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07.12.2017

Blitzstart für den Windenergieausbau in Ägypten

Fester Einspeisetarif wird abgelöst / Internationale Branchenunternehmen planen Windparks / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - In Ägypten läuft die Nutzung des großen Windkraftpotenzials an. Insgesamt befinden sich rund 8.000 Megawatt Kapazität in der Planung oder dem Bau. Neben staatlichen Akteuren treten vermehrt internationale Investoren auf den Plan. Nach dem Auslaufen des Einspeisetarifs werden Tarife individuell ausgehandelt. Ab 2018 steht die Ausschreibung von Wind- und Solarstromkontingenten an. Infolge des Abbaus der Stromsubventionen rechnen sich zunehmend Investitionen in Erzeugungskapazitäten.

In Ägypten entstehen binnen kurzer Zeit immer mehr Windparks. Der World Energy Council bescheinigt dem Land ein exzellentes Windenergiepotenzial, insbesondere an der Küste des Roten Meeres. Die jahresdurchschnittliche Windgeschwindigkeit beträgt dort 10 Meter pro Sekunde bei einem errechneten Gesamtpotenzial von 20.000 Megawatt. Dass bis Ende 2010 nur 545 Megawatt installiert wurden, lag vor allem an den sehr stark subventionierten Strompreisen und einem fehlenden Rechtsrahmen für erneuerbare Energien.

Seitdem 2014 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (Nummer 203/2014) und der Einspeisetarif in Kraft traten, richtete sich das Interesse von Investoren zunächst auf Solarprojekte. Mit dem jährlich zum 1. Juli vorangetriebenen Subventionsabbau sind die Strompreise zumindest auf dem Weg, die Kosten zu decken. Damit wird auch die Erzeugung von Windstrom rentabler. Das Ministerialdekret 312/2017 von Juli 2017 schreibt für das Finanzjahr bis zum 30. Juni 2018 die Stromtarife fest. Nach dem Auslaufen des einheitlichen Einspeisetarifs für Wind- und Solarenergie im Oktober 2017 setzt das Energieministerium auf Einzelvereinbarungen für die Abnahme. Mehrere Betreiber erhalten für ihre Windkraftprojekte nun 3,8 US-Cent pro Kilowattstunde. Der von Oktober 2016 bis Oktober 2017 gültige Einspeisetarif enthielt noch Vergütungen von 4,0 bis 7,96 US-Cent, abhängig von der Anzahl der Betriebsstunden. Die niedrigeren Tarife schrecken aber offenbar Investoren nicht ab und schonen zugleich den ägyptischen Haushalt.

Ausschreibungen für Strom aus erneuerbaren Quellen in 2018

Grundsätzlich will Ägypten die Energiequellen diversifizieren, die Stromnetze modernisieren und ermutigt ausländische Unternehmen zu Investitionen in Energieprojekte. Das erklärte Energieminister Mohamed Shaker Mitte Juli 2017 in einem Interview mit den Daily News Egypt. Die neue Strategie für die kommenden 13 Jahre sieht, neben der Versorgungssicherheit, auch institutionelle Verbesserungen und den Aufbau eines Wettbewerbsmarktes für Strom vor. Shaker kündigte für 2018 mehrere Ausschreibungen für Solar- und Windenergieanlagen an. Mitte November 2017 hieß es, dass die New and Renewable Energy Authority (NREA) 400 Megawatt Stromerzeugung im Folgejahr ausschreiben wolle. Mit ersten Projektmeldungen ist im 1. Quartal 2018 zu rechnen.

Bis 2020 sollen die Solar- und Windenergie 20 Prozent des Verbrauchs stellen und 2035 sogar auf einen Anteil von 37 Prozent kommen. Noch 2015 stellten Sonne, Wind und Wasserkraft lediglich 3,4 Prozent des ägyptischen Primärenergieverbrauchs von 86,2 Millionen Tonnen Erdöläquivalenten. Zahlreiche geplante Projekte im Wind- und Solarbereich lassen tatsächlich einen kräftigen Anstieg erwarten. Allem Anschein nach finden die Unternehmen in Banken und Förderinstitutionen auch schnell Finanzierungspartner für ihre Windparks.

Gründung von Unternehmen für den Betrieb von Windparks vorgesehen

Für die Wartung und den Betrieb von Windfarmen plant die NREA die Gründung eines Unternehmens. Ein Anteil von 70 Prozent des Unternehmens soll ausgeschrieben werden und mehr als 100 Millionen US-Dollar (US$) erbringen. Zuvor hatte die NREA eine Ausschreibung für Wartungsarbeiten und Ersatzteile für den Windpark Zaafarana veröffentlicht. Der Wert betrug laut der Zeitung Ahram Gate 164 Millionen US$. Der Behörde fehlte zu diesem Zeitpunkt die finanzielle Liquidität für das Management ihrer Windparks.

Siemens vereinbarte im März 2015 mit der ägyptischen Regierung den Bau von Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 2.000 Megawatt. Zusätzlich soll eine Rotorblätterfabrik für Windturbinen errichtet werden. Als Standort für das Werk und ein Servicecenter ist die Wirtschaftszone am Suezkanal vorgesehen. Über den Vertrag für den Windpark liefen Mitte November 2017 laut einem Pressebericht noch Verhandlungen zwischen Siemens und der NREA.

Installierte Windkraftkapazität könnte zügig um 8.000 Megawatt ansteigen

Außer den in der Tabelle genannten Vorhaben existieren nach ägyptischen Presseangaben weitere Pläne und Aktivitäten. Alle in diesem Artikel genannten Projekte entsprechen zusammen einer Kapazität von rund 8.000 Megawatt. Ein Konsortium aus Toyota, Orascom und GD France hat noch im Rahmen des Einspeisetarifs eine Vergütung von 3,8 US-Cent pro Kilowattstunde über 25 Jahre vereinbart. Die Anlagen sollen 250 Megawatt Kapazität haben. Für einen weiteren Windpark mit ebenfalls 250 Megawatt liegen Angebote von Vestas, Siemens, Enercon und Ray Power vor. Ende November 2017 wurde bekannt, dass Elsewedy Electric mit dem japanischen Partner Marubeni zusammen zwei 500-Megawatt-Windparks errichten möchte. Die Investitionen sollen bis zu 500 Millionen Euro betragen und die Vergütung wird bei maximal 3,8 US-Cent pro Kilowattstunde liegen. Noch ist der Standort nicht festgelegt, doch soll das Vorhaben auf Build-Own-Operate-Basis (BOO) entstehen. Eine vorläufige Vereinbarung über die Finanzierung durch japanische Institutionen wurde bereits abgeschlossen.

Zudem plant ein Konsortium aus Orascom Construction, Engie und Toyota Tsusho/Eurus Energy Holdings für etwa 400 Millionen US$ Windkraftanlagen in Ras Ghareb mit ebenfalls insgesamt 250 Megawatt. Basis des Projekts soll BOO-Vereinbarung mit der Egyptian Electricity Transmission Company über 20 Jahre sein. Der dänische Windturbinenhersteller Vestas vereinbarte den Bau einer Windfarm von 250 Megawatt für 230 Millionen Euro. Lekela Power aus dem Vereinigten Königreich dürfte bis Ende des Jahres die Verträge für ein 350 Millionen US$ teures Windprojekt mit 250 Megawatt Kapazität unterschreiben. Die NREA möchte zudem einen geplanten Windpark mit Masdar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten auf eine BOO-Basis umstellen, um Kosten zu reduzieren.

Ausgewählte Windenergieprojekte in Ägypten
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Projektträger
Windpark mit 2.000 Megawatt Kapazität auf EPC*)-plus-finance-Basis 3.000 Angebotsauswertung New & Renewable Energy Authority
Windpark in Suez mit 250 Megawatt Kapazität auf BOT-Basis 406 Durchführung New & Renewable Energy Authority
Windpark am Golf von Zayt mit 120 Megawatt Kapazität 370 Durchführung New & Renewable Energy Authority
Windpark mit 250 Megawatt Kapazität 350 Studienphase Alcazar Energy
Windpark mit 250 Megawatt Kapazität 350 Studienphase Acwa Power
Windpark im Westnilgebiet mit 250 Megawatt Kapazität auf BOO-Basis 300 Bieterverfahren für den Hauptvertrag Egyptian Electricity Transmission Company
Windpark in Zaafarana mit 250 Megawatt Kapazität; weitere 1.950 Megawatt sollen folgen 270 Durchführung New & Renewable Energy Authority
Windpark mit 150 Megawatt Kapazität 170 Studienphase Egyptian Electricity Holding Company
Windpark in Suez mit 50 Megawatt (unter dem Einspeisetarif) 130 Studienphase Alcazar Energy
Windpark in Suez mit 50 Megawatt (unter dem Einspeisetarif) 50 Studienphase Alfanar Group

*) EPC = Engineering, Procurement and Construction

Quelle: MEED Projects, November 2017

(O.I.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Wind

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