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30.03.2018

Corporate Social Responsibility (CSR)- Richtlinie hilft Nachhaltigkeit stärker in Unternehmen zu verankern

Geschäftsjahr 2017 bereits berichtspflichtig / Auswirkungen auch auf mittelständische Unternehmen / Von Meike Eckelt

Bonn (GTAI) - In Deutschland sind bestimmte kapitalmarktorientierte Unternehmen durch das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz aufgefordert, für das Geschäftsjahr 2017 zu berichten. Inhalte der nichtfinanziellen Erklärung betreffen Umweltaspekte, Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte, Soziales und Antikorruption. Erfahrungen zeigen, dass mit der Einführung der Richtlinie das Thema in den Unternehmen deutlich ernster genommen wird. Die Transparenzpflicht wird auch an Zulieferer weitergegeben. (Kontaktadressen)

Die europäische Richtlinie zur Corporate Social Responsibility (2014/95/EU) wurde im Jahr 2017 durch Änderungen der Bilanzierungsvorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) in deutsches Recht umgesetzt. Die CSR-Richtlinie verpflichtet alle kapitalmarktorientierten Unternehmen im Sinne des § 264d HGB eine nichtfinanzielle Erklärung zu erstellen, wenn sie mehr als 500 Arbeitnehmer beschäftigen und zugleich entweder eine Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro haben oder Umsatzerlöse von mehr als 40 Millionen im Jahr erzielen. Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen sind unter den gleichen Voraussetzungen von der Berichtspflicht betroffen, auch wenn sie nicht börsennotiert sind. Erstmalig findet die Berichtspflicht Anwendung auf den Jahresbericht 2017

Die bislang überwiegend an finanziellen Aspekten orientierte verpflichtende Regelfinanzberichterstattung wird um folgende nichtfinanzielle Aspekte deutlich erweitert: Umweltbelange (wie Treibhausgasemissionen im Rahmen der Herstellung von Produkten), Arbeitnehmerbelange (wie Arbeitsbedingungen oder Rechte der Gewerkschaften), Sozialbelange (etwa der Schutz lokaler Gemeinschaften), die Achtung von Menschenrechten (wie Ausschluss von Zwangs- und Kinderarbeit) und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung (beispielsweise Angaben zu bestehenden Instrumenten, um beides zu verhindern). Die Unternehmen können dabei entweder im Lagebericht oder in einem separaten Report berichten.

In der Podiumsdiskussion "Die CSR-Richtlinie - Ein Jahr danach" wurde auf der Jahrestagung des UPJ (unternehmen.verbinden.gestalten) - Netzwerkes im März 2018 in Berlin von Unternehmensvertreterinnen betont, dass die Richtlinie für einen deutlichen Rückenwind gesorgt habe, die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung im Unternehmen zu stärken. "CSR hat in den Gremien mehr an Relevanz gewonnen", so eine Vertreterin der BMW Group. Neue Organisationsstrukturen halfen zum Beispiel auch, das Thema CSR deutlicher in der Commerzbank zu etablieren. Durch die gesetzliche Auflage hat der Aufsichtsrat die nichtfinanzielle Berichterstattung inhaltlich zu prüfen. Alle vertretenen Unternehmen sprachen von großen Herausforderungen bei der Umsetzung der Richtlinie, die auch mit externen Beratern bewältigt worden sind. Verstöße gegen die Berichtspflicht können durch Sanktionen (in Form nicht unerheblicher Bußgelder) geahndet werden.

Viele Großunternehmen veröffentlichen schon seit Jahren einen freiwilligen CR-Lagebericht, der es ihnen nun erleichtert, die Berichtspflicht zu erfüllen. Ein wichtiger Grund für die freiwillige Berichterstattung ist auch, dass die Unternehmen für Stakeholder geratet werden. Diese freiwilligen Berichte sind ausführlicher und enthalten nicht nur die Wesentlichkeitsmerkmale, die bei der CSR- Richtlinie gefordert sind, sondern darüber hinausgehende Themen. Bei dem Pflichtbericht legt das Unternehmen hingegen Aspekte fest, die für das Verständnis der Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit wesentlich sind. Das Unternehmen Telefonica konzentriert sich zum Beispiel auf die Bereiche Datenschutz und Kundenzufriedenheit, während die BMW Group unter anderem Umweltbelange (Emissionen), die Einhaltung von Menschenrechten in der Lieferkette, Konfliktmineralien, Mitarbeiterbelange, Auswirkungen der Digitalisierung und Produktsicherheit thematisiert.

Alle Unternehmen sind zur Einhaltung von Menschenrechten aufgefordert

Zielvorgabe der Bundesregierung ist, dass bis 2020 mindestens die Hälfte aller betroffenen Unternehmen in Deutschland mit mehr als 500 Beschäftigten die im Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) beschriebenen Elemente menschenrechtlicher Sorgfalt in ihre Unternehmensprozesse integriert haben. Mit dem NAP setzt die Bundesregierung die Leitlinien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte aus dem Jahr 2011 auf nationaler Ebene um.

Auch wenn bisher nur bestimmte Unternehmen der Berichtspflicht unterliegen, erwartet die Bundesregierung im NAP dennoch, dass alle Unternehmen in Deutschland Elemente unternehmerischer Sorgfalt mit Bezug auf die Achtung der Menschenrechte unabhängig von ihrer Größe, Branche und Position in der Liefer- und Wertschöpfungskette einführen. Es geht dabei nicht (nur) um die Betrachtung von Risiken für die eigene Geschäftstätigkeit, sondern insbesondere um menschenrechtliche Risiken für potenziell Betroffene des unternehmerischen Handelns. Dies gilt insbesondere in den Ländern, in denen rechtsstaatliche Grundsätze nicht oder nur unzureichend durchgesetzt werden. Zentral ist dabei die Darstellung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten von Unternehmen, die sich nach dem NAP aus fünf Kernelementen zusammensetzt:

1. Einer Grundsatzerklärung der Unternehmen, die Menschenrechte zu achten;

2. Verfahren, die dazu dienen, tatsächliche und potenzielle nachteilige Auswirkungen auf die Menschenrechte zu ermitteln;

3. Maßnahmen, die potenzielle negative Auswirkungen verhindern sollen sowie weitere Maßnahmen, die geeignet sind, die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zu überprüfen;

4. Der Berichterstattung;

5. Beschwerdemechanismen.

Neben der im NAP formulierten politischen Erwartungshaltung an verantwortungsvolles Handeln auch von Unternehmen, die unter den Schwellenwert für die CSR-Berichtslinie fallen, werden diese zunehmend von großen Unternehmen aufgefordert, Audits im Rahmen der Überprüfung von Lieferketten durchzuführen. Die Nachhaltigkeitsinitiative des BDI "econsence" rät auch, dass Lieferanten von großen Unternehmen im bestehenden Pool den Verhaltenskodex erhalten und ein Self-Assessment ausfüllen. Strategisch wichtige Lieferanten sollten zusätzlich Audits und Schulungsmaßnahmen durchlaufen. Diese Anforderungen beinhalten, dass mittelständische Unternehmen sich mit CSR-Themen zunehmend beschäftigen müssen. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sollten die Beratungs- und Unterstützungsangebote der Bundesregierung und der Verbände nutzen, die im Rahmen des NAP angeboten werden.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
NAP-Helpdesk der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung http://www.wirtschaft-entwicklung.de/nachhaltigkeit Individuelle Beratung zu Anforderungen des NAP, insbesondere in Bezug auf Aktivitäten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Hilfe bei der Suche nach Unterstützungsangeboten und Partnern.
Praxistage für kleine und mittlere Unternehmen http://www.csr-praxistage.de Unterstützung für KMU Nachhaltigkeitsaktivitäten systematisch in alle Bereiche der Unternehmenstätigkeit zu integrieren.
Deutsches Global Compact Netzwerk (DGCN) http://www.mr-sorgfalt.de Netzwerk von rund 350 deutschen Unternehmen und 60 Organisationen. Das DGCN bietet eine Reihe praktischer Onlinetools an, die Unternehmen bei der Umsetzung ihrer menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht helfen.
UPJ-Netzwerk http://www.upj.de UPJ e.V. ist ein Netzwerk engagierter Unternehmen und gemeinnütziger Mittlerorganisationen in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen Projekte, die zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen.
econsence http://www.econsence.de Nachhaltigkeitsinitiative des BDI; zum Beispiel Trainingsvideos für Einkäufer und Lieferanten.
Chemie hoch 3 http://www.chemiehoch3.de/de/home.html Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemieindustrie für mittelständische Unternehmen.
Studie zu Kinderrechten in deutschen Unternehmensaktivitäten http://www.unicef.de/informieren/materialien/kinderrechte-in-deutschen-Unternehmenstätigkeitnen/149674 Studie von UNICEF Deutschland, Deutsches Global Compact Netzwerk und BMZ (2017).

(MEK)

Dieser Artikel ist relevant für:

Deutschland, Afrika, Europa, Entwicklungsländer, Industrieländer, AKP-Staaten, Welt Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein, Arbeits-, Bildungs- und Sozialpolitik, allgemein, Sozialwesen, Armutsbekämpfung

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Günter Maier

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