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25.01.2018

Chile treibt Lithium-Projektpipeline voran

Großteil des Kapazitätszubaus 2019 / Designierter Präsident will rechtliche Lücken schließen / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - In Chile steht der Bergbau auch kurz vor dem Amtsantritt der konservativen Regierung im Fokus. Auf dem wichtigsten Sektor ruhen die Hoffnungen, die Konjunktur wieder in Gang zu bringen. Die neue Regierung will mehr Sicherheit bei Genehmigungen schaffen. Neben dem Kupfer gewinnt Lithium weiter an Bedeutung. Die Produktion konzentriert sich auf wenige Hersteller. Auf Chile entfällt im Januar 2018 bereits 42 Prozent der weltweiten Produktion.

(abs)Santiago de Chile (GTAI) - In Chile steht der Bergbau auch kurz vor dem Amtsantritt der konservativen Regierung im Fokus. Auf dem wichtigsten Sektor ruhen die Hoffnungen, die Konjunktur wieder in Gang zu bringen. Die neue Regierung will mehr Sicherheit bei Genehmigungen schaffen. Neben dem Kupfer gewinnt Lithium weiter an Bedeutung. Die Produktion konzentriert sich auf wenige Hersteller. Auf Chile entfällt im Januar 2018 bereits 42 Prozent der weltweiten Produktion.

(abs)

Im März 2018 beginnt in Chile Sebastián Piñeras zweite Präsidentschaft. Die Konjunktur anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen sind die wichtigsten Anliegen des konservativen Unternehmers. Seine erste Amtszeit von 2010 bis 2014 galt aufgrund des starken Wachstums des Bruttoinlandsprodukts als wirtschaftlich erfolgreich. Damals spielte ihm vor allem der Superzyklus der Rohstoffe in die Karten, der in diesem Ausmaß nicht mehr zu erwarten ist. Doch auch diesmal liegt Piñeras Schwerpunkt auf dem Bergbau.

Kann der neue Präsident seine Vorstellungen umsetzen, dürfte davon auch der chilenische Lithiumabbau profitieren. Im Januar 2018 entfällt auf Chile bereits 42 Prozent der globalen Produktion des Metalls. Doch Tobias Tretter, Manager des Structured Solutions Next Generation Resources Fonds, erwartet einen kleinen Goldgräberrausch in den kommenden Monaten. Zurzeit konzentriere sich die Industrie stark auf Argentinien. Der Standort gilt wegen günstiger Abbaubedingungen und klarer Vorschriften als attraktiv. "Wir erwarten (...) einen größeren Umschwung in Richtung Chile", so Tretter.

Das Marktforschungsunternehmen BMI Research rechnet für 2018 mit einem leicht positiven Ausblick für die Branche und erwartet, dass Chile und Argentinien in den nächsten Jahren zusammen mit Australien die Produktion anführen werden. Der Großteil des Kapazitätszubaus soll 2019 erfolgen.

Aktivitäten von Privaten könnten leichter werden

Die noch amtierende Mitte-Links-Regierung unter Michelle Bachelet versucht zwar bereits, die Investitionen ausländischer Firmen zu erhöhen. Von Piñera erhofft sich die Branche jedoch ein entschiedeneres Vorgehen. Sein Bruder José Piñera hatte als Bergbauminister ein Gesetz angestoßen, das den Rahmen für die Privatisierung staatlicher Firmen schuf.

Der Präsident kann per Dekret von Fall zu Fall über die Konzessionsfähigkeit des Lithiums entscheiden. Es wird erwartet, dass die neue Regierung von der Position vieler Oppositionspolitiker, das Lithium müsse vor Privatisierung geschützt bleiben, abrückt. Schon in der ersten Amtszeit Sebastián Piñeras bezeichnete das Kabinett Konzessionen an Privatfirmen als den schnellsten und effizienten Weg, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Abbaumöglichkeiten zu vergrößern.

Regulatorische Hürden führen zurzeit noch dazu, dass sich die Lithiumprojekte relativ langsam weiterentwickeln, vor allem in den frühen Explorationsstadien. Die Verfassung schützt die strategische Ressource vor privatem Zugriff. Zwar folgte der strikten staatlichen Kontrolle über die Produktion eine schrittweise Lockerung. Ohne staatliche Partnerschaft ist es Unternehmen jedoch nicht erlaubt, das Metall abzubauen und auszuführen.

Die staatliche Entwicklungsagentur Corfo (Corporación de Fomento de la Producción) vergibt die entsprechenden Lizenzen zentral. Corfo hatte 2017 bekannt gegeben, dass Interessensbekundungen von sechs Firmen zur Förderung aus dem Salzsee Maricunga vorliegen (drei chinesischen, einer russischen, einer südkoreanischen und einer chilenischen). Am Ende setzte sich das Unternehmen Sociedad Química y Minera (SQM) durch. Doch die anschließenden Verhandlungen mit Corfo verliefen schleppend. Die beiden Partner leiteten schließlich ein Schlichtungsverfahren ein, nachdem es einen langen Disput um Steuern, Lizenzgebühren, Vertragsbrüche durch Verkäufe unter dem Marktpreis sowie Vorwürfe wegen Umweltverschmutzung und illegaler politischer Spenden gegeben hatte.

Chile baut seine Position als führender Lithiumhersteller aus

Trotz neuer Akteure teilen die Unternehmen SQM, FMC, Albemarle und Tianqi den internationalen Markt weitgehend unter sich auf. Nur Albemarle und SQM sind in Chile aktiv und SQM kann nach der Einigung die Produktionskapazitäten verdoppeln. Im Januar 2018 sind nach Bekanntgabe der Einigung zwischen SQM und Corfo die Börsenkurse gefallen, weil Aktionäre ein Überangebot befürchten.

Doch langfristig dürfte die Nachfrage enorm zulegen. Der Lithiumbedarf wird Prognosen zufolge in den Jahren bis etwa 2038 auf fast das Vierfache der heute weltweit produzierten Menge wachsen. Lithium wird unter anderem in Batterien für elektrisch angetriebene Fahrzeuge und in stationären Batterien für Gebäude verwendet. Um auch nachfolgende Wertschöpfungsketten in der Speichertechnologieentwicklung aufzubauen, fördert Chile internationale Kooperationen in der Forschung und Entwicklung. Zu den größten Akteuren zählen China und Deutschland.

Modernisierung der staatlichen Institutionen geplant

In der "Roadmap für die Zukunft" formuliert das Team um Piñera die Notwendigkeit, dem Präsidenten eine Beratungskommission zur Seite zu stellen, die eine nationale Politikstrategie für die Jahre 2018-2050 ausarbeitet. Der öffentliche und private Sektor, die akademische Welt und die Zivilgesellschaft sollen darin eingebunden werden.

Die geplante Schaffung eines Projektmanagementbüros orientiert sich am kanadischen MPMO (Major Project Management Office). Das MPMO ist eine Organisation der dortigen Regierung, deren Aufgabe es ist, ein übergreifendes Projektmanagement für wichtige Vorhaben bereitzustellen. Das Büro soll Verbesserungen des Regulierungssystems ermöglichen. Das chilenische Pendant wird zudem darauf ausgerichtet, Investitionen anzuziehen, zu beschleunigen und zu koordinieren.

Die institutionellen Maßnahmen sehen die Stärkung des Ministeriums für Bergbau vor. Vor einer Überprüfung hinsichtlich Modernisierungsmöglichkeiten steht der nationale Dienst für Geologie und Bergbau Sernageomin (Servicio Nacional de Geología y Minería). Die Modernisierung der Unternehmensführung des staatlichen Unternehmens zur Förderung des kleinen und mittleren Bergbaus ENAMI (Empresa Nacional de Minería) hat sich die neue Regierung ebenso vorgenommen wie die Stärkung der Autonomie dieser Behörde. Ähnlich wie im Fall der großen staatlichen Kupfergesellschaft Codelco soll das Direktorium unabhängiger von den politischen Leitlinien der jeweiligen Regierung agieren können.

Mehr Rechtssicherheit im Bergbau angestrebt

Zu den von Piñera geplanten Maßnahmen zählt die Verringerung der Rechtsunsicherheit durch klare Regeln. Ein neues Gesetz soll die langfristige regulatorische Stabilität, Steuerfragen, Nichtdiskriminierung sowie den Zugang zu Streitbeilegungsmechanismen optimieren. Die Regionalregierungen in den Bergbaugebieten sollen außerdem mehr Geld für Innovationstätigkeiten erhalten. Die Vorschläge zielen jedoch nicht darauf ab, die Steuer auf Bergbauaktivitäten zu erhöhen.

Für den Kleinbergbau schlägt Piñera ein spezielles Staut vor, das alle Verordnungen zusammenzufasst, die diesen Bereich betreffen, einschließlich der Überprüfung der Projekte sowie Fragen zur Sicherheit und Schließung von Zechen. Das Programm für den Mittelbergbau zielt ebenfalls darauf ab, die Regelungen für die Schließung von Bergwerken zu überprüfen und rechtliche Lücken zu schließen. Die Garantieinstrumente sollen flexibler gestaltet und die Methoden zur Berechnung der Nutzungsdauer geändert werden.

(A.LI.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Bergbau / Rohstoffe, allgemein

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