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12.09.2017

Deutsche Fleischexporte nach Asien wachsen sprunghaft

China 2016 bereits weltweit drittwichtigster Absatzmarkt / 2017 drückt Peking die Lieferungen / Von Frank Malerius

Bonn (GTAI) - Seit sich die ostasiatischen Märkte vor einigen Jahren für deutsches Fleisch geöffnet haben, sind die Ausfuhren dorthin sprunghaft gestiegen. Fast überall gehört Deutschland mittlerweile zu den größten Lieferanten und steigerte 2016 im Jahresvergleich seine Lieferungen um 50 Prozent. China ist dabei die weitaus wichtigste Destination. Dort haben deutsche Exporteure seit Jahresbeginn 2017 aber mit Hindernissen zu kämpfen.

Asien wird als Exportmarkt für deutsches Fleisch immer wichtiger. Denn während die Gesamtausfuhren von Fleisch zwischen 2011 und 2016 um fast 20 Prozent auf 10,2 Milliarden US-Dollar zurückgegangen sind, ist die Nachfrage nach Fleisch "made in Germany" in den acht wichtigsten Absatzmärkten in Ost- und Südostasien um 160 Prozent gestiegen. In der Folge stieg deren Anteil an den gesamten deutschen Auslandslieferungen von 5 auf 16 Prozent.

Durch das seit vielen Jahren hohe Wirtschaftswachstum in der Region sind Millionen Menschen in die Mittelschicht aufgestiegen und können sich reichhaltiger ernähren. Alleine China steht als weltweit drittwichtigster Absatzmarkt für fast 10 Prozent der deutschen Fleischlieferungen. In nahezu allen Ländern der Region verzeichnen die entsprechenden Exporte vom größten Produzenten Europas seit vielen Jahren hohe Wachstumsraten. So stiegen die Fleischausfuhren nach China 2016 im Jahresvergleich um 60 Prozent und nach Hongkong (SVR) um 40 Prozent. Bei den Lieferungen nach Japan gab es fast eine Verdoppelung.

Deutsche Fleischexporte *) (in Mio. US$, Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015 Veränderung 2016/2011
VR China 590,4 945,9 60 746
Südkorea 200,3 272,7 36 94
Hongkong 106,9 150,0 40 -53
Japan 48,7 94,0 93 2.625
Philippinen 64,2 85,8 34 347
Malaysia 15,7 19,9 27 79
Vietnam 19,2 18,7 -3 579
Thailand 12,6 13,6 7 159
gesamt 1.058,0 1.600,5 51 160

*) SITC 01

Quelle: Destatis

Nichttarifäre Hindernisse

Auch im 1. Halbjahr 2017 stehen hohe Wachstumsraten zu Buche. Eine Ausnahme ist jedoch China. Dorthin sind die Lieferungen um 56 Prozent eingebrochen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, werden die deutschen Fleischexporte in die Volksrepublik von knapp 950 Millionen US$ im Jahr 2016 auf nur noch 400 Millionen US$ im Jahr 2017 sinken.

Marktbeobachter sprechen vom Argwohn der chinesischen Behörden angesichts der in den vergangenen zehn Jahren so stark gestiegenen Einfuhren. Zuletzt waren einige deutsche Lieferanten wegen Kennzeichnungsproblemen gesperrt gewesen. Die Blockade wurde inzwischen aber wieder aufgehoben.

Darüber hinaus zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen bei verschiedenen Produktgruppen. So liefert Deutschland zu rund 60 Prozent Schweinefleisch nach China. Der Gesamtimport von Schweinefleisch ist in der Volksrepublik im 1. Halbjahr 2017 um 17 Prozent zurückgegangen. Bei Rindfleisch hingegen gab es im selben Zeitraum hingegen ein Plus von 9 Prozent. Wichtigste Lieferanten sind hier Brasilien, Australien und Uruguay.

Für weitere Marktöffnungen bei Nahrungsmitteln, für die noch die erforderlichen bilateralen Abkommen fehlen, wurde von den chinesischen Behörden bereits Widerwillen signalisiert. Mehr als anderswo wird in China der Umfang der Nahrungsmittelimporte nicht nur durch die Nachfrage der Verbraucher bestimmt, sondern vor allem durch Vorschriften. Dazu gehört unter anderem das geplante Lebensmittelzertifikat, das ab dem 1. Oktober 2017 die Einfuhr der meisten Lebensmittel erschweren könnte.

MKT201709118007.14

Bilaterale Vereinbarungen

Vielerorts in Asien wurde der Marktzugang lange durch nichttarifäre Hindernisse beschränkt. Grundlage für die Öffnung der letzten Jahre sind Veterinärvereinbarungen, die Deutschland etwa mit China, Japan und Südkorea in den vergangenen fünf bis zehn Jahren auf bilateraler Ebene - also jenseits der EU - geschlossen hat. Dafür prüft das Importland beispielsweise die tierärztlichen Gesetze oder Seuchenbestimmungen des Lieferlandes.

Für China gibt es seit 2008 eine entsprechende Vereinbarung. Seitdem muss jeder deutsche Fleischbetrieb, der nach China exportieren will, zertifiziert sein. Mittlerweile ist Deutschland in der Volksrepublik wichtigster Lieferant von Schweinefleisch und deckte dabei 2016 über 20 Prozent des Importbedarfs. Mehr als 60 Prozent der deutschen Nahrungsmittellieferungen dorthin sind Fleisch.

Deutsche Fleischexporte nach Asien *) (in Mio. US$, Veränderung in %)
1. Halbjahr 2016 1. Halbjahr 2017 Veränderung
Südkorea 91,8 211,3 130
VR China 480,1 210,1 -56
Hongkong 64,5 115,2 79
Philippinen 46,5 59,7 28
Japan 42,5 48,7 15
Vietnam 9,4 13,2 14
Malaysia 9,6 11,7 16
Thailand 7,3 7,1 -2

*) SITC 01

Quelle: Destatis

Steigende Nachfrage

Wichtigstes Zielland für deutsches Fleisch in Asien ist in den ersten sechs Monaten 2017 Südkorea, wohin fast ausschließlich Schweinefleisch geliefert wird. Auch die Philippinen haben sich zu einem starken Abnehmer entwickelt. Dorthin haben sich die deutschen Lieferungen in den vergangenen fünf Jahren verzehnfacht - Tendenz weiter steigend. Vietnam und Malaysia sind zwar noch kleine, aber wachsende Märkte.

In fast allen Ländern der Region ist der Importbedarf für Fleisch in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen. In China hat er sich fast verdreifacht und in den Philippinen mehr als verdoppelt. In all diesen Märkten sind die Einfuhren aus Deutschland aber weit überproportional gestiegen. In der Folge hat sich die deutsche Lieferposition fast überall verbessert.

Fleischimporte (in Mrd. US$, Veränderung in %) 1)

2011 2016 Veränderung 2016/11 Deutsche Lieferposition
VR China 3,5 10,1 198 3
Japan 13,6 11,9 -11 15
Hongkong 5,9 6,6 10 4
Südkorea 3,6 4,0 12 3
Singapur 0,9 1,0 3 14
Philippinen 0,4 0,9 107 5
Malaysia 0,7 0,8 24 7
Indonesien 0,3 0,6 78 -
Vietnam 0,2 0,3 2) 90 15
Thailand 0,1 0,2 2) 96 4

1) SITC 01; 2) 2015

Quelle: UN Comtrade

Noch immer sind etliche große Märkte der Region für deutsche Fleischlieferungen geschlossen. Etwa Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern, das praktisch kein Fleisch importiert. Oder das mehrheitlich muslimische Indonesien mit 260 Millionen Menschen, das kaum Bedarf an Schweinefleisch hat, aber vor allem aus Australien und Indien mit Rindfleisch beliefert wird. Hier hoffen Branchenbeobachter auf Öffnungen in den kommenden Jahren.

(FMA)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Asien-Pazifik können Sie unter http://www.gtai.de/asien-pazifik abrufen.

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Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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