Suche

21.09.2017

Brasiliens Pharmamarkt mit zweistelligem Wachstum

Generika und Langzeitmedikamente nachgefragt / Neue Investitionen in Minas Gerais / Von Edwin Schuh (August 2017)

São Paulo (GTAI) - Der Absatz von Arzneimitteln legte 2016 wieder deutlich zu. Insgesamt wurden 32 Milliarden US-Dollar (US$) umgesetzt. Der Pharmasektor profitiert von der Alterung der Gesellschaft und einem steigenden Gesundheitsbewusstsein. Zudem sind 56 Prozent der Brasilianer übergewichtig. Bei den neuen Investitionen sticht besonders der Bundesstaat Minas Gerais hervor. Ungeachtet der positiven Zahlen kämpft die Pharmaindustrie mit höheren Kosten, Bürokratie und strikten Preiskontrollen.

Die Verkäufe von Pharmazeutika legten 2016 laut Branchenverband Sindusfarma (Sindicato da Indústria de Produtos Farmacêuticos no Estado de São Paulo, http://sindusfarma.org.br) trotz Wirtschaftskrise wie schon im Vorjahr zweistellig zu: 13,1 Prozent bei Medikamenten und 14,7 Prozent bei Generika. Insgesamt wurden 32 Milliarden US-Dollar umgesetzt, wovon 20,9 Prozent auf Generika entfielen, die ihren Anteil in den letzten Jahren deutlich ausbauten. Die Absatzmengen erhöhten sich um 4,4 Prozent bei Medikamenten und 12 Prozent bei Generika. Die Entwicklung in den ersten Monaten von 2017 deutet auf ähnlich starkes Wachstum wie im Vorjahr hin. Sindusfarma erwartet 7 Prozent mehr Umsatz und 3,6 Prozent mehr verkaufte Einheiten. Gemäß Branchenkennern werden immer kleinere Packungen mit weniger Einheiten nachgefragt.

Generika und Langzeitmedikamente nachgefragt

Die zunehmende Alterung der brasilianischen Bevölkerung trägt zum Anstieg der Nachfrage bei, insbesondere nach Langzeitmedikamenten. Auch das steigende Gesundheitsbewusstsein stimuliert den Bedarf. Zudem sind 56 Prozent der Brasilianer übergewichtig, was Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes auslöst. Rund 45 Prozent der 2017 neu auf den Markt gebrachten Medikamente waren onkologische Medikamente, gefolgt von Medikamenten für Herz-Kreislaufbeschwerden (12 Prozent), Diabetes (10 Prozent), Atemwege (10 Prozent) und Impfungen (5 Prozent). Trotz der guten Zahlen hat der Sektor auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen, wie etwa Bürokratie, hohe Steuern, weniger staatliche Beschaffung und strikte Preiskontrollen. Die Abwertung des Real führte zudem zu einer deutlichen Verteuerung der zu rund 80 Prozent importierten Wirkstoffe.

Pharmaindustrie (Veränderung Januar bis Juli 2017/2016 in Prozent)
Indikator *) 2016 2017 Veränderung
Umsatz Medikamente (in Milliarden R$) 49,5 54,5 10,1
Umsatz Generika (in Milliarden R$) 13,0 14,5 11,9
Absatzmenge Medikamente (in Millionen Einheiten) 2.147 2.246 4,6
Absatzmenge Generika (in Millionen Einheiten) 643 718 11,7

*) Verkäufe von Apotheken und Drogerien

Quelle: Sindusfarma/IMS Health

Bei neuen Investitionen sticht vor allem der günstig gelegene Bundesstaat Minas Gerais heraus. Die brasilianische Biolab Farmacêutica kündigte im Juli 2017 an, in den kommenden vier Jahren 450 Millionen brasilianische Real (R$; rund 143 Millionen US$; 1 US$ = etwa 3,15 R$) in einen neuen Produktionskomplex in Pouso Alegre (Minas Gerais) zu investieren. Dort sollen jährlich 200 Millionen Einheiten verschiedener Medikamente hergestellt werden sowohl für den lokalen Markt als auch für den Export. Auch der Hersteller Cimed investiert in Pouso Alegre, und zwar 100 Millionen R$ in eine Produktionsanlage für Vitaminpräparate sowie Generika mit drei Produktionslinien. Merck will bis 2020 die Produktionslinien in seiner Fabrik in Jacarepaguá (Rio de Janeiro) für 100 Millionen R$ ausbauen und modernisieren.

Bei den Verpackungsherstellern sagte Ompi do Brasil - Tochter der italienischen Stevanato-Gruppe - Investitionen von 100 Millionen R$ in eine neue Fabrik in Sete Lagoas (MG) zu. Es sollen dort Insulinverpackungen für Brasilien und die Mercosurländer produziert werden. Der deutsche Hersteller von Spezialverpackungen für den Pharma- und Kosmetiksektor Gerresheimer investiert in Anápolis (Goiás) 50 Millionen R$ in die Errichtung der landesweit fünften Fabrik. Das Projekt wird über das bundesstaatliche Programm Produzir gefördert und soll bis 2018 den Betrieb aufnehmen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien Arzneimittel, Diagnostika

Jenny Eberhardt Jenny Eberhardt | © GTAI

Kontakt

Jenny Eberhardt

‎ +49 228 24 993 248

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche