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14.07.2015

Bulgarien will den Tourismussektor weiter ausbauen

Alte Bäder mit Konzessionen / Investitionen in Hotels und Freizeitparks

Sofia (gtai) - Bulgarien hat zur Förderung des Tourismus ein eigenständiges Ministerium eingerichtet. Ziel ist die Nutzung des ganzen Potenzials des Landes sowie des ganzjährigen Tourismus. Besondere Segmente bilden der Kultur- und Spa-Wellness-Tourismus. Eine Reihe von Investitionen befindet sich in der Pipeline. Der Wintertourismus entwickelt sich robuster als der sommerliche Reiseverkehr. (Internetadressen)

Die neue bulgarische Regierung hat das Ministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus getrennt und ein neues Ministerium für Tourismus gegründet. Ziel ist es, Bulgarien zu einer ganzjährigen touristischen Destination zu entwickeln, die das kulturhistorische Erbe mit den Naturgegebenheiten verbindet. Hierzu werden auch entsprechende Reiserouten erstellt. Bis jetzt sind zwei transnationale Touren - "Auf dem Weg des Weines" und "Auf dem Weg der römischen Imperatoren" zwischen Bulgarien, Rumänien, Serbien und Kroatien ausgearbeitet worden.

Wellnesstourismus einer der Schwerpunkte

Zweite Priorität ist der Ausbau des Spa- und Wellness-Tourismus, der in sieben der neun touristischen Gebiete des Landes angeboten wird. Das alte Bad in Bankja wird per Konzession an Investoren vergeben. In Vorbereitung sind auch Konzessionen für die alten Bäder in Gorna Banja und Ovtscha Kupel. Dort sind Investitionen geplant, um die Anlagen zu renovieren. Das Land verfügt über rund 600 Mineralquellen.

Mehr Spielraum wird zudem für den Öko- und Agrotourismus gesehen. Routen, die Kultur-, Spa-, Öko-, Gourmet- und Weinthemen vereinigen, sind etwa "Sofiiska Sveta Gora", "Das Tal der Rosen und seine Könige" und "Struma". Das gemeinsame europäische Projekt "Auf dem Weg der Römer" richtet sich vornehmlich an asiatische Touristen.

Das Ministerium hat zusammen mit den bulgarischen Gemeinden eine Investitionskarte ausgearbeitet. Es will ein One-Stop-Shop für große Investoren werden. Potenzial sieht das Ministerium im Wintertourismus, so beim Ausbau von Skigebieten und Skiliften. Winter-, Golf- und Spezialtourismus ziehen einkommensstärkere Gäste an, die deutlich mehr Geld ausgeben als der sommerliche Strandbesucher.

Investitionsprojekte Freizeitparks

In der Nähe von Varna entsteht ein historischer Freizeitpark. Die Höhe der Investition beträgt 50 Mio. Euro. Pläne sehen einen Baubeginn innerhalb von zwei Jahren vor mit Abschluss 2019. Der Freizeitpark soll der größte dieser Art in Europa werden. Mit dem Bau sind ausländische Firmen beauftragt. Bis jetzt wurden über 2 Mio. Lewa (rund 1,02 Mio. Euro, fester Wechselkurs der Nationalbank: 1 Euro = 1,9558 Lewa) investiert.

Die Realisierung des größten Projekts hat die Aktiengesellschaft Historikal Park AD begonnen. Auf einem Grundstück zwischen Varna und den Dörfern Vetrino und Neofit Rilski wird ein Park gebaut, der einige wichtige historische Epochen der bulgarischen Geschichte präsentiert. Vorgesehen sind auch fünf Kinosäle. Für die Verpflegung der Gäste werden Restaurants mit thrakischer, slawischer und altbulgarischer Küche zur Verfügung stehen. Etwa 400.000 Besucher werden jährlich erwartet.

Bau von Hotels

Die schweizerische Hotelkette Swissotel hat einen Managementvertrag mit der türkischen Firma Garanti Koza unterschrieben. Das türkische Unternehmen ist Investor in einem Komplex mit dem Namen Grand Kanyon in Sofia. Der Start ist für das Jahr 2015 vorgesehen. Geplant ist der Bau eines Hotels mit 200 Zimmern, von 756 Appartements sowie einer Augenklinik. Hinzu kommen Geschäfte, Restaurants und Grünflächen. Der Projektabschluss ist für Anfang 2018 vorgesehen. Die Investition beträgt 120 Mio. Lewa, es werden 240 Arbeitsplätze geschaffen.

Das größte Hotel an der Schwarzmeerküste RIU Helios Paradise wird im Sommer 2015 eröffnet. Die Investition lag bei 100 Mio. Lewa, Baustart war 2013. Der Hotelkomplex verfügt über 600 Zimmer, Swimmingpools, Aquapark für Kinder, Hobby Clubs, fünf Restaurants und fünf Bars sowie zwei multifunktionale Spielplätze.

Plovdiv wurde neben dem süditalienischen Matera zur Kulturhauptstadt Europas 2019 gekürt. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Altstadt, das römische Stadion und Amphitheater, die gut erhaltenen Mosaiken sowie das Handwerkerviertel Kapana. Auf rund 70 Mio. Lewa werden die Investitionen in die Kulturhauptstadt veranschlagt, davon 40% für Infrastruktur und 60% für Kulturprogramme. Der bulgarische Staat will sich mit etwa 20 Mio. Lewa beteiligen.

Entwicklung des Tourismussektors

Nach Angaben des Ministeriums für Tourismus wurde Bulgarien im Jahr 2014 (2013) von 9,4 (9,2) Mio. Auslandsreisenden besucht. Ohne Transits waren es 7,3 (6,9) Mio. Die Zahl der Touristen wird mit 4,5 (4,9) Mio. (-8%) angegeben. Laut Prognose der "Tourismusstrategie bis zum Jahr 2030" soll die Gästezahl im Jahr 2020 rund 9,2 und 2030 etwa 12 Mio. erreichen. Die Deviseneinnahmen aus dem Tourismus betrugen 2014 (2013) 3,12 (3,06) Mrd. Euro.

Ausländische Touristen in Bulgarien (Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
2013 2014 Veränderung
Gesamt 4.912.787 4.507.548 -8,25
.aus der EU 2.773.443 2.221.620 -19,90
..Deutschland 553.366 485.048 -12,35
..Rumänien 560.828 405.156 -27,76
..Griechenland 481.985 309.133 -35,86
..Polen 195.630 178.757 -8,62
..Vereinigtes Königreich 207.291 162.981 -21,38
..Tschechische Republik 126.035 120.731 -4,21
.aus anderen Ländern 2.139.344 2.285.928 6,85
..Russland 566.695 562.639 -0,72
..Mazedonien 343.949 356.725 3,71
..Serbien 268.921 273.130 1,57
..Türkei 185.268 238.218 28,58
..Ukraine 248.739 220.792 -11,24
..Belarus 116.615 125.665 7,76
..Israel 96.848 125.368 29,45
..Republik Moldau 62.317 114.093 83,08
..USA 59.056 64.587 9,37
..Norwegen 27.401 27.762 1,32

Quelle: Ministerium für Tourismus

Im Massentourismus ist der Preis das entscheidende Kriterium für Bulgarien als Reiseziel. Die Hauptkonkurrenten im Sommer für in- und ausländische Touristen sind Italien, Griechenland, Spanien und die Türkei. Im Winter sind es Italien, Frankreich, die Schweiz und Österreich. Bulgariens Küstenorte am Schwarzen Meer erwarten für den Sommer 2015 einen Rückgang des Tourismus aus Russland und der Ukraine. Die Zahl der Gäste aus Deutschland, Frankreich, der Tschechischen Republik, Polen, Serbien, Mazedonien und Weißrussland soll zunehmen.

Die Einnahmen aus Übernachtungen beliefen sich nach Angaben des Statistikamts NSI 2014 (2013) auf 510 (463) Mio. Euro (10,2%). Das Jahr 2014 war für den Sommertourismus ein schwieriges Jahr, hauptsächlich aufgrund des Rückgangs der Gäste aus der Ukraine und Russland. Deutlich besser schlug sich der Winter- beziehungsweise Skitourismus. Diese Tendenzen dürften sich 2015 verfestigen. Die Experten erwarten ein erfolgsreiches Jahr für den kulturhistorischen Tourismus mit leicht höheren Besucherzahlen aus Frankreich, Deutschland und Italien.

Anzahl und Einnahmen aus Übernachtungen (Auswahl; Bestand in Einheiten; Einnahmen in Lewa, Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
2014 Veränderung
Bestand an Hotels/Ferienanlagen 3.163 7,11
Bestand an Betten 314.257 3,91
Anzahl der Übernachtungen 21.698.391 0,37
.Inländer 7.620.593 5,15
.Ausländer 14.077.798 -2,04
..EU 8.232.264 -0,81
...Deutschland 2.342.577 2,45
...Rumänien 1.203.802 -17,23
...Vereinigtes Königreich 1.010.391 -3,04
...Tschechische Republik 339.099 8,39
...Frankreich 274.332 5,82
..Sonstige
...Russland 2.396.020 -15,13
...Ukraine 618.566 -14,26
...Norwegen 328.516 -2,15
...Mazedonien 201.228 8,95
...Türkei 196.623 13,79
...Israel 401.104 25,90
...USA 103.527 7,53
Übernachtungszahl nach wichtigen Regionen
Nord-Ost Region 6.432.891 -7,01
.Varna 4.489.301 -6,39
.Dobritsch 1.794.550 -10,21
Süd-Ost Region 8.560.753 1,20
.Burgas 8.051.983 0,53
.Stara Sagora 309.432 8,22
Süd-West Region 3.435.008 10,34
.Sofia 560.001 25,92
.Sofia Hauptstadt 1.524.633 8,77
.Blagoevgrad 1.163.068 6,45
Einnahmen aus Übernachtungen 998.344.818 10,16
.Inländer 286.580.717 14,14
.Ausländer 711.764.101 8,63

Quelle: NSI

Internetadresse:

Ministerium für Tourismus

E-Mail: press@tourism.government.bg; Internet: http://www.tourism.government.bg

Bulgarian Association of Travel Agents (BATA)

E-Mail: office@batabg.org; Internet: http://www.batabg.org/index.htm?readform

Bulgarische Assoziation der Hotels und Gaststätten (BHRA)

E-Mail: bhra_office@abv.bg; Internet: http://www.bhra-bg.org

Bulgarische Assoziation für Alternativtourismus (BAAT)

E-Mail: baat@spnet.net; Internet: http://www.baatbg.org

Assoziation der bulgarischen Reiseveranstalter und Reisebüros (ABTTA)

E-Mail: info@abtta.com; Internet: http://www.abtta.com

(M.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien Tourismus / Hotels / Gastgewerbe, allg., Tourismus

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 (0)228 24 993-321

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