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06.03.2017

Bulgarien stabilisiert Handelsbilanzdefizit

Exporte wachsen dynamischer als Importe / EU immer wichtiger / Von Michael Marks (Februar 2017)

Sofia (GTAI) - Bulgariens Außenhandel profitiert von einem verbesserten wirtschaftlichen Umfeld im In- und Ausland. Das in den letzten Jahren verringerte Handelsbilanzdefizit pendelt sich in einer Größenordnung von 5% ein. Die EU gewinnt im Warenaustausch an Gewicht zu Lasten von Drittländern. Deutschland war 2015 mit einem Umsatz von 6,3 Mrd. Euro, davon über 3,4 Mrd. Euro aus dem Export nach Bulgarien, der bedeutendste Handelspartner des kleinen Balkanstaates.

Bulgariens Außenhandel hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Da die Ausfuhren im Zeitraum 2010 bis 2015 stärker stiegen als die Einfuhren, verringerte sich das traditionelle Handelsbilanzdefizit. Diese Entwicklung vollzog sich vor dem Hintergrund eines nur mäßigen Wirtschaftswachstums. So legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Beobachtungszeitraum real gerade um 1,5% im Jahresdurchschnitt zu.

Während der private Verbrauch im Durchschnitt um fast 1,9% zunahm, schrumpften die Bruttoanlageinvestitionen um 2,3% (Ausrüstungen: +5,8%, Bau: -6,9%). Im Gefolge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise befand sich auch der kleine Balkanstaat besonders im Zeitraum 2009 bis 2011 im Krisenmodus. Dies galt allerdings nicht für die zweistelligen Zuwächse bei den Ein- und Ausfuhren. In der Folge verstetigten sich die Trends im einstelligen Bereich. In den kommenden Jahren dürfte die Perspektive für den Außenhandel bei weiterer Wirtschaftsbelebung günstig bleiben.

Außenhandel Bulgariens 2010 und 2015 (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2010 2015 Veränderung 2015/2010
Importe cif 19.245,1 26.346,8 +36,9
Exporte fob 15.561,4 22.877,6 +47,0
Handelsbilanzsaldo fob/cif -3.683,7 -3.469,2 -5,8

Quelle: Eurostat

Außenhandel nach Handelspartnern

Deutschland ist wichtigster Außenhandelspartner

Bulgarien profitiert von der zunehmenden EU-Integration und der Einbindung in die entsprechenden Wertschöpfungsketten. Ein verbessertes Investitionsklima und günstige Arbeitskosten sowie EU-Struktur- und Kohäsionsfonds machen das Land für unternehmerische Aktivitäten interessant. Dies findet auch in der Struktur der Handelspartner seinen Niederschlag. So hält die EU im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2015 einen Anteil an den bulgarischen Exporten (Importen) von 63,2 (61,5)%. Bei den Ausfuhren (Einfuhren) 2015 waren es 64,9 (64,3)%.

Die Exporte in die EU stiegen mit rund 56% stärker als in Drittländer mit 34%. Die Einfuhren aus der EU legten um 50% zu, die aus Drittländern um 18%. Laut EU-Kommission betrug der Anteil der Warenexporte in die EU 2015 (2010) am BIP 32,8 (25,0)% und soll bis 2018 auf 36,5% zulegen. Für Drittländer wird nach 18,3 (15,7)% ein Rückgang auf 17,0% des BIP erwartet. Bei den Importen wird eine ähnliche Entwicklung prognostiziert. So sollen sie aus der EU nach 37,5 (29,5)% auf 40,1% des BIP steigen, während Drittländer von 20,8 (20,8)% auf 19,7% zurückgehen.

MKT201703038012.14

Deutschland hat sich ein- wie ausfuhrseitig als bedeutendster Handelspartner Bulgariens etabliert. Im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2015 lag der Anteil bei jeweils 11,6%. Bei den deutschen Einfuhren ist Bulgarien 2015 an 41. Stelle von 225 Ländern, bei den deutschen Ausfuhren an 43. Position von 231 Ländern.

MKT201703038012.15

Außenhandel nach Warengruppen

Straßenfahrzeuge mit hohem Einfuhrwachstum

Im Vergleich der Jahre 2010 und 2015 erscheint der Import Bulgariens um 37% erhöht. Nach der Struktur der Einfuhren hatten 2015 den höchsten Anteil bearbeitete Waren mit 16,9%, gefolgt von mineralischen Brennstoffen (15,6%) und chemischen Erzeugnissen (14,0%). Die Maschinenimporte (8,5%) lagen an vierter Position.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code *) 2010 2015
Gesamt 19.245,1 26.346,8
Bearbeitete Waren 6 3.239,3 4.443,6
.Garne, Gewebe 65 762,1 975,5
.Eisen und Stahl 67 640,6 1.001,5
Mineralische Brennstoffe 3 4.286,3 4.102,0
Chemische Erzeugnisse 5 2.246,8 3.699,1
.Medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 54 697,5 1.150,9
Maschinen 71-74 1.441,5 2.244,1
Rohstoffe 2 1.656,9 2.179,2
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 1.461,0 2.035,4
Fertigerzeugnisse 8 1.393,4 1.994,1
Straßenfahrzeuge 78 697,5 1.544,4
Elektrotechnik 77 minus 776 871,6 1.413,8
Elektronik 75, 76, 776 1.088,4 1.322,9
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 263,6 494,0
Sonstiges 9 223,4 408,5
Getränke/Tabak 1 253,2 374,8
Tierische/pflanzliche Öle 4 87,4 90,9

*) Das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: Eurostat

Im Periodenvergleich 2010 bis 2015 verbuchten die größten Importzuwächse Straßenfahrzeuge mit 121% vor chemischen Erzeugnissen (+64,6%). Dahinter folgten Elektrotechnik (+62%) und Maschinen (56%). Rückläufige bulgarische Importe waren besonders ausgeprägt bei Kraftmaschinen und Kraftmaschinenausrüstungen (-19%), ferner bei mineralischen Brennstoffen (-4%). Das von ausländischer Energie stark abhängige Bulgarien bezieht diese weitgehend aus Russland.

Deutsche Waren sind stark vertreten. Unter den bedeutendsten SITC-Positionen ragten 2015 Straßenfahrzeuge (Einfuhranteil 28,4%), Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge (27,5%) und Maschinen (27,0%) hervor. Über dem Schnitt lagen auch chemische Erzeugnisse (13,8%) und bearbeitete Waren (13,7%), knapp darunter Nahrungsmittel/Lebende Tiere (12,4%). Traditionell geringfügig ist Deutschland bei mineralischen Brennstoffen (0,5%) und Rohstoffen (1,9%) vertreten.

Erhebliche Zuwächse konnten im Zeitraum 2010 bis 2015 Straßenfahrzeuge (+138,4%), Elektrotechnik (+79,7%) und Nahrungsmittel/Lebende Tiere (+78,7%) realisieren. Getränke, Maschinen und chemische Erzeugnisse wuchsen um 44% bis 49%. Elektronik (-5,6%) entwickelte sich negativ und verlor Marktanteile.

Bearbeitete Waren bilden größte Exportposition

Im Vergleich der Jahre 2010 und 2015 haben sich die Exporte Bulgariens um 47% erhöht. Nach der Struktur der Ausfuhren hatten 2015 die höchsten Anteile bearbeitete Waren (22,2%), Fertigerzeugnisse (14,0%), Nahrungsmittel/Lebende Tiere (10,8%),

mineralische Brennstoffe (10,4%), chemische Erzeugnisse (9,9%) und Elektrotechnik (8,2%). Unter den großen Positionen verbuchten im Periodenvergleich die höchsten Exportzuwächse Elektrotechnik (+98%), chemische Erzeugnisse (+84%), Maschinen (+83%) sowie Nahrungsmittel/Lebende Tiere (+49%).

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code *) 2010 2015
Gesamt 15.561,4 22.877,6
Bearbeitete Waren 6 3.601,4 5.073,0
.NE-Metalle 68 1.932,2 2.545,5
Fertigerzeugnisse 8 2.309,5 3.195,4
.Bekleidung und Bekleidungszubehör 84 1.162,4 1.380,4
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 1.659,8 2.470,3
Mineralische Brennstoffe 3 2.102,2 2.379,6
Chemische Erzeugnisse 5 1.233,0 2.268,7
.Medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 54 449,9 818,6
Elektrotechnik 77 minus 776 948,0 1.874,7
Maschinen 71-74 873,1 1.599,7
Rohstoffe 2 1.363,5 1.534,3
Elektronik 75, 76, 776 370,6 602,1
Straßenfahrzeuge 78 248,7 513,7
Getränke/Tabak 1 347,2 421,2
Tierische/pflanzliche Öle 4 103,8 241,1
Schienen-, Wasser, Luftfahrzeuge 79 160,4 169,2
Sonstiges 9 240,1 574,7

*) Das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: Eurostat

Deutschland ist ein wichtiger Abnehmer bulgarischer Waren. Über dem Durchschnitt lag 2015 der deutsche Anteil bei Straßenfahrzeugen mit 37,9%, Rohstoffen (21,8%), Elektrotechnik (20,9%) und Maschinen (18,1%). Eine untergeordnete Rolle spielten Brennstoffe (1,0%), Getränke/Tabak (2,4%) sowie tierische/pflanzliche Öle (3,7%). Die höchsten Ausfuhrzuwächse nach Deutschland verbuchte Bulgarien im Beobachtungszeitraum bei Rohstoffen (+252%), Straßenfahrzeugen (+164%), chemischen Erzeugnissen (+146%), Maschinen (+121%) sowie Elektrotechnik (+90%).

(M.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien Außenhandel / Struktur, allgemein

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