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14.09.2017

Bulgariens Start-up-Szene zieht neue Investitionen an

EU-Fördermittel unterstützen Gründungen auch künftig / Mehr Finanzmittel für die Forschung / Von Christian Overhoff

Bonn (GTAI) - Bulgariens lebendige Start-up-Szene findet international Interesse und Anerkennung. Investoren engagieren sich weiterhin - allerdings noch relativ schwach. Private Finanzierung ist entscheidend, um zu verhindern, dass die neuen Unternehmen ins Ausland abwandern. Fördermittel von der Europäischen Union (EU) und vom bulgarischen Staat unterstützen die Gründer. Auch niedrige Steuersätze und eine hohe Lebensqualität schaffen ein gutes Klima für Gründungen und deren Fachkräfte. (Kontaktadressen)

In der bulgarischen Start-up-Szene blühen Unternehmensgründungen aller Art, Größen und Entwicklungsstadien. Viele von ihnen leben nicht lange, aber manche wachsen und gedeihen schnell. Ein solches Start-up ist zum Beispiel Stremio. Die Online-Entertainment-Plattform ermöglicht Benutzern, Videos, Fernseh- und Web-Serien, Online-Videokanäle und Live-Fernsehen leicht zu erstellen, zu organisieren und zu sehen. Von Null bis zur Finanzierung dauerte es nur ein Jahr.

Die Idee für Stremio wurde 2013 geboren und entwickelte sich zur Testversion (Alpha-Version) der App, die im Juni 2015 startete. Innerhalb eines Jahres hat es das Unternehmen geschafft, eine Kundenbasis von mehr als 2 Millionen Nutzern aufzubauen. Ende 2016 sicherte es sich laut Fachportal Startups.bg eine Investition in Höhe von 500.000 US-Dollar von der chinesischen Firma Bitmain Tech. Der Unternehmenswert werde auf 5,5 Millionen US$ geschätzt. Im Unterschied zu Konkurrenten biete die Plattform nur lizensierte Inhalte an.

Gründerfirmen aus Bulgarien international erfolgreich

Schon weitaus länger als dieses jüngste Erfolgsbeispiel behaupten sich einige der bis zu 500 Start-ups in Bulgarien. Rund 80 davon listet die Webseite http://www.startupranking.com in einem globalen Bekanntheits-Ranking auf. Weltweit führen hier Unternehmen wie Airbnb und Uber aus den USA oder Hootsuite aus Kanada. Mit pCloud (gegründet 2013) steht der bekannteste Newcomer aus Bulgarien auf Platz 209. Die Start-up-Firmen haben sich vor allem in der Hauptstadt Sofia und um Plowdiw angesiedelt.

Top 10 der Start-ups in Bulgarien
Rang Unternehmen Tätigkeit Internetadresse Punkte für Bedeutung in Internet und sozialen Netzwerken *)
1 pCloud Cloud-Speicher für Dokumente, Fotos und Videos https://www.pcloud.com 84.011
2 Stremio Online-Entertainment-Plattform http://www.strem.io 77.182
3 ClouDNS Hoster für Internet-Domains im Domain Name System mit DNS-Server https://www.cloudns.net 76.330
4 Metrilo Analyse von E-Commerce-Kundendaten https://www.metrilo.com 66.751
5 Affiliatly Bietet Software für Partnerverfolgung (Tracking) im Online-Marketing https://www.affiliatly.com 66.747
6 Microweber Betreut Webauftritt für Kunden https://microweber.com/home 58.700
7 Yanado Produkt erleichtert die E-Mail-Organisation https://yanado.com/ 51.676
8 Imagga Webservice für Bildanalyse https://imagga.com/ 46.562
9 eStreamDesk Bietet cloudbasiertes Helpdesk-System http://www.estreamdesk.com 45.905
10 Weemss Lösungen für Eventorganisation https://weemss.com/ 45.515

*) Höchste erreichbare Punktzahl ist 100.000. Punkte repräsentieren Bedeutung des Unternehmens im Internet und in sozialen Netzwerken. Kriterien sind Quantität und Qualität: etwa Qualität und Anzahl von Webseiten, die auf das Unternehmen verlinken, oder die Zahl der Follower bei Twitter

Quelle: http://www.startupranking.com

EU unterstützt die Gründer in Bulgarien

Bulgarische Start-ups stehen vor der Herausforderung, ausreichende finanzielle Mittel für die Beibehaltung hoher Wachstumsraten zu erhalten. Investitionen von Private Equity (außerbörsliches Eigenkapital) und von Wagniskapital in mittel- und osteuropäischen Staaten erreichten 2015 rund 1,6 Milliarden Euro. Dies war ein Anstieg um 25 Prozent gegenüber 2014, laut Invest Europe, einer Vereinigung von europäischen Investmentfonds.

Bulgarien belegte mit 46 Millionen Euro unter den Balkanländern den sechsten Platz und lag damit hinter seinen beiden Nachbarn Serbien und Rumänien. Dieser Betrag liege weit unter dem Potenzial des Landes, betont der Verband Bulgarian Private Equity und Venture Capital Association (BVCA). Lokale Fonds sowie das von der bulgarischen Regierung kofinanzierte und von dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) verwaltete Jeremie-Programm der EU (http://jeremie.bg/) unterstützen die Newcomer sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) allgemein. Insgesamt wurden 120 Millionen Euro seit 2013 in Firmen investiert, denen das Programm hilft.

Private Fonds in Bulgarien zeigen sich bereit, 2017 an einer zweiten EIF-Förderrunde teilzunehmen - wieder mit Kofinanzierung durch die Regierung. Für 2017 sind laut bulgarischem Wirtschaftsblatt rund 10 Millionen Euro von Seiten des Staates geplant. Die BVCA erwartet Investitionen von 100 Millionen bis 150 Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre in Start-ups und Unternehmen im Frühstadium. Sollte es in Bulgarien mit der Finanzierung allerdings nicht klappen, dürften einige Firmen es im Vereinigten Königreich, Deutschland oder in den USA mit der Gründung versuchen.

Das Operationelle Programm Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit der EU fördert auch Start-ups. Zum Kreis der Begünstigten gehören KMU und Mikrounternehmen aus den Bereichen Produktion und Dienstleistungen. In den Förderkreis fallen zudem Kooperationen zwischen nationalen und internationalen Unternehmen, Partnerschaften zwischen Betrieben, Forschungseinrichtungen und Verbänden. Weitere Informationen dazu unter: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=bulgarien--eufoerderung-2014-bis-2020,did=1120268.html

Bulgarien als Standort für Start-ups ausgezeichnet

Schließlich bietet Bulgarien ein attraktives Umfeld für Unternehmensgründungen. Unternehmen wie Telerik und Chaos Group (Hersteller der V-Ray Software - ein Grafikprogramm) haben den Ruf der bulgarischen Ingenieure und Entwickler auf der ganzen Welt gestärkt. Telerik wurde 2014 für 260 Millionen US$ von der US-amerikanischen Branchengröße Progress Software übernommen.

Im April 2017 bildete Sofia den globalen Mittelpunkt der digitalen Wirtschaft: Der bulgarische Investor Plamen Russev organisierte unter seinem Vorsitz das Webit.Festival, welches 2018 wieder stattfinden soll (http://www.webit.bg/2018/index.php). Es war eine der größten einer Reihe von Konferenzen zum Thema Digitalisierung in ganz Europa.

Sofia wurde 2015 weltweit unter die zehn Topstädte für Start-ups von der Brighton School of Business und Management gekürt. Neben gut ausgebildeten IT-Fachkräften machen Bulgariens niedrige Einkommensteuersätze von 10 Prozent das Land für Unternehmer besonders attraktiv, obwohl sie noch mit einer weit verbreiteten Korruption zu kämpfen haben. Zudem ziehen vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten und ein hoher Freizeitwert Gründer und Fachpersonal an. Erholung finden sie im nahen Witoschagebirge sowie an den Schwarzmeer- und Mittelmeerküsten.

Trotz der vitalen Gründerszene leidet die Wirtschaft Bulgariens unter niedrigen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Immerhin haben sich diese laut Eurostat binnen fünf Jahren fast verdoppelt. Mit 0,96 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) verpasst Bulgarien aber weiterhin den Einzug in die Top 20 unter den 28 EU-Mitgliedsstaaten. Einige regionale Konkurrenten wie Rumänien (0,49 Prozent) oder Serbien (0,77 Prozent) investieren weit weniger, aber andere wie Ungarn (1,38 Prozent) oder Kroatien (1,40 Prozent) wenden einen um gut ein Drittel höheren Anteil ihres BIP für Innovationen auf.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Angel.co https://angel.co/bulgaria Webseite listet und verlinkt auf 500 Start-ups in Bulgarien
Fundacity http://www.fundacity.com/european-accelerator-report-2015; https://gust.com/ Plattform die Start-ups und Acceleratoren (Beschleuniger) zusammenbringt, listet 160 Start-ups in Bulgarien aus nahezu allen Branchen auf
Invest Europe https://www.investeurope.eu Verband europäischer Investmentfirmen
Bulgarian Private Equity und Venture Capital Association http://bvca.bg/en/ Bulgarischer Verband für Wagniskapital
Startups.bg http://startups.bg/ Fachportal

C.O.

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien Finanzierung, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Internetdienste, Digitalisierung, Start-up

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 228 24 993 321

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