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16.05.2018

Côte d'Ivoire entwickelt sich zum Brotkorb Westafrikas

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Ausbau der Produktion von Palmöl und Zucker / Hoher Wettbewerb auf dem Markt für Getränke / Von Carsten Ehlers

Abidjan (GTAI) - Côte d'Ivoire erlebt seit Jahren eine Phase hoher Dynamik in der Nahrungsmittelproduktion. Hierzu zählen neben der Landwirtschaft auch die Verarbeitung lokal geernteter Agrarprodukte sowie die vor allem in Abidjan ansässige Nahrungsmittelindustrie. Der steigende Bedarf an Nahrungsmitteln in der ganzen Region sowie die gute allgemeine Konjunktur in Côte d'Ivoire bieten weiterhin positive Perspektiven für diese Sektoren. Für deutsche Unternehmen ergeben sich daraus zahlreiche Lieferchancen.

Côte d'Ivoire entwickelt sich zum Brotkorb Westafrikas. Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie sind seit Jahren geprägt von großer Dynamik, sowohl bei der Produktion als auch bei der Verarbeitung. Weitere Investitionen werden folgen. Beide Sektoren genießen auch regional eine herausgehobene Stellung. Sie beliefern nicht nur den heimischen Markt, der mit rund 23,7 Millionen Einwohnern für afrikanische Verhältnisse recht groß ist, sondern auch die anderen frankofonen Länder der Region, wie Burkina Faso, Mali, Guinea, Niger, Togo und Benin.

Beim frankofonen Westafrika handelt es sich um einen recht homogenen Markt von etwa 110 Millionen Einwohnern, welcher jedes Jahr um mehr als 3 Millionen Menschen wächst. Mit Ausnahme von Guinea wird in sämtlichen Ländern die an den Euro gebundene Währung Franc CFA verwendet. Die Währung erleichtert nicht nur den Übersee-Export der Maschinen von Europa nach Abidjan, sondern auch den Export von Nahrungsmitteln innerhalb der frankofonen Länder Westafrikas.

Expandierender Einzelhandel braucht hochwertige Nahrungsmittel

Steigenden Bedarf nach hochwertigen lokal gefertigten Nahrungsmitteln dürfte der zügig expandierende ivorische Einzelhandel nach sich ziehen. Durch den Bau mehrerer Einkaufszentren hat sich Abidjan in den letzten etwa vier Jahren zur attraktivsten Shopping-Metropole entlang der afrikanischen Westküste entwickelt. Letztere größere Investition war die Eröffnung des Einkaufzentrums Playce in Abidjan mit der französischen Supermarktkette Carrefour als größtem Mieter. Die auf die Mittelklasse zielenden Malls bieten insbesondere für teurere und frische Nahrungsmittel zusätzliche Verkaufsflächen.

Darüber hinaus produziert die ivorische Landwirtschaft sogenannte Cash-Crops für die Weltmärkte. Bei Kakao, Kautschuk, Cashewnüssen oder Palmöl zählt das Land zu den größten Produzenten Afrikas oder gar der Welt. Gerade bei Kakao ist die Bedeutung des Landes groß. Dort investieren die großen internationalen Kakaohandelsgesellschaften wie Cargill, Cemoi oder Barry Callebaut in die Verbesserung des von Kleinbauern geprägten Anbaus. Die Händler agieren dabei in der Regel Hand in Hand mit der großen staatlichen Kakaovermarktungsgesellschaft Conseil café-cacao (CCC). Zu den Maßnahmen zählt eine bessere Versorgung der Bauern mit Düngemitteln, Agrochemikalien und qualitativ hochwertigen Setzlingen.

GIZ mit einem Projekt im Kakaosektor aktiv

Auch die Ausbildung der Bauern sowie die Kommerzialisierung der Kooperativen hin zu einem Unternehmen stehen im Fokus. CCC ist für derartige Maßnahmen stets auf der Suche nach Partnern aus der Privatwirtschaft. Ebenfalls engagieren sich Geber in diesem Bereich, unter anderem auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mit ihrem Programm "Pro Planteur". Einige der großen Kakaohändler bauen auch die Kapazität ihrer Verarbeitungsanlagen in Côte d'Ivoire aus. So will die französische Cemoi die Kapazität seiner Anlage von derzeit 5.000 Tonnen pro Jahr auf 10.000 Tonnen im Jahr 2020 ausbauen.

Anbau von ausgewählten Rohstoffen in Côte d'Ivoire *)
Anbausorte Jahresproduktion 2016/17 (in Tonnen) Position
Kakao 1.900.000 Nummer 1 weltweit, Erntesteigerung um circa 27 Prozent. Im Vorjahr litt die Ernte unter dem Wetterphänomen El Nino.
Kautschuk 581.000 Nummer 1 in Afrika, Erntesteigerung um 26 Prozent. Tendenz: steigend.
Cashewnuss 673.000 Nummer 1 in Afrika, Nummer 2 weltweit hinter Indien und weltweit größter Exporteur. Steigerung der Ernte um 3,6 Prozent.
Baumwolle 328.000 Drittgrößter westafrikanischer Produzent nach Mali und Burkina Faso. Tendenz: Ernte 2017 ist nach heftigem Rückgang im Vorjahr diesmal um 5,7 Prozent gestiegen.
Palmöl 415.000 Nummer 2 in Afrika nach Nigeria und weltweit fünftgrößter Exporteur. Tendenz: stagnierend.
Kaffee (Robusta) 130.000 Größter Robusta-Produzent in Westafrika. Tendenz: zuletzt abnehmend.
Reis 1.335.000 Produktion seit 2011 von 550.000 Tonnen deutlich erhöht. Einbruch im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent wegen geringer Niederschläge.

*) grobe Schätzung

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Zunehmend interessant wird aufgrund von steigender Bevölkerung und Kaufkraft der lokale und regionale Absatzmarkt. So steigt die Nachfrage nach Nahrungsmitteln nicht nur in dem mit rund 23,7 Millionen Einwohnern recht großen heimischen Konsummarkt, sondern auch in den benachbarten frankofonen Ländern wie Mali, Burkina Faso, Senegal, Niger, Togo und Benin. Bei Palmöl, welches regional als Speiseöl verwendet wird, und Zucker besteht bereits ein ausgedehnter Plantagenanbau, welcher ursprünglich auf den Export ausgerichtet war.

Investitionen beim Palmöl- und Zuckeranbau

Bei Palmöl dürften die lokalen Produzenten Palmci, Sania, Société d'investissement pour l'agriculture tropicale (Siat), Palmafrique, Palmci, Africa West Industries (AWI) und die israelische Dekel Oil weiter in den Ausbau ihrer Produktion investieren. Auch beim Anbau von Zuckerrohr finden derzeit Investitionen seitens Sucaf und Sucrivoir statt. Gleichfalls steigt der Bedarf bei Mais, Kassava, Tomaten oder auch Geflügelfleisch stark an. Derartige Nahrungsmittel wurden bislang nur wenig professionell angebaut, jetzt kommt es auch in diesen Bereichen vermehrt zu Projekten. Politisch gefördert wird der Reisanbau.

Geschäftschancen für deutsche Firmen bestehen in Côte d'Ivoires Landwirtschaft reichlich. Bayer und BASF sind in Abidjan mit Büros vertreten und legen dabei einen Schwerpunkt auf den Vertrieb von Agrotechnik. Die Tatsache, dass Bayer von Abidjan aus ganz Westafrika inklusive Nigeria und Ghana betreut, verdeutlicht die Bedeutung der ivorischen Landwirtschaft. Auch bei Landtechnik besteht eine hohe Nachfrage. Jedoch haben deutsche Marken in Côte d'Ivoire bislang keinen Markt. Führend bei Ackerschleppern sind New Holland, Landini, Massey Ferguson und John Deere.

Kapital fließt in Côte d'Ivoire seit einigen Jahren vermehrt in das Agro-Processing, also die Weiterverarbeitung von lokalen Agrarerzeugnissen wie Kakao (Barry Callebaut, Cemoi), Palmöl, Kautschuk (SAPH), Cashewnüssen (Olam) oder Reis (Dekel Oil). Insbesondere die Regierung möchte die Wertschöpfung vor Ort erhöhen und gewährt den Investoren hierfür Investitionsanreize. So wurde zuletzt gerade seitens der großen Kakaohändler viel in den Bau von Mühlen investiert. Etwa ein Drittel der Ernte wird nun lokal weiterverarbeitet, auch wenn der Großteil der Wertschöpfung nach wie vor in den Industrieländern stattfindet.

Nahrungsmittelindustrie in Abidjan erhöht ihre Produktionskapazitäten

Investitionen werden auch weiterhin in die Aufstockung der Kapazitäten der lokalen Nahrungsmittelindustrie fließen. So hat sich in den Abidjaner Industriezonen Youpogon und Vridi eine Vielzahl von Nahrungsmittelherstellern angesiedelt. Darunter sind internationale Gesellschaften wie Heineken (Brassivoire), Nestlé sowie auch lokale Produzenten wie Carré d'Or (Wasser, Tomatenmark, Verpackungen), Professional Food Industry (Verarbeiter von Kakao zu Süßwaren), Unifood (Süßwaren) oder Codinorm (Verarbeitung von importiertem Milchpulver).

Speziell auf dem Getränkemarkt setzt nach den großen Investitionen der letzten Jahre nun ein Verdrängungswettbewerb ein. Seitdem im Jahr 2017 Heineken zusammen mit dem französischen Distributeur CFAO seine Brauerei Brassivoire eingeweiht hat, muss der ehemalige Monopolist die französische Castel mit ihrer Société de limonaderies et brasseries d'Afrique (Sobibra) um den Markt kämpfen und erweitert ihre Produktpalette. Gerade deutsche Anbieter verfügen hierbei über sehr gute Chancen. So hat der Absatz von deutschen Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen nach Côte d'Ivoire in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Im Jahr 2017 lag der Auftragswert nach Angaben des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) bei etwa 7,4 Millionen Euro.

Politische Instabilität beeinträchtigt die Zukunftsplanung

Auch chemische Produkte für die Industrie wie Farb- und Konservierungsstoffe sowie Kunststoffe und Farben für die Verpackungen werden importiert. Einige der größeren deutschen Zulieferer für die Nahrungsmittelindustrie betreiben in Lagos/Nigeria ihre Westafrika-Niederlassung. Fragt man die dortigen Vertreter, bekommt man jedoch den Eindruck, dass bereits Nigeria die Kapazitäten voll absorbiert, sodass so gut wie keine Zeit für eine aktive Markterschließung in Côte d'Ivoire bleibt.

Wichtigste Voraussetzung für anhaltende Investitionen bleibt die politische Stabilität in dem westafrikanischen Land. Diese gilt als immer noch fragil. 2020 wird der amtierende Präsident Alassane Ouattara laut Verfassung nicht mehr zur Wahl antreten können und die spannende Frage wird sein, wie die Übergabe der Macht von statten geht. Schon die vorüber gehende Meuterei einiger Gruppen des Militärs sorgte Anfang 2017 für große Unsicherheit. Speziell größere internationale Unternehmen mit strikten Sicherheitsstrategien verbaten ihren Mitarbeitern kurzfristig die Einreise. Diese Vorfälle machen deutlich, auf welch wackeligen Füßen der afrikanische Outperformer der vergangenen Jahre noch immer steht. Gleichwohl bleibt der Ausblick für die Wirtschaft positiv. Für die Jahre 2018 und 2019 prognostiziert Economist Intelligence Unit (EIU) Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7,1 und 6,5 Prozent.

Dieser Artikel ist relevant für:

Côte d'Ivoire Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Entwicklungszusammenarbeit, Einzelhandel, Getränke, Nahrungsmittel

Kontakt

Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

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