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08.05.2014

Bulgariens Tourismus mit Wachstumspotenzial

Strategie für eine nachhaltige Entwicklung bis 2030 / Eine Reihe von Investitionsvorhaben geplant / Von Michael Marks

Sofia (gtai) - Der Tourismus spielt eine wichtige Rolle für Bulgariens Wirtschaft. Eine Strategie für seine nachhaltige Entwicklung soll dem Rechnung tragen. Die Erschließung neuer Märkte und die Ausweitung attraktiver Angebote stehen im Vordergrund. Bis 2030 soll sich die Zahl der Auslandstouristen in Bulgarien nahezu verdoppeln. Investitionsvorhaben stehen im Berg- und Skitourismus sowie im Bereich Wellness und Spa an. (Internetadressen)

Das bulgarische Ministerium für Wirtschaft und Energie bereitet derzeit eine Strategie für eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus bis zum Jahr 2030 vor. Die Hauptziele der Strategie sind die Erhöhung des Anteils von Spezialprodukten und die Suche nach neuen Märkten. Auch sollen die Bedingungen für bestimmte Personengruppen wie Kinder, Schulgruppen und Senioren verbessert werden. Die Anteile der verschiedenen Tourismusprodukte sehen laut Strategie wie folgt aus: Sommer/Strand (52,4%), Winter/Ski (16,2%), Kultur/Geschichte (11,1%), Wellness und Spa (6,6%), Öko (4,2%) und Kongresse (4,1%). Kleinere Anteile entfallen auf Golf- und Jagd- sowie sonstigen Tourismus.

In der Strategie ist geplant, den Anteil von Wellness und Spa-, Kultur/Geschichts-, Öko-, ländlichem, Kongress-, Jagd-, Golf-, Wein- und Gourmet-Tourismus zu erhöhen. Damit soll eine ganzjährige Nutzung von Hotelkapazitäten möglich werden. Das Ministerium für Wirtschaft und Energie beabsichtigt auch die Erschließung neuer Märkte wie den der Asien-Pazifik-Region. Die Verlängerung der Saison ist das Hauptziel für die beiden Segmente Sommer-/Strand und Winter-/Skitourismus. Nach 6,9 Mio. Touristen im Jahr 2013 soll deren Zahl bis 2020 auf über 9,2 Mio. und rund 12 Mio. im Jahr 2030 steigen.

Einfluss durch Klimawandel erwartet

Der Klimawandel dürfte allerdings ein nicht unbedeutender Einflussfaktor werden. Nach Analysen des Ministeriums für Umwelt und Wasser führt dieser zu einer Verlängerung der Sommersaison und einer Bedrohung für den Wintertourismus. Verkürzte Winter mit weniger Schnee und früherer Schneeschmelze könnten insbesondere die Skiorte in niedrigeren Bergregionen deutlich negativ beeinflussen. Das dürfte sich vor allem nach 2020 verstärkt bemerkbar machen. Die Kosten für künstlichen Schnee zehren dann zusehends an den Gewinnen.

Einen positiven Einfluss könnten die Sommerdestinationen am Meer erleben. Die Saison würde sich insbesondere auf das Frühjahr und in zweiter Linie auf den Herbst ausweiten. Erhöhte Hitze in den Monaten Juli und August könnte andererseits Touristen aus kälteren Regionen abhalten. Wasserknappheit und steigender Strombedarf für Luftkühlung gelten als weitere Nebeneffekte. Der Golftourismus an der Schwarzmeerküste würde neuer Wasserressourcen bedürfen, etwa in Form der Meerwasserentsalzung.

In der Strategie ist eine teilweise Transformation der Hotels am Schwarzen Meer weg vom All-inclusive-Modell angedacht. Dies könnte in Form einer Neuausrichtung auf Kur-/Gesundheitsaufenthalte in Kombination mit einem Sanatorium in der Nähe erfolgen oder durch Einrichtung medizinischer Zentren in den Hotels selbst. Für jüngere Touristen ist geplant, den Strandurlaub mit anderen Formen wie Kultur-, Wellness-, Shopping- oder Abendteuer -Tourismus zu verbinden. Auch der Kongresstourismus soll ausgebaut werden. Als Märkte mit Potenzial für die Erhöhung der Touristenanzahl in Bulgarien gelten für den Sommer-/Strandurlaub die Ukraine, Russland, Tschechien, Serbien, Deutschland und Großbritannien. Für den Winter-/Skitourismus sind es Griechenland, die Türkei, Serbien, Großbritannien, Russland und Israel.

Der Alternativtourismus ist eine staatliche Strategiepriorität. Der Bereich Wellness und Spa kann eigenständig, aber auch als begleitende Dienstleistung für den Strand- und Skitourismus sein Potenzial entfalten. Bei den Anwendungen kann zudem die bulgarische Produktion von Naturprodukten aus Rosen- und Lavendelöl verstärkt zum Einsatz kommen. In Bulgarien verfügen 115 Gemeinden über Ressourcen zur Entwicklung des Kulturtourismus. Darunter versteht man nicht nur Kulturdenkmäler, sondern auch Orte und Ereignisse des immateriellen Kulturbesitzes. Ein Beispiel dafür ist das Fest der Rosen und des bulgarischen Rosenöls im Tal der Rosen. Hierzu kommen jährlich 18.000 Touristen aus der VR China, Japan, Korea (Rep.) und anderen Ländern.

Investitionsvorhaben im Tourismus

Anfragen für touristische Investitionen kommen aus Europa und Asien. Schwerpunkte bilden der Berg- sowie Wellness- und Spa-, gefolgt vom Strandtourismus. Auf wachsendes Interesse stößt dabei der "grüne Tourismus" in den Bergen. In Bulgarien gibt es fünf Gebirge (Stara Planina, Vitoscha, Rhodopen, Pirin und Rila). Dazu gehört auch eine große Zahl von Mineralwasserquellen, die für Spa-Tourismus und ganzjährige Kuraufenthalte geeignet sind mit Orten wie Bania, Hissaria, Pavel Bania, Velingrad, Sandanski, Pomorie und Sapareva Bania. In Bulgarien gibt es eine hohe Konzentration von fließenden Mineralgewässern, die bislang nur geringfügig genutzt werden.

Eine Investition aus Russland in Höhe von 30 Mio. Euro ist in Sapareva Bania geplant. Das ist das zweitgrößte Vorhaben aus diesem Land im bulgarischen Tourismussektor. Vor drei Jahren startete die Stadt Moskau die erste Investition in Höhe von 120 Mio. Euro. Geplant ist der Bau eines Komplexes für Kinderheilung in Kamtschia. Die Errichtung des Zentrums für Prävention, Rehabilitation und genetische Forschung in Sapareva Bania sollte kürzlich beginnen. Der Komplex sieht 400 Betten, ein medizinisches Zentrum wie auch Spa- und Sportanlagen vor.

Zwischen Sapareva Bania und Govedarzi soll ein Megakurort "Destination Rila" entstehen. Die geplanten Investitionen belaufen sich auf 550 Mio. Euro. Die Investoren sind die französische Gruppe Accor, das Unternehmen PGI Management sowie das bulgarische Bauunternehmen Markan. Als Partner sind auch Schneider Electric und das Cluster Montagne, eine Assoziation großer Berginvestoren in Frankreich, an Bord. Vorgesehen ist der Bau eines Skizentrums mit 155 km langen Pisten, eines Aqua- und Golfzentrums sowie 80 weiterer touristischer Attraktionen. Die Investoren planen auch die erste autofreie Zone in Bulgarien. Der Bau des Megakurortes soll sechs Jahre dauern.

Bau eines Flughafens vorgesehen

Um den Wintertourismus in Pirin-Gebirge zu unterstützen, soll ein Flughafen in der Nähe von Gotze Deltschev entstehen. Der Flughafen wird aus einer 2.100 m langen Start- und Landebahn sowie einem Terminal für Passagiere bestehen. Die Flughafenkapazität beläuft sich auf 100.000 Passagiere oder 3.000 Flüge jährlich. Der Flughafen soll 2015 eröffnet werden. Der Investor Health and Wellness wird die Investition für einen Preis von 8,6 Mio. Euro an die Firma Bromak Invest verkaufen.

Ende 2013 wurden noch weitere Investitionsprojekte beim bulgarischen Ministerrat eingereicht. Hierbei handelt es sich um die Erweiterung der Ski-Zone in Bansko, das Projekt "Perelik" in den Rhodopen, das Vorhaben "Ski-Zone Kulinoto" in Raslog wie auch Projekte für die Ski-Zonen in Pamporovo und Tschepelare.

Internetadressen:

Ministerium für Wirtschaft und Energie

Internet: http://www.mi.government.bg/bg; E-Mail: e-docs@mee.government.bg

Bulgarian Association of Travel Agents (BATA)

Internet: http://www.batabg.org/index.htm?readform; E-Mail: office@batabg.org

Bulgarische Assoziation der Hotels und Gaststätten (BHRA)

Internet: http://www.bhra-bg.org; E-Mail: bhra_office@abv.bg

Bulgarische Assoziation für Alternativtourismus (BAAT)

Internet: http://www.baatbg.org; E-Mail: baat@spnet.net

Assoziation der bulgarischen Reiseveranstalter und Reisebüros (ABTTA)

Internet: http://www.abtta.com; E-Mail: info@abtta.com

(M.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien Flughafenbau, Tourismus / Hotels / Gastgewerbe, allg., Hotels

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 (0)228 24 993-321

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