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05.04.2016

Bulgarische Hauptstadt Sofia auf Investorensuche

Verbesserung der Infrastruktur und Digitalisierung im Fokus / Von Michael Marks

Sofia (gtai) - Das digitale Zeitalter und Nachhaltigkeit halten Einzug in die bulgarische Hauptstadt Sofia. Der Ausbau der Infrastruktur schreitet voran. Bis 2020 soll die Emission von Luftschadstoffen um 20% gesenkt werden. Maßgeblich dabei sind U-Bahn-Bau und effiziente Verkehrssteuerung. Einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung der Stadt leistet der EU-geförderte "Sofia Techpark". Die neue Privatisierungs- und Investitionsagentur der Gemeinde Sofia nimmt ihre Tätigkeit auf. (Kontaktanschriften)

Infrastruktur, Umwelt und Digitalisierung - diese Themen zählen zu den besonderen Prioritäten der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Ausbau- und Modernisierungsprojekte sollen zur Entwicklung der Stadt beitragen. Auch in der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 stehen dafür Mittel zur Verfügung.

Effizienteres Abfallmanagement

Im Rahmen des Großprojekts der Gemeinde Sofia zur Errichtung eines integrierten Systems von Anlagen für die Behandlung von Siedlungsabfällen ist der Bau einer Müllverbrennungsanlage für 138 Mio. Euro. geplant. Die 3. Etappe des Investitionsvorhabens wird durch das Operationelle Programm (OP) "Umwelt" 2014 bis 2020 finanziert. Zur Zeit wird das Projekt ausgearbeitet und abgestimmt. Eine Ausschreibung für den Bau der Verbrennungsanlage ist gegen Ende 2016 zu erwarten.

Bereits 2015 wurde eine Abfallbehandlungsanlage als Teil des Großprojekts in Sofia für 176,9 Mio. Euro in Betrieb genommen, finanziert aus Mitteln der alten EU-Förderperiode 2007 bis 2013. Dort werden nur Siedlungsabfälle der Hauptstadt Sofia verarbeitet. Die Kapazität der Anlage beträgt 410.000 t Abfall pro Jahr bzw. 1.300 t pro Tag. Das Werk besteht aus Kompostierungsanlagen für die Bearbeitung von Nahrungsmitteln und Grünabfall, Depot für nicht gefährliche Abfälle, einer Kläranlage und einem Pilotprojekt für die getrennte Sammlung vom Abfall in den Wohnvierteln "Kremikovzi" und "Ovtscha Kupel". Durch das Werk reduziert sich die Deponiequote der Siedlungsabfälle der Stadt Sofia um 52%. Rund 57% der Abfälle werden recycelt und 180 t Ersatzbrennstoff RDF (Refuse-derived fuel) produziert, der als Wärmeenergie benutzt wird.

Mehr U-Bahn, weniger Schadstoffemissionen

Das OP "Verkehr- und Verkehrsinfrastruktur" finanziert zwei U-Bahn-Projekte in Sofia. Diese sind die Erweiterung der U-Bahnlinie 1 von MS (Metrostation) James Bourchier bis MS Vitoscha mit geplanter Eröffnung 2016 sowie der Bau einer neuen Linie 3 von Botevgradsko Schosse bis Ovtscha Kupel. Dies soll in drei Etappen erfolgen.

Etappe 1 umfasst den Bau des Abschnitts km4+300-MS5 bis km11+966,34-MS14. Die Fertigstellung ist für 2019 avisiert. Zwischen MS5 und MS6 ist eine Verbindung mit dem nationalen Eisenbahnnetz vorgesehen, ferner der Bau eines Depots nahe der Zhitniza-Straße. Etappe 2 umfasst die MS14-MS18 und wird nach 2018/20 gebaut. Etappe 3 betrifft den Abschnitt von km4+320-MS5 bis km0+000-MS1 in der Nähe von Boul. Botevgradsko Schosse. Mit dem Bau wird ebenfalls nach 2018/20 begonnen. Die Metrostationen werden barrierefrei zugänglich sein.

Die Verlängerung der bestehenden U-Bahnlinie 1 bis zum Flughafen, Terminal 2 und zum Business Park in Mladost 4 wurde Mitte 2015 abgeschlossen. Diese Investition war auch für die Entwicklung des Tourismus in Sofia wichtig. Der Gesamtwert der U-Bahn Linie 3 beläuft sich auf 620 Mio. Euro.

Anstehende U-Bahn Projekte 2014 bis 2020 (Auswahl; Investitionswert in Mio. Euro)
Projekt Termin für Ausschreibungen Wert Anmerkung
U-Bahn Linie 3, Etappe 2 März 2016 (Evaluierung Juli 2016) 97 Projektierung und Bau von Abschnitt MS14 bis MS18
U-Bahn Linie 3, Etappe 1 Januar 2016 (Evaluierung April 2016) 31 Projektierung und Bau von Depot
U-Bahn Linie 3, Etappe 1 Dezember 2015 (Evaluierung März 2016) 20 Projektierung und Bau von Abschnitt km4+330 bis km4+950 mit einer Metrostation und Verbindung zum nationalen Eisenbahnnetz

Quelle: Metropolitan; Stand: 22.03.2016

In den letzten sechs Jahren wurden in Sofia 22 km U-Bahnlinien beziehungsweise 39 km gebaut. Dadurch wurde die Emission von Luftschadstoffen um 75.000 t pro Jahr gesenkt. Bis Ende 2019 sollen 12 Metrostationen der U-Bahnlinie 3 gebaut werden. Damit sollen die Emissionen um weitere 90.000 t/Jahr reduziert werden. Die neue Linie 3 verfügt zudem über eine technische Innovation: autonomes Fahren.

Sofia kauft Fahrzeuge für den öffentlichen Stadtverkehr

Die Gemeinde Sofia verfügt über ein Programm zur Modernisierung des öffentlichen Nahverkehrs. In den letzten Jahren wurden 20 neue Straßenbahnen und 126 neue Busse gekauft. In 2016 sollen weitere 140 neue Busse und fünf neue Straßenbahnen angeschafft werden. Ausschreibungen für den Kauf von Bussen stehen bevor. Diesel als Kraftstoff ist dabei ausgeschlossen. Die Ausschreibungen werden für Busse mit Gas oder anderen Kraftstoffen erfolgen. Dem Programm zufolge stehen in den nächsten Jahren auch 49 Elektro- oder Hybridbusse zum Kauf an. Im laufenden Jahr werden auch renovierte Straßenbahnen nach Sofia geliefert, und zwar 28 aus Basel und 20 aus Prag.

Die Gemeinde Sofia bereitet auch ein Projekt für die Anmietung von Elektrofahrzeugen auf ihrem Territorium vor. Das soll zur Senkung der Schadstoffbelastung der Luft beitragen. Vorgesehen ist zudem die Einführung eines einheitlichen Ticketsystems für den gesamten Stadtverkehr. Die Ausschreibung für die Ausarbeitung dieses Systems steht bevor.

Digitalisierung schreitet voran

Einen Akzent im Programm bildet die Einführung intelligenter Steuerungslösungen für 160 städtische Straßenkreuzungen. Die Entwicklung von Sofia als Smart City beinhaltet zudem die Einführung von E-Gemeinde als Teil des E-Government. Die Hauptstadt macht bislang 50 E-Dienstleistungen verfügbar. Ein wichtiger Bestandteil ist das Online-Portal der Gemeinde. Die Einführung eines einheitlichen Benutzerkontos für alle elektronische Dienstleistungen steht an.

Einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Hauptstadt soll auch Bulgariens erster Wissenschafts- und Technologiepark "Sofia Techpark" (http://sofiatech.bg/) leisten. Der Bau des Parks für 50 Mio. Euro war eine Priorität des bulgarischen Staates. Davon wurden 42,5 Mio. Euro durch das OP "Wettbewerbsfähigkeit" 2007 bis 2013 der EU finanziert. Die Eröffnung erfolgte im Dezember 2015. Im Bau befinden sich noch ein Labor- und Versuchskomplex.

Im neuen Park sollen Labore für Spitzentechnologien angesiedelt werden. Die Mietpreise stehen bereits fest: 6 Euro/qm (plus 2 Euro Nebenkosten) im Monat. Start-Up-Unternehmen sollen einen Rabatt auf den Mietpreis erhalten. Erstellt wird eine Liste mit Unternehmen, denen ein Platz im Sofia Techpark angeboten wird. Diese Liste wird mit den Fonds für Start-Up-Firmen "Eleven" und "LAUNCHub", die 2013 im Rahmen des JEREMIE-Programms ins Leben gerufen wurden, abgestimmt. Das Management von "Sofia Techpark" will bis April 2016 rund 70% der zur Verfügung stehenden Gesamtfläche von 13.000 qm vermieten.

Investitions- und Privatisierungsagentur der Gemeinde Sofia öffnet ihre Pforten

Die neu gegründete Investitions- und Privatisierungsagentur der Gemeinde Sofia wird 2016 ihre Tätigkeit aufnehmen. Sie wird künftig Firmen mit Beratungsdienstleistungen unterstützen und neue Investoren anwerben. Diese sollen vorzugsweise aus folgenden fünf Prioritätsbranchen stammen: Informations- und Kommunikationstechnik, Pharmaindustrie, Stadtentwicklung, Tourismus und Smart Cities. Die Agentur will Sofia zu einem Digitalisierungszentrum für Südosteuropa ausbauen. Auch Start-ups und die Förderung öffentlich-privater Partnerschaften gehören zu den Prioritäten der Agentur.

Kontaktanschriften:

Gemeinde Sofia

Internet: http://www.sofia.bg

Sofia Municipal Privatisation & Investment Agency

Christian Petrov, Chief Executive Officer

6, Slaveikov Str.,1000 Sofia

E-Mail: christian.petrov@investsofia.com

(M.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Software / EDV-Dienstleistungen, Straßenfahrzeuge, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Deponie und Abfallaufbereitungsbau, Internetdienste, Kläranlagenbau

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 (0)228 24 993-321

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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