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12.01.2018

Chile erneuert mehrere Freihandelsabkommen

Verhandlungspartner stehen für 60 Prozent des Außenhandels / Modernisierung des Abkommens mit der EU / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Chile verhandelt neue Freihandelsabkommen mit Märkten, die 60 Prozent des Außenhandels ausmachen. Einige davon, darunter die VR China und die EU, gehören zu den wichtigsten Handelspartnern. Um dasselbe Niveau wie andere modernisierte Abkommen zu erreichen, sollen Bestimmungen gegen Korruption, Unterstützung von kleinen und mittleren Firmen sowie zu Sozial- und Umweltstandards aufgenommen werden. Im Januar 2018 findet die zweite Verhandlungsrunde statt. (Kontaktadressen)

Die chilenische Regierung modernisiert eine Reihe von Freihandelsabkommen (FTA). Fast 60 Prozent seines Außenhandels in Höhe von knapp 118 Milliarden Euro wickelt das Andenland mit diesen Partnern ab. Die Generaldirektion für internationale Wirtschaftsbeziehungen Direcon betrachtet das mit Indonesien im Dezember 2017 unterzeichnete FTA als das wichtigste, weil es die Öffnung für andere Märkte bedeutete. Im November 2017 hat Chile die Neuverhandlungen des Abkommens mit Argentinien abgeschlossen. Es schafft unter anderem die Roaming-Gebühren ab. Der bilaterale Handel beider Staaten war seit 2011 rückläufig.

China und die EU verzeichnen dagegen seit dem Inkrafttreten des jeweiligen Vertrags Zuwächse. Mit diesen beiden Partnern verhandelt Chile seit November 2017. Es geht um die Intensivierung der Kooperation sowie die Ausweitung auf neue Gebiete. Außerdem ist die Aufnahme weiterer Sozial- und Umweltstandards im Gespräch.

Rettung des Pazifikabkommens TPP?

China könnte auch in ein globales Abkommen einbezogen werden: Zwölf Staaten hatten 2015 die Transpazifische Partnerschaft (TPP) beschlossen. Zu ihr sollten Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur, die USA und Vietnam gehören. Präsident Donald Trump kündigte per Dekret den Rückzug der USA an. TPP kann in der jetzigen Form nur zustande kommen, wenn der Pakt von sechs Ländern ratifiziert wird, die 85 Prozent des gemeinsamen Bruttoinlandsprodukts aller Mitglieder erwirtschaften. Die anderen Teilnehmerstaaten halten am Pakt fest und schlagen vor, die Lücke durch China zu füllen. Diese Änderung erfordert allerdings eine Umgestaltung der bisherigen Vereinbarungen.

Die Europäische Union verhandelt zurzeit über die Modernisierung des Assoziierungsabkommens mit Chile. Nach einer ersten Runde im November 2017 findet die zweite im Januar 2018 statt. Das bestehende Abkommen wird seit 2003 angewendet, lässt jedoch einige Aspekte in den Bereichen Investitionen, Handel und Dienstleistungen unberücksichtigt. Um denselben Standard wie andere modernisierte Abkommen zu erreichen, sieht die EU die Aufnahme von Bestimmungen zur Nachhaltigkeit in Form von Sozial- und Umweltstandards vor. Außerdem stehen die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung auf der Agenda.

Europäische Kommission schaltet Online-Unternehmensumfrage

Bei der wirtschaftlichen und sozialen Zusammenarbeit heben EU-Vertreter die Jugend-, Bildungs- und Beschäftigungspolitik hervor: menschenwürdige Beschäftigung, Bildung, Ausbildung und Chancen für die Jugend und soziale Forschung. Zum ersten Mal soll ein Handelsvertrag die Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frau beinhalten. Weitere Themen, die verstärkt behandelt werden, sind eine effiziente Energienutzung, Meerespolitik, Raumfahrt, Digitalisierung und Katastrophenvorsorge. Insbesondere bei den Themen Energie und Digitalisierung ist das Ziel, den politischen Dialog zu intensivieren und die Vereinbarungen zu Investitionen, Handel und Dienstleistungen anzupassen.

Unternehmen aus den EU-Mitgliedsstaaten haben bis zum 19. Februar 2018 die Gelegenheit, ihre Anliegen beim Marktzugang dazulegen, damit die Europäische Kommission diese Positionen in die Verhandlungen einbringen kann. Die Kommission hat eine Befragung geschaltet unter http://trade.ec.europa.eu/consultations/index.cfm?consul_id=247

Nach dem Globalabkommen mit Mexiko, das 2000 in Kraft trat, war Chile das erste südamerikanische Land, mit dem die EU ein Assoziierungsabkommen abschloss. Es gliedert sich in drei Teile: Politischer Dialog, Zusammenarbeit sowie Handel und Handelsfragen. Der aus wirtschaftlicher Sicht relevanteste Bereich "Handel und Handelsfragen" umfasst Bestimmungen über den Warenverkehr, Dienstleistungen, Investitionen, Kapitalverkehr, Niederlassung, öffentliche Beschaffung, Wettbewerb, geistiges Eigentum und Streitbeilegung. Im Falle eines erfolgreichen Abschlusses reiht sich dieses Abkommen in die unter anderem mit Kanada, Vietnam, Singapur und Japan unterzeichneten Verträge ein.

EU ist Chiles größter Investor

Die Ausfuhrgüter der EU nach Chile lagen 2016 bei 8,6 Milliarden Euro. Sie decken das gesamte Spektrum der Produkte ab, die der Andenstaat nicht oder nicht ausreichend selbst produziert, insbesondere Fahrzeuge, Maschinen und Elektronik. Industrieerzeugnisse wechseln in beide Richtungen ihre Besitzer. Die wichtigsten Exporte aus chilenischer Sicht waren 2016 Rohstoffe (vor allem Kupfer) sowie Nahrungsmittel und lebende Tiere. Die EU importierte Waren für 7,4 Milliarden Euro aus Chile.

Die europäischen Direktinvestitionen (FDI) haben sich seit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens verdoppelt und sind im Verhältnis zu dem kleinen Markt mit nur 18 Millionen Einwohnern hoch. Das hat dazu geführt, dass die Direktinvestitionen pro Kopf der EU höher sind als die Gesamtsumme von Brasilien, Mexiko und China. Mit 33 Prozent Anteil am Gesamtbestand ist die Union Chiles größter Investor.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Market Access Database http://madb.europa.eu Zolldatenbank für Unternehmen, die aus der EU exportieren mit Informationen über Zölle und Einfuhrformalitäten
IPR Helpdesk https://www.iprhelpdesk.eu/services/de Serviceinitiative der Europäischen Kommission rund um das Thema geistige Eigentumsrechte, richtet sich u.a. an KMU, die in internationale Technologietransferprozesse involviert sind
ELAN Biz https://www.elanbiz.org Plattform für KMU und europäische Organisationen, die in Lateinamerika Geschäfte machen wollen
Enterprise Europe Network http://www.een-deutschland.de Netzwerk der Kommission zur Unterstützung von Innovation, auch in Chile präsent. Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen

A.LI.

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Außenhandel / Struktur, allgemein, Handels-, Zollabkommen, WTO

Jenny Eberhardt Jenny Eberhardt | © GTAI

Kontakt

Jenny Eberhardt

‎ +49 228 24 993 248

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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