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17.05.2018

Côte d'Ivoire will Westafrika mit Strom versorgen

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Private Kraftwerke werden ausgebaut / Bundesregierung finanziert erneuerbare Energien / Von Carsten Ehlers

Abidjan (GTAI) - Der Ausbau des Stromsektors in Côte d'Ivoire nimmt an Fahrt auf. Mehrere Kraftwerke werden erweitert oder neu gebaut und auch die Elektrifizierung wird vorangetrieben. In die Nachbarländer werden zudem Hochspannungsleitungen verlegt, die den Stromexport ermöglichen. Bei der Finanzierung spielen Geber eine wichtige Rolle, aber es fließt auch privates Kapital. Erneuerbare Energien dürften vor allem für die Eigenversorgung von größeren Unternehmen eine Rolle spielen.

Côte d'Ivoires Stromsektor erfährt eine Vielzahl von Investitionen. Die Regierung des westafrikanischen Landes verfolgt die Strategie, nicht nur den eigenen Markt mit Strom zu versorgen, sondern das Land zum großen Stromproduzenten für die ganze Region Westafrika zu entwickeln. Der Plan ist realistisch. Bereits jetzt versorgt das Land mehrere Nachbarstaaten mit Strom. Die gegenwärtigen Aktivitäten im Stromsektor schaffen die Voraussetzungen für den erweiterten Stromexport. So sollen die derzeit bei knapp über 2.000 Megawatt liegenden Stromerzeugungskapazitäten des Landes bis zum Jahr 2020 die 4.000 Megawatt-Schwelle überschritten haben. Côte d'Ivoire setzt dabei auf eine Mischung aus geberfinanzierten Projekten und privaten Investitionen.

Deutsche Unternehmen werden aufmerksam auf dynamischen Stromsektor

Für deutsche Unternehmen ergeben sich aus den Aktivitäten im ivorischen Stromsektor zahlreiche Liefer- und Beratungsmöglichkeiten. Zulieferer werden zunehmend aufmerksam auf das aufstrebende Land und nehmen wahr, dass es keineswegs nur französische Firmen sind, die den großen "Energiekuchen" unter sich aufteilen. Siemens hat im Jahr 2017 eine Niederlassung in Abidjan eröffnet.

Private Investitionen fließen in erster Linie in den Ausbau der Kraftwerke. Derzeit werden unter anderem die privat betriebenen thermischen Kraftwerke Ciprel und Azito ausgebaut. Daraus ergibt sich ein immer höherer Bedarf an importiertem Gas, mit dem diese Kraftwerke befeuert werden. Im Hafen von Abidjan soll daher ein Importterminal für Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LNG) errichtet werden. Vor allem mit chinesischer Unterstützung werden gleichzeitig Wasserkraftwerke wie das Ende 2017 eingeweihte Soubré gebaut. Weitere Dämme sind geplant.

Größere Vorhaben im Stromsektor in Côte d'Ivoire (Auswahl)
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung
Gaskraftwerk Compagnie ivorienne de production d'éléctricité(Ciprel)Independent Power Producer (IPP) 340 Im Bau. Erweiterung des IPP um 350 Megawatt bis 2020. Derzeitige Kapazität: 556 Megawatt. Finanzierung unter anderem durch die französische Muttergesellschaft Eranove.
Gaskraftwerk Aggreko IPP k.A. Geplant. Vage Ankündigung einer neuen Investition Mitte 2017. Das britische Unternehmen betreibt derzeit ein Gaskraftwerk in Abidjan mit 200 Megawatt.
Gaskraftwerk Azito IPP 400 Ausbau soll 2018 beginnen. Erweiterung um 30 Megawatt zu den jetzigen 430 Megawatt. Weltbank und International Finance Corporation (IFC) finanzieren 80 Prozent. Hauptinvestor ist die britische Globeleq.
Gaskraftwerk Songon 560 Im Bau, Fertigstellung geplant für 2018. Kapazität: 375 Megawatt. Gebaut von der China Energy Engineering Corporation (CEEC), finanziert vor allem durch die China Construction Bank sowie den Betreibern Endeavour Energy und Star Energy 2073.
Wasserkraftwerk Grobo-Popoli 313,4 Geplant. Geplante Kapazität: 112 Megawatt.
LNG-Terminal in Vridi 140 Geplant, Fertigstellung angestrebt für 2018. Ende 2016 erhielt das von Total angeführte Konsortium CI-GNL den Zuschlag für Bau und Betrieb der Anlage. Kapazität soll bei 3 Millionen Tonnen pro Jahr liegen.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Mittel für erneuerbare Energien vom BMZ

Durch die Verlegung von Hochspannungsleitungen in die Nachbarländer will Côte d'Ivoire zunehmend zum Energielieferanten für Westafrika werden. Die Leitungen werden im Rahmen des größtenteils von der Weltbank finanzierten West African Power Pools (WAPP) verlegt. Bereits seit Jahren existieren Leitungen in Richtung Osten und Norden nach Ghana, Burkina Faso, Togo, Benin oder Mali. Nun soll der Strom auch in Richtung Westen nach Sierra Leone, Liberia oder Guinea fließen.

Zu Projekten dürfte es in naher Zukunft im Bereich der erneuerbaren Energien kommen. So wird die KfW im Rahmen der "G20 - Compact with Africa"-Initiative 95 Millionen Euro für die Finanzierung von Fotovoltaik-Anlagen bereitstellen. Darüber hinaus wird die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ein Ausbildungsprogramm für den Energiebereich im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchführen.

Aufgrund der niedrigen ländlichen Elektrifizierung werden in Côte d'Ivoire Off-Grid-Netze in Ortschaften ohne Netzzugang installiert, zum Teil mit Unterstützung von Geberorganisationen aber auch durch Start-Ups mit ausländischem Risikokapital. Die ivorische Regierung sperrt sich nicht gegen erneuerbare Energien, unterstützt sie aber nach Einschätzung von Landeskennern auch nicht mit letzter Konsequenz. Zwar möchte die Regierung laut ihrem Electricity Generation and Transmission Master Plan bis 2020 einen Anteil von erneuerbaren Energien in Höhe von 34 Prozent und bis 2030 in Höhe von 42 Prozent erreichen, davon 16 Prozent ohne Großwasserkraft. Konkrete und für den Sektor wichtige Anreize werden von der Regierung bislang aber nur langsam angegangen, wie zum Beispiel die Senkung einzelner Zollsätze.

Fotovoltaik für die Eigenstromversorgung von Unternehmen interessant

Fotovoltaik-Anlagen für die Eigenstromversorgung von Unternehmen hält Steffen Müller, GIZ-Mitarbeiter im Projektentwicklungsprogramm der Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), für kommerziell sehr interessant. "Durch die in den letzten Jahren stark gestiegenen Industriestrompreise in der Côte d'Ivoire ist insbesondere bei Industrieunternehmen die Bereitschaft groß, auf Eigenerzeugung von Strom zu setzen. Für deutsche Anbieter von derartigen Lösungen bestehen derzeit daher gute Chancen für einen Markteintritt".

Der Strompreis, der vor einigen Jahren noch bei 10 bis 15 Cent je Kilowattstunde lag, erreicht für Industriekunden derzeit je nach Tarifstufe einen Preis von 20 Cent je Kilowattstunde. Als Investoren für derartige Anlagen kommen vor allem Unternehmen im Bereich der Konsumgüterindustrie und hier vor allem der Lebensmittelindustrie in Frage, die in Abidjan in großer Anzahl vertreten sind. Auch für Bergbauunternehmen wären derartige Lösungen unter Umständen vorteilhaft, zumal die Goldminenbetreiber in der Regel in abgelegenen Gegenden ohne Zugang zum Netz arbeiten müssen und ihren Strom aktuell über Dieselgeneratoren erzeugen. Das sehr konservative und zudem durch hohes Risiko geprägte Bergbaubusiness scheint in der Praxis jedoch eher zurückhaltend für derartige Lösungen zu sein.

Jedes Jahr 600.000 Einwohner mehr

Motor des schnell wachsenden Strommarktes ist die um circa zehn Prozent jährlich zunehmende Binnennachfrage nach Strom. Daran dürfte sich auch in den kommenden Jahren nur wenig ändern. Alleine die Demografie des Landes stellt steigenden Strombedarf sicher. Zu den derzeit etwa 23,7 Millionen Ivorern kommen jährlich etwa 600.000 Einwohner hinzu. Gepaart mit der fortschreitenden ländlichen Elektrifizierung steigt die Stromnachfrage der Haushalte in hohem Tempo an.

Hinzu kommt das hohe Wirtschaftswachstum. Côte d'Ivoire ist zwischen 2012 und 2017 das Land mit dem höchsten durchschnittlichen Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Afrika. Laut gegenwärtigen Prognosen dürfte das BIP-Wachstum auch in den kommenden Jahren bei deutlich oberhalb von sechs Prozent liegen. Speziell in Sektoren mit hohem Strombedarf finden viele Investitionen statt, wie dem Goldbergbau und der Konsumgüterindustrie.

Einziger Unsicherheitsfaktor dürfte die Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 sein, bei der der derzeit amtierende Präsident und Stabilisator des Landes Alassane Ouattara laut Verfassung nicht mehr antreten darf. Obwohl die Prognosen für einen geordneten politischen Wechsel derzeit recht optimistisch aussehen, kann ein erneutes Ausbrechen politischer Instabilität im Zuge der Wahlen nicht ausgeschlossen werden. Dies würde die Investitionsbedingungen auch im Energiesektor drastisch verschlechtern.

Institutionen im ivorischen Energiesektor
Name der Institution Funktion Webseite
Ministère du Petrole et de l'energie (MPE) Für den Stromsektor zuständiges Ministerium http://energie.ada.ci
Autorité nationale de regulation du secteur de l'électricité (Anaré) Regulierungsbehörde http://www.anare.ci
Compagnie Ivoirienne d'Electricité (CIE) Nationaler Stromversorger http://www.cie.ci
Association Ivoirienne des Energies Renouvelable (AIENR) Verband für erneuerbare Energien Präsident: Edi Boraud; E-Mail: edi.boraud@gmail.com

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Dieser Artikel ist relevant für:

Côte d'Ivoire Energie- und Wasserpreise, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Wärme- und Gasversorgung, Entwicklungszusammenarbeit, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft

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‎+49 228 24 993 238

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