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14.02.2018

Australien baut erneuerbare Energien aus

Investitionen sind massiv gestiegen / Stabile Rahmenbedingungen schaffen Vertrauen / Von Werner Kemper

Sydney (GTAI) - Vor zwei Jahren sah es noch so aus, als würde Australien die Ziele seines Renewable Energy Target (RET) verfehlen. Inzwischen sind sich jedoch alle Experten einig, dass die angestrebten 33 Terawattstunden an Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2020 erreicht werden. Grund ist ein 2015 über die Parteigrenzen hinweg ausgehandelter Kompromiss, der Investoren Planungssicherheit bietet. Die wird nun aber auch für die Zeit nach 2020 angemahnt.

Die Investitionen in erneuerbare Energien lagen im Jahr 2017 auf Rekordniveau. Bei großen Anlagen betrug die zugesagte Investitionssumme über 8 Milliarden US-Dollar (US$). Projekte mit einer Gesamtkapazität von 3.700 Megawatt sind bereits im Bau. Hinzu kamen neue Fotovoltaikanlagen auf Hausdächern mit einer Kapazität von über 1.000 Megawatt und einem Wert von mehr als 1,6 Milliarden US$. Zusammen beträgt die seit 2010 auf Dächern installierte Kapazität inzwischen 6.500 Megawatt.

Damit sei Australien auf einem sehr guten Weg, die Ziele des Renewable Energy Target (RET) bis 2020 zu erreichen, sagte Kane Thornton, CEO des Clean Energy Councils. Das RET wurde Mitte 2015 als parteiübergreifender Kompromiss ausgehandelt und soll gewährleisten, dass bis 2020 mindestens 33 Terawattstunden an Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien stammen. Legt man den aktuellen Strombedarf zugrunde, ist das ein Anteil von 22,5 Prozent.

Im Jahr 2014 war es zum Stopp neuer Investitionen im Sektor gekommen, weil nahezu alle Subventionen zurückgefahren wurden und sich die politischen Rahmenbedingungen drastisch verschlechtert hatten. Auch nach dem Kompromiss blieben Investitionen zunächst aus, weil Branchenfirmen skeptisch blieben.

Doch das Vertrauen ist zurückgewonnen. Das zeigen die gestiegenen Investitionssummen. Außerdem sind bei neuen Anlagen die Erzeugungskosten pro Megawattstunde Strom bei erneuerbaren Energieträgern teilweise günstiger als bei fossilen Energieträgern. Die Erneuerbaren konkurrieren jedoch auch mit zum Teil alten, bereits abgeschriebenen Kohlekraftwerken. Unklar ist, wann sie vom Netz gehen.

Bundesstaatliche Ausbauziele zum Teil sehr ambitioniert

Derzeit gibt es auf Bundesebene keine Pläne für den Ausbau der Erneuerbaren nach 2020. Allerdings verfolgen die einzelnen Bundesstaaten unabhängig vom RET eigene Ziele. South Australia und Queensland wollen bis 2025 respektive 2030 einen Anteil von 50 Prozent durch Erneuerbare an der Stromerzeugung. Victoria strebt einen Anteil von 40 Prozent bis 2035 an. Die Hauptstadtregion (Australian Capital Territory, ACT) hat sogar eine Versorgung zu 100 Prozent durch Ökostrom als Ziel.

Der bevölkerungsreichste Bundesstaat New South Wales hält an den durch das RET vorgegebene Ziel von 20 Prozent bis 2020 fest. Tasmanien erzeugt bereits jetzt 92 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energiequellen, vor allem aus Wasserkraft. Die Northern Territories haben ein Ausbauziel von 50 Prozent bis 2030.

Energiedaten Australien *)
Wert
Primärenergieverbrauch (2015/16 in TWh) 1.686
.davon erneuerbare Energien (in %) 6,0
Wachstum des Primärenergieverbrauchs 2015/16 im Vergleich zum Vorjahr (in %) 2,3
Energieexporte, netto (2015/16 in TWh) 3.791,3
Stromproduktion, netto (2016 in TWh) 258,1
.Kohle/Öl/Gas/Andere (in %) 83,7
.Atomkraft (in %) -
.erneuerbare Energien (in %) 16,3
..Wasserkraft (in %) 42,7
..Wind (in %) 30,9
..Biomasse/Biogas (in %) 8,8
..Solar (in %) 17,6
..Sonstige (in %) 0,001
Wachstum der Stromproduktion 2016 im Vergleich zum Vorjahr (in %) 1,0

*) Das Wachstum der Stromnachfrage entfällt fast ausschließlich auf den Bergbausektor. Die Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe ist rückläufig, bei privaten Haushalten stagniert sie.

Quelle: Department of the Environment and Energy

Kohle bleibt mit Abstand wichtigster Energieträger

Auch wenn erneuerbare Energiequellen an Bedeutung gewinnen, wird Kohle noch lange wichtigster Energieträger bleiben. Im Jahr 2016 hatte sie einen Anteil von 62,9 Prozent an der Stromerzeugung. Auf Platz zwei folgte Gas mit 18,5 Prozent, vor den Erneuerbaren mit 16,3 Prozent und Öl mit 2,3 Prozent.

Die Bedeutung der Energieträger variiert regional. In New South Wales, Queensland und Victoria hatte Kohle 2016 einen Anteil von über 70 Prozent. In Victoria machte Braunkohle sogar 85 Prozent des Energiemixes aus. Allerdings wurde dort 2017 das größte Kohlekraftwerk vom Netz genommen, sodass inzwischen der Anteil deutlich gefallen sein dürfte. In Western Australia und den Northern Territories wird Strom vor allem durch Gas erzeugt. Western Australia ist fast für die Hälfte des aus Gas erzeugten Stroms verantwortlich.

In South Australia haben Erneuerbare einen Anteil von 47 Prozent an der Stromerzeugung, davon entfallen wiederum 47 Prozent auf Windenergie. Der Bundesstaat verfügt über 35 Prozent der gesamten australischen Erzeugungskapazitäten für Windenergie, weitere 30 Prozent entfallen auf Victoria.

(W.K.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Australien können Sie unter http://www.gtai.de/australien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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