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21.09.2015

Deutsch-algerischer Handel legt kräftig zu

Algerien stärkster Handelspartner Deutschlands in Nordafrika / Aussichten für Exporte von Maschinen bleiben gut / Von Fausi Najjar

Tunis (gtai) - Wachsende Einkommen aus dem Öl- und Gassektor haben in den letzten Jahren die Ausfuhren deutscher Waren nach Algerien kräftig unterstützt. Vor allem die Exporte von Maschinen und Kfz haben zugelegt. Der bilaterale Handel ist auch wegen der gestiegenen Lieferungen von Erdöl nach Deutschland gewachsen. Gefallene Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport werden die algerischen Importe grundsätzlich zwar verringern, doch die Aussichten für deutsche Lieferanten bleiben weiterhin gut.

Der deutsch-algerische Außenhandel hatte 2014 einen Umsatz von 5,145 Mrd. Euro. erzielt. Der Warenaustausch zwischen Deutschland und dem maghrebinischen Flächenstaat hat sich mit einem Plus von 143,2% gegenüber 2010 mehr als verdoppelt. Dadurch ist Algerien zum umsatzstärksten Handelspartner von Deutschland in Nordafrika aufgestiegen und liegt vor dem traditionell wichtigen Handelspartner Ägypten.

Ursache für die Umsatzsteigerung im deutsch-algerischen Außenhandel sind zum einen die gewachsenen Importe aus Algerien. Das Plus von 264,0% in den Jahren 2010 bis 2014 tragen die mengen- (187,7%) und wertmäßig (265,6%) gestiegenen Öllieferungen. Die Steigerung deutscher Lieferungen im gleichen Zeitraum von 84,2% nach Algerien tragen ebenfalls zum erhöhten Handelsvolumen bei.

Warenaustausch zwischen Deutschland und den nordafrikanischen Ländern 2014 (in Mrd. Euro)
Land Export Import Saldo Umsatz Export/Änderung gegenüber 2010 (in %)* Import/Änderung gegenüber 2010 (in %)* Umsatz/Änderung gegenüber 2010 (in %)*
Algerien 2,621 2,524 96 5,145 84,2 264,0 143,2
Ägypten 2,871 1,527 1,344 4,398 -5,1 58,7 10,3
Tunesien 1,317 1,616 -299 2,933 -17,4 15,6 -2,0
Marokko 1,711 906 804 2,617 24,5 48,0 31,7
Libyen 541 1,724 -1,183 2,265 -43,2 -44,4 -44,2

*) Wachstumsraten sind auf Basis nicht gerundeter Zahlen erfolgt

Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: September 2015

Wichtigste deutsche Ausfuhrgruppen nach Algerien 2014
Zollwarengruppe nach EGW Beschreibung der Warengruppe In Mio. Euro Änderung gegenüber 2010 (in %)*
885 Personenkraftwagen und Wohnmobile 247 18,4
887 Lastkraftwagen und Spezialfahrzeuge 235 153,6
841 Kraftmaschinen (ohne Motoren für Luft- und Straßenfahrzeuge) 206 729,2
891 Vollständige Fabrikationsanlagen 152 483,4
861 Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung 126 188,6
859 Maschinen, a.n.g. 105 15,1
834 Pharmazeutische Erzeugnisse 101 138,3
841 bis 859 und 891 Maschinen und vollständige Fabrikationsanlagen. 830 137,5

*) Wachstumsraten sind auf Basis nicht gerundeter Zahlen erfolgt

Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: September 2015

In den Jahren 2010 bis 2014 sind es vor allem die deutschen Maschinenexporte, die überdurchschnittlich zugelegt haben (137,5%). Hohe Steigerungen waren vor allem in den Jahren 2013 und 2014 zu verzeichnen. Zu den exporttreibenden Posten gehören Kraftmaschinen und vollständige Fabrikationsanlagen. Auch kleinere Ausfuhrgruppen, wie Hebezeuge und Fördermittel, landwirtschaftliche Maschinen (einschließlich Ackerschlepper), Maschinen für die Textil- und Bekleidungsindustrie, für das Ledergewerbe sowie Maschinen für das Ernährungsgewerbe und die Tabakverarbeitung haben kräftig zulegen können.

Deutsche Anlagen- und Maschinenbauer haben von den Bemühungen der algerischen Regierung profitiert die Leichtindustrie zu fördern. In der Schwerindustrie sind Petrochemie- und Stahlprojekte hingegen kaum oder wenig vorangekommen. Wann hier ein großer Absatzmarkt für Anlagen entsteht, bleibt offen. Auch in Zukunft wird die algerische Regierung versuchen, die schwache industrielle Basis des Landes auszubauen, auch um damit die hohen Importkosten etwa bei Stahl oder Zement zu reduzieren. Die Modernisierung bei den Zementwerken und der Bau neuer Raffinerien ist im Gange.

In den letzten Jahren haben sich starke Liefergruppen wie Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen, Pumpen oder Kompressoren zwar gut entwickelt, die Absatzentwicklung fällt aber gegenüber 2010 mit einem Plus von 6,7 und 34,5% schwächer aus als das Gesamtwachstum bei den Maschinenexporten. Aufgrund von zukünftigen Bau- und Wasserprojekten sind die Aussichten für diese beiden Posten gut, auch wenn typischerweise mit Schwankungen zu rechnen ist.

Deutsche Ausfuhren von Maschinen nach Algerien 2014 (in Mio. Euro)
Zollwaren-gruppe nach EGW Beschreibung der Warengruppe 2010 2014 Änderung gegenüber 2010 (in %)
841 Kraftmaschinen (ohne Motoren für Luft- und Straßenfahrzeuge) 24,8 205,8 729,2
891 Vollständige Fabrikationsanlagen 26 151,6 483,4
859 Maschinen, a.n.g. 90,8 104,6 15,1
849 Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen 69,3 93,2 34,5
845 Hebezeuge und Fördermittel 18,4 54,6 196,4
852 Werkzeugmaschinen 18,1 43 137,1
847 Maschinen für Textil-, Bekleidungs- und Ledergewerbe 1,4 40 2679,7
842 Pumpen und Kompressoren 28,4 30,3 6,7
843 Armaturen 13,1 23,7 80,9
854 Maschinen für das Papier- und Druckgewerbe 9,6 18 87,3
846 Landwirtschaftliche Maschinen (einschließlich Ackerschlepper) 4,9 15,7 219,7
853 Büromaschinen und Datenverarbeitungsmaschinen 21,5 15,3 -28,6
844 Lager, Getriebe, Zahnräder und Antriebselemente 10,8 13 20,8
848 Maschinen für das Ernährungsgewerbe und die Tabakverarbeitung 5,3 12,8 143,0
851 Maschinen für die Verarbeitung von Kautschuk oder Kunststoffen 4,5 7,1 57,2
850 Guss- und Walzwerkstechnik 2,3 1,1 -52,9
Gesamt 349,3 829,8 137,5

*) Wachstumsraten sind auf Basis nicht gerundeter Zahlen erfolgt

Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand September 2015

Bezeichnenderweise liegen die Ausfuhren von Pkw 2014 mit 18,4% gegenüber 2010 unter dem Durchschnitt. Hier hat es infolge von Lohn- und Gehaltssteigerungen im Zuge des arabischen Frühlings 2012 einen Importboom gegeben, seitdem sind die Absatzzahlen aber stark rückläufig. Auch in Zukunft wird die deutsche Ausfuhr von Pkw schwach bleiben: zum einen, weil die algerische Regierung die Pkw-Einfuhren drosselt, zum anderen, weil die algerischen Konsumenten ihr Geld eher für mittlerweile fertiggestellte Wohnungen ausgeben. Bei den Lkw und Spezialfahrzeugen ist das Importwachstum von 2008 bis 2013 jährlich um durchschnittliche 30,6% gestiegen; 2014 blieb der Absatz auf hohem Niveau stabil.

Ausfuhren von Kfz und Kfz-Teilen 2014 (in Mio. Euro)
Zollwarengruppe nach EGW Beschreibung der Warengruppe 2010 2014 Änderung gegenüber 2010 (in %)*
884 Fahrgestelle, Motoren und andere Teile für Kraftfahrzeuge 74,1 70,7 -4,7
885 Personenkraftwagen und Wohnmobile 208,8 247,2 18,4
886 Busse 11,8 0,0 -100,0
887 Lastkraftwagen und Spezialfahrzeuge 92,8 235,4 153,6
888 Fahrräder 0,1 0,0 -99,2
889 Fahrzeuge, a.n.g. 6,0 10,1 68,5
Summe 393,7 563,3 43,1

*) Wachstumsraten sind auf Basis nicht gerundeter Zahlen erfolgt

Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: September 2015

Einen weiteren wichtigen deutschen Lieferposten bilden die Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung. Die Steigerung bleibt angesichts der hohen Investitionen in Kraftwerke und Stromleitungen weit hinter dem Potenzial zurück. In die Nachbarländer Marokko und Tunesien sind die deutschen Lieferungen mit 152 Mio. Euro und 329 Mio. Euro deutlich größer. Überraschend gut haben sich die Ausfuhren der pharmazeutischen Erzeugnisse entwickelt: bei medizinischen Geräten und orthopädischen Vorrichtungen gibt es ein ordentliches Plus von 40,4%. Angesichts der hohen Bauinvestitionen in Krankenhäuser sind die Absätze bislang aber eher enttäuschend, das Wachstumspotenzial bleibt jedoch groß.

(F.N.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Algerien Außenwirtschaft, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

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