 3.254,3 1.635,7
.Metallurgische Erze 28 1.069,3 791,9
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 5.299,3 9.001,9
Chemische Erzeugnisse 5 19.417,6 15.672,5
Elektronik 75, 76, 776 203.920,8 275.225,9
Straßenfahrzeuge 78 1.453,9 1.170,8
Elektrotechnik 77 minus 776 49.051,9 51.787,9
Maschinen 71-74 16.994,2 17.525,7
Getränke/Tabak 1 1.830,9 2.300,3
Sonstiges 9 531,4 646,7
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 389,0 765,8

*) Es handelt sich zu 99 Prozent um Reexporte

Quelle: Census and Statistics Department

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Census and Statistics Department http://www.censtatd.gov.hk/home/index.jsp (Startseite); http://gia.info.gov.hk/general/201801/25/P2018012500335_276822_1_1516862290735.pdf (Handelszahlen 2016 und 2017) Statistikamt Hongkongs
Li & Fung https://www.lifung.com Führendes Handelshaus

(R.R.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/hongkong abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Hongkong, SVR Außenhandel / Struktur, allgemein

Kontakt

Bernhard Schaaf

‎+49 228 24 993 349

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