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14.09.2015

Bulgarien investiert Milliarden in ländliche Entwicklung

Großes Interesse an Landtechnik / Bewässerungstechnik gefragt / Von Michael Marks

Sofia (gtai) - Bulgarien will die Entwicklung des ländlichen Raumes fördern und 2,9 Mrd. Euro ausgeben. Den Großteil der Mittel stellt ein EU-Programm für ländliche Entwicklung bereit. Landwirtschaft und Ernährungsindustrie bilden wichtige Pfeiler der Wirtschaft. Der Investitionsbedarf ist hoch. Daher wird das Programm die Investitionsgüternachfrage beflügeln. Deutsche Anbieter von Maschinen und Anlagen partizipierten 2014 bereits - in einigen Marktsegmenten mit zweistelligen Anteilen. (Internetadressen)

Die EU stellt Bulgarien Fördermittel im Rahmen des "Entwicklungsprogrammes für den ländlichen Raum" EPLR 2014 bis 2020 zur Verfügung. Die bulgarische Regierung sieht öffentliche Gesamtausgaben von 2,9 Mrd. Euro vor: 2,4 Mrd. Euro aus EU-Fördermitteln und 0,5 Mrd. Euro aus nationaler Finanzierung. Zu den Zielen des Programms gehört die Unterstützung rückständiger Sektoren wie Viehzucht, Gemüse- und Obstanbau. Im Blickpunkt stehen auch die Realisierung einer höheren Wertschöpfung, die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die bessere Bewässerung der Agrarflächen. Das Programm wird den Erwerb von Agrartechnik ermöglichen.

Bedeutende Mittel betreffen drei Blöcke: die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die ausbalancierte Entwicklung von Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, ferner die effektive Lenkung und Nutzung der natürlichen Ressourcen und den Schutz der Ökosysteme sowie drittens die sozio-ökonomische Entwicklung des ländlichen Raums, die Bekämpfung von Auswanderung und hoher Arbeitslosigkeit wie auch die Steigerung der Lebensqualität der ländlichen Gemeinden.

Maßnahme 4 fördert Erwerb von Agrartechnik

Eine wichtige Rolle im operationellen Programm "Entwicklung des ländlichen Raums" spielt die Maßnahme 4 "Investitionen in materielle Vermögenswerte". Sie ermöglicht auch den Erwerb von Agrartechnik. Das betrifft nur den Kauf von neuen Landmaschinen. Die Zuschüsse decken 50% der Kosten beim Erwerb von Landtechnik ab. Mittel für den Kauf von Landmaschinen können auch innerhalb der Maßnahmen für Agrarökologie beantragt werden.

Diese Maßnahme umfasst außerdem Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben, in Verarbeitung und Marketing landwirtschaftlicher Produkte, in Infrastruktur und nicht-landwirtschaftliche Aktivitäten. So können Investitionen in die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Energiequellen und die Entwicklung von Dienstleistungen in verschiedenen Sektoren finanziert werden. Förderungswürdig ist der Kauf von spezialisierten Transportmitteln wie Kühltransportern oder Lkw für Vieh und Geflügel.

Die Empfänger der Finanzierung müssen als Landwirtschaftsproduzenten registriert sein, sollen Einnahmen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit nachweisen sowie einen Businessplan vorlegen. Als Empfänger kommen Einzelpersonen und Vereinigungen in Betracht. Die Finanzierung beträgt mindestens 50% der gesamten zugelassenen Aufwendungen. Junge Landwirte, integrierte Projekte, kollektive Investitionen oder Biolandwirtschaft bekommen einen Zuschlag von 10% bis 20%. Priorität haben Investitionsprojekte für Obst-und Gemüseanbau, Anbau von Industriepflanzen und ätherischen Pflanzen, Biolandwirtschaft, Energieeffizienz und Innovationen.

Die Untermaßnahme 4.1 "Unterstützung der Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben" beinhaltet Vorhaben der Modernisierung und Mechanisierung mit dem Ziel der Steigerung der Arbeitsproduktivität und Verbesserung der Energieeffizienz, ferner zur Erhaltung der landwirtschaftlichen Produktion und der Qualität, in Maschinen und Einrichtungen zum Schutz der Umwelt sowie in die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Energiequellen.

Die Untermaßnahme 4.1 wurde gestartet. Die erste Etappe belief sich auf 300 Mio. Lewa. Beworben haben sich Projekte im Gesamtwert von 2,3 Mrd. Lewa (rund 1,18 Mrd. Euro, fester Wechselkurs der Nationalbank: 1 Euro = 1,9558 Lewa). Das große Interesse belegt die erhebliche Investitionsbereitschaft wie auch die langfristige Entwicklungsvision der Landwirte. Die Landwirtschaft Bulgariens ist ein bedeutender Anziehungspunkt für Investitionen. Die Verteilung der EU Mittel für diese Maßnahme erfolgt in drei Etappen. Die nächste wird bis Ende 2015 gestartet, die dritte findet 2016 statt. Der bulgarische Finanzminister Vladislav Goranov hat seine Zustimmung gegeben, die EU-Finanzierung dieser Untermaßnahme durch eine nationale Finanzierung zu erhöhen.

Weltbank fördert Modernisierung des Bewässerungssystems

Neben der Förderung gemeinsamer Vorhaben gehören auch Investitionen in Bewässerungssysteme zu den Prioritäten. Zurzeit arbeitet die Weltbank eine umfangreiche Analyse des Bewässerungssektors in Bulgarien aus. In der Folge starten die Investitionen, das heißt in der zweiten Etappe der Verteilung der Fördermittel. Das bulgarische Landwirtschaftsministerium bereitet eine Mitteilung an Brüssel über die Veränderung des "Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum" vor. So sollen mehr Landwirte die Chance erhalten, Investitionen in Bewässerungssysteme vorzunehmen.

Im ländlichen Raum beträgt die Länge des Bewässerungsnetzes über 40.000 km. Der größte Teil ist stark veraltet, was zu Wasserverlusten und zu Risiken für die Wasserqualität führt. Es fehlen Investitionen in das Bewässerungssystem, in die Erschließung neuer Wasserquellen und in moderne Technologien zur Reinigung des Wassers, damit es zum Trinken geeignet ist. Die Zahl der Orte, an denen die Lieferung vom Trinkwasser und von Wasser für die Haushalte problematisch ist, steigt an. Eine große Herausforderung bildet auch das Fehlen von Kläranlagen, verbunden mit der Unterentwicklung des Kanalisationsnetzes besonders in den Dörfern. Die Nutzung der Wasserinfrastruktur ist sehr ineffektiv, energieintensiv und mit großen Wasserverlusten verbunden. Die Wasserinfrastruktur wurde zwecks Nutzung durch die großen sozialistischen Landwirtschaftskooperativen gebaut und entspricht nicht der heutigen Struktur der kleinen Landwirtschaftsbetriebe. Es gibt Bewässerungssysteme auf 777.000 ha, aber faktisch werden nur rund 100.000 ha (13%) bewässert.

Ende August 2015 hat das bulgarische Landwirtschaftsministerium die Maßnahme 121 "Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe" des alten Programms "Entwicklung des ländlichen Raums 2007-2013" wieder geöffnet, deren Budgetzulassung sich auf 50 Mio. Euro belief. Sie sollen in Projekte für den Kauf von Landtechnik fließen. Die Mindestgröße eines Projektvorschlags beläuft sich auf 15.000 Euro, der Maximalwert beträgt 500.000 Euro. Die Projektvorschläge waren vom 7.9. bis 12.9.2015 einzureichen. Anfang November 2015 sollen die ausgewählten Projekte bekannt gegeben werden. Die Zahlungen müssen bis Jahresende erfolgen. Dieses Vorgehen bestätigt das große Interesses der bulgarischen Landwirte am Kauf von Landtechnik.

Bedeutende Maschinenimporte

Die Modernisierung der Branche hat auf Grund des EU-Programmes in den nächsten Jahren große Chancen. Davon werden auch Lieferanten von Maschinen und Ausrüstungen profitieren. Mit Blick auf die Importe war 2014 ein gutes Jahr. Auch deutsche Anbieter partizipierten mit ihren teils zweistelligen Anteilen.

Importe von Land- und Nahrungsmittelmaschinen (ausgewählte HS-Warengruppen, Werte in Mio. Euro)
HS-Code HS Warengruppe 2013 2014 Davon aus Deutschland
8432 Maschinen für Land- und Forstwirtschaft 96,71 93,34 19,53
8433 Maschinen zum Ernten oder Dreschen 122,86 142,17 51,24
8438 Maschinen zum industriellen Aufbereiten von Lebensmitteln 25,92 35,84 9,45
8436 Andere Maschinen und Apparate 9,28 10,07 4,16
8435 Pressen und Mühlen 1,59 1,86 0,08
8437 Maschinen zum Reinigen und Sortieren 12,13 11,83 1,74
8434 Melkmaschinen 4,76 4,33 0,44
8478 Tabakmaschinen 13,46 7,57 2,67

Quelle: NSI

Dokument zum Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum (EPLR): http://prsr.government.bg/index.php/bg/sections/l2/101

Internetadressen:

Ministerium für Landwirtschaft und Nahrungsmittel

E-Mail: press@mzh.government.bg, Internet: http://www.mzh.government.bg

Staatsfonds Landwirtschaft

E-Mail: dfz@dfz.bg, Internet: http://www.dfz.bg

Bulgarian Association of Dairy Processors

E-Mail: bam@milkbg.org, Internet: http://www.milkbg.org

National Grain Producers Association

E-Mail: office@grain.bg, Internet: http://www.grain.bg

Bulgarische Assoziation von Bioprodukten

E-Mail: bgbio.org@abv.bg, Internet: http://bgbio.zaedno.net

Assoziation der jungen Landwirte

E-Mail: youngfarmers@abv.bg, Internet: http://www.namfb.com

Nationale Reben- und Weinkammer

E-Mail: office@bulgarianwines.org, Internet: http://www.bulgarianwines.org

(M.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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Christian Overhoff

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