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09.08.2018

Costa Rica beschafft hochwertige Landtechnik

Ananaserzeuger sind gute Kunden / Von Ulrich Binkert

San-José (GTAI) - Costa Ricas Landwirtschaft ist im regionalen Vergleich recht stark mechanisiert und ersetzt ihre kräftig beanspruchten Maschinen häufig. Zur Zeit läuft allerdings nicht alles rund.

Mit der Ananasproduktion ist in Costa Rica in den vergangenen Jahren auch der Markt für Landtechnik gewachsen. Im 1. Halbjahr 2018 allerdings hat das Land deutlich weniger Traktoren importiert als im Vorjahreszeitraum, heißt es beim Landtechnikvertreter Matra in der Hauptstadt San José. Ende 2018 könnten demnach insgesamt 460 Traktoren in den Verkaufsbüchern stehen, nachdem es in den Jahren zuvor um die 580 gewesen seien. Traktoren machten in Costa Rica 2017 mehr als die Hälfte der Landtechnikimporte aus, während zum Beispiel in Guatemala Landmaschinen einen deutlich größeren Anteil haben.

Wichtige Kunden zögern mit Maschinenkauf

Costa Rica exportiert fast seine gesamte Ananasproduktion. Der niedrige Weltmarktpreis lasse die rund 250 Erzeuger im Land mit Investitionen zögern, sagt Matra-Manager Mario Ulate. Gute Kunden blieben im Moment im Wesentlichen nur Dole und Del Monte, die mit jeweils 4.000 bis 6.000 Hektar die größten Ananasproduzenten des Landes seien.

Warum die Ananaserzeuger die größten Landtechnikkunden in Costa Rica sind, erklärt Ulate mit der hohen Intensität des Anbaus: Das kleine Land war 2016 nach den Zahlen der Food and Agriculture Organzation (FAO) der UNO der weltgrößte Produzent der Tropenfrucht - obwohl andere Länder deutlich mehr Hektar bewirtschaften. Traktoren wie Bodenbearbeitungsmaschinen seien das ganze Jahr über im schweren Einsatz, weshalb sie alle vier bis fünf Jahre erneuert würden.

Hochwertige Technik für Dauereinsatz benötigt

Daneben verlangten die Kunden starke Motoren und hochwertige, zuverlässige Technik, die dem Dauereinsatz gewachsen ist. John-Deere-Vertreter Matra beziehe deswegen auch teure Traktoren aus dem Mannheimer Werk des US-Konzerns, neben dessen Lieferungen aus Mexiko, den USA und Indien (für kleinere Schlepper). Gebrauchte Landtechnik spiele angesichts der hohen Anforderungen keine Rolle bei den Importen.

Die nächstwichtigen Kunden für Landtechnik sind Ulate zufolge die Erzeuger von Zuckerrohr, Orangen und Reis. Bei diesen Kulturen würden die Traktoren ähnlich intensiv eingesetzt wie bei den Ananasfarmern. Die Zuckerrohrproduzenten beklagen ebenfalls niedrige Weltmarktpreise. Doch anders als in Guatemala versucht die Branche in Costa Rica laut Ulate nicht mit einer weiteren Mechanisierung die Kosten zu senken, sondern halte den Geldbeutel gleich zu. Die Branche leide unter der Trockenheit der letzten Jahre und immer noch unter den Folgen von Wirbelstürmen, die viel Infrastruktur um die Zuckerrohrfelder herum zerstört hätten.

Die Orangenerzeuger gehören laut Ulate zu den Kunden, die auch gegenwärtig investieren. Die Branche nutze Traktoren mit 100 bis 140 PS, wobei die Ernte weitgehend in Handarbeit erfolge. Die zwei bestimmenden Produzenten sind demnach TicoFrut und Del Oro. Die Reisbauern hingegen "kaufen seit vier Jahren keine Maschinen". Costa Rica importiere inzwischen gut die Hälfte seines Reisbedarfs; die Anbauflächen sind in den letzten Jahren laut FAO stark zurückgegangen.

Über ein Fünftel aller Traktorenverkäufe entfallen nach Angaben Ulates auf die restlichen Sektoren der Landwirtschaft. Dazu gehört im Wesentlichen der Anbau von Bananen, Gemüse und Kaffee - und die Milchwirtschaft. Die Milchviehalter nutzten ihre meist unter 100 PS starken Schlepper weniger intensiv als die Ananas- oder Zuckerrohrproduzenten. Die Bauern kauften Landtechnik eher unregelmäßig und tauschten ihre Traktoren nur alle 10 bis 15 Jahre aus.

Eine Genossenschaft dominiert die Milcherzeugung

Die Milchbauern-Genossenschaft Dos Pinos verkauft Branchenangaben zufolge ihren Mitgliedern neben Dünger oder Pflanzenschutzmitteln auch kleinere Maschinen. Traktoren und größeres Gerät würden über Händler wie Matra vertrieben, eventuell mit finanzieller Hilfe durch die Genossenschaft. Dos Pinos habe etwa 1.200 Mitglieder und verarbeite 90 Prozent der in Costa Rica angelieferten Milch. Die Firma beherrscht den Heimatmarkt und exportiert nach Angaben eines mit der Firma zusammenarbeitenden Beraters knapp ein Drittel ihrer Produktion, vorwiegend in andere Länder Zentralamerikas.

Die Landwirtschaft ist in Costa Rica offenkundig stärker mechanisiert als etwa im ärmeren Guatemala. Costa Rica importiert mehr Landtechnik, obwohl die Anbauflächen der meisten Kulturen kleiner sind. Nahe der Hauptstadt San José fühlt sich der Besucher aus Deutschland in die 80er-Jahre zurückversetzt, wenn 60-PS-Traktoren durch die fruchtbaren Felder an den Hängen des Vulkans Irazú fahren. In der Umgebung von Guatemala-Stadt scheinen Böden und Klima vergleichbar, Traktoren indes sind weit und breit nicht zu sehen.

Anbauflächen in Costa Ricas Landwirtschaft (Tausend Hektar)
Kultur 2011 2016
Ananas 45,0 43,0
Zuckerrohr 57,5 69,0
Orangen 22,0 24,0
Ölpalmen 60,0 72,5
Reis 78,8 48,1
Bananen 22,0 21,6
Frischobst, nicht anderweitig spezifiziert 34,4 52,1
Kaffee 98,7 84,1
Mais 8,2 4,9
Melonen 5,1 5,2
Kartoffeln 2,7 4,0

Quelle: FAO

Marktführer bei Traktoren ist laut Matra, bei insgesamt gut 20 angebotenen Marken, John Deere mit knapp einem Drittel der verkauften Einheiten. Danach komme Same mit gut einem Fünftel, gefolgt von Massey Ferguson, Landini und Case. Für chinesische Marken erwartet Mario Ulate kein großes Wachstum. Die Maschinen hätten einen schlechten Ruf und würden nur bei Tätigkeiten mit geringer Beanspruchung eingesetzt. Gleichwohl waren die chinesischen Landtechniklieferungen nach Costa Rica zuletzt höher als die deutschen.

Italienische Landtechnik recht gut vertreten

Die Landtechnikimporte Costa Ricas bewegen sich seit 2015 bei jährlich gut 50 Millionen US-Dollar (US$). Recht viel kommt aus Italien, die USA hingegen, die in Guatemala den Markt dominieren, sind in Costa Ricas Importstatistik lediglich Teil des Führungstrios. Maschinen aus Deutschland sind relativ schwach vertreten und haben seit 2015 Anteile verloren. Nach den - allerdings generell abweichenden - Exportzahlen von Eurostat haben sich Deutschlands Branchenlieferungen 2017 bei gut 3 Millionen Euro stabilisiert.

Im Traktorenmarkt (SITC 722.49) der ersten fünf Monate 2018 konnten sich laut Eurostat die Anbieter aus Deutschland dem negativen Markttrend entgegenstemmen. Sie lieferten nach Costa Rica demnach bereits mehr als im gesamten Vorjahreszeitraum. Die Schlepperexporte der anderen EU-28-Länder hingegen gingen in derselben Zeit leicht zurück, die Landmaschinen-Ausfuhren aller EU-28-Länder sogar deutlich.

Costa Ricas Importe von Landtechnik (Mio. US$) 1)
Zolltarifposition (HS) Produkt/Lieferland 2015 2016 2017
8432 Bodenbearbeitungsmaschinen 4,1 3,8 4,4
8433 Erntemaschinen 9,3 9,6 6,6
8434 Milchwirtschaftliche Maschinen 1,6 4,9 2,8
8435 Saftpressen 0,6 0,4 0,7
8436 Geflügelzuchtgeräte 5,8 7,5 6,6
8437 Körnerbearbeitungsmaschinen 0,7 1,4 1,5
8701.91-95 Andere Schlepper 33,8 24,1 30,5
Insgesamt 2) 56,0 51,7 53,0
Länder
Mexiko 10,5 6,4 10,8
Italien 8,1 10,5 10,6
USA 10,1 10,4 9,3
Brasilien 8,3 9,0 6,5
Vereinigtes Königreich 3,7 1,7 3,7
Spanien 1,1 2,6 1,8
China 1,4 0,9 1,6
Türkei 1,2 1,5 1,5
Deutschland 5,2 2,2 1,2

1) Produktabgrenzung nach Maßgabe von SITC 721 und 722 (ohne 722.3/Gleiskettenzugmaschinen); Abweichungen durch Rundung

Quelle: Procomer

Weitere Informationen zu Costa Rica finden Sie unter http://www.gtai.de/costa-rica

Dieser Artikel ist relevant für:

Costa Rica Pflanzenproduktion, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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